Jäger!! [ Ereri / Riren ]

GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P18 Slash
16.10.2018
14.12.2018
18
51884
14
Alle
28 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
Hallöchen ich Lieben!
Ich dachte ja echt scho, ich schaffe das Kapitel heute nicht mehr, aber Tada! Auf den letzten Drücker hat es noch gepasst. :P
Ich freue mich ja selber, dass Levi nun an sich arbeitet um eine Beziehung mit Eren eingehen zu können, aber das fällt ihm sicher gar nicht so leicht. ;)
Viel Spaß beim Lesen.
LG Satan



16. Kapitel – Ein Date?



POV Eren:

Schweigend betrachtete ich den Älteren, welcher mir gegenüber am Küchentisch saß, eine Tasse Tee vor sich und eine Akte durchblätternd. Seine feinen Augenbrauen waren noch ein Stück mehr zusammengezogen, als üblich, was ihn ziemlich grimmig aussehen ließ.
"Lass uns noch etwas unternehmen, Levi. Du arbeitest doch ohnehin schon so viel.", riss ich den Schwarzhaarigen sanft aus seiner Konzentriertheit, was mit einem genervten Blick quittiert wurde.
"Tzs. Du solltest dich nicht wieder überanstrengen, immerhin warst du schon den ganzen Tag auf den Beinen, außerdem ist es schon spät.", widersprach er monoton und notierte mit einem Bleistift etwas in der Akte.
"Komm schon, Levi. Es ist gerade Mal früher Abend und wir machen etwas, wobei wir nicht viel laufen müssen. Zieh dir was Warmes an und komm mit.", redete ich auf ihn ein und stand bereits auf, ohne auf seine Antwort zu warten. Levi war heute Abend noch schweigsamer und abwesender als sonst, als sei etwas vorgefallen. Vermutlich würde es ihm guttun, etwas rauszukommen.
"Schön, aber nur, weil ich keine Lust habe, mit dir zu diskutieren, Balg.", erwiderte Levi mürrisch und klappte seine Akte zu, ehe er den letzten Schluck Tee herunterkippte und die Tasse in die Spülmaschine stellte.

Wir fuhren mit Levis Wagen zum nächsten Fähranleger und ließen das Auto dort auf dem Parkplatz stehen. Ich kaufte uns zwei Fahrkarten und gemeinsam gingen wir an Bord. Ein Lächeln schlich sich auf meine Lippen, doch als ich mich an Levis Panik beim Fliegen erinnerte, guckte ich mich schnell zu diesem um, doch er war nicht aufzufinden.
Mein Herz begann zu rasen und mein Blick wanderte hektisch über das Deck.
Hatte ich ihn verloren? War er einfach abgehauen? Wurde er vielleicht sogar entführt?

Keiner dieser paranoiden Gedanken war zutreffend, denn der Schwarzhaarige stand an der Reling und blickte auf das Wasser. Ich ging zu ihm und legte von hinten meine Arme um seine Taille. Ich war mir der Gefahr, wieder von ihm fortgestoßen zu werden völlig bewusst, doch mein Impuls ihn zu berühren, gewann wie immer die Oberhand.
"Du hast mir einen ganz schönen Schrecken eingejagt.", murmelte ich leise in sein Ohr und legte dann mein Kinn auf seiner Schulter ab.
Levi stieß mich nicht von sich, sondern lehnte sich mit den Schultern an meine Brust.
"Siehst du diese Sternenanordnung dort? Die mit den drei hellen Sternen nebeneinander?", fragte Levi und deutete in den Sternenübersäten Himmel.
"Das ist das Sternenbild von Orion, dem Himmelsjäger. Zu seinen Füßen kannst du den großen und den kleinen Hund sehen. Rechts oberhalb von ihm kannst du das Sternenbild des Stieres sehen. Es heißt, Orion habe ihn ganz allein bezwungen.", erklärte der Ältere mir und ich lauschte ihm aufmerksam, nahm jedes Wort auf, als würde es mein Leben bedeuten.
"Du bist auch ein Krieger des Himmels, Levi. Du bist so stark wie kaum ein anderer Mensch den ich kenne und so liebenswert wie ein Engel.", murmelte ich sanft in sein Ohr und streichelte mit der Hand über seinen straffen Bauch.
"Ich bin weder ein starker, noch ein guter Mensch, Eren.", widersprach Levi mir und wollte noch etwas hinzufügen, doch ich nahm sein Kinn zwischen die Finger meiner rechten Hand und drehte sein Gesicht zu mir.
"Sag nichts. Es ist nicht wichtig, wie gut und stark du bist, ich liebe dich ganz genau so, wie du bist.", murmelte ich und sah tief in seine eisgrauen Augen, ehe ich seine Lippen mit einem Kuss versiegelte, um ihn am Weitersprechen zu hindern.
Nach einem kurzen Zögern erwidert Levi meinen Kuss mit einer hungrigen und doch hilflosen Note. Unser Verhältnis war so anders, wenn wir uns nicht im Krankenhaus befanden. Levi versuchte nicht, meine Annährungsversuche zu verhindern und ich brauchte nicht ständig mit einem Ohr lauschen, ob uns jemand erwischen könnte. Wir waren freier.
Meine Zunge eroberte den Mundraum des Älteren und unsere Zungen umkreisten sich liebevoll. Mit der Hand wanderte ich unter den Saum von Levis Oberteil und er keuchte leise in den Kuss, als meine kühlen Finger seinen nackten Bauch berührten und eine Gänsehaut auslösten.
Der Kuss wurde noch etwas leidenschaftlicher und unsere Zungen trieben sich gegenseitig dazu an, dreister zu werden.
"Sucht euch ein Zimmer, ihr Schwuchteln.", sagte ein Mann, der hinter uns über das Deck ging, angewidert und unser Kuss brach abrupt ab.

Mir fiel auf die Schnelle keine schlagfertige Antwort ein und auch Levi schien ausnahmsweise kein Konter einzufallen. So kam der Mann ungeschoren davon und ich zog meine Hand unter Levis Oberteil weg.
"Entschuldigung...", murmelte ich beschämt und rechnete halb damit, dass der Schwarzhaarige jetzt eine Predigt halten würde, dass ich mich in der Öffentlichkeit zusammenzureißen habe.
"Das ist nicht deine Schuld, sondern die dieser verklemmten, homophoben Menschen, die ihre Grundeinstellung nicht geupdatet bekommen.", widersprach Levi mir und zog seine Zigaretten Schachtel und ein Feuerzeug aus seiner Jackentasche und steckte sich eine am.
"Warum rauchst du, Levi? Du willst mir ja wohl nicht erzählen, dass es wegen dem Geschmack wäre.", äußerte ich und nahm mein Kinn von der Schulter des Kleineren um den Rauch nicht einatmen zu müssen.
Der bloße Geruch löst bei mir schon ein Ekelgefühl aus, wie konnte er das nur schmecken wollen?
"Warum isst du?", beantwortete Levi meine Frage mit einer Gegenfrage und zog an seiner Zigarette.
"Nun... es ist lebensnotwendig und von Zeit zu Zeit tue ich es, weil es mir davon besser geht.", beantwortete ich die Frage verwirrt. Was hatte das denn nun mit dem Rauchen zu tun? Das war doch wohl etwas völlig anderes.
"Da hast du deine Antwort. Ich tue es von Zeit zu Zeit, da es mir davon besser geht.", sagte trocken und ich schwieg, während ich mir seine Worte durch den Kopf gehen ließ.
Vielleicht hatte er gar nicht mal so unrecht. Natürlich war Essen im Gegensatz zum Rauchen lebensnotwendig, doch traf dies auf alle Lebensmittel zu? Wenn ich aus Appetit aß, griff ich meist zu Süßigkeiten und die brachten meinem Körper nun wirklich nichts. Zigaretten empfand ich dennoch als schlimmer.

Die Fähre legte an dem Hafen einer kleinen Insel an und ich verschränkte meine Finger mit denen Levis ehe wir an Land gingen. Ich führte ihn zu einem kleinen traditionellen Restaurant, welches wir betraten.


POV LEVI:

Der Kommentar dieses Arschloches von Menschen auf der Fähre war mir nicht peinlich, er machte mich wütend. Nicht, dass man mir das anmerken würde, ich war gut genug darin, meine Wut zu verstecken, doch innerlich tobte ich.
Gut, wir hatten vielleicht etwas wild rumgemacht, aber bis dieser Mann vorbeikam, waren wir alleine gewesen und es waren auch keine Kinder anwesend. Doch was mich am meisten aufregte war, dass er uns als Schwuchteln bezeichnet hatte.
Ja, ich war Schwul und hatte da auch überhaupt kein Problem mit, doch diese abwertenden Bezeichnungen brachten mich gehörig auf die Palme. Ich wusste nicht, ob Eren homo- oder bisexuell war, doch in beiden Fällen ging es mir gewaltig gegen den Strich, dass der Fremde ihn als Schwuchtel betitelte.
Meine Finger mit den warmen Erens verschränkt, ging ich neben dem Jüngeren über die Insel.
Es tat gut, mal etwas anderes zu machen, als immer nur zu arbeiten. Außerdem fiel es mir fern vom Krankenhaus leichter, mich Eren hinzugeben und seine Anwesenheit zu genießen. Es war, als wären Dr. Ackermann und Levi zwei verschiedene Menschen.

Wir betraten ein kleines, traditionelles Restaurant in welchem wir an einen Doppeltisch für zwei Personen verwiesen wurden.
Ich half Eren aus seiner Jacke, ehe er mir zuvorkommen konnte.
"Ich kann nicht immer dich den Gentleman spielen lassen.", sagte ich trocken und entledigte mich meiner eigenen Jacke, ehe wir uns an den Tisch setzten. Eren nahm meine eher spitze Bemerkung mit einem belustigten Schmunzeln zur Kenntnis und setzte sich, anders als für ein Date üblich, neben mich.
Warte, hatte ich das hier gerade selber als Date bezeichnet? Dies brachte mich kurz aus dem Konzept. Eigentlich war es die ganze Zeit so offensichtlich gewesen. Eren hatte unseren Ausflug bestimmt, die Fähre gezahlt, unser Restaurant gewählt… aber dennoch war es mir nicht aufgefallen. Auch wenn Eren mir nicht klischeehaft gegenübersaß, war das hier zweifelsohne ein Date.

Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen, als der Jüngere mit seinen Fingern vor meinem Gesicht herumschnipste.
„Erde an Levi Ackermann. Was möchtest du trinken?“, fragte Eren und ich sah, dass der Kellner bereits vor unserem Tisch stand. Ich war wohl länger in Gedanken versunken gewesen, als es sich angefühlt hatte.
„Ich nehme einen schwarzen Tee -Darjeeling. Vier statt drei Minuten gezogen.“; sagte ich knapp und der Kellner notierte sich meine Bestellung mit einem verwunderten Blick. Wahrscheinlich verkauften sie Tee eher zum Nachmittag, aber ich sah keinen Grund zu dieser Uhrzeit auf meinen geliebten Tee zu verzichten.
„Für mich bitte eine Cola und für uns beide die Nummer 38, bitte.“, bestellte der Braunhaarige freundlich und reichte dem Kellner dann die Karten ehe dieser ging.

„Du warst ziemlich in Gedanken versunken, Levi. Worüber hast du nachgedacht?“, fragte Eren leise und strich mit dem Finger über den Handrücken meiner auf dem Tisch liegenden Hand. Mein erster Impuls war es, meine Hand wegzuziehen und ihn für die Frage anzupflaumen, doch so schnell dieser Impuls gekommen war, verschwand er auch wieder. Erens zärtliche Berührung hätte mich sogar beinahe zum Lächeln gebracht.
„Ich dachte darüber nach, ob das hier wohl sowas wie ein Date sein soll.“, beantwortete ich die Frage monoton. Auch wenn es mir alles andere als egal war, schaffte ich es nicht, mich dementsprechend zu verhalten. Hinter meiner Mauer aus Desinteressiertheit fühlte ich mich einfach sicherer.
„Hättest du denn etwas dagegen, wenn es ein Date wäre?“, erwiderte der Braunhaarige, während sein Zeigefinger über meine Knöchel wanderte. Er war direkter geworden. Als er seine Ausbildung als Assistenzarzt begonnen hatte, hatte er sich noch vor mir gescheut und jedes Mal gezögerte, ehe er mich berührte. Seit seinem Unfall jedoch, schien sich etwas in ihm gewandelt zu haben. Er hatte begonnen, den Kontakt zu mir zu suchen, war frecher geworden und der Körperkontakt zwischen uns war außerhalb des Krankenhauses schon beinahe zur Normalität geworden.
Ich beantwortete seine Frage mit einem Schulterzucken. Hatte ich etwas dagegen? Wahrscheinlich sollte ich das, denn auch wenn ich mit mittlerweile relativ sicher war, dass der Assistenzarzt nicht mit meinen Gefühlen spielte, konnte ich einen Rest Zweifel einfach nicht unterdrücken. Doch auf der anderen Seite gefiel mir die Zeit, die wir zusammen verbrachten, die positive Aufmerksamkeit, welche ich von ihm erhielt und die Art, wie er immer wieder meine Nähe suchte.

Das Gericht, welches Eren uns bestellt hatte, stellte sich als Eintopf heraus. Zuerst war ich etwas davon enttäuscht, wie unkreativ er doch mit dem Essen war, aber bereits nach einem Löffel hatte sich meine Meinung komplett geändert. Dieser Eintopf war alles andere als öde und eintönig, wie ich erwartet hatte.
„Das ist wirklich gut.“, stellte ich erstaunt fest, was Eren zum Grinsen brachte.
„Dachtest du etwa, ich würde dir irgendein schnödes Zeug vorsetzen?“, fragte er neckend und ich ergriff meine Chance, etwas die Kontrolle über dieses ‚Date‘ zu ergreifen. Ich beugte mich etwas zu ihm und legte meine Hand mittig auf seinen Oberschenkel, während ich mit den Lippen sein Ohr streifte.
„Ich dachte eher, dass du vielleicht darauf setzen würdest, dass ich auf etwas anderes Appetit bekomme.“, flüsterte ich provokant in sein Ohr und ließ meine Hand seinen Oberschenkel hinaufwandern. Es ging mir primär gerade nicht darum, Eren zu verführen und heiß zu machen. Mein Ziel war es vielmehr, etwas Kontrolle auszuüben um mich dadurch selbstsicherer zu fühlen. Und mein Plan ging auf.
Eren biss sich auf die Lippe und ich konnte spüren, wie sich die Muskeln seines Oberschenkels anspannte.
„Levi…“, murmelte er verlegen, als meine Hand schon fast bei seinem Schritt war und war einen besorgten Blick zu den anderen Besuchern des Lokals.
„Keine Sorge, ich hatte nicht vor, dir an Ort und Stelle einen runterzuholen.“, sagte ich eher belustigt und ließ von ihm ab. Erens Unsicherheit hatte meine Selbstsicherheit wiederaufgebaut und darüber hinaus war er einfach unglaublich niedlich. Auf der Fähre hatte er nicht ansatzweise so schüchtern gewirkt.

Wir aßen in Ruhe auf und nachdem wir gezahlt und das Lokal verlassen hatten, gingen wir zurück zur Fähre. Während Eren am Schalter die Tickets kaufte, sah ich zu, wie Fußgänger und Autos die Fähre verließen und sich auf die Insel begaben. Drei Junge Soldaten verließen ebenfalls das Schiff und als ich sie erblickte, verkrampfte sich augenblicklich meine komplette Haltung. Meine Fingernägel bohrten sich tief in meine Handflächen und ich presste die Lippen zu einem schmalen Strich zusammen. Die Soldaten, zwei Jungen und ein Mädchen kam näher, plauderten, während sie die Straße entlang spazierten.

Eren kam zu mir zurück und zog mich ohne Fragen zu stellen mit dem Gesicht an seine Brust und streichelte meinen Rücken. Auch wenn ich kein Körperkontaktjunkie war, beruhigte mich Erens sanfter Duft und seine Wärme. Als er mich wieder losließ, waren die jungen Soldaten bereits verschwunden und wir konnten auf die Fähre begehen.
„Was war los?“, fragte mich der Jüngere, während wir uns einen Platz im Innenraum suchten, da es bereits um einiges Kühler geworden war. Ich reagierte nicht auf seine Frage, doch Eren gab sich damit nicht zufrieden.
„Lag es an den Soldaten, die du so angestarrt hast? Du hast mir nie etwas aus deiner Vergangenheit erzählt. War dein Vater Soldat und fiel im Kampf?“, hakte Eren nach und beugte sich näher zu mir, doch dieses Mal rutschte ich ein Stück von ihm weg.
„Das geht dich nichts an.“, erwiderte ich eisig kalt und distanziert. Erens verletzter Blick sagte mir, dass mein plötzlicher Stimmungswandel ihm erneut wehgetan hatte.
„Entschuldigung, ich kann nicht darüber sprechen.“, murmelte ich und verschwand eilig an das Deck. Fahrig pflückte ich eine Zigarette aus der Schachtel und steckte diese an. Eren folgte mir nicht und für den Moment war ich froh, alleine sein zu können.

Die Therapiestunde bei Dr. Isayama hatte mir rein gar nichts außer neuen Problemen beschert, doch aus meiner eigenen Zeit als Therapeut wusste ich, dass dieser Verlauf nicht unüblich war. Die ersten Therapiestunden brachten in den seltensten Fällen Erfolge. Möglicherweise sollte ich doch noch mal hingehen… wer weiß, wie lange Eren mein ständiges hin und her noch mitmachen würde.
Ich zog an meiner Zigarette und stieß den Rauch aus. Wie war es möglich, dass Erens Interessen an mir und meiner Vergangenheit gleichzeitig so guttat, aber auch so unglaublich schmerzte?
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