The World Is Getting Stranger

GeschichteRomanze, Freundschaft / P16
Joshua William Dun Tyler Robert Joseph
16.10.2018
21.08.2019
8
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„Also?“, fragte Tyler und schien bereits gelangweilt.
„Also?“, wiederholte Josh da er sich nicht sicher war, was Tyler wollte.
„Ich weiß auch nicht, Mann. Das war deine Idee“, antwortete dieser und sah zu ihm. „Worüber willst du reden?“
„Über alles“, sagte Josh.

Er würde lügen wenn er sagen würde er wäre vollkommen entspannt. Er war es nicht. Er tat nur so aber er war mittlerweile daran gewöhnt. Es war schließlich das, was er am besten konnte; so tun, als wäre er selbstbewusst gegenüber jedem in der Schule. Und er war selbstbewusst, jedoch nicht so sehr, wie er es gern gehabt hätte. Doch jetzt war nicht der richtige Moment um darüber nachzudenken, schließlich musste er sich auf Tyler konzentrieren. Nur auf Tyler. Josh musste versuchen seine Meinung über ihn zu ändern, wenn er die 500 Dollar von Jason haben wollte. Und er hatte nur noch 40 Minuten Zeit dafür.

„Wir können über Musik reden, wenn du möchtest. Du magst doch Musik, oder?“, fragte Josh mit seinem charmantesten Lächeln.
„Ja“, sagte Tyler und senkte kurz seinen Blick, bevor er wieder zu Josh schaute. „Musik ist… ja. Ich mag Musik.“

Josh lächelte den anderen Jungen an, welcher plötzlich in Gedanken vertieft war und fast schon verängstigt schien. Er blickte hektisch umher als wüsste er nicht, wo er hinschauen sollte. Eine Sekunde sah er auf die Tasse Kaffee hinab die Josh in den Händen hielt und in der nächsten Sekunde sah er zur Straße. Doch Josh sagte nichts. Er wusste, dass er mit den schlechten Anmachsprüchen aufhören musste, wenn er eine Chance haben wollte diese Wette zu gewinnen.
Außerdem war ihm nicht danach, Tyler weiter zu belästigen.

„Spielst du denn irgendwelche Instrumente?“
Tyler sah wieder zu Josh auf und runzelte die Stirn. Josh konnte ganz klar die Unsicherheit und das Misstrauen in seinen Augen lesen, als ob er Angst hatte mit jemandem wie Josh über sich selbst zu reden. Sicher war das so, dachte Josh. Schließlich hatten viele Schüler in der High School ebenfalls Angst ihn anzusprechen, er wäre also nicht der Erste. Aber Tyler war anders. Tyler war normalerweise der Typ Mensch, der sich von nichts und niemandem unterkriegen ließ, deshalb war Josh überrascht, dass er sich so verhielt.

„Ja. Ich spiele Piano. Und manchmal Ukulele“, sagte Tyler etwas verunsichert.
„Ich spiele Schlagzeug. Wir sollten eine Band gründen.“
„Ja, richtig. Als würde ich noch mehr Zeit mit dir verbringen wollen“, antwortete Tyler und Josh musste lächeln.
Der freche Tyler war zurück, das mochte er.

„Singst du?“
„Ja. Manchmal schreibe ich auch selbst Lieder.“
„Nicht wahr! Das ist echt cool, Alter!“, sagte Josh begeistert.

Er wollte nicht so enthusiastisch klingen aber er konnte einfach nicht anders, wenn es um Musik ging. Er war sehr leidenschaftlich was das anging und er konnte stundenlang über sein Schlagzeug, über Songs und über seine Lieblingsbands reden, ohne dass ihm langweilig wurde. Tyler wurde immer interessanter und Josh war von sich selbst überrascht. Er wollte mehr als nur 40 Minuten mit dem anderen Jungen verbringen.

„Was für Lieder schreibst du? Was ist das für ein Genre?“
„Mh… Weiß nicht genau. Ich denke du könntest es Rap nennen. Aber das hört sich nicht richtig an. Ich habe… Ich habe einfach viel zu sagen.“
Josh sah auf seine Uhr. 10 Minuten waren vergangen und das hieß, dass er nur noch 30 Minuten Zeit hatte um Tyler davon zu überzeugen, ihm eine Chance zu geben. Es war nicht viel, doch Josh war sehr optimistisch, dass es reichen würde.

„Hast du eine Lieblingsband?“, fragte er. Tyler schien ebenfalls ein Musikliebhaber zu sein, weswegen Josh weiter darüber reden wollte.
„Das ist eine schwierige Frage“, sagte Tyler lächelnd, „Vielleicht Imagine Dragons. Obwohl… Ich liebe Death Cab. Wie sieht's bei dir aus?“
„Auf jeden Fall Death Cab.“
„Sie sind echt gut.“
„Das sind sie, Mann“, sagte Josh breit lächelnd.

Tyler lächelte ebenfalls und als er einen Schluck von seiner heißen Schokolade nahm konnte Josh nicht anders, als ihn genauer anzusehen. Er war so besessen von der Wette gewesen, dass er sich nie die Zeit genommen hatte ihn einmal richtig zu betrachten. Und Tyler war wirklich schön.

„Was?“, fragte Tyler nach einer Weile, „Hab ich was im Gesicht?“
„Nein. Du bist nur ziemlich süß“, sagte Josh, noch immer lächelnd.
„Okay. Sei vorsichtig mit dem was du sagst. Du könntest weitere 10 Minuten verlieren“, antwortete Tyler, welcher rot angelaufen war.
„Komm schon, das ist nicht fair! Ich sage einfach nur die Wahrheit.“
Tylers Wangen wurden noch röter. Er senkte den Kopf und biss auf seine Unterlippe.

„Ich habe gehört, dass du ein ziemlich guter Basketballspieler bist, stimmt das?“, fragte Josh ehrlich interessiert.
„Ich denke das bin ich“, antwortete Tyler schulterzuckend.
„Du hast doch ein Basketballstipendium, oder? Das ist klasse!“
„Ja, das ist es. Aber ich denke ich werde ablehnen.“
„Echt? Wieso?“
„Ich weiß nicht. Ich bin gut im Basketball aber ich mag es nicht mehr wirklich. Ich würde mich gern auf die Musik konzentrieren.“

„Das kann ich verstehen. Ich würde gern dasselbe machen. Nur glaube ich, dass meine Eltern darüber nicht gerade erfreut sein werden.“
„Du solltest es trotzdem versuchen, wenn es wirklich das ist, was du willst. Du solltest mit ihnen darüber reden.“
„Ja, ich denke du hast recht“, sagte Josh lächelnd und auch Tylers Lippen zeigten den Ansatz eines Lächelns.

Und in diesem Moment merkte Josh, dass er Tyler völlig falsch eingeschätzt hatte. Seit er das erste Mal mit ihm geredet hatte war er sich sicher gewesen, dass er ein ziemlicher Nerd war, ein Muttersöhnchen. Jemand der immer gute Noten mit nach Hause bringen und der perfekte Sohn sein wollte. Doch er lag falsch. Tyler war so viel interessanter. Die beiden waren sich sogar ziemlich ähnlich und Josh wollte den anderen Jungen unbedingt besser kennenlernen. Er wollte mehr über seine Träume erfahren, über seine Sehnsüchte, Hoffnungen und seine größten Ängste.

In Joshs Hinterkopf war diese kleine Stimme. Die kleine Stimme die ihm sagte, dass er einen riesigen Fehler begangen hatte beim Annehmen der Wette. Doch jetzt war es zu spät und Josh entschied sich diesen Teil für eine Weile zu vergessen um sich auf das Date konzentrieren zu können; um sich auf die Minuten konzentrieren zu können die ihm noch mit dem anderen Schüler blieben.

Tyler trank noch immer seine heiße Schokolade und legte eine Hand auf den Tisch. Josh sah ihn an und bewegte langsam seine eigene Hand, bis sich die Fingerspitzen der beiden berührten. Tyler zuckte überrascht zusammen und schaute kurz auf seine Hand hinab, bevor er sie zurückzog und auf seinem Oberschenkel platzierte.

„Ehm, hast du… hast du Brüder oder Schwestern?“
„Habe ich“, antwortete Josh und wusste, dass er am besten ignorierte was gerade passiert war. „Ich habe zwei Schwestern und einen Bruder.“

Nickend sah Tyler auf seine Uhr und fuhr sich anschließend mit einer Hand durch die Haare. Er schien nervös, ängstlich und Josh merkte, dass er sehr viele Dinge von ihm lernen konnte, nur indem er ihn beobachtete und darauf achtete, wie er sich verhielt. Wie seine Hände durch seine Haare fuhren oder wie er auf seine Unterlippe biss wenn er sich unwohl fühlte. Er verhielt sich ganz anders als sonst und Josh glaubte, dass er endlich den richtigen Tyler kennenlernte, nicht nur die Oberfläche, nicht nur die Schale.

„Magst du es hier? In Columbus?“, fragte Josh.
„Ja. Bevor wir nach Phoenix zogen haben wir dreizehn Jahre hier gewohnt also bin ich nicht wirklich neu hier, weißt du? Und Columbus hat sich immer mehr wie mein Zuhause angefühlt.“
„Warum seid ihr wieder hergezogen?“
„Wegen der Arbeit meines Vaters. Lebst du schon immer hier?“
„Ja. Und ich reise auch nicht viel, also ist Columbus so ziemlich alles, was ich kenne.“

Beide redeten noch ein wenig mehr über ihre Kindheit und ihre Familien. Dabei lernte Josh, dass Tyler seine Zeit gern mit lesen und Videospielen verbrachte; letzteres gemeinsam mit seinem kleinen Bruder Zack. So wie er von ihm sprach, schienen sie sich sehr nahe zu stehen und Josh musste lächeln weil er dabei an die Beziehung zu seiner Schwester dachte. Er erfuhr außerdem, dass Tyler viel zu viele Serien mochte und dass er nicht an Aliens glaubte. Der Rest der Konversation bestand daraus, dass Josh ihn anderweitig überzeugen wollte. Dass Tyler nicht an Aliens glaubte war ein No-Go und Josh war sich sicher, dass er Tylers Meinung ändern konnte. Er musste.

„Du bist ziemlich besessen von den Aliens, oder?“, fragte der Jüngere mit einem trotzigen Lächeln.
„Bin ich nicht. Sie existieren eben. Vielleicht sind sie ja schon hier, wer weiß das schon?“, sagte Josh, woraufhin Tyler lachte.
Josh sah auf seine Uhr und grinste breit als er merkte, dass sie schon seit über einer anderthalben Stunde im Starbucks saßen.

„40 Minuten, mh?“, fragte Josh.
„Ja, tja… es stellte sich heraus, dass du doch nicht so ein riesen Arsch bist“, sagte Tyler, „Aber ich sollte trotzdem gehen. Es wird spät. Kannst du mich vielleicht nach Hause fahren?“
„Na klar.“

Sie gingen nach draußen und liefen in Richtung von Joshs Auto. Tyler war etwas ruhiger aber Josh merkte, dass er noch immer argwöhnisch war und so sehr er ihn auch mochte, es gab immer noch die Wette.
Die ganze Fahrt über blieb es ruhig und erst als Josh sein Auto einige Meter von Tylers Haus entfernt parkte, sprach der Letztere.

„Okay. Danke für… was auch immer das war“, sagte er.
„Es war gar nicht so schlimm, oder?“, fragte Josh und legte eine Hand auf Tylers Schulter. Seine Fingerspitzen berührten Tylers Nacken. Er sah auf die Lippen seines Gegenübers und fragte sich, ob es zu früh war um den ersten Schritt zu machen.

Tyler war leise und Josh nahm diese Stille als Einladung an. Als er sich zu ihm herüberbeugte senkte Tyler den Kopf, bevor er eine Hand auf den Griff der Beifahrertür legte.
„Ich… Ich sollte gehen.“
„Tyler warte!“

Aber dieser war schon aus dem Auto ausgestiegen und lief zu seinem Haus, ohne zurückzuschauen. Josh wartete, bis er die Tür geschlossen hatte und startete dann seinen Motor um selbst nach Hause zu fahren.
In weniger als 15 Minuten war er bei sich, wo er schnell in sein Zimmer ging. Er begrüßte nicht einmal seine Eltern oder erzählte ihnen, wo er gewesen war. Er wusste, dass sein Vater später sowieso in sein Zimmer kommen würde um ihn danach zu fragen. Josh legte sich auf sein Bett und sah zu seinen Postern vom All und von Akte X hinauf. Das All und die Sterne anzuschauen war für ihn schon immer eine gute Möglichkeit gewesen um herunter zu kommen und sich auszuruhen. Jetzt war es nicht anders.

Nach einigen Minuten klingelte sein Handy und Josh sah auf den Display. Jason rief ihn an. Sie telefonierten nicht oft miteinander, weswegen Josh die Stirn runzelte; trotzdem nahm er den Anruf an.
„Hi, was gibt's, Kumpel?“, sagte Josh und stand aus seinem Bett auf. Eine seiner Gewohnheiten war es, beim Telefonieren durch das ganze Haus zu laufen. Er konnte nicht an einem Platz bleiben, er wusste allerdings nicht, wieso.

„Wie lief das Date?“ Natürlich, dachte Josh sich, rief Jason an um alles über das Fake Date mit Tyler zu erfahren.
„Es lief gut, denke ich. Er mag mich auf jeden Fall, falls es das ist, was du hören wolltest“, sagte Josh.
„Gut! Habt ihr irgendetwas Erwähnenswertes gemacht?“
„Nope“, sagte Josh, „Er scheint dafür noch nicht bereit zu sein und… er muss sich erst daran gewöhnen, dass er einen anderen Typen attraktiv findet. Ich meine, es ist neu für ihn, weißt du… Ich… Ich will ihm Zeit lassen“, sagte Josh und biss sich kurz darauf auf die Unterlippe.

Er wusste, dass er sich nicht zu sehr in diese Beziehung reinhängen sollte, dass er nicht so viel Rücksicht auf Tyler nehmen sollte, doch er konnte nicht anders.
Es war zu spät. Es interessierte ihn. Er interessierte sich für den anderen Jungen.

„Josh?“, sagte Jason, „Du machst das immer noch für das Geld, richtig? Sag mir nicht, dass du dich in diesen merkwürdigen Typ verknallt hast!“
Plötzlich war Josh wütend. Jason sollte solche Sachen nicht sagen, wenn er seinen Mitschüler nicht einmal kannte. Er war wütend und wollte eigentlich zurückfeuern doch er nahm an, dass sein Freund das nicht verstehen würde.
„Natürlich mache ich das nur für das Geld, Mann! Ich habe ja nur gemeint, dass es länger dauern könnte als gedacht. Aber glaub mir, er wird sich genauso schnell in mich verlieben wie alle anderen auch, also halt lieber mal das Geld bereit.“

Gerade als Josh seinen Satz beendet hatte, fiel sein Blick auf Tylers Bruder Zack und sein Herz setzte einen Moment aus als dieser ihn stirnrunzelnd ansah. So, wie er Josh ansah war er sich sicher, dass Zack das Gespräch gehört hatte. Doch er hatte den Namen seines Bruders nicht genannt und er hatte nicht einmal so wirklich ausgesprochen, dass es um einen Typ ging. Josh seufzte erleichtert und ging schnell wieder in sein Zimmer. Hinter sich schloss er die Tür.

„Kacke, das war knapp“, sagte Josh, der noch immer das Telefon an sein Ohr hielt.
„Was ist passiert?“
„Tylers Bruder ist verdammt noch mal bei mir zu Hause, Alter. Er ist mit Ashley befreundet. Aber alles gut, er hat nichts gehört.“

Josh wollte ganz sicher nicht, dass Zack herausfand, dass es um seinen Bruder ging. Er war sich ziemlich sicher, dass er darüber nicht gerade erfreut sein würde. Und das war noch eine Untertreibung.
Josh redete noch eine Weile mit Jason aber legte nach ein paar Minuten auf und steckte sein Handy in die Tasche seiner Jeans. Er ging nach unten, ins Wohnzimmer, wo er seinem Vater Gesellschaft leistete. Dieser sah vom Fernseher auf und lächelte ihn an.

„Wo warst du?“
„Ich war bei Brendon.“
Sein Vater nickte und sagte nichts weiter. Josh ließ sich auf die Couch fallen und sah sich die Nachrichten an, ohne wirklich darauf zu achten was gesagt wurde. Sicherlich ging es um Politik oder Geld.

Er konnte an nichts anderes als an Tylers Blick denken, als dieser sein Auto fluchtartig verlassen hatte. Er schien verschreckt und ängstlich und Josh hasste es sich das eingestehen zu müssen, doch er wollte unbedingt wissen, was in seinem Kopf vor sich ging.
Schnell nahm er sein Handy zur Hand und schickte Tyler eine Nachricht über Facebook. Noch immer hatte er seine Nummer nicht und hatte auch am Nachmittag vergessen, ihn danach zu fragen.

-Ich hatte viel Spaß heute Nachmittag. Ich wollte nur wissen, ob bei dir alles okay ist.-

Die Nachricht war gut. Er sagte nicht zu viel und war nicht zu aufdringlich. Er war einfach nur nett, also klickte er auf Senden.
Er wartete auf Tylers Antwort doch dieser wollte wohl nicht antworten. Josh steckte sein Handy wieder weg und setzte sich zu seiner Familie um mit ihnen essen zu können. Als er, später am Abend, wieder in sein Zimmer ging, hatte er noch immer keine neue Nachricht.

Josh zog sich um und machte sein Handy aus. Das konnte auch bis morgen warten. Er legte sich ins Bett, schloss die Augen und schlief fast augenblicklich ein.
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Da diese Geschichte doch gelesen wird habe ich mal 2 Kapitel hoch geladen, da so lang gewartet werden musste, sorry dafür! :(
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