Liebeskrank

von Yumestar
GeschichteAngst, Schmerz/Trost / P16
Ess / S-Tetramino Ringo Tee / T-Tetramino
18.10.2018
19.10.2018
4
9195
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Liebeskrank

Prolog


„Ich und Maguro werden heiraten!“
Eigentlich hätte Tee sich für Ringo freuen sollen.

Mit fröhlichen Ausdruck stand die rothaarige Magierin vor ihm und hielt Händchen mit ihrem gerade vorgestellten ‚Verlobten‘. Der Dunkellilahaarige im türkisen Pullunder sah den Kapitän der SS Tetra nur grinsend an und hielt fast schon provokant die Hand des Mädchens, mit welchem er so glücklich war.
„Ja, es war eine ganz spontane Idee~“, meinte er in einem leicht neckenden Ton und küsste seine Verlobte auf die Wange. Sie kicherte fröhlich und genoss diese Liebkose.
Tee blieb fast das Herz stehen, als er dies sah. Ringos Worte waren nur halb so schmerzvoll gewesen wie die Aktion von Maguro und nun hatte er das Gefühl einen Pfeil ins Herz geschossen zu bekommen. Es zersprang in tausend spitzte Scherben, die ihn innerlich aufkratzten. Voller innerlichen Schmerz ergriff er seine Brust und setzte alles daran, diese Schmerzen nach außen hin nicht zu zeigen. Er musste stark sein… konnte er das überhaupt noch?
„Du bist auch zur Hochzeit eingeladen, super, oder?“, meinte Ringo mit einem unbeschwerten Lächeln. Ihre Liebe zu Maguro machte sie blind für das Leid, welches Tee genau in diesem Moment durchleiden musste. Ihre Worte machten es nicht besser; im Gegenteil, seine Wunden rissen immer mehr ein und er wurde immer verbitterte, seine äußerliche Ruhe zu wahren. Der innerliche Druck war so enorm, dass es ihm Probleme bereitete, dagegen anzukämpfen. Seine Hände zitterten schon leicht, doch versuchte es so gut wie möglich einzustellen. Jedoch sorgte seine gezwungene Aktion nur dafür, dass das Zittern unkontrollierter wurde. Seine Beine fingen nun ebenfalls an wie Espenlaub zu zittern. Geknickt von dieser Erkenntnis sah er nur traurig zu Ringo, die sich lächelnd und überglücklich ausschauend Maguro zuwendete. Sie achtete gar nicht mehr auf ihn, wodurch ihm Tränen in die glitzernden, trostlosen Augen stiegen. So sehr er auch versucht hatte, diese zurückzuhalten, jetzt hatte er einfach keine Kraft mehr. Vor seinen Augen stand nur das Mädchen, welches überglücklich beschlossen hatte ihren Kindheitsfreund zu heiraten; es war das Mädchen, was er liebte. Ringo sollte doch ihm gehören!
Dennoch brachte Tee jetzt nicht den Mut auf, um seine Gefühle ihr zu gestehen. Denn er sah nur, wie überglücklich sie an der Seite des anderen Jungens war. Würde er ihr jetzt alles sagen, was er fühlte, würde er ihr nur den Moment kaputt machen. Er wusste, dass es zu spät war und dass er sich nun damit abfinden musste. Seine Liebe musste er schmerzvoll gehen lassen… Dennoch konnte er es trotz dieses Wissens nicht akzeptieren. Er wollte; er konnte nicht. Trotz dessen schwieg er, da seine innerlichen Wunden ihm die Kehle zuschnürten. Selbst, wenn er es wollte, hätte er nichts sagen können. Seinen Mund wollte er öffnen, doch kein Ton wäre herausgekommen. Also hielt er ihn geschlossen und seine Lippen versiegelten sich. Vielleicht sollte er sich jetzt schweigend aus dem Staub machen; zurück zur SS Tetra gehen und die ganze Sache vergessen. Wahrscheinlich würde er sich gleich sowieso in seinem Zimmer einsperren und alleine ausheulen. Von dem Liebespärchen unbemerkt rollten Tee Tränen über die Wange und fielen lautlos auf den grasüberwucherten Boden.
Lautlos.“, dachte er sich mit einem sarkastisch angehauchten Unterton, „Ich sollte lautlos von dieser Welt gehen.
Nun wollte er sich umdrehen, doch bewegten sich seine Beine kein Stück. Er war durch seine tiefe Traurigkeit in eine komplette Paralyse gefallen und konnte sich demnach nicht mehr bewegen. Nur die Tränen in seinem Gesicht bewegten sich; seine Atmung, die sich immer mehr beschleunigte. Das Liebespaar vor ihm schien immer weiter weg zu gehen; es war ihm ganz fern. Schließlich sah er sie durch seinen Tränenschleier nur noch verschwommen und sank langsam zu Boden. Das verlobte Paar achtete gar nicht auf ihn, als wäre er nicht hier. Ob es für Tee nun ein Vorteil oder Nachteil war, konnte er in diesem Moment nicht sagen. Er fühlte sich nämlich so, als wüsste er gar nichts mehr. Würde man ihn fragen, wer er war, würde er womöglich mit ‚Weiß nicht‘ antworten. Sein Kopf war gerade so leer wie ein hohler Baumstamm, der von Nagetieren zerfressen war. Ein tiefer, schwarzer Schatten fraß ihn innerlich auf und zerrte an seinen letzten Kräften. Sein ganzer Körper zitterte gewaltig und unkontrolliert und es schmerzte zutiefst, sodass er sich krümmte. Bei Verstand war er sowieso schon nicht mehr. Sein Denken war kurz davor zu Kurzschlusshandlungen zu führen. Er hatte solche Angst und wusste nicht einmal wovor. Eigentlich gab es doch gar nichts, vor was er sich fürchten musste. Schließlich hatte er doch gerade alles verloren, was ihm lieb war. Sein ganzes Leben fühlte sich zerstört an; mit einem Mal schien alles zu enden wie ein ungünstig platzierter Stein im Tetrisfeld, der das Ende des Spieles hervorrief. Die Liebe, die er gefühlt hatte, war wie ein Tetrisspiel gewesen, welches man zwar spielen, aber nie gewinnen konnte. Letztendlich würde er immer als Verlierer in dem Spiel des Lebens dastehen. Er weinte weiter und wimmerte vor Schmerzen. Er hatte sich so sehr gewünscht, dass alles noch nicht vorbei sein würde; er war doch noch so jung; hatte noch so vieles vor; wollte noch so viel Großes erleben. Jetzt schienen all seine Träume aufgegeben zu sein, wie ein Blatt Papier, das man zu den Akten gelegt hatte. Seine Gedanken kreisten nur um Ringo und um sein Leben, weil er fürchtete, es aufgeben zu müssen. Welchen Sinn hatte sein Leben ohne dieses Mädchen, welches er liebte? Das Mädchen, welches mit dem Jungen zusammenkam, von dem Tee immer nur geärgert wurde; entweder durch schlechte, verletzende Wortspiele oder deren Rivalität. Warum hatte dieser hinterhältige, von Herzen schlechte Junge nur dieses wunderbare Mädchen bekommen? Obwohl Tee die Antwort wusste, wollte er so tun, als würde er diese nicht kennen, was ihm schwer fiel. Darum biss er sich auf die Unterlippe, um Schreie des Schmerzens in ein leises Wimmern formen zu können. Die Tatsache, dass er die Gründe wusste, ließen ihn nur noch mehr Schmerzen spüren; eine Tortur, die niemals enden würde.
Ich leb nicht bei ihr, ich kann kaum da sein.“, rief er sich die Gründe in den Kopf, obwohl er dies eigentlich vermeiden wollte. Es ließ ihn nur noch verbitterter versuchen, all dem psychischen Druck entgegenzuwirken, „Ich hab ihr nie etwas bedeutet; sie liebt mich nicht. Sie kennt ihn länger, sie sieht ihn jeden Tag. Er ist charmant, witzig und gelaunt; ich dagegen bin ein depressives Arschloch, was niemand braucht.

Diese Erkenntnis ließ ihn nur noch mehr verzweifeln und er rollte sich noch ein ganzes Stück mehr ein. Mit seinen Armen umschlang er seine Beine, welche unaufhörlich zitterten. Tränen rollten unkontrolliert aus seinen müde ausschauenden Augen und er machte nicht einmal mehr die Anstalten, sich diese wegwischen zu wollen. Sollten doch alle sehen, wie verzweifelt er war! Doch da war niemand mehr, der es sehen würde. Alle hatten ihn verlassen.
Er war einsam und zurückgelassen von seiner ersten großen Liebe, die einfach zu glücklich war. Obwohl er wusste, dass er sie glücklich lassen sollte, wünschte er sich für den Augenblick einfach nur, dass sie unglücklich werden würde. Damit sie zu ihm zurückkäme. Nun war es aber sowieso zu spät. Er hatte sich glücklich lassen und sich traurig gemacht; doch war er nie eine Person der Selbstsüchtigkeit gewesen. Jetzt musste er sich einfach mit allem abfinden… Er konnte das nicht, aber er musste. Schließlich ging es hier um das Wohl seiner Liebsten und letztendlich auch um sein Leben, denn dieses ging noch immer weiter. Er musste jetzt stark sein und aufstehen. Er konnte es nicht. Sein Körper war zu schwach und sein Wille zu gebrochen, als dass er es je schaffen könnte. Gab es niemanden, der ihn aus diesen Alptraum befreien könnte?
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