Just one more Ŧime

KurzgeschichteDrama, Romanze / P18
Osamu Dazai
18.10.2018
18.10.2018
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Einmal noch.
Ein letztes Mal noch.
Dann niemals mehr.

Er wollte es nur noch einmal tun und nie wieder. Die Gefahr war zu groß und er konnte es sich nicht leisten, dass noch mehr unschuldige Menschen wegen ihm starben. Deshalb musste er es beenden, egal wie schmerzhaft es auch werden mochte. Schließlich war es die letzte Möglichkeit Leben zu retten. Ihr Leben zu retten.
Dazai öffnete die Augen und blickte auf das blaue Meer hinaus. Ruhig lag es vor ihm, das Rauschen wirkte wie eine Meditation für seine Seele. Ruhe. Ein göttliches Geschenk, das er doch nur selten in seinem Leben bekommen hatte. Genauso selten wie die ewige Liebe. Schmerz erfüllte seine Brust, wenn er an seinen egoistischen Plan dachte. Aber es musste sein. Besser war er egoistisch, als sie sterben zu sehen. Blau waren sie, ihre Iriden. Blau wie das vor ihm liegende Meer. Und genauso schenkten sie ihm auch eine gewisse Ruhe. Dazai wusste, dass er mit dem Feuer spielte. Obwohl das keine ungewöhnliche Aktivität seinerseits war, konnte es in diesem Fall ziemlich ausarten. Aus diesem Grund wollte er vermeiden, dass ihr kostbares Blut an seinen Händen kleben würde. Sein Blick wurde ernst. Schnell wandte er sich von dem Meer ab, ließ die strahlende Sonne seinen Rücken wärmen. Tatsächlich war es ein ungewöhnlich schöner Herbsttag, keine Spur der kommenden Kälte, die Dazai in seinem Leben immer begrüßt hatte. Sommer war nie die Zeit gewesen, in dem er sich gerne bewegt hatte. Denn in dieser Zeit begaben sich zu viele Menschen auf die Straßen. Verhasste Menschen mit ihrem Frohsein, die Dazai damals nicht haben konnte. Nein, sein ganzes Leben hatte er der Port-Mafia  gewidmet. Das Leben anderer zählte genauso wenig wie seins. Blut klebte fast jeden Tag an seinen Händen. Einige aus der Mafia hatten am Anfang ihrer Karriere den Verstand verloren, doch nicht er.  Dazai war das lebende Vorbild eines blutrünstigen Killers gewesen. Der Winter hatte in seinem Herzen geherrscht, Eis waren seine schützenden Mauern. Doch jetzt lagen diese Zeiten weit hinter ihm.
Dazai Osamu hatte ein neues Leben in der Agency begonnen. Hatte neue Freunde gefunden und neue Feinde erschaffen. Nichts aus dem alten Dasein wollte der Braunhaarige wieder sein oder in sein Leben lassen. Der Gedanke war einfach, die Umsetzung war ihm viel schwerer gefallen. Denn sein altes Leben bestand nicht nur aus der Mafia und der Tötung verschiedener Menschen. Da war etwas, das er vergessen hatte. Es gehörte zu seiner Vergangenheit und zu seiner Gegenwart, und wie sehr wünschte er sich, dass es auch zu seiner Zukunft gehören würde. Leider war dies nicht möglich. Seufzend fuhr Dazai seinen Weg fort. Zu lange verharrte er am Ufer. Wenn er zu spät kam, würde es sicher Ärger geben. Keinen Ärger vom Chef oder von Kunikida. Bei der Vorstellung seines hitzköpfigen Freundes musste Dazai unweigerlich grinsen. Der Blonde war wirklich eine gute Seele. Auch er hatte es nicht leicht gehabt. Aber vielleicht leichter als Dazai. Er steckte die Hände in die Hosentaschen und ging an einem kleinen Café vorbei, blieb davor stehen. Durch seine Reflexion hindurch betrachtete Dazai den am Fenster stehenden Tisch. Ein leichtes Lächeln bildete sich auf seinem Gesicht. Genau dies war der Platz gewesen, an dem der Braunhaarige sie zum ersten Mal getroffen hatte. Bevor er es überhaupt selbst realisieren konnte, hatte sich Dazai Hals über Kopf in diese Frau verliebt, wofür er seine Mafia-Existenz aufgegeben hatte.
Madeleine.
Allein der Name zerfloss auf seiner Zunge wie Schokolade und hinterließ einen dezent bitteren Beigeschmack. Einer, den er immer wieder gern kosten würde. Vielleicht war es zu viel seiner Einbildung, aber ihre Lippen schmeckten nach frischen Kirschen und ihr Haar roch nach Honig. Ihr seiden glattes Haar, das sich immer wieder zwischen seinen Fingern verfing wie silberne Fäden. Dazai senkte den Blick, strich sich knapp über sein Gesicht und ging wieder weiter. Kurz vor sieben. Langsam sollte er sich beeilen. Der Braunhaarige wusste genau, dass Madeleine es hasste, wenn er zu spät aufkreuzte. Süß war es, wie sie sich dann wütend mit roten Wangen in die Tür stellte und er sie immer wieder hochheben musste, um in die Wohnung zu gelangen. Zugegeben, aus diesem Grund kam Dazai des Öfteren absichtlich zu spät. Vielleicht sollte er sich heute auch Zeit lassen.
Lächelnd blickte er in den Himmel. Ja, das sollte er.


Knapp nach sieben Uhr klingelte es.
Dazai war zu spät. Wie erwartet. Doch dieses eine Mal würde sie ihn gewähren lassen. Das Spiel hatte sie zu lange mitgespielt und nach der dritten Verspätung hatte Madeleine es endlich begriffen. Als sie die Tür öffnete, stand Dazai in seiner braunen Jacke wie immer typisch lächelnd vor ihr. „Ich wünsche dir einen wunderschönen Abend.“ Vorsichtig nahm er ihre Hand und platzierte einen Kuss auf dessen Rücken, ehe er eine Rose aus seiner Tasche hervorzauberte. „Ich entschuldige mich für diese Rose. Sie ist im Vergleich zu dir wirklich nicht bezaubernd.“ Augenrollend nahm Madeleine die Blume an und ließ ihn in die Wohnung spazieren. Das Licht war gedämpft, als Dazai das Hauptzimmer betrat. Von irgendwoher vernahm er einen Zimtduft. Räucherstäbchen, Madeleines Schwäche.
„Gibt es heute etwa kein Abendessen?“ Spielerisch nahm Dazai das Weinglas in die Hand und betrachtete die Frau durch das Gefäß. Ihre pastellilanen Haare fielen glatt um ihre Hüften, glänzten im schwachen Licht wie pures Silber. Dazai bewahrte seine Mimik, obwohl es ihm schwer fiel.  Die schwarze Hose schmeichelte ihren schlanken Beinen, die Bluse brachte das Richtige zum Vorschein. Unter seinen Fingern kribbelte es. Sein Körper schrie nach ihrer Nähe, nach ihrer Haut. Allzu gern wollte Dazai seine Nase in ihren Haaren vergraben und den lieblichen Duft einsaugen. Gedanklich malte er sich den Stoff unter seinen Fingern aus. Die Kleidung, die langsam auf den Boden fiel und ihren makellosen Körper freigab. Madeleine trat näher heran, ergriff das Glas am Hals und führte es an ihre Lippen. Augenblicklich nahm es den Abdruck ihrer Lippen an, ihre blauen Iriden suchten seine braunen. „Ich weiß, an was du denkst, Dazai Osamu.“ Vorsichtig nahm Madeleine ihm das Glas ab und platzierte es wieder auf dem Tisch. „Ich sehe es dir an. Jeder Zentimeter an dir, jede Faser deines Körpers schreit nur danach.“ Sie hauchte die Worte so leise, dass Dazai sich anstrengen musste, um sie zu verstehen. Ihr heißer Atem streifte seine Lippen, die sofort kribbelten. Ertappt. Geschlagen legte Dazai den Kopf schief. „Du kennst mich eben zu gut.“ Harsch packte er Madeleine an der Hüfte und zog sie an sich. Seinen Kopf in ihrer Halsbeuge vergrabend, murmelte er: „Aber ich kann nicht mehr warten…“ Seine Zunge glitt langsam über ihren Hals, hinterließ eine warme Speichelspur. Madeleine schloss die Lider und genoss die Berührung, während ihre Hände langsam die Knöpfe ihrer Bluse öffneten. Raschelnd fiel der Stoff achtlos auf den Boden. Mit zittrigen Fingern strich Dazai über die Spitze ihres schwarzen BH, worunter sich ihre erregten Brustwarzen abzeichneten. Während sich Madeleine um seine Jacke kümmerte, strich seine Zunge heiß ihr Dekolleté hinab und verschwand im BH, erhaschte die Brustwarze und begann intensiv an ihr zu saugen. Ein leises Keuchen füllte den schweigenden Raum. Der Atem der Zeit schien stillzustehen. Dazai blickte auf, sah in ihre lusterfüllten Augen. „Verlegen wir das ins Schlafzimmer.“
Immer mehr Kleidungsstücke fielen auf den Boden. Madeleine warf sich rückwärts auf ihr rotes Bett. Bloß ihr Höschen bekleidete den Rest ihres Körpers. Dazai stützte sich auf den Unterschenkeln  ab. Langsam zog er mit den Zähnen die Verbände aus. Narben erblickten das schwache Kerzenlicht. Madeleine streckte die Hand aus, strich sanft über die alten Erinnerungen, dann über seinen Hals. Behutsam zog die Frau ihn an sich runter und platzierte einen innigen Kuss auf seinen Lippen. Beinahe schon sehnsüchtig erwiderte Dazai diesen. Erneut kam der Geschmack von Kirschen in seinen Mund. Seine Hand erreichte ihr Höschen, trennte es mit Leichtigkeit von ihrem Körper, übte Druck auf ihrer empfindlichen Perle aus. Ein Stöhnen unterbrach den Kuss und trennte ihre Lippen voneinander. Ein weiteres Mal, dann ließ er seinen Finger in sie gleiten. Madeleine krallte sich in seine warmen Schultern, spreizte die Beine und drückte sich gegen seine Hand. Dazai beugte sich hinab, küsste ihre Brust und saugte liebevoll an ihnen, während seine Hand sich rhythmisch bewegte. Biss sie provokant. Dann zog er sich zurück, platzierte sich. Es würde das letzte Mal sein, das wussten beide. Danach würde es kein wir mehr geben. Die gemeinsame Zukunft würde zerschlagen sein, wie ein Spiegel. Dazai wollte jede Minute auskosten, jeden Zentimeter berühren. Seine Hände wanderten über ihren warmen Körper. Langsam glitt er in sie hinein, sofort schloss Madeleine die letzte Distanz zwischen ihnen, legte die Beine um seinen Körper. Dazai bewegte sich, Madeleine mit ihm. Abdrücke von Bissen hinterlassend arbeitete sich der Braunhaarige fort zu ihrem Ohr. Stoßweise kam ein Stöhnen aus ihrem Mund. Lieblich wie eine Komposition, frisch von Mozart geschrieben. Eine unendliche Melodie, die Dazai jede Minute seines Lebens hören wollte, es aber nicht konnte. Seine Zähne versanken in ihrer Haut, Madeleine befand sich an der Grenze von Schmerz und Lust. Hitze überflutete ihren Körper, ein leichter Schweißfilm überzog ihre Oberfläche, während ihre Körper im Einklang harmonierten und sich gemeinsam bewegten. Allmählich konnte sie es spüren. Eine Welle der Erregung senkte sich wie glühende Asche auf ihren Leib, ließ ihre Muskeln für einen Moment aufzucken, ehe sie unter ihm ermüdet auf das Bett zurückfiel und Dazai  gemeinsam mit ihr still in der lauten Nacht die Liebe fand.

Schweigend betrachtete er ihren Rücken. Einzelne lilane Strähnen klebten an ihr. Die Decke lag an ihrer Hüfte. Geräuschlos näherte Dazai sich ihr, strich über ihre Schulter und fand den Weg an ihren Bauch. Dann platzierte er einen Kuss auf ihrem Nacken. Erneut verfingen sich einzelne Bündel zwischen seinen Fingern, doch das kribbelnde Gefühl auf seiner Haut, auf seinen Lippen und in seinem Magen wurde er nicht los. Verzweifelt griff Dazai an seinen Kopf. Am liebsten hätte er lauthals gelacht, doch Madeleine war am Schlafen. Er konnte es nicht fassen. Es konnte doch nicht wahr sein! Es war schon wieder geschehen. Das Gefühl war schon wieder da und es würde bleiben, für immer. Es hätte das letzte Mal sein müssen. Doch das war es nicht.
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