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Eine Reise in eine fremde Welt

von Rush Push
GeschichteAbenteuer, Übernatürlich / P16 / Gen
Electra Greaseball OC (Own Character)
14.10.2018
24.06.2020
39
100.734
4
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24.06.2020 1.850
 
Christine war still auf der Fahrt zum Einwohnermeldeamt. Viel zu sagen hatte sie auch nicht. Dazu wäre sie auch gar nicht in der Lage gewesen, ihre Gedanken hingen noch immer an den gestrigen Abend.
     Der Abend, der ihr keine Ruhe ließ. Ihre Eltern hatten nicht schlecht geschaut, als Christine vor der Haustür stand und fragte, ob sie diese Nacht bei ihnen schlafen könnten.
     Die Ausrede war simpel und noch nicht einmal gelogen. Sie hatte gesagt, dass die Männer betrunken waren und sie sich das nicht antun wollte. Den Teil mit Markus verschwieg sie. Christine wusste, wie nachtragend ihre Mutter sein konnte. Hätte Christine die Aktion von Markus erzählt, würde ihre Mutter dem jungen Pfleger nie verzeihen.
     „So… Wohin fahren wir eigentlich genau?“, riss Greaseball sie aus ihren Gedanken und sie warf kurz einen Blick zu ihm. Er saß neben ihr, der Blick auf die Straße gerichtet. Sicher hatte Markus ihm erzählt,  was geschehen war und Christine war dem Diesel dankbar, dass er nicht direkt mit diesem Thema begann.
     „Zum Einwohnermeldeamt. Man kann dort Informationen über Menschen einholen, für eine kleine Bezahlung, versteht sich.“, erklärte die junge Frau und bog in eine Ecke.
     Electra reckte den Kopf ein wenig: „Und du denkst, dass wir dort diesen Gerald Cook finden?“
     „Ich weiß es nicht. Es ist meine letzte Hoffnung. Der Name klingt sehr amerikanisch.“, erklärte sie und hielt an einer roten Ampel.
     Greaseball hob interessiert die Augenbraue: „Amerika? Ich bin Amerikaner.“
     „Das erklärt so einiges.“ Christine schmunzelte, als er sie fragend und gleichzeitig gespielt beleidigt ansah: „Was soll das denn heißen?“
     Electra auf der Rückbank kicherte, während Christine den Kopf schüttelte: „Greaseball, dir würde es nicht schaden hin und wieder die Nachrichten zu schauen. Den Präsidenten den ihr im Moment habt…“ Sie sprach nicht weiter, sondern parkte den Mercedes in die nächste Parklücke, die sie finden konnte.
     Sie zog die Schlüssel ab und stieg aus dem Wagen. Für gewöhnlich mied sie deutsche Ämter wo es nur ging. Die raubten ihr immer den letzten Nerv, aber im Moment war sie froh, dass sie diese Option hatte. Und Greaseball und Electra waren sicherlich auch dankbar.
     Obwohl sie dieser Sache eher kritisch entgegenblickte. Überall sprach und wetterte man wegen dem Datenschutz und hier konnte man einfach Daten über jemanden bekommen, wenn man zahlte.
     Nicht wirklich die Definition von Datenschutz. Christine musste mal nachsehen, ob man so etwas auch sperren lassen konnte.
     „Und hier erfahren wir etwas über den Kerl?“ Greaseball sah misstrauisch auf das Gebäude das sich vor ihnen erstreckte und Christine nickte: „Wie gesagt: Ich hoffe es. Ansonsten müssen wir uns etwas einfallen lassen, wie wir den Kerl sonst kriegen. Immerhin ist er im Moment eure einzige Spur.“
     Sie warf einen Blick zu dem Diesel, der seine Hand in seine Hosentasche steckte. In jene Hosentasche, wo er immer den Stein aufbewahrte. Christine sollte den beiden eine Tasche geben oder so etwas. Oder den Stein an eine Kette machen, sodass er aber nicht beschädigt wird. Schon schlimm genug, dass der Stein dafür gesorgt hatte, dass man die Sternenbilder nicht mehr am Himmel sah.
     Sie seufzte und betrat das Amt, welches – wer hätte es gedacht? – brechend voll war. Da will man einmal in das Bürgeramt und dann war es auch noch voll.
     Die junge Ärztin seufzte und zog eine Nummer aus dem kleinen Automaten. 341, wirklich aufbauend klang das nicht, aber dennoch ging sie zum Wartebereich.
     Hatte man als Chirurgin eigentlich Vergünstigungen? Sie war sich sicher, bei irgendwem in diesem Gebäude hatte sie einmal ein kleines Wehwehchen behandelt.
     Greaseball und Electra sahen sie eine Weile schweigend an, bis Christine auf die beiden freien Plätz neben sich deutete, die die beiden auch direkt einnahmen.
     „Was machen wir hier?“, flüsterte Electra ihr gereizt zu. Wäre ja auch zu schön gewesen, wenn er ruhig und geduldig geblieben wäre.
     „Wir warten.“ – „Warum?“ – „Weil man das bei Ämtern so macht.“ – „Und warum?“ – „Weil hier auch noch andere Menschen sind, die eher als wir hier waren. Also Schnabel halten und warten, Electra!“
     Die ehemalige E-Lok verschränkte genervt die Arme, während Greaseball neben ihr den Musikplayer hervorzog und sich die Kopfhörer in die Ohren steckte. Wenigstens einer, der ruhig blieb. Vielleicht fand sie ja für Electra auch etwas, was ihn beruhigte. So eine chinesische Fingerfalle wäre doch bestimmt ein guter Anfang, da konnte die ehemalige E-Lok nicht alles anfassen.
     
     Electra warf einen Blick zu Greaseball. Er konnte nicht glauben, dass der Diesel so ruhig blieb, obwohl sie hier nur ihre Zeit verschwendeten. Wer sagte, dass sie hier etwas über diesen Gerald Cook herausfinden würden? Sie hatten bis jetzt doch auch nichts über ihn gefunden und sie hatten praktisch keine Daten über ihn. Keine Infos, gar nichts. Selbst die ehemalige E-Lok wusste, dass man mehr brauchte als nur den Namen.
     Und wer war dieser obskure Mann überhaupt? Warum kannte er diese Steine? Woher kannte er diese Steine? Konnte es denn sein…? Electra runzelte nachdenklich die Stirn, während er auf den Boden zu seinen Füßen starrte.
     Gab es vielleicht noch mehr Loks, die in diese Welt gefangen waren? So wie er und Greaseball? Waren sie womöglich nicht die Einzigen? Und wenn es noch mehr dort draußen gab, hatten sie inzwischen einen Weg zurück gefunden?
     Aber selbst wenn sie einen Weg nach Hause gefunden hätten, das hätte man doch irgendwie erfahren, oder? Es würde sich schnell herumsprechen, wenn eine Lok oder ein Waggon behaupten würde, er sei ein Mensch in einer fremden Welt gewesen…
     Das ergab alles keinen Sinn. Diese Steine, diese Höhle, Sternenbilder, dass die Bilder vom Himmel verschwunden sind, dieser Gerald Cook. Was hatte er mit der ganzen Sache zu tun? War er womöglich auch eine Lok? Abwegig war es nicht. Woher sonst sollte er diese Steine kennen?
     Auf der anderen Seite hatte Electra noch nie von einem Fall gehört, in dem eine Lok spurlos verschwunden ist. Er hatte auch noch nie von einer Lok gehört, die Gerald Cook hieß. Gut, man konnte aber auch nicht jeden kennen. In der Hinsicht war es nicht verwunderlich, dass Electra keine Ahnung hatte, wer dieser Mann war.
     Nachdenklich kratzte Electra an seiner Hose. Er konnte sich aus all dem keinen Reim machen. Er hoffte, sie würden hier etwas über diesen Mann herausfinden. Er war ihre einzige Spur. Was sollten sie denn machen, wenn sie die nun verloren? Sie hätten nichts.
     Reichte in dieser Welt tatsächlich nur ein Name, um über jemanden etwas herauszufinden? So einfach?
     Lautlos stieß er ein Seufzen aus und sah zu seiner rechten, wo Christine saß. Gleich danach Greaseball. Hoffentlich führte diese ganze Geschichte nicht in eine Sackgasse.

     Nach gefühlten Stunden – eigentlich war es nur eine halbe Stunde – kamen die drei tatsächlich an die Reihe und gingen vor zum Schalter, wo eine ältere Frau mit einem sehr grimmigen Gesicht, zu den dreien heraufsah.
     „Wir suchen jemanden. Sein Name ist Gerald Cook.“
     „Haben Sie ein Geburtsdatum oder andere Daten von ihm?“, grunzte sie grimmig und gewann damit nicht die Sympathie von Greaseball oder Electra.
     „Leider nicht. Er ist inzwischen schon etwas älter… Mehr kann ich aber nicht sagen…“, erklärte Christine und fuhr im Anschluss fort: „Wir bräuchten eine Adresse, wenn das möglich wäre.“
     Die Frau sah die junge Ärztin eine Weile an und begann dann in ihrem Computer etwas einzutippen.
     Während Christine höflich lächelte, hatte Greaseball die Arme genervt verschränkt und Electra sah die Beamtin ungeduldig an. Eine ganze Weile verstrich schweigend und man vernahm nur das leise Gemurmel der anderen Menschen im Amt, die sich unterhielten.
     „Nun, ich habe hier nur einen Gerald Cook gefunden…“, sagte sie schließlich langsam und Christine hätte vor Freude jauchzen können, während sich auch die Gesichter der Loks aufhellten.
     „Aber dieser ist vor Jahren schon umgezogen. Seine neue Adresse ist hier nicht eingetragen. Aber, es war ein eigenes Haus, das er an eine Familie verkauft hat. Ich könnte Ihnen die Adresse geben und Sie könnten bei der Familie nachfragen.“, erklärte sie ruhig und sah Christine an, die nun seufzte. Es wäre ja auch zu einfach gewesen, hätten sie den ominösen Mann jetzt endlich gefunden. Aber warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?
     „Das wäre wirklich gut.“ Die junge Ärztin kramte ihr Portemonnaie hervor und legte der guten Frau Fünfzehn Euro hin. Ein kleines Entgelt für die Auskunft. So etwas gab es nämlich nicht umsonst.
     Ein Drucker sprang an, spuckte das bedruckte Papier hervor und jenes wurde dann an Christine weitergereicht, die sich dafür bedankte.
     Im Anschluss verließen sie das Amt und stiegen in das Auto. Und dort begannen dann auch die Gespräche.
     „Und jetzt?“ Electra sah nachdenklich auf die Adresse, die sie nun hatten: „Fahren wir jetzt zu der Familie?“
     „Es ist mitten am Tag. Sie arbeiten vermutlich. Und morgen muss ich arbeiten, kann euch da also nicht hinfahren.“, erklärte Christine ruhig und klopfte nachdenklich auf das Lenkrad.
     „Und Markus?“ – „Könnte euch fahren, aber da ich mit dem Auto zum Krankenhaus fahre, ist auch diese Idee hinfällig.“ Christine konnte einen grimmigen Unterton nicht unterdrücken, der auch den beiden Loks nicht entging. Sie wussten, die junge Ärztin war im Moment nicht gut auf Markus zu sprechen. Sie wussten aber nicht, wie sie die Anspannung entschärfen konnten.
     Schließlich war es Greaseball, der die angespannte Stille unterbrach: „Also müssen wir warten, bis du Zeit hast?“
     „Nicht ganz.“ Christine sah nachdenklich auf das Nummernschild des Autos, das vor ihrem stand. Ihr kam da eine Idee und sie begann zu lächeln: „Wir fahren jetzt zum Schlüsseldienst.“
     Dass Electra und Greaseball sie daraufhin verwirrt ansahen, verwunderte sie nicht besonders.

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Ich glaube, wenn ich sage, dass es mir leid tut, dann glaubt mir doch keiner mehr, oder? Naja... Jedenfalls hoffe ich, dass euch das Kapitel gefallen hat und freue mich, wenn wenigstens noch ein paar von euch diese Geschichte noch lesen.
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