Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Eine Reise in eine fremde Welt

von Rush Push
GeschichteAbenteuer, Übernatürlich / P16 / Gen
Electra Greaseball OC (Own Character)
14.10.2018
24.06.2020
39
100.734
4
Alle Kapitel
57 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
15.09.2019 3.386
 
Heute geht es ohne große Worte weiter. Ich wünsche euch viel Spaß

________________

Christine studierte neugierig aber dennoch ruhig die Speisekarte des asiatischen Lokals, in welchem sie sich mit ihren Eltern befand.
     Die Getränke waren bereits bestellt und nun galt es, ein geeignetes Essen zu finden. Christine musste gestehen, sie war ein Fan von der asiatischen Küche. Vor allem wenn es um Thai und Curry ging. In der Hinsicht war die junge Ärztin ganz schlimm. Sie aß gerne scharf, was nicht jedem in ihrem Umkreis gefiel. Markus, zum Beispiel war sehr empfindlich gegenüber scharfen Essen.
     Einmal hatten sie sich asiatisch nach Hause bestellt und der junge Pfleger hatte ihre Thai-Nudeln probiert. Das hätte er besser nicht getan, denn er war scharfes Essen überhaupt nicht gewohnt. So hatte er sich das ganze Essen über beschwert, dass seine Lippen brannten. Und es sollte nicht das Einzige sein, dass an diesem Tag brannte. Wenn Essen richtig scharf war, dann brannte es immer zweimal. Einmal wenn es in den Körper kam und dann noch, wenn jenes Essen den Körper wieder verlassen wollte.
     Christine hatte nicht viel mitbekommen, als Markus auf Toilette war – was auch gut so war. Sie hatte irgendwann nur einen Fluch gehört und vor sich hin gekichert.
     „Ich denke ich nehme die Ente mit dem Reis.“, riss ihre Mutter die junge Ärztin aus ihren Gedanken, die nun von ihrer Karte aufsah. Ihre Mutter trug ein weißes Hemd und eine helle Anzugshose, machte also wieder einen sehr wichtigen Eindruck. Ihr Vater, sehr im Gegensatz zu ihrer Mutter, saß mit einem karierten Hemd und einer Jeans neben seiner Frau und stierte konzentriert in seine Karte, ehe er seiner Tochter ein Lächeln zuwarf, sobald er bemerkt hatte, dass Christine ihn ansah.
     „Ich denke ich nehme die Thaipfanne.“, meinte Christine ruhig und legte die Speisekarte zusammen, was ihr einen überraschten Blick ihrer Mutter einbrachte: „Nur? Sonst nimmst du immer als Vorspeise noch Frühlingsrollen.“
     Ja, normalerweise. Normalerweise war Christine aber nicht auf Diät.
     „Ich bin auf Diät“, erklärte sie lächelnd, obwohl sie wusste, dass Diäten gar nicht so gut waren, wie man sie immer anpries. Letzen Endes war es eine einfache Geschichte. Man drosselt seine Ernährung mit dem Ziel, Gewicht zu verlieren. Der Körper schaltet auf eine Art „Notfallprogramm“ um und drosselt den Energieverbrauch und ist in einer Art Sparmodus. Das Problem an der Geschichte ist, dass der Körper nicht weiß, dass man in zwei Wochen wieder normal essen möchte und schneller als es einem lieb war, waren die verlorenen Pfunde wieder da.
     Sehr zu Christines Frust. Die junge Ärztin wusste nicht einmal, warum sie zunahm. Sie ernährte sich gesund, trieb einmal in der Woche Sport… Obwohl, wenn sie ehrlich zu sich selbst war, war sie schon seit einer ganzen Weile nicht mehr beim Karate gewesen. Und im Krankenhaus hatte sie auch nicht viel Bewegung, immerhin saß sie viel ihrer Zeit im Büro und musste dort Formulare ausfüllen, Entlassungsberichte lesen. Gut, jetzt wusste Christine woher die Gewichtszunahme kam. Sie bewegte sich zu wenig.
     „Diät?“, echote ihre Vater stirnrunzelnd und ließ seinen Blick über seine Tochter schweifen: „Chrisi, das hast du doch gar nicht nötig.“
     „Ich weiß, aber ich habe zugenommen. Ich war aber schon lang nicht mehr beim Karate.“ Christine stützte ihren Kopf auf ihrer Hand ab und nahm einen Schluck ihrer Sprite.
     „Kind, bestell dir schon deine Frühlingsrollen. Das ist doch Unsinn mit dem Abnehmen. Du hast eine schöne Figur und Markus würde dir das bestimmt bestätigen. Was macht der heute eigentlich?“ Ihre Mutter betrachtete sie neugierig.
     „Er macht mit Electra und Greaseball einen Filmabend.“, seufzte Christine leise und sah ihre Eltern an.
     „Die wohnen immer noch bei euch?“ Die Augenbrauen ihrer Mutter wanderten bis zum Haaransatz: „Zahlen die wenigstens die Miete mit?“
     „Ja, tun sie.“ Das war zwar eiskalt gelogen, aber die Wahrheit sagen konnte Christine auch nicht. Je weniger man über Greaseball und Electra wusste, desto besser.
Oh, die beiden? Die brauchen keine Miete zahlen. Das sind in Wahrheit Lokomotiven aus einer anderen Welt, die durch magische Steine zu Menschen wurden. Und die Steine sind in der Lage die Sternenbilder vom Himmel zu nehmen, toll nicht?     
     Man würde sie doch direkt einweisen. Und Electra, Greaseball und Markus. Sie würden sie in Hab-mich-lieb-Jacken – ihre heimlich Bezeichnung für Zwangsjacken – wegsperren.
     „Haben die keine Familie?“ Diese Frage konnte Christine gar nicht so richtig beantworten. Hatten die beiden Familie? Sie wusste, dass sie geboren wurden, wie auch immer das bei Zügen ablief. Aber mehr wusste sie auch nicht.
     Da müsste sie bei Gelegenheit mal nachfragen, dennoch antwortete sie: „Ich weiß nicht. Ich glaube Greaseball hat keinen Kontakt mehr zu ihnen.“
     Sie erinnerte sich noch genau, wie Greaseball Andeutungen in der Richtung gemacht hatte.
     Damals, als sie den beiden die Beziehung zwischen Markus und seinem Vater erklärt hatte.
     „Ach, so etwas kann man doch bei Einwohnermeldeamt bestimmt herausfinden. Die werden doch für eine Weile ihren Sohn aushelfen können.“, meckerte ihre Mutter.
     „Ich würde mein Kind nie verstoßen.“ – „Sagst du das jetzt nur, weil ich hier sitze?“ Christine sah belustigt zu ihrer Mutter, die erschrocken nach Luft schnappte: „Chrisi, was traust du mir denn alles zu?“ Sie schüttelte den Kopf, ehe sie weitersprach: „Wart ihr denn schon einmal auf dem Amt? Vielleicht findet ihr dort etwas.“
     Christine verschluckte sich beinahe an ihrer Sprite und unterdrückte den Drang sich gegen die Stirn zu schlagen. Warum war sie nicht auf diese Idee gekommen? Sicherlich würden sie dort einige Sachen erfahren.
     „Wir habe noch nicht auf dem Amt nachgesehen. Aber danke für den Hinweis.“, sagte sie dennoch lächelnd und schaute auf, als der Kellner kam und ihre Bestellung aufnahm.
     Christine bestellt sich tatsächlich noch die Frühlingsrollen und erklärte somit ihrer Diät den Krieg. Am Ende war das sowieso Schwachsinn.
     So verlief der Abend an sich sehr ruhig. Ihre Mutter und ihr Vater unterhielten sich mit ihr über die verschiedensten Themen und alles war in Ordnung. Bis ihre Mutter ein Thema anschnitt, das Christine am liebsten auf die andere Seite der Erde verbannt hätte.
     „Chrisi, sind du und Markus eigentlich inzwischen zusammen?“ Ihre Mutter schwenkte gelassen ihren Wein in ihrem Glas, ihr Vater verschluckte sich direkt an seiner Cola und Christine stand er Mund vor Überraschung offen. Woher kam das denn auf einmal? Aber wirklich überrascht war die junge Ärztin auch nicht. Ihre Mutter neigte dazu, zu glauben, Menschen wären zusammen, nur weil sie zusammen lebten.
     „Markus und ich sind nur Freunde, Mama.“, erklärte sie schließlich und nahm einen Schluck von ihrem Getränk.
     „Und mal einen anderen Mann? Ich meine, als ich in deinem Alter war…“ Oh, jetzt begann das wieder. Wie Christine das hasste. Sie konnte es nicht leiden, wenn ihre Mutter sie mit sich selbst verglich. Christine war nicht ihre Mutter und hatte auch nicht vor so zu werden. Nicht, dass sie ihre Mutter nicht liebte oder ihr Leben verurteilte. Aber Christine wollte keine Hausfrau sein.
     „Mama, ich habe im Moment einfach noch kein Interesse an einer Beziehung, da ist alles.“, versuchte sie ihre Mutter sanftmütig zu bremsen.
     „Nicht, dass du eines Tages als noch alleine bist. Markus ist eine gute Partie.“ – „Mama! Nicht hier.“, seufzte Christine hilflos.
     Sie wusste, warum sie so misstrauisch gewesen ist. Ihre Eltern luden sie nicht einfach so zum Essen ein. Natürlich wollte ihre Mutter etwas von ihr. Und seither konnte Christine das Thema Beziehung immer ganz gut umgehen. Aber jetzt konnte sie nicht einfach abhauen.
     „Kind, ich will doch nur dein Bestes.“, seufzte ihre Mutter und sah Christine mitfühlend an.
     „Ich weiß aber Mama, ich kann ganz gut alleine entscheiden, wenn ich bereit für eine Beziehung bin. Lass mich diese Entscheidung auch alleine treffen.“
     „Daniela, das können wir doch zu einem anderen Zeitpunkt noch besprechen. Ich glaube, Chrisi möchte einfach nur den Abend genießen.“, kam ihr Vater ihr nun zur Hilfe, weswegen Christine ihm einen dankbaren Blick zuwarf. Oh, dem Himmel sei Dank. Immerhin einer, der auf ihrer Seite stand.
     „Na schön. Über was möchtet ihr dann reden?“, fragte ihre Mutter nun, leicht eingeschnappt. Christine unterdrückte sich ein Schmunzeln, während sie an ihrer Sprite nippte.
     
     Kurze Zeit später kam auch das Essen, dem Himmel sei Dank! Christine sind so langsam keine Gesprächsthemen mehr eingefallen, mit denen sie das Thema Beziehung umgehen konnte. Und ihre Mutter hatte sich inzwischen noch ein paar Weine bestellt gehabt. Dadurch war sie nun sehr viel lockerer und versuchte wieder auf dieses peinliche Thema zurückzukommen.
     Sehr zu Christines Verärgerung. Das Essen war da eine willkommene Ablenkung, dass ihre Mutter hoffentlich das Thema Beziehung vergessen ließ.
     Das dachte zumindest Christine.
     Die junge Ärztin kaute gerade auf dem Reis herum, als ihre Mutter sie schweigend betrachtete. Christine dachte sich dabei nicht böses. Vielleicht hing Christine ja ein Haar im Gesicht…
     „Was ist denn, Mama?“, fragte die junge Frau und schob sich ein Stück Hühnchen in den Mund.
     „Chrisi, hör mal.“ Christine kaute auf dem Hühnchen herum und sah ihre Mutter lächelnd an.
     „Wenn du auf das andere Geschlecht stehst, ist das auch nicht schlimm.“
     Schweigen, gefolgt von einem heftigen Husten. Kaum war der Satz gefallen, hatte sich Christine nämlich verschluckt und klopfte nun gegen ihre Brust, während ihrem Vater der Mund offen stand. Ihre Mutter hatte eindeutig einen Wein zu viel gehabt.
     „Danny!“, keuchte ihr Vater nun und sah ihre Mutter fassungslos an.
     Danny war der Spitzname ihrer Mutter. Ihr Vater nutzte den schon, seitdem Christine klein war.
     „Was denn? Ich will dem Kind nichts aufzwingen.“, verteidigte sich ihre Mutter und nahm einen demonstrativen Schluck von ihrem Wein.
     „Mama, ich bin nicht lesbisch.“, japste Christine, nachdem sie sich beruhigt hatte. Wie kam ihre Mutter nur auf die Idee? Nur weil Christine kein Interesse an einer Beziehung zeigte? Himmel, wo konnte Christine sich verstecken?
     „Ich dachte nur, weil du keinen Jungen willst, dass du vielleicht gar nicht an Jungs interessiert bist.“, murmelte ihre Mutter nachdenklich und zuckte mit den Schultern.
     „Mama, ich bin wirklich nicht lesbisch. Glaub mir einfach, ja?“, versuchte Christine es hoffnungsvoll und sah ihre Mutter bittend an.
     „Du willst keinen Jungen und auch keine Mädchen.“ Daniela schüttelte den blonden Schopf: „Chrisi, ich will doch nur, dass es dir eines Tages gut geht.“
     „Ich weiß, Mama.“ Christine lächelte verstehend. Am Ende wollte ihre Mutter immer nur ihr Bestes. Und dafür war Christine dankbar. Aber manchmal übertrieb ihre Mutter es gerne mit ihrer Fürsorge. Immerhin war Christine erwachsen und konnte ganz gut alleine Entscheidungen treffen.
     „Aber ich möchte im Moment noch keine Beziehung. Eines Tages vielleicht. Aber im Moment noch nicht.“, erklärte Christine ruhig und lächelte ihre Mutter an, die nun seufzte: „Ist gut. Ich höre ja schon auf, dich damit zu nerven.“ Das Lächeln ihrer Mutter zeigte Christine, dass sie ihr das nicht böse nahm.
     So konnte Christine ruhigen Gewissens weiter essen.

***

     Dennoch war die junge Ärztin froh, als sie den Schüssel in das Türschloss ihrer Wohnung steckte und diese aufschloss. Eigentlich hatte sie nicht einmal etwas Schlimmes erwartet. Vielleicht eine Diskussion zwischen Electra und Greaseball. Und Markus saß dazwischen und versuchte ruhig zu bleiben.
     Aber nicht hatte sie auf das vorbereitet, was sie jetzt erwartete und die junge Ärztin hätte am liebsten eine Kehrtwende gemacht, als sie das Szenario erblickte.
     
     Die drei Männer waren im Raum, Markus und Greaseball lachten ausgelassen und die Stimmung war locker. An sich nichts Besonderes. Wäre da nicht Electra, der zur Wendeltreppe torkelte. Schwer ergriff er das Geländer und hielt sich an diesem fest, ehe er zwei Stufen hinaufstieg, nur um das Gleichgewicht zu verlieren und rücklings wieder umfiel, auf den Laminatboden.
     Christine machte sich kurz Sorgen. Vielleicht hatte die ehemalige E-Lok sich ja verletzt, aber als Electra wieder – fluchend, wohlbemerkt – aufstand, atmete sie auf und erhaschte damit auch ungewollt die Aufmerksamkeit der Trunkenbolde. Jedes Kind sah, dass Greaseball und Markus ebenfalls ein bisschen zu viel getrunken hatten. Bei Greaseball überraschte sie das nicht sonderlich, bei ihm hatte sie es sogar erwartet, dass er eines Tages maßlos übertrieb. Bei Markus überraschte sie es schon ein wenig und Electra… Bei ihm machte sie sich am meisten Sorgen, schließlich trank die ehemalige E-Lok für gewöhnlich kein Bier.
     „Chrisiiiii…“ Markus hob begeistert sein Bier in die Luft und stand wackelnd auf, während er breit grinste.
     „Oh mein Gott.“, murmelte die junge Ärztin und wollte direkt in ihr Zimmer gehen. Hauptsache so schnell wie möglich weg von diesem Mist hier. Ihr Weg wurde allerdings von Markus abgeschnitten, der mit einer unglaublichen Geschwindigkeit bei ihr war, in Anbetracht der Tatsache, dass er sturzbetrunken war.
     Der Pfleger machte einen großen Schritt über Electra, welcher noch immer am Boden lag und wie ein kleines Schulmädchen kicherte. Greaseball war bisher der Einzige, der bisher noch kein Ton hervorgebracht hatte.
     Markus blieb vor ihr stehen und sah zu ihr herab, ehe er sich noch einmal zu Greaseball zuwandte. Dieser schenkte dem Pfleger einen nach oben gestreckten Daumen und ein energisches Nicken.
     Dann atmete der Pfleger durch und sah Christine fest an, so gut es nun einmal ging, wenn er schwankte wie ein Boot bei unruhigem Wellengang.
     „Christine!“, bellte er lallend und ballte die Fäuste. Diese schüttelte nur den Kopf: „Markus, du bist betrunken. Geh ins Bett. Das gleiche gilt auch für euch beide.“ Sie warf einen Blick zu Greaseball und Electra.
     Letzterer hatte sich inzwischen wie eine Robbe zu der Couch gerobbt und hievte sich nun auf diese, ehe er mit dem  Kopf auf Greaseballs Schoß liegen blieb und genüsslich die Augen schloss.
     Greaseball schien das gar nicht zu stören, denn er legte den Kopf in den Nacken und schloss die Augen. Christine müsste bei Gelegenheit ein Bild davon machen. Damit konnte man die beiden sicher gut erpressen.
     So zückte sie ihr Handy und schritt an Markus vorbei, ehe sie ein Bild davon machte und ihr Handy wieder wegsteckte. Sie wollte sich gerade wieder zur Treppe gehen, da versperrte Markus ihr mit festen Blick den Weg: „Christine, ich will dass du meine Freundin bischt!“
     Christine blieb kurz die Spucke weg, während ihr Mund offen stand. Kaum hatte ihr Gehirn diese Informationen verarbeitet, unterdrückte sie den Drang aufzustöhnen. Nicht er auch noch!
     „Markus, geh‘ schlafen. Du bist betrunken und weißt nicht, was du sagst.“, versuchte sie ruhig zu bleiben und schob ihn in Richtung der Treppe.
     Dieser stemmte sich aber mit erstaunlicher Gegenwehr gegen ihr Drücken und drehte sich um: „Du sollst meine Freundin sein. Ich bin der Mann und du hast auf mich zu hören!“
     „Hat Greaseball dir wieder Beziehungstipps gegeben?“, fragte sie unbeeindruckt und hob eine Augenbraue, während sie die Hände in die Hüfte stemmte und den Kopf schüttelte: „Markus… Nein.“
     „Was meinste mit ‚Nein‘? Du solltest froh sein, dass ich dich überhaupt frage!“, protestierte er nun und sah sie böse an.
     Und wie er Tipps von Greaseball bekommen hatte. Christine konnte sich nur ungefähr ausmalen, wie betrunken ihr Freund inzwischen war, wenn er tatsächlich glaubte, sie würde auf diese Anmachversuche anspringen. Es waren ja nicht einmal Anmachversuche, sondern Befehle. Morgen würde der junge Pfleger noch sein blaues Wunder erleben, so viel war sicher.
     „Markus, ich diskutiere nicht mit dir, wenn du betrunken bist. Ich gehe jetzt schlafen und das solltest du auch tun.“ Sie warf einen Blick zu Greaseball  und Electra, die inzwischen auch schon eingeschlafen waren. So sah es zumindest aus.
     Christine drängte sich an ihren Freund vorbei, der nun ihren Arm festhielt und seiner Freundin fest in die Augen sah.
     „Markus, lass mich los!“, wies sie ihn an, keuchte aber überrascht auf, als er sie zu sich zog und ihr einen Kuss auf die Lippen presste. Christine konnte den Alkohol in ihren Mund schmecken und versuchte den Pfleger von sich zu pressen, der sie aber bestimmt festhielt und ihre Gegenwehr ignorierte.
     Christine sammelte ihre Kraft und stieß den Pfleger von sich, ehe sie ihm eine scheuerte. Überrascht hielt dieser sich nun die Wange und sah seine Freundin fassungslos an: „Warum nicht?!“
     Christine wollte schon zur Erklärung ansetzen, schüttelte den jedoch den Kopf: „Weißt du was? Ich schlafe heute bei meinen Eltern.“
     Bisher ging das alles noch. Es war nicht das erste Mal, dass sie mit Betrunkenen zu tun hatte. Aber das ging eindeutig zu weit. Markus würde sie nie in Ruhe lassen und dieser Kuss…
     Die junge Ärztin nahm sich ihre Tasche und ging dann noch schnell in das Bad, ehe sie im Medizinschrank wühlte und die Aspirin einpackte. Die Jungs sollten ruhig merken, was für Folgen so ein Abend mit sich brachte.
     Sie wollte gerade das Bad wieder verlassen, da stand – wer hätt’s gedacht? – Markus, mit festem Blick und einer feuerroten Wange: „Du bist gemein, Chrisi!“
     „Und du betrunken. Es tut mir Leid, dass ich dir gerade eine gescheuert habe, aber Markus, das ging zu weit.“, erklärte sie fest und wollte sich an ihm vorbeidrängen.
     „Warum willst du nicht meine Freundin sein?“, lallte er benebelt und torkelte ihr hinterher. Christine hielt kurz inne und ging dann weiter: „Markus, das Thema ist beendet. Schlaf deinen Rausch erst einmal aus und wir reden morgen. Sofern du dich überhaupt erinnerst.“
     „Dann bist du eine Hure!“
     Dieser Satz ließ sie herumfahren und in die bösen Augen von Markus ansehen, der sie wie ein trotziges Kind anblickte.
     Bestimmt überwandte sie die letzten Meter zu Markus, holte aus und scheuerte ihm gleich noch einmal eine. Und das mit einer solchen Wucht, dass der Pfleger das Gleichgewicht verlor und nach hinten umfiel. Er hielt sich seine Wange und starrte Christine nun entsetzt an: „Chrisi…“
     Christine ignorierte seinen verletzten Blick – er war völlig betrunken – und verließ die Wohnung, ehe sie zum Parkhaus ging und sich in ihr Auto setzte. Sie legte ihre Hände auf das Lenkrad und schloss die Augen, während sie sich in ihren Sitz lehnte.
     Erst dann spürte sie die salzigen und warmen Tränen auf ihrer Wange.
     Sie weinte.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast