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Eine Reise in eine fremde Welt

von Rush Push
GeschichteAbenteuer, Übernatürlich / P16 / Gen
Electra Greaseball OC (Own Character)
14.10.2018
24.06.2020
39
100.734
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17.12.2018 2.113
 
Tja... Jetzt ist auch Greaseball weg... Und das sollen die großen, mutigen Lokomotiven sein? Wenn ich die erwische, die können etwas erleben. Von daher kann ich noch immer nicht mit meiner tollen Nummer dienen... Also wünsche ich euch viel Spaß und suche währenddessen die beiden abtrünnigen Loks. *Pfanne zieh und geh*

_____________

     Nach dem gemeinsamen und amüsanten Essen – Electra und Greaseball hatten sich nicht wirklich gut mit den Spagetti angestellt. Im Grunde hatten die beiden sich regelmäßig selbst vollgekleckert – war es Christine, die das aussprach, was alle anderen Anwesenden überhaupt nicht gefiel: „Also. Wer hilft mir die Küche aufzuräumen?“
     So schnell hatte sie gar nicht blinzeln können, da war Markus aufgesprungen und stammelte vor sich hin: „Ich wollte noch etwas an meinem Motorrad herumschrauben. Das kann ich nicht weiter aufschieben.“ Damit hatte der junge Pfleger seine Schlüssel gepackt und war in Richtung Wohnungstür verschwunden. Die Garage mit seinen Motorrädern war nämlich einige Straßen weiter.
     Und die Mehrzahl war schon richtig. Markus hatte zwei Motorräder. Eins, das er für Stadtfahrten benutzte und ein Motorrad was er für seinen Motorcross benutzte. Eigentlich könnte sie Greaseball eines Tages mit zu Markus schicken. Das würde der ehemaligen Diesellok sicherlich gefallen, wo er doch so auf hohe Geschwindigkeiten stand.
     Sie verwarf diesen Gedanken und sah anschließend zu Electra, der sie nur ansah. Arrogant hob er eine Augenbraue: „Aufräumen ist unter meiner Würde.“
     Damit erhob er sich und verschwand in seinem Zimmer, während Christine seufzte und auf ihren Teller sah.
     „Wäre ja zu schön gewesen, wenn er sich so sehr verändert hätte.“ Murmelnd und ihren Kopf auf ihrer Faust abstützend, sah sie zu Greaseball, der durch die Gegend schaute. Zumindest solange, bis sein Blick bei ihr hängen blieb und er die Stirn runzelte: „Was ist?“
     „Wir räumen jetzt die Küche auf.“ Damit stand die jung Ärztin auf und nahm zwei Teller mit, während Greaseball sie mit großen Augen ansah: „Ich will aber nicht.“
     „Was du willst, interessiert mich nicht. Das Leben ist kein Wunschkonzert und nun bring die anderen Teller mit.“, rief sie aus der Küche und verstaute die ersten Teller in der Spülmaschine, ehe sie zu Greaseball sah, der nur seine vergipste Hand hob: „Meine Hand ist aber verletzt.“ – „Du hast noch eine zweite Hand.“
     „Aber…“, er setzte bereits zu einer neuen Ausrede an. Christine wusste, dass er mit Sicherheit sehr viel mehr davon auf Lager haben würde, so entschied sie, das im Keim zu ersticken, indem sie ihn böse anfunkelte: „Kein ‚Aber‘! Beweg‘ deinen Arsch her und räum mit auf. Wer essen kann, kann auch arbeiten.“
     Eine Weile sah Greaseball sie sprachlos an, ehe er verärgert sein Gesicht verzog und sich erhob. Mit einem Murren nahm der die anderen Teller und stellte sie, härter als nötig auf den Schrank.
     Christine sah Greaseball eine ganze Weile schweigend in das wütende Gesicht, ehe sie die Teller nahm und in die Spülmaschine stellte. Gut, wütend war vielleicht nicht der richtige Ausdruck dafür. Verärgert traf es da schon eher. Unzufrieden wäre auch noch eine Bezeichnung für seine momentane Laune.
     „Was für Musik hörst du eigentlich?“, fragte sie und sah im Anschluss wieder zu Greaseball, dessen Gesicht ein einziges Fragezeichen war.
     Er öffnete kurz den Mund, schloss ihn aber im Anschluss wieder. Der schnelle Wechsel zwischen den Themen machte ihm zu schaffen, das sah man ihm deutlich an. Schließlich schaffte er es doch, ein Wort hervorzubringen: „Was?“
     „Musik. Was für Musik hörst du?“ Christine ließ sich von seinem verwirrten Ausruf nicht aus der Fassung bringen und lächelte den Diesel an, der im Moment vermutlich genug damit zu tun hatte, seinen eigenen Gedanken zu folgen.
     „Warum willst du das wissen?“, fragte er schließlich und sah dabei zu, wie Christine zur Stereoanlage ging und eine CD hervorkramte: „Ich habe schon oft mitbekommen, dass du sehr schnell aus der Haut fährst und habe mir in der Hinsicht schon ein paar Gedanken gemacht.“
     Sie legte die gewünschte CD in die Anlage und drückte im Anschluss auf „Play“, ehe sie wieder in die Küche ging: „Musik wird von vielen Menschen heutzutage als Ventil genommen um sich zu entspannen oder, wie in deinem Fall, Aggressionen abzubauen.“
     „Ich bin nicht aggressiv!“, protestierte Greaseball und sah die Ärztin böse an, die schmunzelnd den Kopf schüttelte.
     „Nein, ganz bestimmt nicht, Greaseball.“ Dieser übertrieben Sarkasmus ging dem Diesel ganz gehörig gegen den Strich, das erkannte Christine sofort, als sie ihm einen Blick zuwarf, ehe sie weitersprach: „Das wird dich vielleicht überraschen, aber ich war auch sehr aggressiv.“
     Sie merkte, dass Greaseball überrascht war, obwohl er sich nichts anmerken ließ. Er verschränkte, so gut wie es nun einmal ging, seine Arme und sah sie herablassend an: „Das glaub ich dir nicht.“
     „Frag meine Eltern.“, meinte sie lachend: „Die sind mit mir beinahe durchgedreht, in meiner Jugend. Ich bin sogar meine Mutter regelmäßig angegangen.“
     „Und dann hast du Musik gehört und plötzlich bist du total friedliebend, oder wie?“, schnaubte Greaseball ungläubig, während er von Christine das Handtuch entgegen nahm, welche nun das Spülbecken volllaufen ließ, für die Sachen, die sie nicht in die Spülmaschine stellen konnte.
     „Nicht so drastisch, nein. Aber es hat mir geholfen, mich deutlich zu entspannen. Die Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Ich merke, dass mir Musik in vielerlei Hinsicht hilft. Ich erledige häusliche Arbeiten schneller, kann mich länger auf etwas konzentrieren und bin viel besser gelaunt. Du willst nicht wissen, was los ist, wenn ich nicht regelmäßig Musik höre.“, erklärte sie und reichte ihm den ersten Topf, den er abtrocknete.
     Er warf einen unsicheren Blick zu ihr, ehe er es dennoch wagte, die Frage zu stellen: „Was passiert dann?“
     „Erinnerst du dich an letzte Woche? Wo ihr noch im Krankenhaus ward und ich euch einweisen wollte.“ Sie nahm das Ganze inzwischen auf die leichte Schulter, während Greaseball sein Gesicht verzog: „Erinnere mich nicht daran. Du warst zum Teil unausstehlich.“
     Christine sah ihn an und wartete lächelnd, ehe bei ihm der Groschen fiel und er sie überrascht ansah: „Da hast du keine Musik gehört?“
     „Zumindest nicht mehr so viel. Das war eine Sache. Und dann waren da noch diese zwei unerträglichen, selbstverliebten Patienten, die sich für Züge hielten.“, meinte sie schmunzeln und wusch den nächsten Topf ab, während Greaseball neben ihr murrte.
     „Was ich damit sagen will, Greaseball. Musik könnte dir sehr gut helfen, mit deiner Aggression zurecht zu kommen. Ich habe noch einen alten Mp4-Player den ich dir geben kann. Wir können uns auch gerne an meinen Laptop setzen und du kannst die Musik aussuchen, die du haben willst.“ Sie lehnte sich mit dem Lappen an das Spülbecken und sah Greaseball an.
     Der Diesel wollte schon protestieren, da hob Christine denn Zeigefinger, ehe sie ihn eindringlich ansah: „Du brauchst es ja nur versuchen. Wenn es nicht funktioniert… Dann ist das so und wir können wenigstens sagen, wir haben es versucht. Aber nehmen wir einfach mal an, es funktioniert. Rein hypothetisch. Was glaubst, wie viel besser es ist, wenn man nicht mehr ständig an die Decke geht?“
     
     Greaseball ließ ihre Worte auf sich wirken und sah zu einem unsichtbaren Punkt in der Gegend. War er wirklich so aggressiv? Ihm war das bisher nie aufgefallen. Und selbst wenn er es war, was war daran so schlimm? Gut, dann wurde er eben schnell wütend. Was war schon dabei?
     Und er wollte nicht wirklich glauben, dass ein bisschen Musik irgendetwas daran ändern würde. Genauso wenig wollte er glauben, dass sie einmal aggressiv gewesen ist. Dafür war sie zu friedlich. Niemand konnte sich so sehr ändern.
     Christine erkannte seine Unkooperativität und seufzte kellertief, ehe sie die Hände hob: „Okay, hör zu. Machen wir es so: Du probierst das eine ganze Woche einfach mal aus. Wir haben heute…“, sie warf einen Blick auf ihr Handy, ehe sie ihn wieder ansah: „… Donnerstag. Du versuchst es bis zum nächsten Donnerstag einfach einmal und danach kannst du dich immer noch entscheiden.“
     „Und wenn es nicht funktioniert?“, fragte Greaseball nach und erhielt auch direkt eine Antwort: „Dann funktioniert es eben nicht. Und werde dir damit nicht mehr auf den Senkel gehen. Sollte es aber funktionieren, dann verspreche ich dir, dass alles für dich wesentlich einfacher wird.“ Sie hielt ihm die Hand entgegen und wartete darauf, dass er auf ihre Abmachung einging.
     Greaseball sah eine Weile die dargebotene Hand an, ehe er sie mit seiner gesunden Hand fest ergriff: „In Ordnung. Aber wenn es nicht funktioniert, nervst du mich nicht mehr!“
     „Was wird denn hier besprochen?“ Electras Stimme ließ beide herumfahren, während die ehemalige E-Lok sich auf einen der Barhocker setzte.
     Greaseball warf ihm nur das Handtuch ins Gesicht und verließ den Küchenbereich: „Geht dich nichts an, Stromschlucker! Mach du weiter.“
     
***


     An demselben Abend betrachtete Greaseball, als er bereits im Bett lag, den kleinen Player misstrauisch. Christine hatte ihm das kleine Gerät schon nach wenigen Stunden nach oben gebracht, nachdem sie das Gespräch geführt hatten.
     Da sie nicht wusste, auf was für Musik der ehemalige Diesel so stand, hatte sie einfach eine bunte Mischung auf den Player gespielt.
     Greaseball rümpfte abwertend die Nase, ehe er die Kopfhörer nahm und sie sich in die Ohren steckte, ehe das kleine Gerät einschaltete. Zuerst wurde er von dem plötzlichen Licht geblendet und musste einige Male blinzeln, ehe er sich daran gewöhnt hatte. Immerhin lag er in seinem finsteren Zimmer, während der Rest der Wohnung vermutlich schon im Land der Träume lag. Das war auch der Grund, warum Greaseball sich entschied, jetzt Musik zu hören. Einerseits, weil er vermutete, dass es ihm beim Einschlafen helfen könnte, auf der anderen Seite hatte es ihn immer mehr aufgeregt, dass alle schlafen konnten, nur er nicht.
     So wühlte er sich durch die vielen Lieder, die auf dem Player angezeigt wurden und versuchte eins zu finden, dass nicht schlecht klang.
     Leichter gesagt, als getan. Mit immer mehr Missmut, durchwühlte er die Liste, bis er schließlich die Schnauze voll hatte und irgendein Lied einschaltete. Nur um dieses direkt wieder wegzuschalten und das Nächste zu hören, dass er dann auch wieder wegschaltete. Die waren alle furchtbar! Christine hatte einen fürchterlichen Geschmack.
     Der Amerikaner war drauf und dran, den Player gegen die nächste Wand zu werfen – er war einfach zu müde und die letzte Nacht forderte ihren Tribut – da fand er endlich einen Song, der ihm sogar recht gut gefiel.
     Es begann mit E-Gitarren, was schon einmal gar nicht so schlecht war. Der Diesel lehnte sich in sein Kissen und starrte die Decke des Zimmers an, während er der Musik zuhörte. Sehr zu seiner Überraschung, war die Stimme, die plötzlich sang, recht schrill, dennoch hörte es sich nicht schlecht an. Und der Text gefiel ihm auch.
     Während er weiter auf den Text hörte, musste er feststellen, dass sich diese Welt musikalisch auch sehr von seiner Welt unterschied. Und endlich war es mal ein Unterschied, der ihm gefiel.
     Der Amerikaner warf noch einmal einen Blick auf das Display des Players um den Titel zu Lesen „Shoot to Thrill“ von AC/DC lief gerade und obwohl er direkt an Electra erinnert wurde, störte sich Greaseball daran nicht. Ganz im Gegenteil: Er merkte sogar, wie er ruhiger wurde und endlich einmal abschalten konnte. Und das, obwohl die Musik recht aggressiv klang.
     So ließ er das Album des Sängers durchlaufen, ohne einmal zu merken, dass er einschlief.
     Er ärgerte sich um Grunde nur darüber, dass Christine Recht und er Unrecht hatte.
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