Ophelias spätes Glück

GeschichteRomanze, Freundschaft / P16
Falk Irmenfried von Hasenmümmelstein
22.10.2018
01.03.2019
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Die Band Saltatio Mortis und alles um sie herum, also ihre Musik und die einzelnen Mitglieder, gehören natürlich sich selber. Diese Geschichte ist rein erfunden und dient lediglich zur Unterhaltung. Auch verdiene ich kein Geld mit dieser FF.

Ich habe mich entschlossen, meine zweite Geschichte auch zu Beginnen. Vielleicht gefällt sie Euch ebenfalls.

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Gefühlte Stunden stand Ophelia schon vor Huxleys Neuer Welt in Berlin, mit 3 Jugendlichen, die rum alberten. Sie ging öfter mit ihren Kindern – gut, Kinder waren sie nicht mehr – ins Konzert. Oder zum Festival. Dankbar war sie, dass sie mit ihrer Musik die Kinder angesteckt hatte. Ja, Verzeihung. Jugendliche. Und natürlich wollten die Drei möglichst weit vorne stehen. Deshalb standen sie nun seit ewiger Zeit hier. Die beiden Mädchen diskutierten grad energisch mit dem hochgewachsenen Jungen darüber, was sie sich am Stand zu kaufen dachten. Und ob wieder der eine oder andere dieser coolen Band nach dem Konzert ins Publikum kommen würde? Die jugendlichwirkende Frau lächelte nachsichtig, auch stolz. Die Mädels sahen völlig gleich aus. Und damit war nicht nur die Kleidung gemeint – flippige Corsagenkleider.  Beide trugen ihre Braunen Lockenpracht wie die Mama offen, hatten grüne Augen. Waren die Mädchen wie die Mama relativ klein, sah der Junge  äußerlich nur unwesentlich anders aus – seine Größe war der entscheidende Unterschied. Er trug eine schwarze Hose, ausgefranst, und ein Bandshirt dazu. Waren sie letzten Monat noch auf dem MPS und hatten Saltatio Mortis erneut gefeiert, ist heute eine andere Band an der Reihe, ASP.  Endlich geht es rein.

Ein eingespieltes Team waren sie. Die Drei stürmten sogleich ganz nach vorne, während sie sich an die Theke stellte. Getränke organisierte. Eine der Töchter gesellte sich zu ihr, stellte sich hinter sie, um tragen zu helfen. Auf ihren beiden Seite stand bereits jemand. Sie kümmerte sich nicht darum. Ihre Tochter jedoch bemerkte sehr wohl, dass der linke Nachbar die Mama genau beobachtete. Und während sie noch auf ihre Bestellung warteten, ergriff die Tochter die Initiative. Sie rempelte ihre Mama einfach an, die – völlig überrascht – gegen den Mann prallte, der sie die ganze Zeit schon musterte. Kontakt hergestellt, dachte die Tochter und grinste, als der Mann ihre Mama auffing. „Nicht so stürmisch!“ Lachte er und wendete sich ihr zu. Die Tochter blickte total entgeistert. Das war doch.... „Entschuldigung! Das ist mir... peinlich!“ Errötete da ihre Mama? Hach, doofer Zeitpunkt, aber in dem Moment gab es die Getränke. Und schon waren sie auf den Weg zu den beiden Geschwistern.

Das Konzert begann. Die drei Geschwister standen in der ersten Reihe, Mama wie immer direkt hinter ihnen. Auch das war Tradition. Was die Mama nicht mitbekam war, dass eben jener Mann, den die Tochter offenbar kannte, sich neben sie stellte.

Charismatisch wie der Sänger war, war das Konzert einfach klasse. Sie sangen, sprangen, hüpften. Und als sie sich beim Nachbarn einhaken sollten, machten sie mit. Dabei fiel Ophelia ihr Handy aus dem Ausschnitt. Ja, dort verwahrte sie es immer bei Konzerten. Zeitgleich landete ein zweites Handy auf dem Boden. Gleiche neutrale schwarze Hülle. Sie bückte sich, stieß mit dem Nachbarn, mit dem sie eben noch getanzt hatte, zusammen. Kopf an Kopf. Erschrocken schaute sie zu dem Mann,  dieser blickte genauso erstaunt sie an. Braune Augen trafen auf Grüne. Beide griffen ohne hinzusehen nach dem jeweiligen Handy. Richteten sich dann auf, immer noch rieb Ophelia ihre Stirn. Ihre Kinder bekamen davon nichts mit. Zugabe, noch eine, dann war dieses Konzert vorbei. Ihre Kinder stürmten den Stand, sie selber setzte sich auf eine Treppe an der Seite. Sie sah, wie drei der Bandmitglieder sich dem Publikum stellten. So auch ihren drei Kindern. Die brachten ihre Beute erst einmal zu ihr, dann waren sie wieder weg. Fotos, Unterschriften. Sie schaute lächelnd hinter her. „Schon schön, wie selbstsicher die Drei hier unterwegs sind, was?“ Eine dunkle Stimme weckte sie aus ihren Träumereien auf. Sie hob ihren Kopf und blickte in warme braune Augen, umrahmt von graumelierten braunen Haaren und einem verwegenem Bart. Schüchtern – so war sie doch sonst nie! - lächelte sie. „Ja, sie sind wundervoll, meine Drillinge.“ Sie war stolz auf die 16 Jährigen, hatte sie sich doch bisher alleine mit ihnen durchs Leben geschlagen. Von ihren Eltern, die tolle Großeltern waren, mal geschwiegen. „Möchtest Du noch etwas trinken?“ bot der Fremde ihr an. Sie nickte zustimmend. Der Fremde stand auf, reichte ihr eine Hand und zog sie hoch. Fahrig strich sie ihr Kleid glatt, dass ihre zierliche Gestalt umspielte, bevor sie sich von dem Fremden, der galant ihre Hand in seine Armbeuge legte, sie zum Tresen führte.

„Tut die Stirn noch weh?“  Verwirrt blickte sie ihn an. „Was? Ach so. Nein, das geht schon!“ lachte sie. Er hob sein Bier und stieß gegen ihren Becher. „Falk ist mein Name.“ „Ophelia.“ Sie  schaute in das freundliche Gesicht. Irritiert bemerkte sie, dass er seinen Arm mit ihren verhakte und dann trank. Verwundert machte sie es ihm also nach. Brüderschaft trinken oder was wurde das hier? Ein Kribbeln machte sich in ihrem Bauch breit, längst vergessenes Gefühl. Braune und grüne Augen schlossen sich kurz, das Umfeld ausblendend, als Falk mit der freien Hand ihr Kinn anhob und sich ihrem Gesicht näherte. Ihre Kinder fanden sie genau in dem Moment, als Falk seine Lippen auf die ihrer Mutter legte.
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