Ophelias spätes Glück

GeschichteRomanze, Freundschaft / P16
Falk Irmenfried von Hasenmümmelstein
22.10.2018
01.03.2019
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Kulinarisches Verwöhnen


Timo ging die Therapiesitzung langsam und behutsam an. Tatsächlich verlief sie viel besser als sonst. Er wob mehrere Übungen ein, die während einer Panikatacke helfen könnten. Zu Dritt wiederholten sie die Übungen mehrmals, bis Ophelia sie einigermaßen verinnerlicht hatte. Dann legte Timo ein großes weißes Blatt auf den Tisch und Stifte. „Male bitte Dein Haus. Nicht das reale, sondern das Haus, in dem Du Dich wohl fühlen würdest. Dein inneres Haus.“ „Malen kann ich.“ bemerkte Ophelia und wollte loslegen. „Halt!“ rief da Alea. Beide sahen ihn fragend an. „Ich möchte das auch malen!“ Kurz gingen die Augenbrauen von Timo etwas in die Höhe, dann stand er auf und reichte auch dem Sänger ein Blatt. Ophelia hatte es sich inzwischen auf dem Fußboden bequem gemacht. „Von Außen? Oder von Innen?“ wollte sie wissen. „Erst einmal von Außen.“ bemerkte Timo und lehnte sich entspannt zurück. Er würde jetzt Pause haben, dachte er. Tatsächlich begannen beide sofort mit dem Malen. Aber aus Entspannung für Timo wurde es nichts. Nach kurzer Zeit bereits war er fasziniert von den unterschiedlichen Vorstellungen der Beiden, dass er abwechselnd sich zu Ophelia und zu Alea hockte. So verging die Zeit, bis es an die Tür klopfte.

Falk inzwischen machte sich auf und ging einkaufen. Er hatte klare Vorstellungen, was es zum Essen heute geben sollte. Dafür benötigte er einige Zutaten. Unterwegs traf er noch jemanden, der ihn erkannte. Innerlich verdrehte er die Augen. Nicht mal Privat hatte er Ruhe... Äußerlich blieb er sehr freundlich. „Entschuldigung...?“ „Ja bitte?“ „Sind Sie nicht der … der... Falk Irmenfried von Hasen-Mümmelstein, von Saltatio Mortis?“ „Erwischt! Der bin ich!“ Er legte sein Berufslächeln auf und zeigte die weißen Zähne. „Ich wollte nur mal sagen....“ Falk hörte nur mit halben Ohr hin.  Er kannte die Worte schon, fast jeder Fan richtete sie an ihn. Oder an seine Kollegen. Oder an sie alle. Natürlich hörte er sonst, nach Konzerten, in Autogrammstunden, viel aufmerksamer hin. Aber hier war er privat und ärgerte sich ein wenig, dass es nicht respektiert wurde. Andererseits konnte er den Mann ja auch verstehen... „.... und dann kam der Anruf von der Schule. Was für Mist unser Kind da höre... als Erstklässler hätte er in Musik tatsächlich „Nie wieder Alkohol“ gesungen.“ Falk lachte leise auf. „Wie boniert manche Lehrer doch sind, engstirnig, und kennen sich nicht aus in der modernen Musik, was? Wie hast Du reagiert?“ „Och, ich habe ihr erklärt, dass sie mal in die Musik reinhören soll von Saltatio Mortis. Und meinem Sohn habe ich ein high-five gegeben!“ Falk klopfte dem Mann auf die Schulter. „Sehr gut! Nicht unterkriegen lassen!“ „Jedenfalls, herzlichen Dank für das Zuhören. Und nochmals 'tschuldigung, dass ich Dich einfach so genervt habe.“ „Du hast mich nicht genervt! Ich danke Dir, für diese schöne Episode! Alles Gute!“ Der Mann strahlte ihn begeistert an, dann ging er weiter seiner Wege.Und Falk konnte endlich einkaufen. Wobei ihm die Begegnung doch ein Lächeln ins Gesicht gezaubert hatte und er sich für seine unschönen Gedanken schalt. Jedenfalls hatte er dann eingekauft und schließlich angefangen zu Kochen. Erneut deckte er den Tisch sehr sorgfältig. Einen frischen Blumenstrauß für seine Liebste stellte er auf den Tisch und zündete die Kerzen im 5-armigen Leuchter an.

Die vereinbarte Zeit der Vormittagstherapie war schon längst überzogen. Falk wurde unruhig. Eigentlich würde er nie stören, aber jetzt, eine Stunde überzogen bereits... Er fasste sich ein Herz und ging zum Arbeitszimmer. Behutsam klopfte er an. Dann hörte er Schritte näher kommen. Eindeutig die seines Jugendfreundes. Inbrünstig hoffte er, dass Timo nicht sauer auf ihn ist. Endlich ging die Tür auf. Ein fragender Blick. „Es ist 13.15 Uhr.“ bemerkte Falk. Eindeutig erschrocken blickte Timo auf seine Uhr. „Mist! Verzeih, ich habe die Zeit total vergessen.“ Seine Hand deutete auf den Raum hinter sich, Falk schaut hin. Es ist ein friedliches Bild, dass sich ihm darbot, eine entspannte Szene: Seine Frau und Alea knieten sich auf dem Boden gegenüber, jeder hatte ein Blatt vor sich liegen und – malte. Absolut konzentriert waren die Gesichter und eine friedliche Entspannung lag darauf. Entwaffnet lächelte Falk, zärtlich. „Aber Du hast recht, uns an die Zeit zu erinnern. Hmmmm Du hast wieder gekocht? Das riecht.. so köstlich.“ Timo drehte sich um, klatschte in seine Hände und meinte mit fester Stimme: „Zeit zum Essen. Wir machen nachmittags weiter!“ Alea schreckte hoch, Ophelia wurde mit den Worten gar nicht erst erreicht. Wenn sie malte, vertiefte sie sich oft so sehr in ihr Tun, dass sie nichts mit bekam. Erst als Falk zu ihr trat und seine Hände durch ihr Haar gleiten ließ, tauchte sie aus ihrer Abwesenheit auf. „Oh... was ist denn?“ Sie schaute fragend Falk an. „Essen, mein Herz. Es wird kalt!“ „Was... oh... so spät schon?“ Ihr Blick hing an der Uhr, die im Raum die Wand zierte. Eine schlichte einfache Uhr, ohne Zierde. Rund, Zahlen und Zeiger, im neutralen Schwarz gehalten. Falk zog sie sanft auf ihre Füße. Alea war schon aufgesprungen.

Timo und Ophelia gingen mit Falk zusammen in die geräumige Essküche. Doch sie kamen nicht durch die Tür. Dort stand Alea und – staunte. „Wau... habe ich etwas verpasst? Hat wer Geburtstag oder so?“ „So huldigt man seiner Liebsten, Du Banause!“ grollte Falk und schob ihn in die Küche. „Wau, Du hast Dir da echt Mühe gegeben!“ staunte nun auch Timo. „Jetzt weiß ich, warum Ophelia Dir so verfallen ist!“ Dafür kassierte er einen kräftigen Knuff von seinem langjährigen Jugendfreund ein. Ophelia musste beiden Männern recht geben. Nicht jeder Mann unternahm so viel Mühe, um es seiner Frau behaglich zu machen. Sorgfältig gefaltete dezente braune Servietten lagen auf der schlichten beigen Tischdecke, der bunte Blumenstrauß in der Mitte war ein Hingucker. Die Kerzen waren ebenfalls braun und steckten in dem Messingkerzenhalter mit seinen 4 Armen, die kreisförmig um die mittlere Kerze aufragten. Flache Teller, auf denen Suppenteller standen, ein toller Anblick. Schon stellte Falk die Vorsuppe auf den Tisch und füllte die Suppenteller, während die drei Freunde sich hinsetzten. Auf jeden Teller kam noch ein Klecks Sahne und ein grünes Blatt. „Frisches Basilikum.“ knurrte Falk vor sich hin. Dann setzte er sich. „Guten Appetit!“

Auch der Hauptgang, Putenmedaillons mit Herzoginnenkartoffeln und Leipziger Allerlei war mehr als lecker. Und als Höhepunkt ein Mousse, von ihm selber zubereitet. Schokolade-Vanille, verziert mit dünnen Blumen aus Schokolade. Ophelia strahlte und schenkte Falk einen innigen Kuss für so viel Mühe. Timo räusperte sich, sichtlich gerührt „Also... das war wirklich sau lecker! Mensch Falk, das kann ich nie wieder gut machen!“ Zufrieden grinste dieser.
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