Gefallen

von Zweihorn
KurzgeschichteSchmerz/Trost / P12
19.10.2018
19.10.2018
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Have you ever felt like nobody was there?
Have you ever felt forgotten in the middle of nowhere?

Ich saß auf dem höchsten Baum des Parks; eine Eiche, 12 Meter hoch. Vor mir erstreckte sich der Alliston State Park mit seinem großen See und dem Wald. Die Baumkronen erinnerten mich an grüne Wolken, die vom Wind leicht hin und her getragen wurden und dabei ihre leise Melodie spielten. Sie sahen so weich aus.
An einigen Stellen spitzte ein grün-gelber Teppich aus halb ausgetrocknetem Gras hervor. Der Sommer war lang und heiß gewesen und selbst nun, gegen Ende der Ferien, wies immer noch recht wenig auf den nahenden Herbst hin. Gerade mal eine Handvoll der unzähligen Pflanzen hier begann ihre Blätter zu verfärben und diese verschwanden unter der Masse, die es noch nicht taten.
Eigentlich hätte es ein Tag aus dem Bilderbuch sein können. Nur vereinzelte Wolken zogen über den Himmel und die Vögel zwitscherten um mich herum, während sich die die Sonne auf dem Weg nach unten machte. Bald würde wieder das tägliche Spektakel ihres Verschwindens anfangen und während ich die helle Scheibe beobachtete, dachte ich wieder einmal darüber nach, wie es wäre mit jemanden hier oben zu sitzen. Jemanden, der meine Liebe teilte und sich genauso vor Leuten zurückzog wie ich.
Ich schüttelte mir den Kopf, um den Gedanken zu verscheuchen; es war Wunschdenken. Niemand war so verrückt oder komisch um mit mir befreundet zu sein und so etwas mitzumachen. Ich war ein Nerd und ein Looser – die Leute in der Schule sprachen ja nicht einmal freiwillig mit mir. Wenn ich länger darüber nachdachte, dann gehörte ich auch gar nicht in diese Idylle des Parks. Ich war es, der das Bild zerstörte, egal in welcher Situation es sein mochte.
Langsam erhob ich mich von dem Ast, auf dem ich saß, wobei ich mich am Stamm abstützte. Einmal wusste ich, was ich tat. Einmal war ich mir sicher, dass ich keinen Fehler machte. Einmal musste ich nicht auf die Bremse treten, bevor ich den Schlüssel umdrehte.
Ich brauchte nicht mehr aus dem Licht zu gehen, damit ich keinen Sonnenbrand kriegte, so war ich doch schon so lange im Dunklen gestanden und hatte gewartet.
Ich hatte darauf gewartet, dass man mich wieder finden würde, doch hatte gelernt, dass ich nicht dazugehörte, während die Anderen vergaßen, dass ich noch da war.
Ich wischte mir die Tränen vom Gesicht, während der Himmel sich vor mir orange färbte. Und plötzlich war ich am Fallen.
Für einen Moment fühlte ich mich frei wie eine Feder im Wind. So leicht und unbeschwert. Und es war ein schönes Gefühl einmal keine Sorgen zu haben.

Und dann traf ich auf dem Boden auf.
Eine Erschütterung ging durch meinen Körper und Schmerzen betäubten mich komplett. Ich konnte und wollte mich nicht bewegen, weshalb ich einfach in die rauschenden Blätter über mir und dem hellorangenen Himmel über mir schaute und wartete. Irgendjemand würde mich ja sicher finden. Irgendjemand. Jede Sekunde würde jemand kommen und mich finden. Jede Sekunde.
Doch ich lag da und wartete. Und es kam niemand. Und mir liefen die Tränen über das Gesicht, während der Himmel langsam dunkler wurde.
Did I even make a sound?
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