Hinter den Fassaden

von Izzybuddy
GeschichteAllgemein / P16 Slash
Chloe Frazer
16.10.2018
01.11.2018
9
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Es dämmerte bereits, als Chloe von einem Geräusch aufschrak. Sofort duckte sie sich hinter den Stamm und sah sich, plötzlich hell wach, um. Ihre Partnerin war jedoch nirgends zu sehen. „Verdammt Nadine.“ Sie wollte doch aufpassen. Wo zum Donner steckte sie? Hatten diese hirnlosen Schläger sie geschnappt?
Wieder dieses Geräusch. Es klang wie ein brechender Ast links von ihr im Unterholz. In dieser Richtung bot ihr die Umgebung kaum Deckung. Dort war lediglich ein Haufen Blattwerk und dicht beieinander stehende Bäume. Mit einem Satz sprang sie auf, hechtete an einen Stamm und drückte sich gegen die raue Rinde. Einige der abgebrochen Äste stachen in ihren Rücken, als sie sich zur Seite drehte und versuchte  zwischen all dem Grün das Schwarz oder Grau der Ausrüstung von Asavs Männern zu erkennen. Sie sah nichts, doch das Knacken wurde immer lauter und kam stetig näher.
Chloe atmete schnell, doch leise und spannte ihren Körper an, bereit gleich nach vorne zu schnellen und sich zu verteidigen. Nur wenige Sekunden später war es soweit. Sie atmete tief ein und ließ ihren linken Arm in Brusthöhe nach vorne schwingen, setzte mit dem rechten zum Schlag an und hielt im letzten Moment inne: „Was zum...“ „Au!“, rief Nadine, die Chloes linke Hand noch immer auf ihrem Brustbein spürte. „Sag mal spinnst du?!“, fragte Chloe fassungslos und ließ ihre Hände sinken. „Warum rennst du hier herum. Ich hätte dich erschießen können.“ Nadine hingegen fuhr sich kurz über ihr Brustbein, bückte sich dann und sammelte Rindenstücke auf, die sie bei dem ´Angriff `hatte fallen lassen. „Komm mal wieder runter. Ich habe nur was zum Essen und Liegen gesucht...Außerdem habe ich die Waffen.“ Da ihr Gegenüber sie nur fassungslos anstarrte, fuhr sie fort. „...du hast endlich geschlafen, da wollte ich dich nicht aufwecken.“ Ihre Stimme wurde immer leiser bis sie am Ende in ein Murmeln überging. Chloe hingegen konnte nicht anders, als diese Aussage, auch wenn sie noch so überrascht davon war, schlicht süß zu finden. „Lass uns die Nacht über hier bleiben. Scheint ein guter Ort zu sein und bei Dunkelheit können wir eh nicht weiter klettern.“, schlug Nadine vor und sah sie offen an. Die Wut verflog und auch das Adrenalin verließ Chloes Körper. Sie stöhnte resigniert und bückte sich nun ebenfalls um die übrigen Rindenstücke aufzusammeln. Ihre Blicke trafen sich und Nadines Augen funkelten sie an. „Mach das nicht nochmal. Ich dachte schon, sie hätten dich erwischt.“, murmelte Chloe und wendete bei ihren letzten Worten ihren Blick ab. Mit einem Haufen Rinde auf dem Arm stand sie auf und drehte sich zum Lager um. Nadine hingegen starrte ihr verwundert hinterher und setzte sich erst in Bewegung, als sie hörte, wie ihre Partnerin das Gesammelte auf den Boden fallen ließ und verteilte. Sie warf auch ihren Haufen dazu und leerte dann ihre Taschen aus. „Frazer, willst du auch?“, fragte sie und hoffte nicht allzu unterwürfig zu klingen. Sie hätte sie wecken sollen, das wusste sie, doch sie hatte es nicht übers Herz gebracht. Chloe hatte sich endlich entspannt und so friedlich in der dringend benötigten Ruhe geschlafen. Umso mehr freute sie sich, als Chloe nun aufsah und beim Blick auf das Obst in ihrer Hand zu Lächeln begann. „Machst du Witze? Ich verhungere.“ Mit diesen Worten stürzte sie regelrecht auf Nadine zu und nahm die Banane aus ihrer Hand. Auch auf Nadines Lippen breitete sich nun ein Lächeln aus, während sie auch die restlichen Früchte auf ihren Nachtplatz legte.

„Danke...“ Nadine sah überrascht auf. Seit mehreren Minuten hatte keiner mehr gesprochen. Lediglich die Tiere hier hatten einen ziemlichen Radau gemacht. Chloe saß links von ihr auf dem improvisierten Lager aus dicken Rindenstücken und blickte auf die Figur ihres Vaters. Nadine erwiderte nichts und zog es vor, Chloe die Zeit zu lassen, die sie benötigte.  „...fürs Essen...und das Schlafen lassen.“ Nadine nickte lediglich, als Chloe aufblickte und erst jetzt nahm sie die Wunde an Nadines Schulter richtig wahr. Sie zeigte darauf und Nadine folgte ihrem Finger. „Kann ich mir das mal ansehen?“ „Tu dir keinen Zwang an.“ Nadine drehte ihre linke Schulter etwas ein, sodass Chloe sie besser inspizieren konnte, legte den Kopf zur Seite und zuckte zusammen, als sie Nadines Finger an ihrer Halsbeuge spürte. Ein unerwartet wohliges Gefühl breitete sich an dieser Stelle aus und verstärkte sich, als Chloe ihr Shirt anhob und etwas zur Seite zog. „Ich sollte das reinigen.“, stellte sie währenddessen sachlich fest und Nadine war erleichtert, dass sie offenbar nichts von dem aufziehenden Sturm in ihrer Brust bemerkte. Nadine traute währenddessen ihrer Stimme nicht mehr über den Weg, weshalb sie schlicht schwieg und nicht ohnehin kam, die Berührungen zu genießen. Zumindest bis zu dem Moment, da Chloe mit dem Reinigen begann und es einfach nur noch weh tat.
„Fertig.“, brachte diese schließlich heraus und legte das Shirt wieder an seinen Platz, strich es fürsorglich glatt und stellte dann den Abstand zwischen ihr und Nadine wieder her - sehr zum Leidwesen Nadines, die schlicht froh um etwas Fürsorge gewesen war.
Doch auch wenn sie davon ausging, dass es lediglich das Sehnen nach Aufmerksamkeit und Sorge war, kam sie nicht um die Feststellung herum, dass sie sich auf eine Weise zu Chloe hingezogen fühlte, die sie nicht ganz verstand.
Es war ein merkwürdiges Gefühl, das sich in ihr ausbreitete, sobald sie Chloes Lächeln sah oder auf eine ihrer Sprüche Antwort gab, die ihr Gegenüber zumindest für eine Sekunde sprachlos machte. Sie wollte bei ihr sein. So sehr, dass sie sich nun zumindest für einen Bruchteil einer Sekunde wünschte, dass sie und Chloe noch eine Weile für diesen Job brauchen würden. Nadine hatte schon lange niemanden gehabt, auf den sie sich verlassen konnte, bei dem sie das Verlangen hatte, Acht zu geben und für ihn zu Sorgen. Chloe benötigte diese Sorge nicht und vielleicht gerade deshalb wolle sie sicher gehen, dass es ihr auch tatsächlich gut ging. Gleichzeitig lechzte sie nach der Aufmerksamkeit der Brünetten und hoffte auf weitere Details ihres Lebens. Denn auch wenn ihr dieses Bedürfnis bisher weitestgehend fremd war, so wollte sie Chloe doch kennen lernen. Diese Frau faszinierte sie auf eine Art, wie es bisher keiner getan hatte.

„Alles klar?“, drang eine leise Stimme fragend an ihr Ohr. Genau solche Situationen meinte sie. Chloes Stimme klang völlig verändert, wenn die Sorge und wahres Interesse sie durchzogen. „Ja, ich bin wohl nur erschöpft.“, gab Nadine offen zu und rutschte an dem Stamm in ihrem Rücken hinab, bis sie auf  dem recht weichen Untergrund zum Liegen kam. „Dann ruh dich aus. Ich werde jetzt Wache halten.“, erklärte Chloe und blickte auf ihre Partnerin herab. „Wie gut, dass es so warm ist. Wir werden nicht frieren müssen.“, murmelte Nadine bereits im Halbschlaf und Chloe schmunzelte. „Schlaf.“ Sie begab sich in eine halb sitzende, halb liegende Position neben Nadine und lies ihren Blick abwechselnd von der steilen Felsklippe vor ihnen zu dem Waldabschnitt neben ihnen schweifen. Doch diese Wachsamkeit konnte sie nicht lange aufrechterhalten und so blieb ihr Blick bald an Nadine hängen. Ihr Brustkorb hob und senkte sich mal stärker, mal schwächer und ihre Augen zuckten immer mal wieder unten den Liedern. Ein unbekannter Beschützerinstinkt machte sich unaufhaltsam in ihr breit und erfüllte ihren Körper mit dem unbändigen Wunsch die Person vor sich bei sich zu haben. Aber dieses Gefühl, so schön es auch sein mochte hinterließ auch den bitteren Geschmack der Angst auf ihrer Zunge. Sie konnte sie tatsächlich schmecken, wenn sie daran dachte, dass dieser Auftrag bald zu Ende sein und sie wieder getrennte Pfade bestreiten werden würden und noch viel beängstigender war der Gedanke an eine Definition dieses neuen Gefühls in ihrer Brust. Es war wie ein einziger großer Klumpen undurchsichtiger Maße, die sie nicht zu bestimmen wusste. Sie wusste nur, es war da und sie hatte keine Ahnung wohin sie dieses Gefühl leiten und was es auslösen würde und das bedeutete unweigerlich, dass sie keine Kontrolle hatte. Dieser Gedanke alleine war schon ausreichend um sie aus dem Gleichgewicht zu bringen.
Kurz wendete sie den Blick ab und fixierte Nadine dann erneut.
Sie ließ ihren Blick von ihren tief schwarzen Haaren über die Narbe an ihrer Stirn zu ihren Augen wandern, die nun hinter ihren Lidern verdeckt lagen. Nadines Gesichtszüge waren entspannt, ein seltenes Phänomen, denn Chole kannte dieses Gesicht eher angespannt, ja oftmals sogar leicht genervt und grimmig. Zumindest zu Beginn ihrer Reise, denn mittlerweile stahl sich auch immer öfter ein Lächeln auf ihre Lippen und dieses erreichte auch hin und wieder ihre Augen. Bernsteinfarbene Augen, die wenn sie es wollte, unfassbar warm strahlen konnten.
Sie wusste nicht genau, wie lange sie Nadine beobachtet hatte, doch nach einiger Zeit atmete diese tief ein, drehte sich auf die linke Seite und drückte ihre Stirn seitlich an Chloes Brustkorb, ganz so als wollte sie sich bei ihr verstecken. Zunächst spannte sich die junge Frau an und wagte es nicht sich zu bewegen, dann jedoch blickte sie wohlwollend auf ihre Partnerin herab und legte ihre rechte Hand auf Nadines Schulter ab. Nadine, die ihre Unabhängigkeit und Stärke liebte lag wie eine Katze eingekuschelt an ihrer Seite, schlief seelenruhig und bei diesem Anblick konnte Chloe nicht anders als sich dem aufsteigenden Gefühl hinzugeben, die Verbindung zwischen ihnen durch leichten Druck zu verstärken und ebenfalls die Augen zu schließen.