Bund des Schicksals

von Kolliy
GeschichteFantasy / P12
Angela Arya
17.10.2018
15.09.2019
18
97805
10
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Hey,
willkommen zu meinem neuesten Projekt.
Die FF spielt etwa fünf Jahre nach Galbatorix. Die Idee ist etwas außergewöhnlich, aber ich wünsche euch viel Spaß dabei.

Das Wild wanderte weiter in die Wälder, folgerte der Jäger, als er die kaum sichtbaren Spuren vor sich in der Erde musterte. So tief wollte er ihnen eigentlich nicht folgen, aber die nächste ihm bekannte Wasserstelle befand sich mehrere Tagesmärsche entfernt. Wenn er nicht bald ein Jagderfolg hatte, musste er umdrehen und unverrichteter Dinge wieder abrichten. Er erhob sich und streifte seine grüngefärbte Kapuze vom Kopf. Er trank einen Schluck und betrachtete den Sonnenstand. Einige Zeit konnte er der Beute noch folgen, entschloss er sich und folgte der Spur.
Geschickt wanderte er durch das Unterholz. Kaum ausgetretene Wildpfade erleichterten das Vorwärtskommen. Der Boden des Waldes stieg an und schon bald führte der Pfad an einem steilen Abhang entlang. Mehrere Schritt führte dieser in die Tiefe. Bäume wuchsen daran, auch wenn der Absturz vermutlich eher tödlich enden würde. Ein fernes Rauschen war zu hören. Einige kleinere Steine lösten sich unter seinen Stiefel und purzelten raschelnd in die Tiefe. Gewarnt richtete der Jäger seinen Blick auf den Weg vor ihm. Langsam wurde auch das Rauschen lauter. Hier musste irgendwo ein Wasserfall sein. Die Sonne stand ihm voraus und blendete ihn. Es wird Zeit für ein Nachtlager, dachte er bei sich. Vorne sollte sich ein Platz dafür finden. Das Wild wird sich ja keinen Weg ausgesucht haben, an dem es keinen Ort zum rasten gibt. Wieder lösten sich Steine und klackerten aneinander, auf dem Weg nach unten.
Unter seinem Fuß löste sich ein weiterer Brocken, diesmal etwas größer und stürzte davon. Vorsichtig nahm er den Fuß von der Stelle. Mit einem großen Schritt überwand er die Stelle und ging vorsichtig weiter. Vor ihm machte der Pfad eine scharfe Kurve. Als er darum trat, wurde das Rauschen schlagartig lauter und ein Wasserfall kam in Sicht. Die Umgebung änderte sich. An seiner Linken war kein Waldboden mehr, sondern blanker Fels. Unter ihm glitzerte ein Fluss in der untergehenden Sonne. Dahinter öffnete sich ein weites Tal. Einen kurzen Moment nahm er sich die Zeit und betrachtete das Panorama, welches sich ihm bot. Mit einer kurzen Bewegung rückte er seine Waffen und den Rucksack zurecht. Dann wanderte er weiter. Bis zur Dunkelheit wollte unten sein und ein Lager aufgeschlagen haben. Etwas schneller folgte er dem Wild. Der Pfad führte bis zum Wasserfall, bog dann scharf ab und führte in Serpentinen nach unten. Das Ziel vor Augen wanderte er etwas schneller. Der Jäger achtete nicht mehr so deutlich auf seine Schritte. An der ersten Serpentinenkurve lösten sich erneut Steine aus dem Pfad, die mit dem Wasser in die Tiefe gerissen wurde. Er erschrak und schwankte etwas. Weitere Steine, ein beständiger Strom Kiesel rutschten davon. Der Jäger versuchte mit rudernden Armen sein Gleichgewicht wiederzufinden. Sein Arm geriet in das Wasser und wurde ruckartig nach unten gedrückt. Sein rechter Fuß rutschte auf dem glatten Boden aus und er fiel nach hinten. Einige Augenblicke konnte er sein Gleichgewicht halten, doch dann erfasste das Wasser seinen Oberkörper und mit einem Schrei stürzte der Jäger in die Tiefe.

Der Aufprall auf der harten Wasseroberfläche trieb ihm die Luft aus den Lungen. Der Druck des Wasserfalls drückte ihn weiter nach unten. Im Todeskampf kämpfte der Jäger dagegen an und versuchte sich aus dem Bereich zu bewegen. Um seine Augen wurde es langsam schwarz und sein Instinkt schrie ihn an, einzuatmen. So gut er konnte, kämpfte er gegen diesen selbstmörderischen Drang an.
Das nächste, was der Mensch bewusst wahrnahm, dass er mit dem Oberkörper auf einem Felsen lag und Wasser aushustete. Seine Lungen brannten und der Jäger zitterte wie Espenlaub. Mühsam stemmte er sich aus dem Wasser und legte sich rücklings auf den Boden. Er wartete, bis er sich beruhigt hatte. Der Schock war noch nicht ganz aus seinen Gliedern gewichen und auch seine Hände zitterten noch, als der Jäger sich aufrichtete und sich umsah. Der Wasserfall bildete eine silbrige Wand, ansonsten war der Mensch von einer Höhle umgeben. Vor dem Wasserfall gab es einen kleinen Teich, indem er aufgetaucht war. Es war ohrenbetäubend laut. Auf dem Rücken spürte er das vertraute Gewicht seines Bogens, der den unfreiwilligen Tauchgang augenscheinlich gut überstanden hatte. Seine Pfeile hatte er alle verloren und auch die Sehne musste vermutlich ausgetauscht werden. An seiner Hüfte hingen immer noch das Messer und sein Schwert in ihrer Scheide. Mit einer Hand spielte mit den beiden Griffen. Die Messerscheide war auf der Schwertscheide genäht. Eine Marotte aus alten Tagen. Die Klingen waren gut gefettet, also brauchte er sich um das Stahl weniger Sorgen machen.
Nun nahm er sich die Zeit, die Höhle genauer zu betrachten. An den Wänden waren Steine eingelassen, die ein warmes, mattes Licht verbreiteten. Die Kanten waren unauffällig behauen worden, sodass der Eindruck eines natürlichen Habitats erweckt wurde.
Der Jäger empfand es aber mehr als gewollt und nicht gekonnt. Die Steine alleine waren schon auffällig genug, also konnte man diese Maskerade auch sein lassen.
Die Höhle führte weiter und er folgte dem Gang. Vielleicht gab es ja einen anderen Ausgang oder er fand einen Bewohner. Auf einen erneuten Tauchgang unter dem Wasserfall hatte er wenig Lust. Ein Gedanke überkam ihn, dass jemand an einen solchen Ort eventuell kein Interesse an Besuch hatte oder vielleicht auch verrückt geworden war. Der Jäger umfasste den Schwertknauf. Er wusste sich zu wehren. Aber dennoch war Vorsicht geboten. Es könnte sich auch um eine Gruppe handeln. Dicht an einer Wand haltend schlich er weiter. Nirgends sah er Spuren von Leben, wie Werkzeuge, Gerätschaften oder andere Hinterlassenschaften wie Nahrung oder dergleichen. Es war wie ausgestorben. Es führte nur einen Weg weiter. Nirgends gab es eine Gabelung.
Gezwungenermaßen folgte er dem Pfad, auch wenn ein seltsames Gefühl durch seinen Magen ging. Der Jäger schob es auf die Atmosphäre und dem gerade entronnen Tod. Es war still, selbst das Rauschen des Wassers hatte sich auf ein erträgliches Maß reduziert. Er sah nach hinten. Er hätte schwören können, dass sich hinter ihm sich etwas bewegt hatte. Doch nur der Gang mit seiner matten Beleuchtung war zu sehen. Es gab auch keine Nischen oder Schatten, an dem sich jemand hätte verstecken können.
Der Jäger zog das Schwert aus der Scheide. Ihm wurde es hier zu unheimlich. Schlag bereit ging er weiter, ganz genau lauschend auf etwaige Schritte oder sonstige Hinweise. Der Gang mündete in eine Halle. Hier waren die Leuchtsteine in drei Reihen und an der Decke angebracht. Grüne Kristalle wuchsen auf den Boden und an den Wänden. In ihrer Größe variierten sie, von gerade mal handteller- bis hin zu mannsgroßen Gebilden war alles vorhanden. Nachdem er sich vergewissert hatte, dass wirklich niemand hier war, steckte er das Schwert zurück. Doch der Kristall in der Mitte war am beeindruckendsten und dagegen sahen alle anderen wie Zwerge aus. An die fünfzig Schritte brauchte der Jäger um einmal um ihn herum zu gehen. Dunklere Wellen wanderten gemächlich an der Oberfläche entlang. Nach oben zur Decke verdickte sich der Kristall einwenig.
Sprachlos sah sich der Jäger den Kristall an, so etwas hatte er noch nie gesehen. Dann schüttelte er den Kopf und wollte gehen. So unglaublich es auch war, es gab leider auch keinen Ausgang. Der Jäger drehte sich um, doch der Ausgang war verschwunden. Der Mensch hielt kurz inne. Hier müsste er sich eigentlich befinden, die beiden markanten Kristalle, die einen Torbogen bildeten, waren deutlich zu sehen. Etwas verwundert, die Panik niederdrückend ging der Jäger bewusst langsam die ganze Wand ab. Doch es war nirgends eine Öffnung zu erkennen. Nicht mal eine Maus konnte hieraus entkommen.

Komm, flüsterte eine Stimme in seinen Verstand. Berühre den Kristall. Gleichzeitig verspürte der Jäger einen sanften Druck, der ihn dorthin trieb. Der Mensch hatte genug Geschichten über Magie gehört, um dagegen anzukämpfen.
Der Druck in seinen Kopf wurde immer stärker, mittlerweile war er schmerzhaft. Es wurde immer stärker dagegen anzukämpfen. Er taumelte gegen seinen Willen einen Schritt auf den Kristall zu und fiel auf die Knie. Mit beiden Händen umfasste er seinen Kopf, der sonst zerspringen würde. Die Kraft trieb ihn weiter. Auf den Knien rutschte er weiter, immer mehr dagegen ankämpfend. Doch je mehr er sich den Stein näherte, desto stärker wurde die Präsenz in seinem Verstand. Als der Jäger schließlich vor dem Kristall kniete, hatte er keine Kontrolle mehr über seine Gliedmaßen. Ohne es zu befehlen, hob er die Hand und legte sie auf die kalte, glatte Oberfläche. Die dunkleren Wolken in dem Kristall gerieten in Bewegung und drängten auf seine Hand zu. Mit aller Gewalt versuchte er seine Hand wegzureißen, sich davon zu lösen. Doch sein Körperteil bewegte sich kein Stück. Die erste Wolke kam aus dem Kristall und schlang seine Finger und drang in seine Haut. Ein unangenehmes Prickeln entwickelte sich rasend schnell zu peinigende Stiche. Eiseskälte zog seine Hand hoch, während immer mehr schwarze Schlieren aus dem Kristall in ihn eindrang. Er merkte gar nicht, dass er schon lange am Schreien war. Die ganze Zeit stürmte er gegen die Mauer in seinem Verstand an, die ihn von der Kontrolle abschnitt. Einen kurzen Moment durchbrach er die Verteidigung und erlangte die Kontrolle über seine andere Hand. Ohne zu zögern, umfasste er das Heft seines Messers und hieb schnell mit dem Jagdmesser gegen seinen Arm, auf Höhe seines Ellbogens. Die Hand und sein halber Unterarm war mittlerweile pechschwarz. Das Wesen sah seine Aktion voraus und griff nun den Jäger mental an. Bisher war es relativ passiv geblieben und seine Angriffe mehr oder weniger ignoriert. Mit aller Verbissenheit klammerte er sich an sein letztes bisschen Kontrolle. Doch es entglitt ihn langsam und zäh. Verbissen kämpfte er gegen das Wesen. Er durchbrach ihre Verteidigung für einen kurzen Moment und sah Elfen in feinen Roben vor sich knien. Dann Reiter, die hitzig mit ihm diskutierten. Insekten und Edelsteine. Einen König. Diese Bilderflut überwältigte ihn. Dem Jäger entglitt auch die Messerhand und er wurde zurückgedrängt. Mit aller Wut und Entschlossenheit stürmte er gegen den Druck an.
Ein einzelnes Wort hallte durch seinen Kopf. Slytha.
Dann nur noch Schwärze.

Der Jäger erwachte mit einem schmerzenden Kopf. Ein bitterer Geschmack hatte sich in seinem Mund breitgemacht und seine Glieder fühlten sich an wie Holzklötze, steif und schwer.
Langsam richtete er sich mit geschlossenen Augen auf und sitzend umfasste er seine Schläfe. Das Wesen war verschwunden, zumindest konnte er es nicht mehr spüren. Langsam öffnete er dann doch die Augen und betrachtete seine Hände. Unwillkürlich zuckte er zurück. Seine Hand, die den Kristall angefasst hatte, hatte sich schwarz verfärbt. Die Farbe zog sich hoch bis fast unter den Ellenbogen und verlief dort sanft. Prüfend bewegte er seine Finger. Es fühlte sich normal an, auch die Härchen auf dem Unterarm hatten dieselbe Farbe, wie auf dem anderen Arm. Es sah aus wie eine Tätowierung, wie es manche Seeleute trugen. Nur, dass es eine sattere Farbe war. Vorsichtig rappelte er sich auf die Beine und streckte sich. Seine Muskeln waren hart und verkrampft. Wie lange hatte er auf dem Boden gelegen? Auf der Suche nach seinem Messer suchte er den Boden ab. Das Messer war etwas zur Seite gerutscht und lag neben dem verdammten Kristall. Die dunklen Wolken waren aus dem Grün verschwunden. Doch das interessierte den Jäger im Moment weniger, denn einen Schritt vor dem Messer stand eine hochgewachsene Elfe. Sie wirkte seltsam durchscheinend. Reglos standen sie sich gegenüber und musterten sich. Der Jäger hatte das Heft seines Schwertes fest umklammert. Über seinen Fingerknöcheln färbte sich die Haut weiß. Die Elfe hatte ihre Hände locker hinter ihrem Rücken gelegt und wartete scheinbar auf eine Reaktion vonseiten des Jägers. Trotz ihrer schlichten Robe strahlte sie mit ihrer Haltung und herrschaftlichen Blick eine Überlegenheit aus, die den Jäger einschüchterte.
„Wer bist du?“, fragte dieser schließlich. Seine Stimme klang gepresst.
Die Elfe legte den Kopf schief. Eine nahe liegende Frage. Und eine gleichfalls Logische dazu, ertönte es in seinem Kopf. Sie sprach langsam, besonnen und schien jede Silbe auszukosten, bevor sie sie aussprach.
„Unglaublich, was?“, fragte der Jäger zurück. Er verfiel in dieselbe Gewohnheit, die ihn in der Armee schon in Schwierigkeit gebracht hatte. Gegenüber Autoritäten war sein Mundwerk nun mal schneller als sein Verstand.
In der Tat, erwiderte die Elfe, ohne die Lippen zu bewegen. Die Menschen schaffen es sonst nicht mal, einen Satz vernünftig auszusprechen. Eine vernünftige Frage zu stellen ist dagegen eine geradezu intellektuelle Glanzleistung.
Der Jäger zuckte mit den Schultern. „Dann müssen die Menschen in deinem Stein anders sein, als die, die ich kenne.“ Er hatte sich ein wenig entspannt. Dass sie so schemenhaft war, irritierte ihn dennoch. Die Hand lag immer noch auf dem Schwertgriff. „Aber die Frage hast du immer noch nicht beantwortet, Spitzie. Wer bist du? Und warum bist du so schemenhaft? Das ist zwar eine Angewohnheit deiner Rasse, aber meist nicht so wörtlich genommen.“
Ein kurzes Lächeln umspielte ihre Lippen. Und deine Rasse ist unhöflich wie eh und je.“
„Heul doch“, erwiderte der Jäger ungerührt. „Jemand, der eine ganze Rasse als unfähig darstellt, zu sprechen, sollte sich vorsehen, andere als unhöflich abzustempeln. Die Sache mit den Steinen und dem Glashaus.“ Er deutete mit der freien Hand auf den grünen Kristall.
Nun brach die Elfe doch in Lachen aus. Wobei auch dieses Geräusch nur in seinem Verstand erklang. Die Elfe hatte zwar den Mund hinter vorgehaltener Hand geöffnet, aber kein Laut drang heraus. Einverstanden, ich erkläre dir, warum ich so schemenhaft bin. Aber zuerst die Formalitäten. Mein Name ist, oder eher war, Dellanir. Ehemalige Elfenkönigin, nun Verbannte und Ausgestoßene meines eigenen Volkes. Ihre Stimme klang deutlich amüsiert und ein wenig bitter. Auch wenn es so klang, als würde sie erwarten, dass man ihren Namen kannte.
„Ich bin, oder eher war“, imitierte er ihre Vorstellung. „Wilhelm von Gil‘ead. Ein Fürstensohn im selbstgewählten Exil. In den Dörfern nennt man mich Frank.“
Menschen regieren in Gil‘ead?, erwiderte die ehemalige Königin überrascht.
„Nun, nicht mehr.“ Frank zog die Augenbraue hoch. „Wie lange warst du hier unten?“
Lange, anscheinend. Sag mir, Wilhelm. Wie lange ist Anurin schon Anführer der Reiter?
Frank kratzte sich am Kopf. „Der Name sagt mir nichts. Der jetzige Anführer ist Eragon Schattentöter, seit wenigen Jahren. Davor gab es die Reiter nicht, etwa hundert Jahre. Der letzte vom alten Orden war Vrael, glaube ich.
Die Reiter gab es hundert Jahre nicht?, fragte Dellanir erstaunt. Wie konnte das passieren? Frank spürte, wie ihr Geist sich anspannte. Wut ballte sich im Hintergrund und der Jäger spürte, dass er nun vorsichtig sein musste, was er jetzt sagte.
Frank dachte nach. „Nun, wenn ich mich recht erinnere, dann verriet Galbatorix und seine dreizehn Abtrünnige den Orden, stahlen ein Drachenküken und führten einen Krieg. Erst gegen die Reiter, dann gegen alle anderen. Galbatorix gewann und schwang sich zum Imperator auf. Erst hundert Jahre später konnte er gestürzt werden, durch eben Eragon. Das war vor etwa fünf Jahren. Jetzt ist er über das Meer verschwunden, auf der Suche nach einer neuen Heimat für seine Reiter. Nasuada regiert jetzt und einige ehemalige elfische Gebiete wurden wieder dem elfischen Königreich einverleibt. Das war die Kurzfassung. Die ganze Geschichte ist zu lang und ich kenne auch nicht alles. Kann man aber bestimmt irgendwo nachlesen, in irgendwelchen Chroniken, oder so.
Die Elfe blieb still. Nach innen gekehrt stand sie da und dachte nach. Dann nickte sie. Vrael also. Ich habe ihn als Novizen kennengelernt, bevor er seine Ausbildung auf Vroengard begann. Wie alt war er, als er gestorben ist?
Frank zuckte mit den Schultern. „Ich bin kein Chronist und kann dir nicht weiter helfen. Zumindest nicht in diesen Belangen. Aber, warum bist du hier unten und so schemenhaft?“
Dellanir nickte. Vermutlich hast du recht. Um deine Fragen zu beantworten, zu meiner Zeit als Königin verbannte ich Anurin, den Anführer der Reiter nach Vroengard. Ich befürchtete, dass er und sein Orden meine Macht und Autorität untergraben würde.
Der Jäger lehnte sich gegen den Kristall. Der Geist der elfischen Königin wirkte etwas abwesend, als würde sie die Situation noch einmal durchleben. „Würdest du die Entscheidung noch einmal treffen?“, fragte Frank.
Ich weiß es nicht. In diesem Moment war es die Entscheidung, die mein Kopf als die logistische Wahl betrachtete. Ob ich so den Lauf der Welt verändert hätte, weiß ich nicht. Es hätte besser kommen können oder auch sehr viel schlimmer. Aber danach dankte ich ab und widmete mich dem Studium der Magie. Die Elfe schwieg. Edelsteine können Energie aufnehmen und speichern, aber können sie auch die Essenz eines ganzen Lebens aufnehmen, das Bewusstsein, Erfahrungen und alle Erinnerungen?
„Du meinst, ein lebendes Wesen in einem Stein? Das klingt krank und gefährlich.“ Der Mensch verzog angewidert das Gesicht. „Wie kommt man auf so etwas?“
Irgendwann hatte ich diese Idee und war anfangs ebenfalls nicht begeistert. Aber sie ließ mich nicht mehr los. In der Zwischenzeit vereinsamte ich, meine Entscheidung hatte das Volk zerrissen, die die Reiter nie als Bedrohung, sondern als Garant für Frieden und Wohlstand betrachtet hatten. Ich wurde gemieden. Im Vertrauen erzählte ich einem meiner wenigen gebliebenen Freunden von meinen Forschungen. Ich hatte es geschafft, das Bewusstsein von Ameisen und einigen anderen Insekten auf Edelsteine zu übertragen.
„Und was geschah dann?“, fragte Frank. Durch die Verbindung spürte er das Leid und den Schmerz der Elfe, auch wenn sie es zu verbergen versuchte.
Mein Sohn, Evandar, nun König nach meinem Rücktritt, musste mich verbannen. Moralisch und ethisch waren meine Forschungen und Theorien nicht zu rechtfertigen. Ich musste den Wald verlassen und ließ mich in hier nieder. In einer Höhle eines abgelegenem und abgeschiedenem Tales. Die ehemalige Königen seufzte mental. Seine Geschichte war nicht so spannend, dachte sich der Jäger. Aber es war interessant zu erfahren, dass die Elfen auch ihre eigenen Fehler und Makel hatten. Etwas, was sie sonst gut versteckten. Ich erkrankte. Schwer. Die Zauber und die Forschung hatte meine Gesundheit ruiniert. Der Tod war unausweichlich, da war ich mir sicher. Ich schwor mir, dass meine Forschungen keine Leben mehr fordern sollten. Ich nutzte die Zeit, die mir geblieben war. Dass ich den Kristall hier gefunden hatte, war ein glücklicher Zufall. Der Tod, wie nennt dein Volk ihn, Sensenmann, näherte sich schnell. Ich hatte kaum noch Hoffnung, dass ich meine Forschung rechtzeitig abschließen konnte.
„Der Tod kommt immer zu früh“, stimmte Frank ihr zu.
Ich übertrug mein Wesen, alles, auf diesen Kristall. Somit schlug ich dem Tod ein Schnippchen. Was ich nicht bedacht hatte, war, dass ich auf ewig gefangen sein sollte. Bis du kamst.
Der Jäger nickte. Dann überkam ihm eine Erkenntnis. „Warte, hast du jetzt dein Bewusstsein auf mich übertragen?“, fragte er bestürzt.
Die Elfenkönigin nickte. „Es gab keine andere Möglichkeit. Ich entschuldige mich für die Schmerzen, sie lagen nicht in meiner Absicht.“
Frank schüttelte den Kopf. „Du hättest fragen können“, erwiderte er hart.
„Isolation ist nicht gut für die geistige Gesundheit“. Auf dem hübschen Gesicht Dellanirs zeichnete sich ein tiefer Schmerz ab. „Ich habe deine Präsenz gespürt und die Gelegenheit erkannt, diesen Ort zu verlassen.“ Die Elfe verstummte. „Und vielleicht habe ich es in Kauf genommen, dass dein Bewusstsein Schaden nimmt“, flüsterte sie leise.
Das lässt sich leicht sagen, wenn es vorbei ist:“ Mit verschränkten Armen betrachtete der menschliche Jäger die Elfe. Er seufzte tief. „Aber über vergossene Milch zu weinen ist sinnlos. Jetzt habe ich eben eine Elfe in meinem Kopf. Und wir sollten einen Weg hier heraus finden, sonst werden wir beide hier unten sterben.“
Dellanir schemenhafte Gestalt nickte. „Wir sollten auf demselben Weg zurück gelangen, wie du hinein gekommen bist.“ Knirschend bewegten sich die Steine und machten den Weg frei.
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Das war das erste Kapitel. Ich freue mich wie immer über kritik, Favos und Sternchen.
Man schreibt sich,
LG Kolliy
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