Soul2Soul

von Iphigenia
GeschichteRomanze, Übernatürlich / P16 Slash
23.10.2018
26.05.2019
18
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Hey :))
Ich habe in letzter Zeit wenig Motivation meine anderen Geschichten weiterzuschreiben und dann ist mir diese Idee gekommen und ich hatte wieder Motivation. Ich habe nichts vorgeschrieben, aber sollte jemand Bock auf diese Geschichte haben würde ich die anderen erstmal pausieren und mich hier drauf konzentrieren. Das war es dann auch schon. Ich wünsche eine angenehme Nacht.

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Die kühle Nachtluft weht um meine Nase und lässt mich frösteln. Ich schaue in den Himmel. Man sieht kaum Sterne, was wohl an den Lichtern der Stadt liegt. Gelangweilt werfe ich einen Blick auf die Uhr. Noch exakt drei Minuten bis Mitternacht. Ein junger Mann stellt sich an den Eingang der Gasse, in welcher ich stehe. Er bemerkt mich nicht. Noch zwei Minuten. Schnell blicke ich mich um. Außer uns ist niemand zu sehen. Gut. Noch eine Minute. Ich gehe auf den Mann zu. Sein Gesicht ist halb von der Kapuze seines Hoodies bedeckt und doch beleuchtet die nächste Straßenlaterne sein Profil sanft. Er sieht gut aus. Nur leider muss er sterben. Meine Sense lasse ich bewusst über den Boden streifen. Sofort zuckt mein Opfer zusammen. Er dreht sich um und stößt einen spitzen Schrei aus. Ich stehe direkt vor ihm. „Pscht“, mache ich und lege meinen Zeigefinger auf seine Lippen. Er beruhigt sich etwas. „W-Wer bist du?“, fragte er stotternd. Ich schenke ihm einen gelangweilten Blick. „Ist das nicht offensichtlich?“, erwidere ich. Kurz blickt mich mein Gegenüber verwirrt an, doch dann spricht er leise. Er scheint die Situation begriffen zu haben. „Ich… Habe mir den Tod immer nun ja,… etwas beeindruckender vorgestellt“, gesteht er. Ich verziehe den Mund. „Das tun viele. Mit schwarzer Kutte und ziemlich beängstigend, nicht wahr?“ Der junge Mann vor mich lacht peinlich berührt. „Ja, so in etwa.“ Doch dann bekommt sein Lächeln etwas Unheimliches. „Was ist?“, frage ich misstrauisch. Er antwortet mir nicht. Stattdessen zieht er ein blutiges Messer unter seinem Pullover hervor und kommt auf mich zu. Erschrocken stolpere ich zurück. Dieses Messer! Das Messer, ich kenne es. Die Sense in meiner Hand fühlt sich auf einmal bleischwer an. Ich lasse sie fallen. Klirrend trifft sie auf den Boden. Das Gesicht des Mannes hat sich inzwischen zu einer Fratze verzogen. „Na, na“, höhnt er, „Was ist das? Der Tod hat Angst?“ Er lacht hämisch. Ich fühle mich bedrängt, eingeengt. Plötzlich haben die Rollen getauscht. Er ist der Todbringer und ich sein Opfer. Ich trete einen Schritt zurück. Noch einen. Und noch einen und noch einen und ich stoße gegen eine Wand. Es gibt keinen Ausweg. Der Mann steht vor mir. „Hab‘ dich!“, lacht er. Das Messer stößt in meine Brust. Mitten ins Herz. Alles was ich spüre ist die schneidende Kälte der Klinge. Ich kann nicht schreien. Mir fehlt die Kraft dazu. „Du bist so erbärmlich“, flüstert mir die tiefe Stimme ins Ohr, bevor die Welt um mich herum schwarz wird.

~~

Schweißgebadet wache ich auf. Schon wieder. Ich habe diesen Traum regelmäßig. Genau genommen jede Nacht. Ich höre ein Poltern und die Tür wird aufgerissen. „Hyung?“ Ein verschlafener Jungkook steht im Türrahmen und sieht mich besorgt an. „Entschuldige. Habe ich wieder geschrien?“, frage ich seufzend. Mein Mitbewohner nickt. Eine Weile ist es still. Dann kommt er auf mich zu und schmeißt sich auf mein Bett. „Was wird das?“ Stirnrunzelnd sehe ich auf den Jüngeren hinab. „Ich bleibe“, nuschelt er in mein Kissen. Ich erwidere nichts. Er würde ja doch nicht gehen.

Später sitzen wir gemeinsam beim Frühstück. Ich schlürfe genüsslich an meinem Kaffe während Jungkook im Hintergrund die Brötchen nacheinander verschlingt. Bei den Massen, die er zu sich nimmt, ist es ein Wunder, dass er nicht zunimmt. Leider setzt das jedoch meiner Brieftasche zu. Ich zahle schließlich für den gesamten Haushalt. „Hast du heute noch etwas zu tun, Hyung?“, fragt Jungkook plötzlich mit vollem Mund. Ich hole mein iPad hervor und checke die Nachrichten. Die Anfragen von den letzten Wochen lösche ich, ohne sie mir durchzulesen. Doch mit einem Blick auf den Timer seufze ich und klickte auf die Anfrage von gestern Abend.

Oh Na-Eun, weiblich, 17 Jahre

Tod durch Selbstmord am 23.10.2018 um genau 13:53 Uhr und 14 Sekunden an der Seongsan Bridge.

Bitte stelle sicher, dass sie springt! Sie hat Zweifel, wie es scheint.


Mit einem Klick auf den grünen Haken akzeptiere ich den Job und ein geköpfter Smiley mit erhobenen Daumen und dem Schriftzug ‚Thank you‘ erscheint auf dem Display. Der Tod hatte schon immer einen sehr eigenen Geschmack. „Ja, habe ich“, sage ich und komme damit auf Jungkooks Frage zurück. Er lächelt mich breit an. „Kann ich mitkommen?“, drängelt er sofort weiter. Ich zucke mit den Achseln. „Ist nichts Spannendes. Nur 17 Jahre. Teenager sind so leicht zu beeinflussen“, versuche ich ihn abzuwimmeln. Doch Jungkook wäre nicht Jungkook, würde er aufgeben. „Das macht nichts. Ich muss trotzdem noch lernen und alles was du tust kann für mich wertvoll sein!“ Geschlagen lege ich meinen Kopf in den Nacken. „Also schön“, murmele ich.

„Du bleibst genau hier“, weise ich ihn zum x-ten Mal zurecht. Warum habe ich mich nochmal freiwillig gemeldet ihn einzuweisen? Ach nein, er wurde mir zugeteilt. Das war ich nicht. Jungkook verdreht genervt die Augen. „Ja, Hyung. Ich hab’s verstanden. Ich darf nicht eingreifen, mich nicht bemerkbar machen und auch nicht mit dir reden“ Halbwegs zufrieden mit seiner Antwort laufe ich auf dem Geländer der Brücke auf das Mädchen zu, welches schon seit einigen Minuten hinter der Brüstung steht. Sie atmet heftig und ihre Augen sind rot und geschwollen. Scheinbar hatte sie geweint. Ich setze mich mit etwas Abstand neben sie. „Warum springst du nicht?“, frage ich forsch. Mit Ruck fährt ihr Kopf zu mir. „W-Was?“, stottert sie. „Bist du taub?“, fahre ich sie an. Ihr Kopf zuckt zurück. „N-Nein, ich…“ Sie fängt wieder an zu heulen. „Ich hab Angst!“, schluchzt sie. „Ich hab so Angst!“ Gestresst fahre ich mir durch die Haare. Ich hasse es Menschen weinen zu hören. Es hört sich grauenhaft an. „Da ist nichts wovor du Angst haben brauchst“, bringe ich gequält hervor. Wieso muss die auch heulen?  Na-Eun schnieft. „Und wenn mich jemand vermisst? Oder mir helfen will?“ Ist das ihr Ernst?! Ich habe nicht alle Zeit der Welt und die Zeit läuft! „Wer soll dir denn helfen wollen?“, spotte ich. „Guck dich doch mal um. Hier ist niemand. Und guck dich an. Ganz verheult. Erbärmlich.“ Scheinbar machen meine Worte etwas mit ihr. Sie reckt das Kinn und sagt mit nur leicht zitternder Stimme: „Du bist hier“ Ungläubig schaue ich sie an. „Ich? Ich bin nur hier um dich sterben zu sehen“, verteidige ich meine Präsenz. Ich wäre auch lieber woanders. Ich hasse diesen Job. „So? Dann springe ich erst Recht nicht“, gibt das Problem von sich. Meine Geduld ist am Ende. „Meine Fresse, du verschwendest meine Zeit. Spring endlich“, fauche ich sie an. „Nein!“, schreit sie zurück. Das läuft gar nicht nach Plan. Ich gucke auf die Uhr. 13:54 Uhr. Verdammt! Ich bin zu spät. Normalerweise darf ich das nicht machen, aber dieses sture Mädchen lässt mir keine andere Wahl. Mit einem Stoß verliert sie das Gleichgewicht und stürzt schreiend in den Fluss unter uns. Keine Minute später schwebt eine lila leuchtende Kugel von der Größe eines Ping-Pong Balls vor mir. Na-Euns Seele. Ich schließe sie in ein dafür vorgesehenes Gefäß uns schicke es per Schattenpost ab. Geschafft. Ich zücke mein iPad und kontrolliere den Timer. „Was?!“ Wütend starre ich auf die Elektronik. „Warum ist der Timer nicht hoch gegangen?! Das sind 17 Jahre!“, knurre ich frustriert. Auf dem Bildschirm erscheint eine Nachricht.

Zu spät!, steht da. Der Smiley zeigt den Daumen nach unten und aus dem ‚Thank you‘ wurde ein ‚Game over‘. „Komm schon! Das waren 46 Sekunden!“, zische ich. „Ich brauche die Jahre echt dringend!“ Wieder ändert sich das Bild.

Streng dich mehr an. Ich schmeiße das Scheißteil im hohen Bogen in den Fluss. Kurz darauf erscheint es wieder in meiner Hand. Ich hasse diesen Job. Wer weiß, wann der nächste Auftrag kommt. Ich hieve mich hoch und stehe Jungkook gegenüber, der mich wieder mal besorgt anschaut. „Suga Hyung“, sagt er mit belegter Stimme. „Wie lange hast du noch?“ Ich seufze. „Sechs Tage“, antworte ich leise. Jungkook starrt mich geschockt an. „Sechs Tage?! Hyung, bist du irre? Kein Wunder, dass Namjoon Hyung gesagt hat du lebst gerne am Limit“, lässt er mich fahrig wissen. Ich sehe weg. „Wir sollten gehen“, ist alles, was ich noch sage. Jungkook folgt mir kopfschüttelnd. Ich weiß selbst, dass das schlecht für mich ist. Aber Seelen Verstorbener einfangen war nie mein Traumberuf. Beziehungsweise hatte ich nie das Bedürfnis, Menschen in ihren Tod zu führen. Und doch hängt mein Leben davon ab.
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