Auror Potter

GeschichteKrimi, Romanze / P18 Slash
14.10.2018
16.12.2018
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Dieses Kapitel
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Kapitel 17

„Potter, denkst du wirklich, dass das funktioniert?“

Harry verdrehte die Augen. „Draco! Wir haben es doch besprochen, und ja, es wird funktionieren.“ Hoffte er zumindest. Doch er war wirklich fest entschlossen, diese miesen Schweine dingfest zu machen – wobei er sie eigentlich am liebsten unter die Erde bringen würde, doch ihm war klar, dass er dann wieder nicht bei Scorpius sein könnte. Und das war es doch, was er wollte. Das war es, wofür er das alles hier tat. Das war der Grund aus dem er mit Draco zusammen gesessen und einen Plan ausgearbeitet, diesen dann mit der Aurorenabteilung abgestimmt hatte und ihn nun auszuführen gedachte.

„Das weiß ich. Ich habe ihn mit ausgearbeitet. Es geht hier um meinen Jungen. Um meinen einzigen Sohn, den ich wiederhaben will, und von dem ich hoffe, dass sie ihn noch nicht umgebracht haben. Also wird es wohl erlaubt sein, wenn ich nachfrage!“

Harry warf Draco einen Blick zu und lächelte schmal. Er hatte Draco in den letzten Tagen besser kennen gelernt, als in all den Jahren in der Schule damals. Und er musste gestehen, dass ihm das, was er kennen gelernt hatte, gefiel. Es war eine Seite an Draco, die er vielleicht damals einfach noch nicht gehabt hatte, weil ihn damals niemand geschert hatte. Diese neue Seite war die eines liebenden, besorgten Vaters, der voller Angst um seinen Sohn war, der seine Frau liebte und in ihrer eigenen Angst stützte und ihr half, auch wenn es ihm selber nicht viel besser ging. Dennoch hätte er auf diese Erfahrung liebend gerne verzichtet, wenn das bedeutet hätte, dass er seinen Scorpius jetzt bei sich hätte.

Er schluckte hart gegen den Kloß an, der sich in seinem Hals bildete, denn so zuversichtlich und entschlossen er sich Scorpius‘ Eltern und seinen Kollegen präsentierte, die bisher nicht viel hatten in Erfahrung bringen können, so panisch war er im Inneren doch selber, denn er liebte Scorpius. Sie waren füreinander bestimmt, und er wollte ihn verdammt nochmal wiederhaben, koste es, was es wolle!

„Ja. Es ist erlaubt. Ich will ihn auch wiederhaben. Er gehört zu mir und glaub mir, ich werde diese Typen zur Rechenschaft ziehen. Die kommen nie wieder aus Askaban raus.“

Draco hob den Kopf ein wenig und sein Blick änderte sich etwas, wurde kälter, jegliche Gefühle verschwanden, und er sagte mit kalter Stimme, die Harry einen Schauer über den Rücken jagte: „Lass mich mitkommen, dann brauchen sie sich in Askaban nicht mehr mit ihnen belasten.“

Harry glaubte ihm aufs Wort und schüttelte den Kopf, denn er wollte nicht, dass Scorpius wieder bei ihm war und dafür sein Vater den Rest seines Lebens im Gefängnis saß. Davor musste er ihn schützen. Er selbst war Auror. Er konnte sich beherrschen. Draco Malfoy konnte es vielleicht nicht so wie er es sollte. Zumindest in Scorpius‘ Interesse, der sicher nicht seinen Vater verlieren und ihn nur noch in Askaban besuchen können wollte.

„Du willst es wirklich allein machen, Harry? Lass mich mitkommen. Ich halte mich im Hintergrund, du hast mein Wort, aber … es geht um meinen Sohn.“

Harry seufzte. „Ja, okay … dann komm mit. Abhalten kann ich dich wohl nicht wirklich. Aber halt dich an die Absprachen. Wenn du es nicht tust, gefährdest du mich und auch Scorpius. Es geht nur um ihn!“

„Ja, es geht nur um ihn.“



Der zweite Brief enthielt eine Uhrzeit, einen Treffpunkt und die klare Anweisung allein zu kommen um das Geld abzuliefern. Es kam Harry vor wie in einem der Muggel-Krimis, die er manchmal im Fernsehen sah. Es fehlte nur noch, dass der Text aus Buchstaben zusammengeklebt worden wäre, die aus Zeitungen ausgeschnitten waren. Die Malfoys hatten keinen Brief mehr bekommen, sodass wohl klar war, dass die Entführer Harry als Boten haben wollten. Das konnten sie kriegen. Er war ausgebildeter Auror, ein guter dazu, und er war der verdammte Held, der Voldemort gekillt hatte, da würde er doch ein paar dämliche Entführer plattmachen können. Sie würden noch bereuen, dass sie ihm seinen Freund weggenommen hatten.

Morgen wollten sie sich mit ihm treffen. Morgen … das bedeutete für ihn noch eine Nacht ohne Scorpius – und für Scorpius bedeutete es weitere endlose Stunden in Gefangenschaft, in denen sonstwas mit ihm angestellt wurde. Doch leider war es nun einmal so, dass allein die Briefe keinen wirklichen Hinweis auf Scorpius‘ Aufenthaltsort brachten, ebenso konnte seine magische Signatur nicht nachgewiesen werden … vermutlich hatten die Schweine sie irgendwie unterdrückt. Harry hatte das schon bei anderen Fällen gesehen – auch wenn es ihm sehr schwer fiel, das hier wie einen normalen Fall anzusehen, denn immerhin ging es um die Liebe seines Lebens.

Sie mussten also in der Tat abwarten, bis sich die oder der Entführer zeigten, wenn sie oder er das Geld abholen wollte. Rein theoretisch war alles klar. Harry würde mit dem Geld an der verabredeten Stelle warten und würde sich die Typen dann schnappen. Wirklich gefährlich würde es nicht werden, denn immerhin würden überall im sicheren Abstand getarnte Auroren um ihn herum sein und auf ihn achtgeben – und nun wohl auch Draco Malfoy. Ob ihn das wirklich beruhigen sollte, wusste er noch nicht, aber was er wusste war, dass Draco Scorpius wohl ähnlich gerne wiederhaben wollte wie Harry. Die einzige Gefahr war, dass irgendjemand Scorpius etwas antun würde, während die Mission stattfand.



Dort stand Harry, das Geld in einem Beutel in der Tasche seines Umhangs und seinen Zauberstab unauffällig in seinem Ärmel, denn ganz sicher würde Harry diesen Mistkerlen nicht ohne Waffe gegenübertreten. Ein Mann mit einem dunklen Umhang, der klischeehaft die Kapuze ins Gesicht gezogen hatte, auch wenn es ohnehin dunkel war, trat aus dem ebenso klischeehaften Nebel. Kam es Harry nur so vor oder waberte es unter der Kapuze? Es fröstelte ihn, als er näher trat und den Beutel aus seinem Umhang zog. Eine Gänsehaut zog sich über seine Arme zu den Schultern und … seine Narbe auf der Stirn begann zu ziehen und zu schmerzen. Was verdammt nochmal war hier los? Er fuhr mit der linken Hand an die Stirn und räusperte sich dann.

„Wo ist Scorpius? Ich will ihn sehen.“

Zuerst schien der Kerl nicht zu reagieren, doch dann trat er beiseite, und hinter ihm erschien Scorpius … oder auch nicht wirklich. Er trug ein Halsband wie ein Hund, war ansonsten nackt, und Harry konnte die Spuren von Gewalt an seinem Körper erkennen, Hämatome, Striemen … Harry wurde übel und er wusste wirklich, weshalb er ein so schlechtes Gefühl hatte, als er Scorpius in die Augen blickte. Sie waren … leer. Als würde er ihn nicht mehr erkennen. Harrys Mund wurde trocken, er musste husten und starrte seinen Freund an, der irgendwie wirkte wie eine leere Hülle, als er sich nun neben den Kapuzenmann stellte, und zu ihm aufsah. Seine Lippen öffneten sich und er fragte leise: „Was kann ich für Euch tun, Herr?“

Harry stockte der Atem. War das ein Spiel? Verstellte Scorpius sich? Er konnte nicht anders als zu fragen: „Scorpius? Geht es dir gut?“

Der leere Blick richtete sich auf Harry, wortlos …

Der Kapuzenmann zog Scorpius am Halsband zu sich wie einen Hund und schien leichten Druck auszuüben, dem Scorpius ohne zu zögern nachgab. Er kniete sich vor den Mann und begann, dessen Umhang auseinander zu schieben, nestelte an den Kleidern darunter und verschwand gleich darauf halb mit dem Kopf in dem Umhang. Sehr typisch bewegte er seinen Kopf auf und ab, und Harry spürte, wie Wut und Eifersucht in ihm aufstieg. Seine Zauberstabhand kribbelte, und er presste die Zähne zusammen.

Scorpius gehörte ihm. Er kämpfte wütend gegen die Tränen an, die dieses entsetzliche Bild in ihm heraufbeschwor.

Der Mann stupste unsanft mit seinem Stiefel gegen Scorpius‘ nacktes Knie und sofort schob Dracos Sohn seine Beine auseinander, ohne dabei in seinen Bewegungen inne zu halten. Harry konnte nicht anders, als auf den so gut präsentierten Po zu sehen … Auch dort wimmelte es von blauen Flecken und Striemen, zwischen den Pobacken glaubte Harry etwas glitzern zu sehen … einen Plug? Außerdem konnte er eingetrocknetes Blut ausmachen, also hätte jemand Scorpius auf diese Weise Gewalt angetan.

„Scorpius, hör auf! Sofort!“, befahl Harry aufgebracht, doch der blonde junge Mann ignorierte ihn, während der Mann mit der Kapuze Scorpius einen Tritt in die Magengegend verpasste, sodass er sich mit einem unterdrückten Schmerzlaut zusammenkrümmte und zur Seite rutschte. Der Mann kam auf Harry zu, der kaum die Augen von Scorpius lassen konnte, der wiederum mit leerem Blick und auf den Knien hockend den Mistkerl betrachtete.

„Was haben Sie mit ihm gemacht?“, schnauzte Harry den Kerl an. „Ist das ein Zauber? Ein Fluch? Verdammt nochmal …“

In diesem Moment schob der Mann seine Kapuze nach hinten, hob den Kopf und Harry erstarrte, als er in die kalten, seelenlosen Augen des Mannes sah, den er vor vielen Jahren umgebracht hatte, um die Welt zu retten. Zumindest hatte er geglaubt, ihn getötet zu haben … hatte er ihn nicht vor seinen eigenen Augen zu Staub zerfallen sehen? Wie war es möglich, dass er hier stand?

„Scorpius gehört jetzt mir. Und ich kann mit ihm machen, was ich will, Harry Potter.“

Voldemort bewegte seine Hand leicht, und Scorpius wand sich in Qualen auf dem Boden, schrie, stöhnte … und als Voldemort die Hand senkte, und eine kleine Geste machte, kroch er auf den Knien zu dem Monster und machte Anstalten fortzusetzen, wobei er eben unterbrochen worden war.

„Scorpius, nein, lass das. Du gehörst zu mir! Du bist meine Veela, wir lieben uns ... weißt du das nicht mehr?“

Wieder trat Voldemort Scorpius zur Seite. Dann hob er die Hand, sodass der nackte Körper wie am Halsband nach oben gezogen wurde, bis die Füße über dem Boden hingen. „Nein, er weiß es nicht mehr, Harry. Er gehörte mir. Glaub mir, ich habe alles mit ihm gemacht, was man machen kann. Erst hat er sich gewehrt. Aber zuletzt war er so gierig. Er wollte mehr. Er tat alles, was ich wollte. Ich habe noch nie eine so geile Hure bei mir gehabt. Doch jetzt bin ich fertig mit ihm.“

Ein leises Knacken verriet, dass Scorpius‘ Genick brach, bevor Voldemort ihn achtlos zu Boden fallen ließ, als sei er nicht mehr wert als ein totes Insekt.

Harry hatte das Gefühl, der Boden schwanke unter seinen Füßen. Alles wurde trüb, bis auf den Blick auf Voldemort. Der Zauberstab glitt wie von selbst in seine Hand und er richtete ihn auf seinen Feind. Er würde ihn wieder töten. Und dann würde er ihn zurückholen … und wieder töten. Er hatte ihm Scorpius genommen. Scorpius war tot. Tot. Er lag dort auf dem Boden wie ein weggeworfenes Stück Abfall.

Harry musste zu ihm, musste ihn berühren … aufheben … in Sicherheit bringen, weg von hier.

Er hockte sich neben seinen Gefährten, drehte ihn auf den Rücken und sah in die gebrochenen Augen, die an ihm vorbei in die Dunkelheit starrten.

Ein Schluchzen rang sich aus Harrys Kehle hervor, klang unnatürlich laut an Harrys Ohren und wurde von der Dunkelheit verschluckt, die ihn nun einhüllte, ihm den Blick auf Scorpius nahm …

„Scorpius! Bleib bei mir! Nein!“

Er griff ins Leere und schrie, konnte sich nicht mehr hören, spürte jedoch im nächsten Moment, dass seine Kehle schmerzte.

Zitternd lag er auf dem Rücken, spürte seinen Pyjama schweißnass an seinem Körper kleben und versuchte, zu Atem zu kommen, bevor er haltlos zu schluchzen begann.
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