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Eine Reise in eine fremde Welt

von Rush Push
GeschichteAbenteuer, Übernatürlich / P16 / Gen
Electra Greaseball OC (Own Character)
14.10.2018
24.06.2020
39
100.734
4
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57 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
10.12.2018 2.309
 
Heyo und herzlich willkommen zurück. Ich  unterlasse heute einfach mal eine völlig übertriebene Ankündigung, immerhin haben wir im Moment ein sehr ernstes Thema...

-Du hast doch nur keine Witze und Ideen-

Möglich.... Viel Spaß bei dem Kapitel

________________

     Das Frühstück am darauffolgenden Tag – nachdem sich alle Beteiligten beinahe die halbe Nacht um die Ohren geschlagen haben – war ungewohnt still.
     Greaseball hatte seinen neuen Gips ohne Probleme bekommen, dieses Mal aber leider in einem furchtbaren Grün. Die anderen Farben waren ausgegangen und mussten noch nachbestellt werden.
     Christine und Markus haben sich krankschreiben lassen, einfach nur um ein Auge auf Electra werfen zu können, der immer noch in seinem Zimmer lag und schlief.
     Christine hatte in der Hinsicht Entwarnung gegeben. Sie hatte Greaseball erklärt, dass in spätestens ein paar Tagen, Electra wieder ganz der Alte sein würde.
     Ob das nun eine Besserung war, darüber konnte man streiten.
     Die Wunden der E-Lok waren auch nicht besonders dramatisch. Die Platzwunde war mit einigen Stichen genäht und bandagiert wurden. Der Rücken hatte ein paar blaue Flecken und er würde demnächst noch einige Bauchschmerzen haben, wegen der vielen Schläge in den Magen.
     Die Nase hingegen war noch eine ganz andere Geschichte. Das Nasenbein war angebrochen und so würde Electra die nächsten Tage nicht um einen Gips herumkommen.
     Im Gegensatz zu Greaseball brauchte er diesen aber nur wenige Wochen tragen. Vielleicht nur zwei. Ob das der arroganten Lok gefallen würde war noch eine andere Sache.
     Christine bangte es schon davor, was passieren würde, wenn Electra aufwachte und den Gips bemerkte. So stopfte sie sich einen Löffel nach dem anderen von ihrem Müsli in den Mund, während sie immer wieder einen Blick zum Gästezimmer warf.
     „Denkst du, Electra wird davon Schäden tragen?“, fragte Markus nun, nachdem er seiner Freundin dabei zugesehen hatte, wie sie die ganze Zeit zum Gästezimmer starrte.
     Langsames Nicken von ihrer Seite: „Ich nehme einfach mal an, dass er gewisse Ängste gegenüber solchen Gruppen haben wird. Ich weiß es aber nicht zu hundert Prozent. Kann auch sein, dass er es ganz gut wegsteckt. Aber nach dem Schock von gestern, glaube ich nicht daran.“
     Sie betrachtete Greaseball, wie er langsam sein Brötchen aß; der Blick in der Ferne. Er war offenbar tief in Gedanken versunken und das hatte sie schon seit gestern bei ihm beobachtet. Ob das aber an der Standpauke von Markus oder an Electras Unfall lag, konnte sie nicht sagen.
     Gestern hätte sie noch gesagt, dass er auch unter einem Schock stand. Aber heute wusste sie das nicht so recht, wenn sie sich daran erinnerte, wie er sich über seinen grünen Gips beschwert hatte.
     
     Sie wurde aus ihren Gedanken gerissen, als sich oben die Tür zum Gästezimmer öffnete und Electra von der Wendeltreppe aus, zu ihnen herab sah.
     Christine zwang sich zu einem netten Lächeln: „Guten Morgen, Electra. Entschuldige, dass wir ohne dich essen, aber wir wollten dich nach gestern nicht wecken.“
     Die ehemalige E-Lok nickte langsam und kam die Treppe hinunter, während Markus schnell im Bad verschwand und mit einer Schmerztablette wiederkam.
     Electra setzte sich ruhig an seinen Platz und sah schweigend auf den Tisch. Die gesamte Atmosphäre war merkwürdig und peinlich still.
     Jeder wollte irgendetwas sagen, um diese unangenehme Stille zu vertreiben, aber niemand wusste, was angebracht war.
     Christine musste zugeben, dass sie überrascht war, dass Greaseball sich nicht über die E-Lok lustig machte, aufgrund des Gipses, der nun sein Nasenbein dekorierte.
     Christine hatte versucht so unauffällig wie möglich zu machen, deshalb hatte sie die Klemmen benutzt und die Gipsschiene zu fixieren. So beschränkte sich der „Verband“ nur auf das Nasenbein.
     Während Markus nun nach einer Banane griff und Christine sich wieder ihrem, beinahe leeren Müsli zuwandte, schwiegen Electra und Greaseball.
     Jeder hing für eine ganze Weile seinen eigenen Gedanken nach, zumindest solange, bis Electra durchatmete und Greaseball seine Hand entgegenhielt.
     Dieser blinzelte die ehemalige E-Lok verwirrt an und sah dann zwischen ihm und der Hand hin und her.
     Electra sagte nichts weiter, bis Greaseball die dargebotene Hand ergriff.
     „Danke.“ Mehr sagte Electra nicht um dafür zu sorgen, dass jedem Anwesenden der Mund offen stand.
     „Hast du dich gerade bei mir bedankt?“, fragte der Diesel fassungslos, woraufhin Electra beleidigt seine Hand wegzog und irgendetwas Unverständliches murmelte.
     Greaseball sah ihn noch eine ganze Weile an, ehe er seine Hand sinken ließ und sein Brötchen ansah.
     Schließlich räusperte sich Christine: „Nun. Markus und ich gehen jetzt erst einmal zum Arzt und lassen uns für die nächsten Tage krankschreiben. Komm schon, Markus.“
     Sie erhob sich und verließ mit Markus die Wohnung. Sie unterließ es einfach, die beiden zu ermahnen, sich nicht zu streiten. Sie hoffte einfach, dass sie es nicht taten, auch wenn sie nicht wusste, ob das eine gute Idee war.
     Die Tür fiel ins Schloss und Schweigen legte sich über die beiden ehemaligen Züge, die nun am Tisch saßen wie bestellt und nicht abgeholt.
     Während Electra sich schnell die Schmerztablette in den Mund schob und im Anschluss einen großen Schluck vom Orangensaft nahm, sah Greaseball sich um.
     
Als es langsam begann peinlich zu werden, entschied sich Greaseball dazu, daran etwas zu ändern. So sah der Amerikaner zu Electra und suchte nach den richtigen Worten: „Wie kam es gestern eigentlich dazu?“
     Als er die Frage gestellt hatte, hätte er sich am liebsten direkt eine gescheuert. Wirklich feinfühlig war das nicht, Electra direkt wieder daran zu erinnern. Vor allem, weil Greaseball sich nur zu gut daran erinnerte, wie Electra gestern drauf war.
     Electra schwieg eine Weile und schaute den reichlich gedeckten Tisch an, ehe er durchatmete: „Ich… Ich habe mich überschätzt. Das ist alles.“
     Wieder kehrte Schweigen ein und niemand von den beiden hatte eine Idee, wie man das umgehen konnte. Es lag nicht daran, weil sie nicht miteinander reden wollten. Sie wussten nur nicht, worüber sie reden sollten.
     Den beiden schwirrte nur ein Gesprächsthema im Kopf herum und wirklich angebracht war das in ihren Augen nicht. Greaseball vermutete, er würde bei Electra nur in der Wunde bohren und Electra war es unangenehm zuzugeben, dass es seine eigene Schuld war.
     
     Der E-Lok war es schon unangenehm genug gewesen, sich bei dem Diesel zu bedanken. Das tat er normalerweise nie, erst recht nicht bei seinen Konkurrenten. Aber wäre Greaseball nicht gekommen… Electra wusste nicht, was diese Typen mit ihm sonst angestellt hätten. Eigentlich wollte er dem Diesel noch mehr sagen, aber da war schon wieder sein Stolz.
     Vielleicht wurde es besser, wenn er endlich diese furchtbaren Kopf- und Bauchschmerzen loswurde.
     Aber das würde noch eine ganze Weile dauern und bis dahin konnten sie sich doch nicht einfach anschweigen. Sonst hatten sie sich ja beleidigt. Aber das wäre unangebracht.
     So schluckte die E-Lok ihren Stolz herunter und sah Greaseball zu fest wie möglich an: „Warum bist du gekommen um mich zu retten? Du hättest mich dort auch einfach liegen lassen können!“
     Seine Stimme klang ein wenig erstickt, was unter anderem an dem Gips an seiner Nase lag, aber Electra war das im Moment egal. Er hatte vor dem Diesel sowieso das letzte bisschen Würde verloren.
     Greaseball sah ihn eine Weile schweigend an, ehe er auf seinen Teller sah. Electra dachte zuerst, der Diesel würde ihm nicht antworten und wollte sich schon wieder anderen Dingen zuwenden, da antwortete der Amerikaner dann: „Keine Ahnung.“
     Überrascht hob Electra die Augenbrauen, was seiner Nase so gar nicht gefiel. Er sah Greaseball an und fragte sich, was den Diesel angetrieben hatte, ausgerechnet ihnzu retten.
     Er und Electra waren ja beinahe Feinde. Und Electra hatte zuerst noch vermutet, dass Greaseball es aus Eigennutz tat. Nach dem Motto: Ich habe dir den Arsch gerettet, jetzt stehst du in meiner Schuld.
     Aber bevor sich Electra weiter mit seinen Gedanken beschäftigen konnte, zuckte Greaseball mit den Schultern: „Zuerst tat ich es, weil ich dich womöglich für unseren Heimweg brauche. Aber als du dann dort zusammengeschlagen wurdest… Ich weiß es nicht, okay?!“
     Der Diesel wirkte nun wieder recht aufgebracht und stierte auf seinen Teller, während verärgert die Stirn runzelte.
     „Du hast mich einfach so gerettet?“ – „Ich schwöre dir, wenn du das irgendjemanden im Tal sagst, bringe ich dich um.“, knurrte der Diesel nun unwirsch und funkelte die E-Lok an, die nur die Hände hob: „Ich werde niemals  irgendjemanddavon erzählen. Da kannst du dir sicher sein.“
     
     Nachdem das Frühstück mit peinlicher Stille fortgeführt wurde, machten die ehemaligen Loks sich daran, ihr Aussehen wieder herzustellen. Immerhin hatten beide seither das Bad nicht betreten und mehr als eine Katzenwäsche war bei beiden gestern nicht mehr drin gewesen. Wenn man mal außer Acht ließ, dass Electra sich selbst gar nicht sauber gemacht hatte. Christine hatte gestern noch versucht mit einem feuchten Lappen das Gröbste wegzubekommen.
     Während Greaseball in dem Bad oben verschwand, beanspruchte Electra das Bad im unteren Geschoss für sich.
     Die ehemalige E-Lok betrachtete sich missmutig im Spiegel, während er vorsichtig seine ramponierte Nase abtastete. Wirklich viel Spüren konnte er durch den Gips nicht und eben jenen hätte Electra auch zu gerne weggerissen. Dadurch hätte er aber vermutlich alles schlimmer gemacht.
     So seufzte er nur und ließ die Schultern hängen. Wenn seine Components ihn nun sehen würden… Er könnte ihnen doch nie wieder vor die Augen treten!
     Sein rechtes Auge hatte eine bläuliche Verfärbung, während seine obere, schmale Lippe aufgeplatzt war. Das Blut war schon lange getrocknet und dadurch hatte sich ein unangenehmer Schorf darauf gebildet, denn er immer spürte, sobald er den Mund schloss.
     Der Verband, der um seine Stirn gebunden war, biss sich farblich mit seinen bunten Haaren. Das Veilchen passte wenigstens farblich, dachte Electra in einem Anflug von Zynismus, ehe er den Wasserhahn aufdrehte und den Stöpsel in den Abfluss drückte.
     Er wartete, bis ein wenig Wasser in dem Becken war, schaltete dann das Wasser wieder ab – eigentlich konnte er Wasser nicht leiden, aber das war ihm im Moment wirklich scheißegal!
     So nahm er sich den Lappen, der neben dem Waschbecken hing und tauchte ihn in die klare Flüssigkeit, ehe er begann den Schmutz vom Vortag abzuwaschen.
     
***


     Christine und Markus waren, nach ihrem Besuch beim Arzt – und mit einer Krankschreibung von einer Woche – noch einmal einkaufen gefahren, ehe sie nach Hause gekommen sind.
     Christine hatte in der Hinsicht keine Sorge mehr, dass Greaseball und Electra einfach abhauten. Das, was gestern geschehen war, war das schlimmste Szenario, dass eintreten konnte. Und wie hieß es so schön: Wer nicht hören will, muss fühlen!
     So grausam das auch klang, aber es würde seinen Zweck erfüllen: Greaseball und Electra würden hoffentlich begreifen, dass sie nicht diese tollen Typen waren, für die sie sich hielten.
     Sie stellte den Einkaufsbeutel in der Küche ab und sah im Anschluss seufzend zu dem gedeckten Tisch. Das mit dem Abräumen musste sie den beiden wohl einprügeln.
     Sie sah Markus an, der sich eine Schuhe auszog und dann begann den Tisch abzudecken, während Christine den Einkaufsbeutel auszuräumen.
     Mittagessen mussten sie ja auch machen, nur war die Frage der Fragen, was sie kochen sollten. Bisher hatte sie nicht für Electra und Greaseball gekocht. Nur ihre Mutter und die hatte nichts erwähnt, was den nörgelnden Loks gefiel und was nicht.
     Also hatte sie sich ganz schlicht für Spaghetti Bolognese entschieden. Wie falsch konnte das schon sein?
     Sie räumte die restlichen Lebensmittel, die sie nicht brauchte, in den Kühlschrank und begann dann Markus bei dem Abräumen zu helfen. Wenn schon die beiden Loks es nicht taten…
     Wie gerufen kam nun Greaseball die Treppe nach unten, seine Haare wie ihn gewohnter Manier nach hinten gestylt. Christine musste sich eingestehen, dass ihr seine neue Frisur deutlich mehr gefiel. Sie war so viel moderner und lockerer.
     Nicht so steif. Sie hatte ihn eigentlich nur einmal mit seinen alten Haaren gesehen. Sie hätte ihn beinahe mit Elvis verwechselt, wäre der King of Rock nicht schon seit einer Weile tot.
     Nein, Greaseballs Haare lagen nun locker auf seinem Kopf und eine lose Strähne fiel ihm frech auf die Stirn, was der ehemalige Diesel aber sehr gut ignorierte.
     „Schön, dass du zu uns stößt, Grease.“, begrüßte Markus ihn und wurde daraufhin mit einem Blick belohnt, der hätte töten können.
     Greaseball war wohl nicht der Typ, der Spitznamen mochte. Ein Grund mehr, ihm einen zu verpassen, dachte Christine schmunzelnd und räumte die Butter in den Kühlschrank, ehe sie zur Stereoanlage ging, die auf einer Kommode stand.
     Die länglichen, schmalen Lautsprecher, die die Kommode ein wenig überragten, sprangen sofort an, als Christine die Anlage einschaltete.
     Sofort wurde sie lautstark mit einer Musikrichtung beschallt, die sie nur dem Metal Genre zuteilen konnte. Wenigstens war diese Gruppe, die dort sang, noch im Bereich des Normalen.
     Sie warf einen Blick über die Schulter und funkelte Markus an, der nur die Zähne zusammenbiss und sie entschuldigend angrinste: „Sorry, ich hatte das letzte Mal mit Kopfhörern gehört.“ Er rieb sich peinlich berührt den Hinterkopf, während er zu Boden sah: „Hab‘ wohl vergessen, wieder leiser zu drehen.“
     „Mal ganz davon abgesehen, dass du damit dauerhaft dein Gehör schädigen kannst… Welche Band ist das?“ Christine sah zwischen Anlage und Markus hin und her, während sie die Musik leiser drehte.
     „Disturbed.“
     Christine schüttelte den Kopf und erhob sich aus ihrer hockenden Position, ehe sie zu Markus und Greaseball ging: „Ich verstehe deinen Musikgeschmack nicht.“
     „Besser als deine komischen Top Charts.“ – „Pop, mein Freund.“
     Christine verschränkte besserwisserisch die Arme und sah zu Markus herauf. Ja, ihr Kumpel war groß. Sehr groß sogar. Das lag schon immer in seiner Familie, wie sie es mitbekommen hatte.
     Beide sahen dann zur Badtür, als Electra herauskam und direkt auf Christine zuging, ehe er eine Weile herumdruckste.
     Am Ende brachte er nur ein leises „Mein Rücken tut weh…“ hervor, was Christine nicken ließ. Den hatte sie sich gestern nicht ansehen können. Das würde sie aber jetzt schnell nachholen.
     „In Ordnung. Ich komme gleich. Markus, ihr könnt ja schon mal mit dem Mittagessen anfangen.“ Sie sah ihren Kumpel an, der nickte und dann zu Greaseball sah, welcher wiederum mit tellergroßen Augen Christine ansah.
     Diese grinste und folgte dann Electra in das Gästezimmer.
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