Moontime's Hour

GeschichteDrama, Romanze / P18
Catherine de' Medici Kenna King Henry II of France
21.10.2018
26.12.2019
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Disclaimer: „Reign“ oder die darin verwendeten Personen gehören nicht mir, aber die verrückte Idee, Henry, Catherine & Co. in unsere Zeit zu versetzen, die gehört mir. :-) Die Verletzungen irgendwelcher Rechte sind nicht beabsichtigt.
Pairing: Catherine/Henry – Cathry
Rating: M / P16
Kategorie: Romance, Drama
Summery: Henry, der in seinem eigenen Gemach vergeblich nach Ruhe und Schlaf sucht, findet beides an einem für ihn unerwarteten Ort.




Moontime's hour


Kapitel 1


Fahler Mondschein schimmerte durch den Spalt zwischen den dunklen Brokatvorhängen des königlichen Schlafgemachs und warf einen breiten Lichtstreifen auf das Bett und das sich darin befindliche Paar. Henry, der seiner jungen Geliebten seinen Rücken zugekehrt hatte, starrte mit leerem Blick ins Halbdunkle und hing seinen Gedanken nach, die ihn einfach nicht zur Ruhe kommen lassen wollten. Zudem setzte ihm die anhaltende Hitze zu, die sich einem schweren, stickigen Schleier gleich über sein Land gelegt hatte.
„Ich denke, ich werde auch die Vorhänge und die Polsterungen austauschen lassen. Sie sollten zu den neuen Fliesen passen.“ Kennas Worte veranlassten ihn, sich trotz der hohen Temperaturen  das Laken über den Kopf zu ziehen und einen unterdrückten Laut der Verzweiflung auszustoßen. Anschließend bat Henry stumm um Vergebung für seine gewalttätigen Gedanken, die seine Gespielin mit ihrer Überlegung in ihm wachrief.

„Henry?“ Die feingliedrige Hand, die dabei nach ihm tastete, kollidierte mit seinem Nacken, sodass er genervt die Decke zurückschlug und sich aufrichtete.
„Kenna, findest du nicht, dass es reicht, wenn meine Gemächer tagsüber von Fliesenlegern, Schneiderinnen, dir und deinen kichernden Freundinnen okkupiert werden und ich vor lauter Baulärm keinen einzigen klaren Gedanken fassen kann? Musst du mir auch noch nachts mit diesem Unsinn in den Ohren liegen?“

Es gelang dem König Frankreichs nicht, seine Verärgerung zu verbergen. Seit er Marys Hofdame zu seiner Mätresse und ihr zugegebenermaßen leichtfertig einige Zugeständnisse gemacht hatte, kam er sich wie ein Fremder in seinem eigenen Schlafgemach vor. Er verfluchte sich selbst und sein unbedachtes Nachgeben in dieser Sache und fragte sich mittlerweile, ob das bisschen Spaß zwischen den Laken diesen ganzen Ärger überhaupt wert war.

Wann verstand Kenna endlich, dass ihre Eifersucht und ihr fortwährendes Jammern ihm allmählich den letzten Nerv raubten?
Alles was er wollte, war eine unkomplizierte Gespielin, die ihn des Nachts in ihre liebevollen Arme schloss und ihn die Bürde der Verantwortung für ein ganzes Land vergessen ließ, die er auf seinen Schultern trug. Körperliches Vergnügen ganz ohne nerviges Gejammer. Warum konnte Kenna das nicht verstehen? Mit wem glaubte sie, es zu tun zu haben? Einem einfältigen Trottel, der sich den Launen eines unreifen Mädchens hingab? Hatte sie vergessen, dass er niemand geringerer als Henry Valois, der König Frankreichs war?
Er wollte es einfach und unkompliziert, nicht anstrengend und frustrierend.  War das denn zu viel verlangt?

„Für mich ist das sehr wichtig und kein Unsinn!“, erklärte Kenna eingeschnappt, was den dünnen Faden der Geduld in Henrys Inneren zum Zerreißen brachte. Aufgebracht schwang der König seine Beine aus dem Bett und stand auf.
„Das ist mir egal. Und jetzt will ich kein Wort mehr darüber hören!“, brauste er auf.

Ohne Kenna die Chance auf eine weitere Erwiderung zu geben, griff Henry nach seinem Morgenmantel und verließ ohne weitere Erklärung sein Schlafgemach.

Nachdem er die Tür laut und unmissverständlich hinter sich zugeschlagen hatte, hielt er seine verblüfften Wachen mit einer herrischen Geste davon ab ihm zu folgen und bog in den angrenzenden Gang ein, der zu dieser nächtlichen Zeit menschenleer war. Dort blieb Henry für einen kurzen Moment stehen, schloss seine Augen und sog die herrliche Stille in sich ein, die ihn umgab.

Der kalte Boden fühlte sich wunderbar kühl unter seinen nackten Füßen an. Die letzten Wochen waren unnatürlich heiß gewesen. Tagsüber stand die Hitze nahezu und hatte selbst die massiven Mauern des Schlosses aufgeheizt.
Einzig zu nachtschlafender Zeit brachte eine laue Brise hier und da etwas Abkühlung.
So auch in dieser Nacht.

Henry folgte dem leichten Luftzug und fand sich wenig später an einer wenig frequentierten Balkontüre wieder, die verborgen hinter einer schwer einsehbaren Nische lag.
Der König trat hinaus und blickte empor zum Vollmond, der die Nacht mit seinem silbernen Glanz erhellte.

Seine Augen suchten ganz automatisch den Himmel nach dem Polarstern ab. Ein Fixpunkt am Firmament, der heller als alle anderen Sterne strahlte.
Einst hatte Catherine ihm diesen Stern gezeigt und ihm vom Mythos seiner Entstehung erzählt. Anschließend hatten sie sich unter freiem Himmel in einer ähnlich heißen Juninacht geliebt. Unter ihnen weiches Gras und über ihnen das unendliche Sternenmeer. Zu dieser Zeit war seine junge und schöne Frau sein persönlicher Fixstern gewesen.

Henry schüttelte seinen Kopf um die Geister der Vergangenheit zu vertreiben.
Jene Nacht war eine halbe Ewigkeit her. Sie waren jung und naiv gewesen. Verliebt und unwissend und ohne die Last der Verantwortung für ein ganzes Königreich, die nun schon so lange auf seinen Schultern ruhte. Und die Bürde, einen Erben hervorzubringen. Eine Aufgabe , deren Erfüllung sie beide schlussendlich entzweit hatte.

Doch es war müßig, den Schatten seiner Vergangenheit nachzujagen. Diese sorgenfreien, frisch vermählten jungen Leute von damals existierten nicht mehr.

Selbstvergessen schlenderte Henry weiter, folgte der Biegung und umrundete die Terrasse zum hinteren Flügel des Schlosses. Irrte er sich, oder führte sie zu Catherines Privatgemächern? Neugierig ging er weiter, bis er eine offene Balkontür erblickte. Henry spähte vorsichtig in den Raum, der einzig vom Schimmer des Vollmondes erhellt wurde.

Er erkannte die vertraute Einrichtung des Schlafgemachs seiner Gattin. Ganz unwillkürlich wanderte sein Augenmerk zu dem großen Bett.
Catherine hatte sich auf der linken Seite zusammengerollt und schlummerte friedlich. Aufgrund der Hitze hatte sie lediglich einen schmalen Streifen ihres Lakens um die Hüfte geschlungen, ihr Oberkörper und ihre Beine hatte sie ganz offensichtlich frei gestrampelt.

Zu Henrys heimlicher Freude trug Catherine diese Nacht ihr Haar offen, sodass es einem goldenen Halo gleich ihr sommersprossiges Gesicht einrahmte. Ein Anblick, der ihn faszinierte.
Mit angehaltenem Atem trat Henry einen Schritt näher und nach kurzem Zögern betrat er  ihr Schlafgemach. Seine Augen glitten über ihre zierliche, reglose Gestalt.

Es verblüffte ihn, wie klein und zart Catherine in ihrem Bett aussah. Normalerweise wirkte seine Frau größer als das Leben selbst und trotz ihrer geringen Körpergröße nahm sie mit ihrer aristokratische Präsenz und dem ihr eigenen, dominanten Auftreten augenblicklich jeden Raum ein, sobald sie ihn betrat.
Doch jetzt war nichts von dieser Dominanz zu sehen. Sie wirkte zerbrechlich und so zahm und friedlich, wie er sie schon lange nicht mehr erlebt hatte.

Henry widerstand dem Drang, sie berühren zu wollen und begnügte sich damit, stumm ihr Erscheinungsbild in sich aufzunehmen.
Wider besseren Wissens ging er auf ihr Bett zu. Seine Hand zuckte in dem Verlangen sie zu streicheln.

Neben dem Kopfende ging der König Frankreichs auf die Knie und betrachte fasziniert die vom Schlaf entspannten Gesichtszüge seiner Frau. Es verblüffte ihn, wie schön Catherine aussah, wenn sie ihn zur Abwechslung einmal nicht finster anstarrte oder mit ihren Blicken zu töten versuchte. Er hatte ganz vergessen, dass nicht nur seine Mätressen sondern auch sein kapriziöses Eheweib eine wahre Schönheit war.

Je länger er Catherine anstarrte, desto mehr schwand seine Selbstbeherrschung. Also gab er dem unbändigen Drang nach und zeichnete sanft die Kontur ihrer Wange mit seinem Zeigefinger nach. Danach hielt er unwillkürlich die Luft an und wappnete sich innerlich gegen das Donnerwetter, das nun jeden Moment losbrechen würde.
Doch zu seiner Verwunderung geschah rein gar nichts.

Angestachelt von seiner eigenen Tollkühnheit und mit der Mut des Furchtlosen wiederholte er diese Geste, spürte die weiche Textur ihrer Haut unter seiner Fingerkuppe.

Vermutlich hatte sie von einem Schlafmittel Gebrauch gemacht, denn sonst hätte seine Berührung sie garantiert geweckt. Also setzte sich Henry auf die Kante ihres Bettes und strich Catherine sanft das Haar aus ihrem Gesicht. Er liebte ihr Haar. Das hatte er schon immer getan. Schon seit dem Augenblick, als sie ihn bei ihrer ersten Begegnung scheu unter ihren langen Wimpern heraus angesehen und nervös eine lange, rotblonde Locke zurück gestrichen hatte.

Als Henry sich weiter zu ihr herab beugte, stieg ihm der vertraute Duft von Vanille und Kirschlüten in die Nase, woraufhin er genießerisch seine Augen schloss.

Es hatte Zeiten gegeben, da hatte er ohne sie an seiner Seite nicht einschlafen können. Zeiten, in denen ihr unverkennbarer Geruch all seine Sinne zugleich angesprochen hatte. Zeiten, in denen sie glücklich gewesen waren. Glücklich und verliebt.
Und plötzlich sehnte er sich danach, sich einfach nur neben sie zu legen, weiterhin ihren Duft in sich einzusaugen und endlich Ruhe zu finden. Eine Ruhe, die er in seinen eigenen Gemächern gegenwärtig nicht finden konnte.

Henry ertappte sich dabei, wie sein Blick auf die leere Seite des Bettes wanderte.
Warum eigentlich nicht?

Catherine schlief tief und fest und würde sicherlich auch durch seine Anwesenheit in ihrem Bett nicht aufwachen, solange er genügen Abstand wahrte und sich gleich zu Tagesanbruch davon stahl. Sie würde von seinem nächtlichen Besuch nicht einmal etwas mitbekommen.

Er kämpfte einige Sekunden mit sich, ehe er über sein schlafendes Weib stieg und es sich in ihrem Bett bequem machte.
Ihr süßer Duft hüllte ihn sogleich ein und es dauerte nicht lange, ehe der König Frankreichs im Bett seiner Gemahlin seinen lange ersehnten Schlaf fand.
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