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Eine Reise in eine fremde Welt

von Rush Push
GeschichteAbenteuer, Übernatürlich / P16 / Gen
Electra Greaseball OC (Own Character)
14.10.2018
24.06.2020
39
100.734
4
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57 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
29.11.2018 3.600
 
Und heute geht es ohne große Worte direkt weiter. Ich wünsche euch allen viel Spaß

~Man kann an diesem Unsinn Spaß haben?~

-Also, wenn ich Spaß haben will, dann gehe ich trainieren-

~*mit Hand vor Gesicht fächel* Ja, so stinkst du auch!~

-*ihn böse anseh* Sag das noch einmal!-

~Ach, taub bist du also auch?~

Okay, viel Spaß bei dem Kapitel *fröhlich wink um von dem Streit abzulenken*

__________________

     Greaseball hatte es tatsächlich geschafft, sogar noch einmal einzuschlafen, nachdem Electra das Zimmer verlassen hatte. Das war auch ganz gut so. Endlich einmal abschalten und die Gedanken baumeln lassen. Der Diesel konnte im Nachhinein nicht einmal sagen, wie lange er geschlafen hatte. Er wusste nur, dass er sehr unsanft geweckt wurde.
     Ein Kissen traf ihn mitten im Gesicht und Greaseball stemmte sich wutschnaubend auf, ehe er zu dem Auslöser dieser Weckaktion sah.
     Christine stand neben seinem Bett, hatte das Kissen noch in der Hand und schaute ihn böse an, was den Diesel aber wenig kümmerte. Er hatte keine Angst vor diesem dämlichen Weib!
     „Sag mal, geht’s noch?! Was soll diese Scheiße?!“, fauchte er sie an, während er sich durch sein Gesicht wischte, was nur schwer ging, weil er noch immer seine Sonnenbrille auf der Nase trug. Er hatte gar nicht gemerkt, dass er mit ihr eingeschlafen war.
     „Wo ist Electra?“, fragte sie ziemlich angesäuert, ohne auf seine Schimpftirade einzugehen, während sie die Arme verschränkte.
     Greaseball unterdrückte das Bedürfnis ihr eine zu pfeffern und legte sich stattdessen wieder in sein Kissen, während er entspannt die Augen schloss: „Wer ist Electra?“
     Erneut traf das Kissen sein Gesicht und der Diesel sprang nun auf, ehe er ihr dieses aus der Hand riss: „Lass diese Scheiße!“
     „Dann benimm dich zur Abwechslung endlich einmal wie ein vernünftiger Erwachsener. Wo ist Electra?“, giftete sie ihn nun an und stemmte die Hände in die Hüfte.
     Greaseball schnaubte und warf das Kissen in das Zimmer: „Was weiß ich denn, wo der ist?“
     „Auf jeden Fall nicht mehr in der Wohnung!“, meinte sie nun, immer noch ziemlich sauer.
     „Und das sollte mich interessieren, weil?“, fragte er genervt und sah sie ebenso an.
     „Diese Frage meintest du jetzt nicht ernst.“ Auf seinen trockenen Blick hin, schnaubte sie fassungslos: „Du meintest das ernst. Unfassbar! Hast du schon einmal daran gedacht, dass Electra, wenn er da draußen ist, sich verletzen könnte?“
     „Das ist doch nicht mein Problem!“
     Christine schloss die Augen und atmete einmal tief durch, während sie leise bis zehn zählte. Dieser Diesel trieb sie in den Wahnsinn.
     „Okay, du Genie. Ist dir nicht in den Sinn gekommen, dass du Electra brauchst, um wieder nach Hause zu kommen?“
     Greaseball lachte laut auf: „Ich brauche niemanden! Sieh mich an: Ich bin der Größte! Und ich brauche keine Hilfe von einem Stromschlucker, wie Electra.“
     „Das hat nichts damit zu tun, dass du „der Größte“ bist. Obwohl ich das auch stark bezweifle.“, erklärte Christine nun sachlich, während sie mit ihren Fingern Gänsefüßchen machte, ehe sie fortfuhr, bevor Greaseball sie anfahren konnte: „Du und Electra… ihr seid beide hier her gekommen, in unserer Welt. Ist deinem Spatzenhirn nie in den Sinn gekommen, dass ihr auch nur gemeinsam wieder nach Hause kommt?“
     Greaseball knurrte bei ihrer Beleidigung, dachte dann aber über ihre Worte nach. Was war, wenn er diese Discokugel wirklich brauchte? Dass, selbst wenn allein einen Weg zurückfand, er nicht zurück konnte, weil er Electra brauchte?
     Die Chance, dass dem so war, war nicht besonders hoch und dem einzelgängerischem Diesel gefiel der Gedanke nicht  besonders, derartig von jemandem abhängig zu sein – ganz besonders, wenn es sich bei dieser Person um Electra handelte – aber diese geringe Chance war da. Und dann würde er Electra brauchen und diese E-Lok brachte ihm nichts, wenn er halbtot in irgendeinem Krankenhaus lag oder gar die Radieschen von unten beim Wachsen zusah.
     Er sah auf, als Markus nun in das Zimmer kam: „Er ist nicht auf dem Dach. Ich habe jetzt einmal bei unseren Nachbarn nachgefragt. Herr Stolze sagte, er hätte jemanden, der auf Electras Beschreibung passt, das Haus verlassen sehen.“
     „Wieso haut denn dieser Idiot ab?“, keuchte Christine fassungslos, ehe sie zu Greaseball sah: „Sag nicht, ihr habt euch wieder gestritten?“
     „Wir haben uns nicht gestritten! Er wollte mein Zimmer beanspruchen, ich habe ihm gesagt, er soll sich verziehen und seitdem habe ich ihn nicht mehr gesehen. Was kann ich denn dafür, dass dieser Glitzerarsch abhaut? Sehe ich aus wie seine Nanny?“
     Christine knurrte entnervt und verließ dann mit großen Schritten das Zimmer: „Ich schwöre, ich schließe ab sofort diese beschissene Wohnung ab! Die beiden kann man keine fünf Minuten aus den Augen lassen.“
     Greaseball sah Markus an, welcher ihm verständnislos entgegenblickte.
     Der Pfleger ging dann auch die Treppe hinab und schließlich folgte Greaseball ihnen. Die beiden hatten Recht. Sie mussten Electra finden! Auch wenn ihm das nicht sonderlich passte.
     Genervt fuhr er sich durch sein Haar und ging dann die Treppe hinunter, ehe er in seine Stiefel schlüpfte und Christine und Markus folgte, die bereits losgegangen waren.
     Der Diesel zog die Wohnungstür hinter sich zu und hechtete dann die vielen Treppenstufen – immerhin waren sie im obersten Stockwerk – hinunter, hinaus auf die Straße, wo sie nun unschlüssig stehen blieben.
     Christine hob kurz ratlos ihre Hände und blickte immer wieder nach rechts und links, während sie sich durch ihre Haare fuhr: „Prima! Und jetzt?“
     „Am besten wäre es, wenn wir uns aufteilen und wir die Straßen abklappern. Wir können auch in Läden fragen, ob man ihn gesehen hat.“, schlug Markus nun vor, der noch recht ruhig schien, dafür, dass Electra spurlos verschwunden war.
     Christine atmete durch und nickte ihrem Freund zu, ehe sie zwischen ihm und Greaseball hin und hersah: „In Ordnung. Nimm du aber Greaseball mit. Es reicht, wenn einer der beiden verschwunden ist.“ Sie sah nach links und dann wieder zu Markus: „Ich gehe dort entlang. Wenn ihr eine Spur habt, dann ruft mich an!“
     Sie hielt kurz ihr Smartphone hoch und eilte dann auch schon die Straße hinunter. Greaseball und Markus sahen ihr noch kurz hinterher, dann wandte sich Markus an den ehemaligen Diesel: „Kann sich Electra gut orientieren?“
     Der ehemalige Champion blickte nur trocken zurück: „Ich und er stecken in dieser Welt fest nur weil er sich verfahren hat!“
     „Toll. Na dann mal los!“ Markus winkte ihn mit sich und sie gingen in die entgegengesetzte Richtung, in der Hoffnung, die launenhafte E-Lok möglichst schnell zu finden.

***


     Im Nachhinein war sich Electra nicht mehr so sicher, ob das seine beste Idee gewesen ist. Hoffnungslos verloren, irrte die ehemalige E-Lok durch ein ihm unbekanntes Viertel der Stadt, das nicht besonders beruhigend wirkte.
     Zuerst war ja noch alles in Ordnung gewesen, die ehemalige E-Lok ist immer in der Nähe der Wohnung geblieben und nicht weit von dem Gebäude entfernt gewesen. So hatte er sich entschlossen, das Gebäude doch ein wenig mehr zu verlassen und ehe er sich versehen hatte, hatte er sich verlaufen.
     Das würde Electra aber niemals zugeben. Geschweige denn würde er nach dem Weg fragen. Das war unter seiner Würde und mit diesen schwächlichen Menschlein hatte er nichts zu tun.
     So ging er, erhobenen Hauptes, durch die Straßen und versuchte einen Punkt auszumachen, der ihm vertraut vorkam. Ein Geschäft oder ein Straßenschild, das er schon einmal gesehen hatte.
     Verdammt, das würde mit seinen technischen Spielereien deutlich schneller gehen, dachte Electra verärgert und sah nun auf ein Straßenschild, nur um daraufhin kellertief zu seufzen.
     Eigentlich wollte er schon lange zurück sein! Wer hätte den ahnen können, dass er sich derartig verirrte.
     Der junge Mann mit der bunten Haarpracht verschränkte die Arme während er seine Miene verzog. Das durfte doch nicht wahr sein! Christine und Markus waren vermutlich auch schon zuhause und suchten jetzt nach ihm. Oder, um es kurz zu machen, Christine wollte ihn vermutlich erwürgen.
     Bei diesem Weib verwunderte Electra nichts mehr. Die gehört seiner Meinung nach weggesperrt. Nur leider interessierte sich in dieser Welt niemand für seine Meinung. Eigentlich eine Schande, immerhin war er ein Star! Jeder sollte ihn lieben!
     Stattdessen stand er nun hier, mitten in einer Stadt, die er nicht kannte und in einer Welt die ihm fremder nicht sein konnte.
     So atmete er schwer aus und sah sich noch einmal um, ehe er in eine Richtung ging, von der er hoffte, dass es die richtige Richtung war.

***

„Haben Sie vielleicht einen jungen Mann gesehen?“ Christine stemmte sich hoffnungsvoll und schwer atmend auf den Verkaufstresen eines Goldschmiedes, der sein Geschäft an der Straße hatte, die sie absuchte.
     „Er ist ungefähr so groß, er hat sehr auffällige Haare. Ein blau-rot-weißer Irokese?“
     Hoffnung legte sich in ihr, als der weißhaarige alte Mann nachdenklich sein Finger an sein Kinn legte und in eine unbestimmte Richtung  sah, ehe er den Kopf schüttelte: „Es tut mir Leid. Ich habe niemanden gesehen, der auf diese Beschreibung passt. Ich werde aber meine Augen offen halten.“
     „In Ordnung.“ Christine nickte und verließ das Geschäft des Goldschmieds wieder. Natürlich würde er die Augen offen halten. Das hatten ihr bisher alle gesagt, die sie nach Electra gefragt hatte.
     Wut stieg in ihr auf, bei dem Gedanken, dass dieser einfach abgehauen war. Wie konnte man nur so dämlich sein? Wie konnte man nur so unvorsichtig sein? Electra wusste, dass er in einer Stadt war, die er nicht kannte. Und dennoch marschierte er im Alleingang durch eben diese.
     Das Klingeln ihres Handys riss sie aus ihren wütenden Gedanken und sie schaute schnell auf das Display.
     Markus.
     „Wehe, der hat keine guten Neuigkeiten.“, murmelte sie und nahm den Anruf an. Eigentlich konnte sie ihm keine Vorwürfe machen. Ebenso wenig konnte sie Greaseball welche machen. Die beiden konnten nichts dafür, dass Electra abgehauen war. Aber wenn sie einmal wütend war, dann war es schwer ihren Zorn im Zaun zu halten.
     „Chrisi, wir haben da etwas. Electra ist bei dem Schneider vorbeigekommen. Weißt du welchen ich meine?“
     Christine sah sich um und legte ihre freie Hand auf ihren Arm, mit dem sie ihr Handy hielt: „Du meinst den, der schon seit Jahren im Familienbetrieb ist?“ – „Richtig. Sie haben Electra vor ungefähr zwei Stunden hier lang laufen sehen. Er sei einige Male bei ihnen vorbeigelaufen. Dann sei er weiter in Richtung Westen gegangen. Greaseball und ich heften uns an seine Fersen.“
     „Ist gut. Ich komme so schnell ich kann.“
     Christine legte auf und seufzte erleichtert auf. Wenigstens einige gute Nachrichten.

***


     Greaseball sah ruhig zu Markus, der gerade sein Handy wegsteckte: „Und nun?“
     „Chrisi kommt nach. Wir gehen schon einmal weiter und folgen der Spur, die wir haben. Na komm!“ Damit winkte der Pfleger den Diesel mit sich und beide Männer gingen eine schmale Gasse entlang, durch die Electra gegangen sein soll.
     Eine Weile herrschte Stille, die dann aber Greaseball unterbrach: „Du sagtest vorhin etwas von einem Dach.“
     „Ja. Hast du die Tür gesehen, die gegenüber von unserer Wohnung liegt?“ – „Ja.“ – „Die führt auf das Dach des Gebäudes. Für jeden zugänglich aber niemand nutzt es wirklich. Was will man schon auf dem Dach?“
     Berechtigte Frage. Die Stille brach wieder über die beiden herein, die sogar einige Minuten anhielt, ehe Greaseball diese erneut unterbrach: „Also… du und Christine, ja?“
     Er grinste süffisant, keuchte dann jedoch auf, als er in den Rücken des jungen Pflegers hineinlief, der auf der Stelle stehen blieb und sich zu ihm umdrehte. Seine Gesicht war ein einziges Fragezeichen: „Was?“
     „Also bitte. Das sieht doch jeder!“, spielte sich der Diesel auf und ignorierte die Tatsache, dass er es eigentlich nur durch Christines Vater wusste.
     „Greaseball…“, fing Markus nun an, schloss die Augen und sprach dabei laut und deutlich: „… bist du dir überhaupt den Ernst der Situation bewusst?“
     „Ich habe schon mitbekommen, dass euch das… wie sagt ihr  Menschen? Dass euch das an die Nieren geht. Es interessiert mich aber nicht.“, der Diesel zuckte gleichgültig mit den Schultern, während Markus ihn einige Male anblinzelte, ehe er ein verwirrtes „Was!?“ ausrief.
     „Was meinst du mit ‚Es interessiert dich nicht?‘“ – „Was gibt es da nicht zu verstehen?“ Greaseball sah ihn gelangweilt an, während Markus seine Gedanken erst einmal sortieren musste.
     „Wie kann dir das egal sein?“, fragte der junge Mann schließlich und sah den ehemaligen Diesel verwirrt an.  Er verstand ja, dass man sich nicht riechen konnte. Aber irgendwo gab es Grenzen.
     „Ich weiß nicht, ob du es mitbekommen hast, aber ich kann Electra nicht ausstehen. Der Kerl ist arrogant und tut so, als sei er der König der Welt.“
     Markus hob die Augenbraue: „Da kenne ich noch jemanden!“
     „Fakt ist, würde die Chance, dass ich ihn für den Rückweg brauche, nicht da sein, wäre es mir scheißegal, ob er hier bleibt oder nicht.“ – „Wow.“ Markus nickte, während er Greaseball ohne einen Anflug von einer Emotion ansah: „Du bist wirklich das größte Arschloch, das ich je kennengelernt habe. Jetzt bereue ich es, dass ich euch aufgenommen habe.“
     Damit wandte sich der Pfleger um und ging eiligen Schrittes weiter, während Greaseball die Stirn runzelte.
     Was war denn nun schon wieder falsch? Menschen sind ja auch so sentimental! Dem Diesel wurde es direkt schlecht. Sentimentalitäten waren nicht sein Ding.
     So schnaubte der Diesel nur und folgte Markus, der nun gar nichts mehr sagte. Er verstand den jungen Pfleger nicht. Warum regte er sich derartig darüber auf. Jeder konnte irgendwen nicht leiden und Greaseball hatte leider das Pech, dass er ausgerechnet mit Electra hier gelandet war.
     „Ich verstehe nicht, was dein Problem ist.“, murmelte der Diesel, blieb aber auf der Stelle stehen, als Markus zu ihm herumfuhr. Der sonst so ruhige Pfleger war rot vor Wut und hielt dem Diesel seinen Finger ins Gesicht: „Ich kann nicht verstehen, wie dir alles egal ist, nur nicht du selbst! Etwas mehr Bescheidenheit würde dir nicht schaden, Greaseball!“ – „Kann ich mir von dieser Bescheidenheit etwas kaufen?“
     „Nein. Es würde dir aber weit mehr Freunde bringen.“ – „Ich habe Freunde.“, knurrte der Diesel nun und verzog sein Gesicht zu einer grimmigen Maske.
     „Und wie viele davon sind echt?“, Markus sah den Diesel durchdringlich an, ehe er seufzte und sich durchs Gesicht wischte.
     „Pah!“, lachte Greaseball nun auf: „Ich habe nur echte Freunde. Sie folgen mir auf Schritt und Tritt.“ – „Sicher, dass sie nicht einfach nur Angst vor dir haben? Sind wir einmal ehrlich. Du bist gar nicht so toll, wie du dich immer gibst. Das ist niemand. Du tust nur so, weil du Angst hast, dass man deinen wahren Charakter nicht mögen könnte. Und willst du wissen, warum das so ist? Weil du in Wahrheit gar nicht so ein toller Typ bist, wie du immer vorgibst.“, erklärte Markus mit einer gefährlichen Ruhe in seiner Stimme.
     Der Diesel wollte gerade zum lautstarken Protest ansetzen, wurde aber von Markus aufgehalten, der sofort wusste, was Greaseball wollte: „Electra ist da nicht besser! Ich weiß zwar nicht, wie es dazu kommen konnte, aber bei euch ist etwas ganz gewaltig falsch gelaufen!“
     Die ehemalige Diesellok lief vor Wut rot an, während seine Nasenflügel bebten. Wie konnte dieser Kerl es nur wagen, so mit ihm zu reden?!
     „Ich bin ein Champion!“, protestierte er nun und verschränkte die Arme, während er den Gips konkret ignorierte.
     „Nein, Greaseball. Du bist ein Narzisst!“ – „Was soll denn das schon wieder sein?!“
     „Narzissten sind Menschen, die sich für etwas Besseres halten. Die arrogant, selbstsüchtig und egoistisch sind! Sie spielen sich auf, lügen und interessieren sich nicht für andere. Sie manipulieren die Menschen um sich herum und können nicht mit Kritik umgehen!“
     Wieder wollte der Diesel zum Protest ansetzen, wurde aber von Markus unterbrochen: „Siehst du?! Du wolltest schon wieder protestieren. Du merkst es nicht einmal mehr. Du siehst nur den großen und tollen Greaseball, der Jede haben kann, wenn er das nur will, richtig?!“
     Schweigen hatte den Diesel ergriffen, der die Worte erst einmal sacken ließ. Das hier war für ihn eine völlig neue Situation. Bisher hatte es noch niemand gewagt, ihn derartig anzugreifen.
     „Soll ich dir sagen, was ich sehe, wenn ich dich ansehe“, sprach Markus nun weiter, deutlich ruhiger, als noch vor einer Minute.
     „Ich sehe jemanden, der in Wirklichkeit nicht so ist. Jemand, der eigentlich ein sehr geringes Selbstwertgefühl hat. Jemand, der andere um das beneidet, was sie haben. Das wusste ich schon, seitdem ich dich das erste Mal gesehen habe. Das ist nämlich der Grund, warum du dich so benimmst. Warum du versuchst eine Frau nach der anderen abzuschleppen. Warum du dich so um dein Aussehen bemühst… Warum du Electra nicht leiden kannst. Du hast Angst!“
     „Ich habe vor gar nichts Angst!“, protestierte der Diesel nun lautstark.
     „Sicher? Gib es zu, du willst Electra loswerden, weil du Angst hast, dass er dir deinen Platz an der Spitze streitig macht. Du hast Angst, dass, wenn er nun besser ist als du, niemand mehr dich respektiert und jeder erkennt, was für ein Feigling du wirklich bist. Du hast Angst, dass man den wahren Greaseball nicht mögen könnte, weil er vielleicht nicht so ein Macho ist. Weil der wahre Greaseball vielleicht feinfühliger ist.“
     Um sie herum war alles still, was vermutlich auch daran lag, dass diese Gasse sowieso sehr leer war.
     „Du hast ein Problem, Greaseball. Genauso wie Electra. Ihr beide seid eigentlich keine so schlechten Typen, da bin ich mir sicher. Niemand kommt so auf die Welt.“ Markus war nun sehr ruhig und sprach mit einer Engelsgeduld auf den Diesel ein, der nur gen Boden starrte.
     „Christine und ich wollen euch helfen. Aber ihr müsst die Hilfe auch zulassen. Und ich bin mir sicher, dass der wahre Greaseball, vielleicht kein so schlechter Typ ist, wie du womöglich denkst.“
     Es herrschte eine ungewohnte Stille in der kleinen Gasse, die mit jeder Minute, die verstrich dunkler wurde. Die Sonne verschwand hinter einigen Häuserdächern, während Greaseball nicht begreifen konnte, was Markus ihm gesagt hatte.
     In Gedanken versunken sah er, wie Markus seine Suche nach Electra fortsetzte und überlegte kurz, ob er nicht einfach zurück zur Wohnung gehen sollte. Um seine Gedanken und vor allen Dingen den Sturm der Emotionen in sich zu ordnen.
     Er war wütend! Er war sogar sehr wütend, das war keine Frage. Noch nie hatte man Greaseball derartig offen angegriffen. Es hatte sich seither ja noch niemand gewagt, so mit ihm zu reden. Und wenn es jemand getan hatte, dann hatte diese Person es schnell bereut. Dann stand der Diesel nämlich recht flott mit seiner Gang auf der Matte und zeigte dieser Person, wer eigentlich das sagen hatte.
     Aber neben dieser unglaublichen Wut in sich, gab es da eine Emotion, die der ehemalige Weltmeister nicht zuordnen konnte. Eine Emotion, die er schon seit Jahren nicht mehr gespürt hatte. War es Angst? Oder Resignation? Einsicht? Er konnte es nicht sagen. Er wusste es nicht genau…
     Bevor er sich aber näher darauf fokussieren konnte, riss Markus ihn aus seinen wirren Gedanken: „Kommst du nun, oder bist du da angewachsen?“
     Der Diesel blinzelte einige Male und atmete kurz durch, ehe er Markus langsam folgte.
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