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Never trust a smiling author

von Eruanna
GeschichteHumor, Parodie / P16 / Gen
23.10.2018
27.12.2018
8
12.448
4
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Dieses Kapitel
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02.12.2018 956
 
Zugeben, die Idee Melkor um den verdienten Schlaf zu bringen war nicht sonderlich klug. Dennoch hatten Curunír  (Saruman) und Mairon (Sauron) gehofft, das die zu erwartende Strafe nicht so schmächlich ausfallen würde. Denn nun litten sie auf unbestimmte Zeit unter einem Sprackkehler...

Ungläubig starrte Aule auf seine beiden besten Schüler hinunter, die einander wütend attackierten. Normalerweise waren sie äußerst sprachgewandt und ihre verbalen Schlagabtausche überaus belustigend. Aber nun schienen sie unter einem Fluch zu leiden, der die Konsonanten >k< und >f< vertauschte, sobald sie sich laut äußerten. Es war milde ausgedrückt verstörend ihrer Unterhaltung mit ausdrucksloser Miene zu lauschen. “Ich will wieder normal sprechen fönnen! Das ist alles deine Schuld Curu!” Bockig wie ein kleines Kind verschränkte Mairon die Arme vor der Brust. Seine goldenen Augen glitzerten vor Empörung. “Er wird es nicht merfen, hast du gesagt! Er schläkt tiek und kest, hast du gesagt! Deinetwegen sind wir nun bestrakt.” Der jüngere Ainu schürzte beleidigt die Lippen bei diesen Anschuldigungen  und machte damit Aules Frau ernsthafte Konkurrenz - oder wie die beiden jetzt sagen würden >Fonfurrenz<... Hoffentlich hatte Manwe von dieser Sache noch nicht Wind bekommen. “Woher sollte ich denn wissen, das er nur vor sich hin döst?! Er sah so aus, als würde er tiek und kest schlaken! Außerdem warst du Derjenige, der unbedingt den Kroschlaich benutzen wollte! Wasser allein hätte genügt. Aber nein, Mairon weiß es wie immer besser! Normalerweise hätte er es nicht gemerft. Aber du trampelst durch die Gegend wie ein Olikant!” Aule fuhr sich mit den Fingern durch das Haar, während er die unvermeidbare Prügelei aus sicherer Entfernung beobachtete. Eigentlich hätte er sich einmischen sollen. Aber erstens klang es so, als ob die beiden eine dringend benötigte Lektion erhalten hätten und zweitens hatte er keine Lust, wieder mit Melkor zu streiten. Dafür waren die Familienessen da. Manchmal zweifelte er selbst an dem Verstand der Valar. Aber da solche Gedanken ihn wahrscheinlich den Hals kosten würden, sprach er sie nie aus. Ganz im Ernst, warum versuchten sie es allen etwas vorzumachen? Sie wussten schließlich selbst die meiste Zeit nicht, was sie eigentlich taten. Die Elben verehrten sie wie Götter, dabei waren sie eher unvollkommene Wesen. So wie jedes Kind Erus. Perfektion konnten nur die Götter selbst erreichen. Die Ainur waren schwächer als die Valar und viele von ihnen waren nicht einmal annähernd erwachsen. Das galt insbesondere für diese zwei. Sie hatten nur Blödsinn, Streiche und Flausen im Kopf. Statt ihre Ausbildung ernst zu nehmen, wie zum Beispiel Aiwendil oder Olórin, strapazierten sie die Nerven aller mit ihren Aktionen. Es brachte nichts mit den Chaoten zu schimpfen, da sie sich für jedwede Kritik taub stellten. Vielleicht waren Melkors Erziehungsmaßnahmen die einzige Möglichkeit ihnen ihre Grenzen aufzuzeigen. Aber wer kam schon auf die Idee, einen der mächtigsten Valar mit Froschlaich zu begießen, während dieser schlief?! Mairon.
Es war ein Jammer, da er einer der talentiersten Schmiedelehrlinge war und sehr intelligent. Ob der Junge jemals erwachsen würde? Hoffentlich. Melkor war schließlich noch gnädig gewesen, denn eigentlich war Manwes Bruder ein Morgenmuffel und hasste es, aus dem Schlaf gerissen zu werden. Einzig sein Bruder konnte ihn wecken ohne um sein Leben fürchten zu müssen, da sie einander ebenbürtig waren. Mairon und Curu sollten dankbar sein. Aber natürlich sahen die Kindsköpfe nicht die Gefahr, in die sie sich brachten.
“Aule?” Die weinerliche Stimme ließ ihn hinunter blicken. Mairon klammerte sich an seine Rüstung und sah mit großen Augen zu ihm auf. Sein rot goldenes Haar war rettungslos zerzaust und er wirkte mehr denn je wie ein kleines Kind. Gegen seinen Willen musste der Schmied grinsen. Was für ein süßer Schelm der Kleine doch war. “Fannst du unseren Kluch brechen? Wir versprechen auch uns zu bessern! Aber wir wollen wieder normal reden!”
Langsam zog der Vala eine Augenbraue hoch. Die bittende Miene der Jungen blieb. Hm, war das Reue in seinen Augen? Das wäre definitiv Premiere! Aber es war Melkor gewesen, der die Jungs bestraft hatte. Eigentlich wollte sich Aule nicht in dessen Angelegenheiten mischen. Aber auch er hatte ein Herz. “Habt ihr euch denn bei Melkor entschuldigt? Denn ihr werdet beweisen müssen, das ihr es endlich verstanden habt. Reue und eine Entschuldigung allein reichen jetzt nicht mehr aus. Melkor war noch sehr gnädig.”
“Bitte, Aule! Wir tun alles, um wieder normal sprechen zu fönnen!” Kam es im zweistimmigen Chor. Belustigt verschränkte er die Arme vor der Brust. Wirklich alles? Das klang nach Spaß. “Wirklich alles? Würdet ihr auch von den Streichen absehen und vernünftig lernen? Immerhin geht es hierbei um eure Zukunft. Wenn ihr auch im Erwachsenenalter so unmöglich seid, wird eine Strafe ganz anders aussehen. Noch sind wir alle nachsichtig mit euch. Aber sobald ihr volljährig seid, ändert sich das.” Ein mehr als vielsagender Blickwechsel. Unschuldig nickten die beiden Jungs und benahmen sich auf einmal, als wären sie bereit alles zu tun. Aber so ganz überzeugt war der Schmied noch nicht. Nun gut, er würde mit den anderen Valar darüber sprechen. In der Hoffnung, dass er nicht selbst das Gespräch mit Melkor suchen musste. Schließlich ähnelten sie sich in vielerlei Hinsicht so sehr, das es unheimlich war.
“Nun, dann beweist mir mal euren guten Willen zur Besserung, indem ihr endlich eure Aufgaben verrichtet und anschließend euch bei dem Leidtragenden Melkor entschuldigt. Vor Zeugen wohlgemerkt.” Wahrscheinlich war er mal wieder zu weichherzig. Aber es waren immer noch Kinder, keine Erwachsenen! Da durfte man doch wohl etwas nachgiebiger sein, oder? Kopfschüttelnd über seine eigenen Gedanken beobachtete er den Eifer, mit denen die Jungs auf einmal in der Schmiede ihren Pflichten nachgingen. Wenn er es nicht besser wüsste, würde er meinen, das sie damit ihre Lieblingstätigkeit (Streiche zu planen) überspielen wollten.
Wirklich ein ganz böser Kluch, den sich Melkor da ausgedacht hatte...
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