Geschichten von Khar'shan – In die Sklaverei

von Robidu
GeschichteSchmerz/Trost / P16
Commander Shepard OC (Own Character)
19.10.2018
25.09.2020
13
59.406
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Auftakt

Anm. d. Verf.: Was wäre, wenn die Ereignisse auf Mindoir sich etwas anders zugetragen hätten als im Spiel? Was wäre, wenn Shepard nicht von der Allianz gerettet worden wäre und stattdessen als Sklave bei den Batarianern lebt?
Zudem stört mich, daß die Batarianer als
die Bösewichte schlechthin portraitiert werden, von einigen sehr wenigen Ausnahmen einmal abgesehen. Es ist richtig, die Batarianer praktizieren Sklaverei – doch ist es wirklich so dunkel, wie es im Spiel über weite Strecken dargestellt wird? Die Reaktionen einiger Batarianer während der Trilogie lassen jedenfalls Schlüsse zu, daß es auch anders gehen könnte.
Auch ist verwunderlich, wie die Batarianer über so lange Zeit ihr Sternenreich haben aufrechterhalten können, da sie im Spiel nach meinem Dafürhalten doch recht inkompetent herüberkommen. Eine allzu ernsthafte Bedrohung für die restlichen Spezies stellten sie im Spiel jedenfalls nicht dar.

Um die batarianische Kultur besser zu verstehen, ist es empfehlenswert, wenn auch nicht zwingend erforderlich, die batarianischen Mythen und Legenden zu lesen, die ich in loser Abfolge verfassen werde, wenn sich die Notwendigkeit ergibt.



Sie kamen wie der berühmte Blitz aus heiterem Himmel. Niemand wußte, woher sie gekommen waren, doch urplötzlich wimmelte es auf den Straßen von Batarianern. Im nächsten Augenblick glichen die Straßen Skyrocks einem Hühnerstall, in den ein Fuchs eingefallen war. Leute liefen panisch umher und versuchten sich vor den Angreifern in Sicherheit zu bringen, kamen jedoch meist nicht weit, und diejenigen, die sich den Angreifern entgegenstellten, wurden entweder brutal niedergeschlagen oder kurzerhand erschossen.
Dabei hatte alles nach einem schönen Abend in Skyrock ausgesehen. Viele der Einwohner hatten sich im Stadtpark eingefunden, um das Jubiläum der Gründung Mindoirs zu feiern, während wiederum andere gerade zum Abendessen oder ins Holokino gingen, als die sprichwörtliche Hölle losbrach.

Irgendwann jedoch war es irgendwem gelungen, den allgemeinen Alarmcode in seinen Kommunikator einzugeben, jedenfalls begannen die Sirenen der ganzen Stadt zu heulen, doch die Angreifer ließen sich davon überhaupt nicht beirren. Stattdessen gingen sie weiter brutal effizient und methodisch vor, durchsuchten Wohnhäuser und Geschäfte, aus denen sie die verängstigten Leute auf die Straße trieben. Wer Widerstand leistete, wurde kurzerhand vor den Augen der anderen erschossen.

Schließlich begannen die Batarianer, die Gefangenen in verschiedene Gruppen aufzuteilen, welche dann mit Shuttles zu Frachtschiffen gebracht wurden, die im Orbit über Mindoir warteten.
Doch damit war die Tortur noch längst nicht vorüber. An Bord der Frachtschiffe angekommen, bekam jeder Mensch ein Implantat eingepflanzt, wobei die Batarianer nicht gerade zimperlich mit ihren Gefangenen umgingen. Zunächst wurden die Unglücklichen auf einem Tisch fixiert, bevor der Eingriff, natürlich ohne Betäubung, vorgenommen wurde. Mehr als einer von ihnen verlor dabei das Bewußtsein.
Was es mit diesem Implantat auf sich hatte, sollten die Gefangenen noch früh genug herausfinden, denn sobald die Batarianer auch nur das kleinste Anzeichen der Auflehnung oder der Aggression bemerkten, schickten sie ein kurzes Signal, das die Elektronik darin aktivierte. Niemand, der die so erzeugten Schmerzen erlebt hatte, legte Wert auf eine Wiederholung, zumal die Batarianer es nicht nur dabei bewenden ließen, die Aufsässigen so zu behandeln, sondern sie unterzogen gleich eine ganze Gruppe dieser Prozedur. Dies beendete nach recht kurzer Zeit jeden weiteren Widerstand.

~~~++~~~


Aufgeschreckt durch den Alarm in der Stadt, sprang Aaron Shepard aus dem Bett und rannte zum Fenster. Was um alles in der Welt war denn da los?
Als er den Vorhang etwas beiseite schob, wurde er blaß im Gesicht. Überall wimmelte es von Batarianern!
Batarianer auf Mindoir – das bedeutete überhaupt nichts Gutes!
Im nächsten Augenblick hörte Aaron auch schon, wie die Haustür sich mit einem Zischen öffnete und wieder schloß. Gleich darauf sah er seinen Vater, das Sturmgewehr, das dieser seit seiner Zeit bei der Allianz in seinem Besitz hatte, im Anschlag, sich an der Hauswand entlangschieben, anscheinend um möglichst ungesehen an die Eindringlinge heranzukommen.
Der Junge wußte aus Erzählungen, daß sein Vater weiland während des Erstkontaktkriegs bei der Rückeroberung Shanxis von den Turianern mitgeholfen hatte und daraufhin befördert worden war, doch hatte er sich nicht wirklich für die Details interessiert, wie er sich auch sonst normalerweise nicht für seine Eltern interessierte. Irgendwie kam es ihm so vor, daß er es ihnen überhaupt nicht recht machen konnte, egal was er tat, und ständig nörgelte sein Vater an ihm herum, oder es gab eine Tracht Prügel. Und dann auch noch, daß er gefälligst das zu tun und zu lassen hatte, was sein Vater von ihm verlangte, und wehe, er wagte es zu widersprechen! Dann konnte er sich fast sicher sein, daß Herr von und zu ihn nach Strich und Faden verprügelte.
Würde sein Vater daher jetzt erschossen, hätte er ihm sicherlich keine Träne nachgeweint. Stattdessen galt seine Sorge seiner eigenen Sicherhet. Was, wenn jetzt einer dieser vieräugigen Bastarde hier auftauchte? Wie sollte er sich denn bloß vor ihnen schützen?
Zwar hatte Aaron Hausarrest, doch sein Vater wollte sich mit irgendwelchen Batarianern anlegen, und seine Mutter war höchstwahrscheinlich gerade im Stadtpark, um an den Feierlichkeiten teilzunehmen, also wäre ohnehin niemand im Hause, der bemerken könnte, was geschah. Allerdings mußte er sich noch irgendwie schützen, wenn er das Weite suchte, doch wie sollte er das überhaupt sinnvoll hinkriegen? Dann fiel ihm ein, daß sein Vater immer eine geladene N7 Eagle in seinem Nachttisch liegen hatte, für den Fall des Falles, wie er immer gesagt hatte. Dieser Fall schien nun eingetreten zu sein.
Kurz entschlossen betrat Aaron das Schlafzimmer seiner Eltern und untersuchte den Nachttisch. Zu seiner Erleichterung war die Schublade nicht abgeschlossen, und die Pistole befand sich auch noch darin.
Sehr gut, dachte der Junge, als er die Pistole an sich nahm. Jetzt lieber nichts wie weg!
Ohne sich noch einmal umzudrehen, machte sich Aaron auf dem Weg zur Hintertür des Hauses. Vielleicht gelang es ihm ja, dungesehen durch den Garten zu entkommen. Zugegeben, es gab nicht wirklich etwas, das ihn mit diesem Haus verband, und alles erinnerte ihn nur an übellaunige Eltern, die ihren Frust bevorzugt an ihm ausließen. Bis auf eine Sache...
Kurz entschlossen machte Aaron kehrt, um noch einmal in sein Zimmer zurückzukehren.
Rasch zog er die kleine Kiste unter seinem Bett hervor, öffnete sie und nahm den Inhalt heraus: Es war ein kleiner Ring, den ihm eine Freundin vor zwei Jahren geschenkt hatte, die er zwei Jahre zuvor auf Sirona kennengelernt hatte.
Wehmütig dachte er an die zwei Monate zurück, die sie gemeinsam verbracht hatten, waren sie doch die besten zwei Monate in seinem bisherigen Leben gewesen – zumindest seit sein jüngerer Bruder Michael da war. Dieser war seitdem der Liebling seiner Eltern.
Wie sehr er seinen Bruder dafür haßte! Warum konnte er nicht hier sein und von den Batarianern mitgenommen werden? Die Welt war einfach nicht gerecht!

Aaron zuckte zusammen, als sich die Tür zu seinem Zimmer mit einem Zischen öffnete, und als er sich umdrehte, wurde er kreideweiß im Gesicht. Dort stand ein Batarianer, den er überhaupt nicht bemerkt hatte! Anscheinend hatten die Erinnerungen an seine Freundin ihn doch zu sehr von dem Geschehen draußen abgelenkt, und jetzt war guter Rat verdammt teuer!
Das nächste, was der Junge spürte, waren zwei Einstiche in seinem Oberkörper, auf die im nächsten Augenblick fürchterliche Schmerzen folgten. Dann wurde es dunkel um Aaron Shepard herum.