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Never trust a smiling author

von Eruanna
GeschichteHumor, Parodie / P16
23.10.2018
27.12.2018
8
12.448
4
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Dieses Kapitel
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23.10.2018 1.384
 
Zusammenfassung: Obwohl sein geliebter Morgoth in der Verbannung schmachten muss, bemüht sich Mairon alias Sauron, endlich den Ehering zu reparieren bzw. einen Neuen anzufertigen, da er es Leid ist, seinen Beziehungsstatus wegen gewissen spießigen Valar zu verleugnen. Die Zeit drängt, denn aus lauter Langeweile besucht der dunkle Vala seinen Ehemann in dessen Träumen und stellt Fragen nach dem Verbleib des Rings. Und er darf nicht erfahren, dass der alte Ehering von einem nichtsnutzigen Elbenschmied namens Celebrimbor zerstört wurde...

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1620 Zweites Zeitalter, in Mordor (Mairons Sicht):
Mit zunehmender Ungeduld wartete ich darauf, dass das verzauberte Gold endlich erkaltete. Dieses Mal musste es einfach klappen! Es konnte doch nicht wahr sein, das es so schwierig war, eine identische Kopie des Eherings herzustellen. Meine bisherigen Versuche besagten Ring zu reparieren waren allesamt gescheitert. Schuld daran war, das mein Geliebter seine Notizen so unleserlich schrieb, das niemand außer er eine Chance hatte sie zu lesen. Damals hatte er die beiden Eheringe ohne mein Wissen geschmiedet und daher auch die notwendigen Schritte für sich behalten. Ich hatte nun verschiedene Verfahren benutzt und durch amateurhaftes Experimentieren zumindest einige Wege ausschließen können. Nur half mir das nicht wirklich weiter. Ironischerweise hatten Melkor und ich in der Nacht vor seiner Verbannung geheiratet. Nachdem wir Jahrhunderte lang unsere wirkliche Beziehung hatten verstecken müssen. Weder die Valar noch Eru waren sonderlich tolerant, wenn es um Liebe zwischen Männern ging, insbesondere, wenn diese nicht zu derselben Rasse gehörten. Was für scheinheilige Mistkerle! Spöttisch hatte man mir Melkors Ring überreicht, nachdem sie ihn verstoßen hatten und mich verhöhnt. Tsts, als ob ich es wirklich nötig hätte, von meinem Ehemann ständig beschützt zu werden. So schwach und hilflos war ich auch wieder nicht! Sie unterschätzten mich noch immer und genau das würde mir helfen, meinen Liebsten aus seinem Gefängnis zu befreien. Wenn ich es schaffte, ihm einen mächtigen magischen Ring in unseren Träumen zu übergeben ohne das Irmo es bemerkte, könnte ich damit vielleicht die Sicherheitsmaßnahmen umgehen und er von innen heraus die Zauber zerstören. Der Ring selbst war lediglich ein Gefäß, das meine ureigne Macht und Essenz in sich trug. Ich konnte in sein Gefängnis nicht einbrechen, aber theoretisch ausbrechen, da Mandos zu seinem Pech versäumt hatte, einen Urteilsspruch über meine Seele zu fällen. Unterlassungssünden konnten dem Urheber durchaus zum Verhängnis werden. Böse grinste ich und summte in meiner Muttersprache.
Bald war meine Festung fertiggestellt und damit ein weiteres Bollwerk zum Schutz unserer Liebe errichtet. « Herr? Uuh, ist das heiß hier. Wollt Ihr etwa qualvoll schmelzen? Verbranntes Fleisch ist nicht appetitlich! » Knurrend wirbelte ich zu dem Sprecher herum und starrte den dunkelhäutigen Stammesfürst finster an. Meine persönliche Schmiede war tabu und eigentlich wusste der Mensch das auch. Ich stellte Regeln auf, um nicht nur meine Privatsphäre zu schützen, sondern um meine Leibwächter, die hauptsächlich menschlich waren, vor genau dem Schicksal zu bewahren, das er gerade beschrieben hatte. Im Gegensatz zu ihm war ich ein Feuergeist. Nichts war entspannender als ein Bad in wundervoll heißer Lava - solange kein Melkor sich entschloss, einem Gesellschaft zu leisten. Das letzte Mal hatte seine Macht sie sofort erkaltet und es hatte Tage gebraucht, um mich daraus zu befreien. Wasser war etwas für Memmen. Mal abgesehen davon konnte ich es nicht leiden zu frieren.
« Dann halte dich an deine Anweisungen und komme nicht hierher! Für euch ist der Vulkan und meine Schmiede nicht ohne Grund verboten. Im Gegensatz zu euch Menschen macht mir die Hitze nichts aus. » In meinem Ärger bemerkte ich nicht, das ich meinen Lügen widersprochen hatte. Misstrauen flackerte sofort in den dunklen Augen auf.  Niemand von ihnen wusste, was ich wirklich war und da ich darauf achtete, Menschen zu rekrutieren, da deren Gedächtnis keineswegs herausragend und ihre Lebensspanne erbärmlich gering war, konnten sie mir auch nicht sonderlich gefährlich werden. Die nervtötenden Elben - allen voran die intrigante blonde Viper mit der betörenden Stimme - waren schon wesentlich schwieriger von meinem Charisma einzunehmen. Unverschämterweise suchten sie immer bei mir die Schuld und nannten mich böartigen Tyrann, wenn nicht sogar Schlimmeres. Wären sie dazu fähig, gnadenlos ehrlich zu sich selbst zu sein, dann waren der Neid und die Eifersucht für ihren Hass auf mich und meinen Gefährten verantwortlich. Wir hatten uns nicht darum geschert, das die spröden, engstirnigen und hirnrissigen Konventionen gewisser « höherer Wesen » unsere Liebe verdammte sogar verteufelte. Nein, wir hatten zueinander gestanden, woraufhin die Valar mit ihren blinden elbischen Schoßhündchen einen Krieg nach den anderen anzettelten. Missgünstige, kleingeistige, widerliche, barbarische, intrigante Kakerlaken!  
« Was soll das heißen?! Ihr seid kein Zauberer wie Saruman? Jördis hat so etwas bereits angedeutet. Er meinte, das Ihr bei den Elben als Annatar bekannt seid. Also habt Ihr uns alle die ganze Zeit belogen. Was seid Ihr wirklich? Ein widerliches Geschöpf Morgoths?! »
Bedrohlich langsam richtete ich mich zu meiner gesamten Größe auf. Auf einen Mitwisser, der vermutlich den Rand nicht halten konnte, hatte ich keine Lust. Ich wollte meine geistigen Fähigkeiten nicht damit verschwinden, seinen Geist die ganze Zeit zu überwachen. Nun, es würde wie ein Unfall erscheinen. Niemand würde meine Begründung seines Todes anzweifeln. « Vorsicht Iciar. Du bist nicht so unersetzbar für mich, wie du denkst. Wie die meisten deines Stammes ist auch dein Verstand zu beschränkt um die Wahrheit wirklich zu begreifen und die Hitze greift offensichtlich bereits dein Gehirn an. Maße dir nicht an nach der Wahrheit zu fragen. Es steht dir nicht zu. » Lächelnd ließ ich die Illusion soweit sinken, dass mein ureigenes Feuer deutlich in meinen Augen zu sehen war. Nicht nur Drachen konnten tödlich sein. Niemand spielte wissentlich mit dem Feuer, außer er war wahrhaft unsterblich. Keuchend griff der Mann sich an die Kehle und versuchte zurückzuweichen. Spöttisch beobachtete ich, wie die Verzweiflung und der Wahnsinn von ihm Besitz ergriffen, als er auf die unsichtbare Barriere in seinem Rücken stieß. Was für ein törichter Narr. Er sollte es besser wissen, als sich mit seinem Herren anzulegen. « Aber vielleicht solltest du die grausame Schönheit des Feuers am eigenen Leib erfahren, um endlich zu begreifen, wo dein Platz ist. Du warst die längste Zeit mein Leibwächter. » Ruhig spreizte ich die Finger und das geschmolzene Gold formte sich zu einer Schlinge, die ihn unbarmherzig auf die einsame Spitze über der Magmakammer zerrte. Lächelnd trat ich hinter ihn und schlang die Arme um ihn. Er heulte vor Schmerz auf. « Ein Feuergeist erträgt jede Art der Hitze. Zu deinem Pech bist du nur ein Mensch. Ich dulde keinen Verrat. Denn du trägst dich schon lange mit derartigen Gedanken. Sieh es als frühzeitige Erlösung. » Schreiend stürzte er in die Tiefe, kaum das ich ihn losließ. Zischend hieß die Lava ihn willkommen und ich spürte gleichzeitig, das nun endlich der Ehering vollendet werden konnte. Mein Geliebter hatte einen Menschen geopfert um seinerseits die Ringe zu erschaffen. Endlich kannte ich die Lösung des Rätsels. Ich hob beide Arme in die Höhe und rief jene Worte, die sich in den Runen meines Volkes in beide Ringe einprägen würden*.
Gleißendes Licht und unermessliche Hitze hüllten mich ein als ich vor mir die beiden Verbindungsringe mit reiner Willenskraft erschuf. Die beiden « Gefäße » waren vollständig mit der ureigenen Macht und Essenz meines Geliebten und mir selbst gefüllt. Sie würden ihn aus seinem Gefängnis befreien und dann wären wir endlich wieder vereint.
Ich lachte befreit und voller Hoffnung auf. Keine Chance, das ich mich jetzt noch aufhalten lassen würde. Erst Recht nicht von irgendwelchen elbischen Kleingeistern.
Zufrieden steckte ich meinen eigenen Ring an und hob belustigt die Augenbraue. Wenn das nicht ein interessanter Nebeneffekt war. Die Elbenringe, die Celebrimbor unter meiner Anleitung erschaffen hatten akzeptierten die beiden Verbindungsringe als Herrscher und ordneten sich freiwillig unter. Mehr noch, sie würden mir erlauben, diejenigen zu schwächen und ihrer Macht zu berauben, die uns Jahrtausende lang schon verfolgten und verdammten. Damit könnten wir endlich eine Welt schaffen, in der auch gleichgeschlechtliche Liebe von der Gesellschaft akzeptiert und nicht mehr bestraft werden konnte - wir könnten endlich in Frieden leben und diese fehlgeleiteten Völker aus der manipulativen Herrschaft der Valar befreien.
Dann könnte jeder über sein eigenes Schicksal bestimmen.

*Die korrekte Übersetzung der Runen der Ringe, von denen einer später als der Eine Ring bekannt wurde lautet: « Ein Herz und eine Seele in zwei Körpern. Durch alle Zeiten und über alle Grenzen sind wir für immer eins. Unsere vereinte Melodie wird der grausamen Welt ein Ende bereiten. Unser Aufstieg bedeutet der Fall des da gewesenen Übles. »
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