Wenn Wünsche wahr werden

GeschichteRomanze / P16 Slash
21.10.2018
20.03.2019
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Auch wenns nun schon wieder ein paar Tage her ist: Für mich war das die schönste, berührendste und glücklichste aller SDL-Trauungen – zweifellos. <3
Hier daher noch ein wenig Hochzeits-Hütten-Erinnerungs-Hamburg-Vorfreude-Fluff :-)


**********

Boris gähnte und legte die Unterlagen zur Seite. Er hatte sich eine kurze Pause gegönnt vom Büro, war nach Hause gefahren und hatte sich über das Hotel informiert, in welchem er in wenigen Wochen seine neue Stelle antreten würde. In Hamburg. Ihrem neuen Zuhause. Er lächelte und sah hoch zu Tobi, auf dessen Beine er seinen Kopf gebettet hatte. Dieser war vertieft in eine Broschüre seiner Universität. Ein paar Tage noch und sie wären auf dem Weg in den Norden. Nur sie beide. Auf dem Weg in ein neues Leben. Ein gemeinsames. Als Ehepaar. Er sah zu seiner rechten Hand, die mit Tobis auf der Sofalehne verschränkt lag.

Einmal mehr zog die Hochzeit vor seinem inneren Auge vorüber. Tausendmal schöner, als er sie sich gewünscht hatte, hatte er zu Tobi gesagt – und genauso hatte es sich angefühlt. Noch immer wähnte er sich manchmal in einem Traum, wenn er an diesen Tag dachte. Mit Blick auf ihre Ringe wusste er, dass es Realität war. Dass sie verheiratet waren. Er spürte dieses unbändige Glücksgefühl, als die Standesbeamtin sie zu rechtmässig verbundenen Eheleuten erklärt, sie sich die Ringe angesteckt und – endlich – geküsst hatten. Nie würde er das vergessen. Genauso wenig wie die Feier, die Freude ihrer Familie und Freunde, die berührende Rede seines Vaters, Tobis Liebeslied und schliesslich die Karwendelhütte. Sein Lächeln wurde breiter, als er daran dachte, wie sie sich als erste von ihrer Hochzeit verabschiedet hatten, weil sie alleine sein wollten. In ihrer Hütte. Er schloss die Augen und sah sie vor sich – wunderschön hergerichtet hatte sie ihrem Tag die Krone aufgesetzt. Wie schon zwei weitere Male zuvor. Sie waren dort stets ganz bei sich – es gab nur sie beide. Sie beide und das, was sie verband. Seine Gedanken trugen ihn dorthin zurück – zu dieser Nacht.

**

Die Schneeflocken, die vor dem Fenster tanzten, liessen die Szenerie schon beinahe kitschig erscheinen. Und doch hätte er es nicht anders gewollt. Tobi und er hatten sich mit den grünen Sesseln ans Fenster gesetzt, hielten sich an den Händen und liessen den Tag auf sich wirken. Und da gab es viel wirken zu lassen. Die Nervosität am Morgen, Tobis Verspätung, die unerwartete und emotionale Versöhnung mit Christoph und schliesslich die Hochzeit, die trotz aller Umstände schlicht und einfach perfekt gewesen war. Er sah zu Tobi und dieser erwiderte seinen Blick. Sie lächelten sich an, blickten dann wieder in die Dunkelheit und tranken einen Schluck Champagner. Dieser Ort – seine Abgeschiedenheit, Wärme und Ruhe – hüllte sie ein. Angekommen. Das waren sie beide. Noch nie so sehr wie in diesem Augenblick – als Ehepaar. Boris spürte, wie Tobis Daumen seinen Handrücken streichelte. Wieder trafen sich ihre Blicke und dieses Mal hielten sie sich fest. Boris sah in Tobis Augen das, was er selbst fühlte. Verbundenheit, Vertrauen, Geborgenheit und diese ganz grosse Liebe.

Tobis Lächeln verstärkte sich, als er langsam aufstand und Boris' Glas aus dessen Hand nahm. Er stellte die Gläser auf den kleinen Tisch vor ihnen, richtete sich auf und sah Boris im selben Moment aufstehen. Langsam trat dieser vor ihn hin – den Blick stets auf Tobi gerichtet. Und wie damals – vor rund einem halben Jahr in ebendieser, ihrer Hütte – küssten sie sich. Lippen trafen auf Lippen, sanft, innig, suchend und findend. Sie lösten sich kurz, nur um sich sogleich wieder zu finden. Diesmal war es Tobi, der Boris unmissverständlich in Richtung Bett drängte – kurz davor jedoch innehielt. Leicht ausser Atem nach diesen Küssen, von denen er nie genug bekommen würde, niemals, lehnte er seine Stirn gegen Boris' und legte eine Hand an dessen Wange.
«Darauf warte ich schon den ganzen Tag», sagte er leise. Boris lächelte.
«Und ich darauf», erwiderte er und begann, die Knöpfe an Tobis Hemd zu öffnen. «Auch wenn ich mich an deinen Anblick im Anzug echt gewöhnen könnte.»
«Falls das ein Kompliment gewesen sein sollte, gebe ich es gerne zurück. Aber so gut du auch ausgesehen hast heute, das hier muss alles weg», sagte Tobi und machte sich nun seinerseits an Boris' Hemd zu schaffen. Wieder fanden sich ihre Lippen, während ihre Finger Knöpfe öffneten und ihre Hände nur Augenblicke später suchend unter Stoff und über nackte Haut glitten. Tobias seufzte.
«Danach habe ich mich so gesehnt», sagte Boris leise, als er Tobi von Hemd und T-Shirt befreit hatte – und seine Stimme liess diesen alles andere vergessen. Zu Verbundenheit, Vertrauen, Geborgenheit und Liebe hatte sich nun noch anderes gesellt. Gefühle, die die Augen dunkler und den Herzschlag schneller werden liessen. Sehnsucht, Begehren, Leidenschaft.
«Du bist schön», flüsterte Tobi, als er seinen Blick über Boris' nun ebenfalls entblössten Oberkörper wandern liess und alsbald wieder in dessen Augen eintauchte.
«Und du erst», gab Boris ebenso leise zurück, als er nach Tobis Hand griff, ihre Finger miteinander verschränkte und ihn wieder näher zog. Bis sie sich berührten. «Gott, ich liebe dich so sehr, Tobi.»
«Ich dich auch», erwiderte dieser, «ich dich auch», bevor er Boris' Mund mit dem seinen verschloss. Sich fallen liess und nur noch eines fühlte. Boris.

Die ganze Nacht. Die nur ihnen gehörte. Tobias und Boris Saalfeld.

**

Boris spürte, wie Tobias sich bewegte und öffnete widerstrebend die Augen. Als er wieder im Hier und Jetzt landete, sah Tobi ihn lachend an.
«Da wo du gerade warst, will ich auch hin», sagte er. «Muss schön sein da.»
«Ist es. Ich war in der Karwendelhütte. In unserer Hochzeitsnacht», antwortete Boris. Das Strahlen, das sich auf Tobis Gesicht ausbreitete, rührte sein Herz. Ohne ein Wort zu sagen, setzte er sich auf, schob sich dicht an Tobi heran und küsste ihn. So, dass auch dieser Hütte und Hochzeitsnacht wieder ganz deutlich vor Augen hatte.

«Unsere Hütte werd ich vermissen in Hamburg», sagte Tobi, als sie sich eine ganze Weile später wieder voneinander lösten.
«Wir können sie ja mieten. Jedesmal, wenn wir hierher in Urlaub fahren», meinte Boris.
«Ist es eigentlich wirklich okay, wenn wir jetzt weggehen? So kurz nach dem Tod deiner Mutter? Und wo du dich gerade erst mit Christoph versöhnt hast?»
«Ganz sicher. Ich will diesen Neuanfang. Mit dir.»
«Du denkst überhaupt nicht über das Angebot von Christoph nach, noch ein paar Monate hierzubleiben? Auch wenns natürlich völlig verrückt wäre, mir hier einen Privatdozenten zu bezahlen. Aber ich würds verstehen, wenn du zögerst.»
«Tu ich nicht. Keine Sekunde. Tobi, wir haben so viel durchgestanden in diesen letzten Monaten. Da ist so viel passiert und wir hatten so wenig Zeit, um einfach mal glücklich zu sein. Der Abstand wird uns guttun. Und die Zeit zu zweit. Ich will mit dir zusammen sein. Nur wir beide. Jetzt. Und nicht erst in ein paar Monaten.» Tobi lächelte und drückte seine Hand.
«Hamburg also.»
«Hamburg. Allerdings erst in ein paar Tagen. Solange muss ich am Fürstenhof noch das eine oder andere erledigen. Ich sollte auch gleich nochmal ins Hotel.»
«Muss das sein?»
«Nur kurz, okay? Ich bin bald wieder da.»
«Das will ich hoffen. Ich hatte vor, noch ein paar Erinnerungen an die Karwendelhütte wiederaufleben zu lassen.» Boris lachte.
«Ich beeil mich.» Er küsste Tobi und warf sich sein Jacket über die Schultern. Dessen Blick folgte ihm.
«Sieh mich nicht so an. So kann ich nicht weg.»
«Gut», sagte Tobi. Und Boris konnte nicht anders, als sich wieder zu ihm aufs Sofa fallen, in seine Arme ziehen und nochmals küssen zu lassen.

«Wenn du wüsstest, wie sehr ich mich auf Hamburg freue. Und darauf, noch ein paar freie Wochen mit dir zu verbringen», sagte Boris – das Gesicht noch immer ganz nah an Tobis.
«Flitterwochen in unserem neuen Zuhause», meinte dieser lächelnd.
«Ich werd dich keine Minute loslassen.» Er wusste, wieso frisch verheiratete Paare nach der Hochzeit üblicherweise verreisten. Und Zeit zu zweit verbrachten. Ganz genau wusste er das nun. Und er sah lebhaft vor sich, wie sie gemeinsam die Stadt entdecken, ihre Wohnung einrichten und sich ein neues, gemeinsames Leben aufbauen würden. Er konnte es nicht erwarten. «Ganz bald.»
«Musst du echt los?», fragte Tobi.
«Je früher ich gehe, desto früher bin ich auch wieder zuhause. Bei dir. Da, wo ich sein will.» Tobi legte nachdenklich den Kopf schräg.
«Wie wärs, wenn ich einfach mitkomme? Ich könnte mit Romy Pause machen, kurz bei Paul vorbeischauen und vielleicht einen Kaffee trinken mit meinem Schwiegervater.» Boris sah ihn leicht ungläubig an und Tobi lachte. «Okay, auf letzteres leg ich keinen gesteigerten Wert. Aber mitkommen?» Er konnte sich nicht helfen – er wollte bei seinem Mann sein. Boris lächelte.
«Nichts lieber als das», sagte er und war um jede Minute froh, die sie nicht getrennt waren. Gemeinsam machten sie sich schliesslich auf den Weg – Seite an Seite. So würde es ab jetzt immer sein. Und diese Gewissheit war alles, was sie beide brauchten. Denn das hier, das war Zuhause.
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