Soul2Soul

von Iphigenia
GeschichteRomanze, Übernatürlich / P16 Slash
23.10.2018
26.05.2019
18
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Hey :)) Ich hoffe ihr hattet alle einen guten Start ins neue Jahr und zur Feier des Tages gibt es heute ein extra langes *husthust* Kapitel (Zweieinhalb Wordseiten statt Eineinhalb lol). Jedenfalls viel Spaß beim Lesen ^^

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Suga

Die Spannung in der Luft ist beinahe greifbar. Wir halten den intensiven Blickkontakt aufrecht, ich, um früh genug gewarnt zu sein, sollte er sich doch entscheiden mich anzugreifen, und er wahrscheinlich um mich unter Kontrolle zu halten. „Wirst du Jimins Seele nehmen?“, fragt Hoseok mich schließlich. Kurz überlege ich. Er wird es merken, wenn ich lüge, aber mit der Wahrheit fälle ich womöglich mein Todesurteil. In Jimins Akte stand, dass die drei Seelenfänger, die vor mir diesen Auftrag hatten, verschwunden sind. Ich schlucke angespannt. „Ja“, sage ich, „Aber jetzt noch nicht“ Hoseoks Augen werden schmal und leuchten kurz golden auf. Er ist auch nervös, fällt mir auf. „Ich kann keine Lüge erkennen“, murmelt er. „Wann denn?“, hakt er lauter nach. Und dann merke ich, dass er ebenso unsicher sein muss wie ich. „Du weißt, dass ich dir das nicht sagen darf“, antworte ich. Hat der denn nicht schon die Seelen meine drei Vorgänger genommen? „Du darfst Jimins Seele nicht nehmen!“, ruft der pfirsich-farben Haarige plötzlich. Verwirrt runzel ich die Stirn. „Das ist mein Job. Ein Auftrag vom Tod“

„Das… Kann nicht sein, der Herr…“

Still beobachte ich ihn. Er hat den Kopf gesenkt, die Abwehrhaltung komplett fallen gelassen und scheint angestrengt nachzudenken. Ich verstehe nicht, was er von sich gibt, aber generell verstehe ich nichts mehr. Der Tod gibt doch keine Aufträge raus, die nicht existieren... Ich werde mit Namjoon darüber reden. Er ist intelligenter als ich. Vielleicht hat er eine Antwort. Ich räuspere mich. „Hör mal, Hoseok“ Er schaut mich wieder an, der Gesichtsausdruck misstrauisch. „Wir machen beide unseren Job und irgendetwas stimmt hier nicht. Ich schätze hinter Jimin und dir sind einige Monster her“ Ein Nicken. „Dann… Wie wär’s, für‘s Erste helfe ich dir, Jimin zu beschützen, er darf sowieso nicht vor seiner Zeit sterben, und in der Zwischenzeit versuche ich, eine Lösung zu finden. Deal?“ Wieder sehen mich goldene Augen an und nach einem kurzen Zögern streckt mir Hoseok seinen kleinen Finger entgegen. Der will nicht ernsthaft - Doch, er will. Ich mache ihm die Geste nach. „Deal“, sagt er mit fester Stimme.

„Du solltest wissen“, sagt er sich sichtlich unwohl fühlend, „Ich habe schon mit einem Druiden gesprochen. Er… ich habe ihn nach mehr Informationen über Jimin gebeten. Er wird sich in den nächsten Tagen bei mir melden“ Ich bin sprachlos. Dass jemand wie er seinen Herrn hinterfragt ist… ungewöhnlich. Über die Maßen ungewöhnlich. Als ich nicht auf seine Aussage eingehe, redet er einfach weiter. „Du hast Recht, etwas läuft hier falsch. Wie kann es sein, dass sich unsere Aufgaben schneiden? Das ist eigentlich unmöglich. Es sei denn, jemand handelt gegen die Regeln. Und – ich glaube nicht, dass es mein Herr ist“ Ich brauche einen Moment, um seine Worte zu verarbeiten. Dann nicke ich langsam. Er hat Recht. Ich kann mir kaum vorstellen, dass… Nein. Der Tod hingegen. Inzwischen traue ich ihm alles zu. „Was ist mit den anderen Seelenfängern passiert?“, breche ich das betretende Schweigen. Hoseok zuckt zusammen. Er fährt sich mit der Hand durch die Haare und sieht mich entschuldigend an. „Ich – Ich weiß es nicht“ Meine linke Augenbraue zuckt nach oben. „Du weißt es nicht?“, vergewissere ich mich mit Nachdruck. „Ich habe mich nicht um sie gekümmert, das war… jemand anderes“, gibt er zu. Ich seufze. Damit werde ich mich wohl zufrieden geben müssen.

Wir begeben uns in Richtung Uni, die nächste Vorlesung hat schon angefangen. Zumindest für mich. Auf dem Weg dorthin entdecke ich wieder das Mädchen von vorhin. Sie sitzt nun auf einer Bank direkt neben dem Eingang und scheint, genau wie eben, zu schlafen. Ich gehe an ihr vorbei, die Treppen hoch, sie ignoriert mich. Hoseok hingegen bleibt neben ihr stehen. „Hi, Ye-ji“, begrüßt er sie. Verwundert verweile auch ich an meinem Fleck oben auf der Treppe und schaue auf die beiden runter. Ich wusste nicht, dass die sich kennen. Vielleicht kann ich etwas Nützliches erfahren, wenn ich mich auch mit Hoseok anfreunde. Ye-Ji öffnet blinzelnd die Augen und begutachtet Hoseok einen Augenblick, bevor sie ihn wohl als unwichtig erachtet und ihn ebenfalls ignoriert. Enttäuscht dreht sich Hoseok weg und kommt mir nach. Drinnen spreche ihn an: „Du kennst sie?“ Er zuckt mit den Schultern. „Was heißt kennen. Sie hat mir mal geholfen und seitdem mag ich sie irgendwie“ Belustigt schüttel ich mit dem Kopf. Er ist leicht zu beindrucken. Das ist echt lächerlich. „Auch, wenn sie so abweisend ist?“ Ich weiß nicht, warum ich auf einmal so gesprächig bin. Es könnte der Einfluss von Hoseoks Aura sein, ich bin mir ziemlich sicher mal gelesen zu haben, dass sowas passieren kann. Hoseok lächelt. „Ja. Das gehört halt zu ihr und ich verurteile sie deswegen nicht. Außerdem bin ich mir sicher, dass sie eigentlich ein guter Mensch ist, sonst hätte sie mir nicht geholfen, oder?“ Bah. Der Typ verhält sich wie ein verliebter Teenager. „Was ist mit ihrer Aura?“ Hoseoks Lächeln verblasst. „Na ja, sie wirkt distanziert. Ihre Aura schreit förmlich ‚Bleib weg‘, aber ich glaube, dass ist ihrem Charakter geschuldet“ Ich hinterfrage das nicht. Seine Fähigkeiten übertreffen meine bei weitem in Sachen Menschen verstehen. „Und“, fügt er hinzu, „Es ist schon besser geworden. Am Anfang hat sie mich komplett ignoriert, so wie dich“ Vor den Türen des Hörsaals gehen wir ohne Abschiedsworte unsere eigenen Wege.

Ich kann Jimins interessierten Blick auf mir spüren, als ich mich leise auf einen unbesetzten Platz schleiche. Entweder der Professor bemerkt mich nicht, oder ihm ist es egal, in jedem Fall bin ich dankbar dafür. Ich könnte mich nicht noch in einem Saal voller Idioten rechtfertigen. Die Vorlesung zieht sich genauso wie die Erste, auch wenn ich die hier deutlich besser verstehe. Es ist langweilig, das Thema interessiert mich nicht und meine Gedanken wandern zurück zu Hoseok. Welchen Druiden hat er kontaktiert? Es gibt nicht so viele und die wenigen, die es gibt, sind recht reserviert und ich denke, dass es höchstens Zwei gibt, die ihm helfen würden. Aus freien Stücken zumindest. Und die Beiden, denen ich das zutraue, kenne ich persönlich. Also müsste ich getrost meine Recherche machen können, auch wenn ich den Einen ewig nicht mehr gesehen habe und es vorziehen würde, es bliebe so. Er ist ein manipulatives Arschloch, aber verdammt – er ist gut. Oder Hoseok hat mit Namjoon gesprochen. Ich frage mich nur, wie wahrscheinlich das ist. Das wäre ja schon fast zu sehr Zufall, um ein Zufall zu sein. Nur wer steckt dann dahinter? Hat sich Hoseok noch mit jemand anderen getroffen? Ich muss unbedingt mit Namjoon sprechen.

Sobald der Professor uns entlässt, sprintet Jimin auf mich zu. Shit. Ich könnte echt in Erklärungsnot geraten. Der Blonde stemmt seine Arme auf mein Pult und starrt fordernd auf mich herab. „Was war das zwischen euch?“, fragt er auch sofort. Gleichgültig packe ich meine Sachen zusammen. „Nichts“ Gekonnt ignoriere ich Jimins sprachlosen Gesichtsausdruck und stehe auf. „Nichts?“, wiederholt er entrüstet. „Ihr seid euch fast an die Gurgel gesprungen!“ Oh, er hat die Spannung doch bemerkt. Ich zucke mit den Schultern. „Frag deinen Freund“ Ich schlendere zum Ausgang und versuche so gut es geht Jimin auszublenden, der eingeschnappt (wahrscheinlich weil ich ihm die Details vorenthalte) neben mir her läuft. Junge, warum geht der auch neben mir? Ich bin schon wieder genervt. Die Menschenmasse, die sich an den Türen drängen, die Lautstärke und Jimin gehen mir so auf den Sack. Draußen ist es nicht besser. Es ist kalt, der Wind pfeift und ich habe wieder keinen Schal dabei. Kann es noch irgendwie schlimmer werden? Oh ja. Das kann es. Da Jimin mich scheinbar als seine dauernde Begleitung sieht, werde ich von ihm mitgeschleift, als er jemanden entdeckt, der sein Interesse weckt. „Hey, Taehyung!“, ruft er plötzlich wieder fröhlich und schlägt bei dem Neuankömmling ein. Taehyung… Den Namen habe ich schon mal gehört. Ich mustere ihn kurz. Und dann bemerke ich seine Aura. Es ist genau die gleiche wie bei Ye-ji. Und auch er ist ausgesprochen attraktiv mit den hellbraun gefärbten Haaren und den ebenmäßigen Zügen. Warum kann sich Jimin keine normalen Freunde suchen? Das wird anstrengend. Zumal ich Hoseok nirgendwo sehen kann. Jimin stellt mich Taehyung vor, der mich freundlich begrüßt, ganz im Gegensatz zu Ye-ji. „Was machst du hier?“, erkundigt sich Jimin an Taehyung gewandt. Dieser lässt seinen Blick über den Campus schweifen. „Ich warte auf jemanden“, antwortet er vage. „Ah, da!“ Er winkt ein paar Bäumen zu. Alles klar. Ich will ihn schon als gesucht-aber-nie-gefunden von der Klinik abstempeln, als sich der Baum bewegt. Genau genommen ist es der Schatten des Baums und er kommt auf uns zu. Erst dann bemerke ich, dass es eine ganz in schwarz gekleidete Person ist und, dass ich sie kenne. Ye-ji ignoriert Jimin und mich wie zuvor und bleibt vor Taehyung stehen. Die kennen sich auch?! So langsam glaube ich, dass jemand mir einen Streich spielen will. Mutmaßlich der Tod höchstpersönlich.

„Gehen wir?“ Ye-jis Stimme passt nicht so recht zu ihrem Äußeren. Ich hätte mir gut vorstellen können, dass sie raucht, aber ihre Stimme ist glasklar und auch genauso schneidend. Unwillkürlich denke ich an Kälte. Da passt Taehyungs tiefe Stimme besser zu seiner Milchbubi-Erscheinung. Oder Jimins besser zu – ja, wobei, sein hohes Stimmchen passt perfekt zu ihm. Nur warum denke ich überhaupt über sowas nach? Taehyung wirft seiner neuen Begleitung einen entschuldigenden Blick zu. „Sofort, ja?“ Dann wendet er seine Aufmerksamkeit wieder zu Jimin. „Das ist Ye-ji, meine beste Freundin, ich hatte eh noch vor, euch gegenseitig vorzustellen, passt ja irgendwie, oder Ji-Ji? HEY!“ Er dreht sich zu dem Mädchen um, aber sie ist nicht mehr da. Wenn ich nur so verschwinden könnte. Wir bekommen noch eine Entschuldigung, dann rennt Taehyung Ye-ji hinterher. „Warte doch mal!“, höre ich ihn rufen. „Ich muss dir noch von Jeongguk erzählen!“ Die Beiden entfernen sich aus meinem Blickfeld. Moment. Jeongguk? Wie Jungkooks neue Identität?
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