Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Eine Reise in eine fremde Welt

von Rush Push
GeschichteAbenteuer, Übernatürlich / P16 / Gen
Electra Greaseball OC (Own Character)
14.10.2018
24.06.2020
39
100.734
4
Alle Kapitel
57 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
25.11.2018 3.481
 
Hallo und herzlich willkommen...

~*Autorin zettel vor die Nase halt*~

Was ist das?

~Deine Rechnung. Begleiche sie oder du kriegst es mit meinen Anwälten zu tun~

Nein? Ich bezahle dich nicht!

~Du wirst... Wie sieht es mit dir aus, Diesel?~

-*ihn trocken anseh* Vergiss es-

~*nach Luft schnapp* Und wer bezahlt mich dann?~

Ich habe noch ein wenig Schokolade im Schrank

~*Autorin trocken anschau* Als Anzahlung sollte es genügen...~

Viel Spaß bei dem Kapitel

_________________

     Als Christine schließlich ihre Mutter ein letztes Mal an der Wohnungstür zum Abschied umarmte, ehe die ältere Frau wieder nach Hause ging, seufzten Greaseball und Electra synchron erleichtert auf.
     „Diese Frau ist beinahe herrisch, wie du.“, murrte Greaseball und sah Christine aus schmalen Augen an, welche nun die Wohnungstür schloss und ihn im Anschluss unschuldig anblinzelte: „Ich bin herrisch? Ist mir noch gar nicht aufgefallen.“
     Dann ging sie zu Markus, der es sich nun auf der Couch bequem gemacht hatte und durch die Kanäle des Fernseher schaltete, während er die Proteste von Electra ignorierte.
     „Ich bin froh, dass ich sie nicht wiedersehen brauche.“, meinte Greaseball gleichgültig, stutzte jedoch, als Christine und Markus sich gegenseitig angrinsten, ehe sie wieder fernsahen.
     Auch Electra bemerkte dieses scheinheilige Grinsen und hob misstrauisch eine Augenbraue: „Ihr grinst so merkwürdig.“
     „Liegt vermutlich daran, dass ich euch morgen bei meiner Mutter absetze, damit ihr das alte Bett bei ihnen abholt.“, erklärte Christine seelenruhig, während die Panik in den beiden ehemaligen Lokomotiven heraufkam.     
     „Wieso sollen wir ein altes Bett holen?!“, fragte Greaseball nun fassungslos.
     „Weil du darauf schlafen wirst, du Genie! Glaub mir, du wirst uns dankbar dafür sein.“, erklärte Christine, die sich nun ihr Smartphone nahm, wurde dann aber von Electra angesprochen, der nun noch fassungsloser wirkte: „Und wieso muss ich dann dieses Bett holen, wenn der darauf schläft?“
     Er zeigte mit einer abwertenden Geste auf Greaseball und sah diesen auch böse an, während Greaseball mit einem finsteren Blick seinen Mittelfinger hob.
     „Weil ich dich hier nicht allein lasse und es dir nicht schaden würde, zur Abwechslung mal einen Finger zu rühren. Außerdem behandelt meine Mutter euch genauso, wie man es bei euch zuhause auch hätte tun sollen. Sie tritt euch in den Arsch!“, erklärte Christine nun aufgebrachter, während sie ihr Handy in ihren Schoß fallen ließ.
     „Na prima.“, stöhnte Greaseball und setzte sich dann auf einen Barhocker: „Also kommen wir morgen wieder nicht dazu, nach Hause zu finden.“

     Markus sah den Elvisverschnitt an, der frustriert seinen kleinen Edelstein aus der Tasche zog und diesen ansah. Im Anschluss sah Markus zu Christine, die nur auf ihr Handy schaute.
     Wortlos stieß er sie mit seinem Ellenbogen, woraufhin sie ihn ansah: „Was ist?“
     Mit einem Kopfnicken deutete er auf Greaseball und Electra, ehe er sie mit einem durchdringenden Blick ansah. Christine seufzte: „Ich weiß, was du damit bezwecken willst, Markus.“
     „Tust du nicht.“, antwortete er leise und ließ es zu, dass Electra die Fernbedienung wieder in Beschlag nahm.
     „Doch, ich bin mir ziemlich sicher.“, meinte sie nun ziemlich schnippisch, woraufhin er die Augenbraue hob: „Was will ich denn bezwecken?“
     „Dass ich den beiden nicht so viel Aufgaben gebe. Aber das ist nötig, oder willst du, dass er weiterhin auf der Couch…“ – „Das meinte ich nicht.“, unterbrach er sie, bevor sie sich weiter rechtfertigen konnte, ehe er nach oben ging und in ihrem Schlafzimmer auf sie wartete.
     Christine hatte die wortlose Aufforderung sehr gut verstanden und war ihrem Freund gefolgt, ehe sie die Zimmertür hinter sich schloss, nachdem sie eingetreten war.
     Markus stand mit verschränkten Armen im Zimmer und sah sie an: „Geh mit den beiden nicht so hart ins Gericht.“
     Schockiert sah sie ihn mit verschränkten Armen an: „Du fällst mir in den Rücken?“ – „Nein, das tu ich nicht, Christine! Ich stehe im Moment auf niemandes Seite. Nicht auf deiner und nicht auf ihrer! Ich betrachte die ganze Geschichte neutral.“
     „Na schön, und was hast du alles festgestellt, du Betrachter?“, fragte sie nun ironisch und ging durch das Zimmer.
     „Seitdem sie hier sind, bist du entweder sehr kratzbürstig oder schnippisch. Langsam kommt es mir so vor, als würdest du kein Verständnis für ihre Situation zeigen. Sicher, die beiden sind zum Teil Arschlöcher! Das leugne ich auch nicht.“, er sah Christine scharf an, die gerade zum Protest ansetzen wollte und sprach dann weiter: „Aber stell dir jetzt einmal vor, du bist in ihrer Lage. Du bist ein einer völlig fremden Welt, in einen völlig neuem Körper. Alle, denen du das erzählt hast, halten dich für verrückt und du hast keinen Vertrauten außer die Person, die du am wenigsten leiden kannst. Und dann glaubt dir endlich jemand, der behandelt dich aber, als wärest du der letzte Dreck. Würde dir das gefallen?“
     Er sah seine Freundin durchdringlich an, die nun den Kopf schuldbewusst gesenkt hatte und nun ihren Fuß hin und her schliff.
     „Ich will dir keine Anweisungen geben, du bist alt genug um selbst Entscheidungen zu treffen, Chrisi. Aber solange sie hier sind, sollten wir ihnen helfen und sie nicht weiter so behandeln, wie du es im Moment tust.“ Er blieb bei seiner kleinen Ansprache komplett gelassen und sah seine Freundin ruhig an. Er wusste ja, dass Chrisi es nur gut meinte. Aber sie war teilweise so störrisch, dass sie am liebsten mit dem Kopf durch die Wand wollte.
     Er kannte sie inzwischen lang genug um zu wissen, dass Christine einer der hilfsbereitesten Menschen war, den er jemals kennenlernen durfte. Das war auch einer der Gründe, warum er mit ihr zusammengezogen war. Aber sie hatte auch ihre Fehler, wie jeder Mensch.
     „Okay.“, sagte sie schließlich und nickte ihm zu, dieses Mal deutlich ruhiger.
     „Cool. Dann lass uns wieder runtergehen, bevor einer der beiden noch irgendetwas demoliert.“, er schmunzelte und ging wieder herunter, ehe Christine ihm folgte.

     Unten angekommen, stellten beide fest, dass die Wohnung noch heil war und sich an der Ausgangssituation nicht viel geändert hatte. Außer das Greaseball den Stein nun gegen das Licht hielt und nachdenklich betrachtete.
     „Alles klar, Grease‘?“, fragte Markus nun und erhielt einen genervten Blick. Als er grinsend mit den Schultern zuckte, seufzte Greaseball, ehe er ihm den Stein entgegenhielt: „Ich kann mit diesem Muster einfach nichts anfangen.“
     Markus begab sich zu Greaseball und nahm ihm den Stein aus der Hand, ehe er ihn ebenfalls gegen das Licht hielt: „Das ist tatsächlich ein Muster.“
     Christine sah ihn überrascht von der Couch aus an: „Ein Muster?“
     „In meinem Stein ist auch eins.“, erklärte Electra nun und gab Christine seinen Stein, welche diesen nun auch gegen das Licht hielt: „Wann habt ihr das herausgefunden?“
     „Heute Morgen ist es mir aufgefallen.“ Greaseball nahm den Stein von Markus wieder entgegen und steckte ihn sicher weg, während Markus die ehemalige Diesellok nachdenklich betrachtete, ehe zu Christine sah: „Sagt dir das etwas?“
     „Ich habe von so etwas echt keine Ahnung. Es kommt mir bekannt vor... Aber das wäre unmöglich. Ich sollte mich wirklich mehr mit der Außenwelt beschäftigen und nicht nur mit Medizin. “ Sie schüttelte schulterzuckend den Kopf, während sie Electra seinen Stein zurückgab der nun nachdenklich zu Boden sah. Leider äußerte Christine nicht ihren Verdacht, sondern behielt ihn für sich.
     „Könnte man so etwas nicht im Internet suchen?“, fragte Markus weiter bevor er sich zu Greaseball auf einen der Barhocker setzte.
     „Und was gibt man an? Merkwürdiges Muster in Edelstein aus einer anderen Welt?“, gab Christine spitz zurück und sorgte damit für ein Seufzen seitens Markus, der sich den Stein zwischen Greaseballs Fingern ansah. Letzten Endes stöhnte er frustriert auf und sprang vom Barhocker, ehe er zum Kühlschrank marschierte: „Mit leerem Magen kann ich nicht nachdenken.“
     „Du elender, verfressener…“, Christine schüttelte amüsiert den Kopf und lehnte sich nonchalant zurück, während sie ihre Beine streckte.
     Greaseball stützte sich rücklings mit seinen Ellbogen auf dem Tresen ab, während er die gegenüberliegende Wand anschaute, Electra hatte sich wieder dem hochqualitativen Fernsehprogramm von RTL zugewandt. Oder, wie Christine es nannte:  Assis im Brennpunkt!
     Schließlich blickte sie nachdenklich das Bücherregal an: „Was wäre, wenn wir in der Bibliothek nachforschen?“
     Markus lugte aus der Küchennische heraus und steckte sich gerade eine Scheibe Käse in den Mund, ehe er die Tür zuschlug: „Denkst du, da finden wir etwas?“
     „Besser als dekorativ in der Gegend herumzusitzen!“ Sie warf einen Blick auf die Wanduhr, ehe sie seufzte: „Die Bibliothek hat heute schon zu. Morgen haben wir Spätschicht, also geht es frühestens übermorgen.“
     Mit einem Nicken von beiden Seiten war es eine gemachte Sache und der Plan für den morgigen und übermorgigen Tag stand.

***


     Greaseball und Electra saßen auf der Rückbank des protzigen Mercedes, als würden sie ihre letzte Reise antreten, während sie zu Christines Eltern fuhren.
     Während Electra die Arme verschränkt hatte und missgelaunt aus dem Fenster starrte, hatte Greaseball sich seine Fliegerbrille auf die Nase gesetzt und den Kopf in den Nacken gelegt. Man konnte unmöglich sagen, ob er gerade vor sich hindöste oder nachdachte, wie so oft in der letzten Zeit.
     Greaseball vermisste die Zeiten, wo er nicht so viel grübeln brauchte. Die alten Zeiten im Tal. Er runzelte die Stirn: Waren es denn schon die guten alten Zeiten? Übertrieb er gerade maßlos? Wie lange war er denn schon hier?
     Der ehemalige Champion drehte seinen Kopf ein wenig und sah aus dem Autofenster, wo er nun die Häuser betrachtete, an denen sie vorbeifuhren. Mit dieser Woche, waren es höchstens zwei Wochen, oder?
     Zwei Wochen, in denen sie schon in dieser Welt festsaßen. Er fragte sich, ob man ihn im Tal noch suchte. Vielleicht hatten sie die Suche nach ihnen schon aufgegeben.
     Er schüttelte den Kopf. Er war Greaseball! Warum sollte man aufgeben, wenn es darum ging, ihn wiederzufinden? Dinah würde das nie zulassen, richtig?
     Natürlich würde Dinah ihn nie aufgeben! Er legte ein selbstgefälliges Grinsen auf und entspannte sich merklich, während er den Klängen des Autoradios lauschte.
     „Warum grinst du so merkwürdig?“, kam es nun von seiner linken und der Diesel grinste noch mehr, während er die Augen schloss: „Das geht dich nichts an, Stehlampe!“
     Er wusste, dass Electra ihn von der Seite böse ansah, ignorierte dies jedoch die restliche Fahrt, die sich als nicht mehr lang entpuppte. Gerade einmal zwei Minuten und schon bog Christine in die Einfahrt eines Einfamilienhauses ein.

     Bei der jungen Ärztin gewannen die nostalgischen Erinnerungen die Überhand und sie grinste wie eine Idiotin vor sich hin, als sie sich daran erinnerte, wie sie in diesem Haus aufgewachsen war.
     Es war schlicht und hatte einen einfachen weißen Anstrich, während das schwarze Giebeldach im Sonnenlicht glänzte.
     Wie immer, standen die Blumen vor dem Haus in Reih und Glied und machten einen sehr einladenden Eindruck. Die kleinen Fenster waren blitzblank und einen kurzen Moment kam sich Christine wie das größte Schwein vor, wenn sie an die dreckigen Fenster in ihrer Wohnung dachte.
     Sie schüttelte unmerklich den Kopf und schob die Schuld von sich. Erst einmal musste man eine so große Fensterfront sauber bekommen und außerdem war es sowieso schwer, die Fenster sauber zu halten, wenn man direkt in der Stadt wohnte. Ihre Eltern hatten es da schon wesentlich einfacher. Sie wohnten am Stadtrand und damit sehr viel ruhiger als Christine es tat.
     Sie waren von netten Nachbarn umgeben und Christine hatte das Gefühl, dass das Gras hier viel grüner war, als das in der Stadt. Vielleicht war sie auch einfach paranoid.
     Sie schnallte sich ab und stieg aus dem Auto, während sie überprüfte, ob Greaseball und Electra auch schon gemerkt hatten, dass sie da waren. Kaum hatte sie die Autotür zugeschlagen, sah sie, wie Markus, der auf dem Beifahrersitz saß, eine CD hervorkramte und in die Anlage steckte, ehe er die Musik laut drehte.
     Die lieblichen Klänge des Metal drangen bis aus dem Auto heraus und Christine wusste, dass sie sich das die restliche Fahrt anhören durfte. Sie hatte zwar kein Problem mit Metal, nein, jeder sollte das hören, was er wollte, aber nicht jedes Metal entsprach ihrem Geschmack.
     „Ach Chrisi, es ist schön, dich endlich einmal wiederzusehen!“, wurde sie von der Seite angesprochen und sah die Nachbarin Frau Klein. Sie war nicht mehr die jüngste und Frau Klein kannte Christine schon, seitdem die junge Ärztin in die Windeln gemacht hatte. Nicht selten hatte sie auf Christine aufgepasst, wenn ihre Eltern es gerade nicht konnten.
     „Hallo Frau Klein.“ Sie schenkte ihr ein ehrliches und aufrichtiges Lächeln, das die alte Frau erwiderte.
     „Man sieht dich kaum noch, seitdem du weggezogen bist, Kindchen. Wie wäre es, du kommst mal wieder lang und ich mache dir meinen berühmten Bienenstich.“, schlug die alte Frau lächelnd vor.
     „Ich werde sehen, was sich machen lässt. Ich sollte aber dieses Wochenende frei haben. Da kann ich mit Markus mal langkommen.“ Christine freute sich tatsächlich auf einen kleinen Besuch, bei der Frau, die sie schon ihr ganzes Leben kannte. Sie verband so viel schöne Erinnerungen mit ihr und wie konnte man so einem alten Mütterchen schon Nein sagen, wenn sie einem Kuchen anbot.
     Christine war froh, dass die Frau ihre Freude wiedergefunden hatte, nachdem letztes Jahr ihr Ehemann verstorben war. Frau Klein hatte zwar einen Sohn, aber der hatte sich mit einer Drogensucht in ein anderes Land abgesetzt. Es war furchtbar zu sehen, dass die besten Menschen immer ein solch schweres Leben zu führen hatten.
     Frau Klein streckte den Kopf und sah zu dem Auto: „Ach! Markus ist ja auch da.“ Sie winkte dem jungen Mann zu, der freundlich die Hand hob, dann entdeckte sie Greaseball und Electra, die desinteressiert in der Gegend herumstanden.
     „Oh und wer sind diese zwei jungen, hübschen Männer da?“ Sie grinste ein wenig, während Christine leise kicherte. Diese Frau war wirklich unverbesserlich. Mit ihrem rosarotem Kleid und der blauen Hausschürze, wie man es bei Menschen in ihrem Alter oft sah.
     „Das sind Greaseball und Electra. Sie wohnen zurzeit bei mir und Markus. Ihre Wohnung in Essen ist abgebrannt und nicht bewohnbar.“, erklärte Christine fix. Natürlich hatte sie sich die Erklärung, warum die beiden bei ihr lebten, angehört.
     Die abgebrannte Wohnung war sogar eine gute Idee gewesen, wenn man bedachte, dass ihre Mutter die beiden mit Pfefferspray bedroht hatte.
     „Ach, wie furchtbar! Und dabei hat er sich die Hand verbrannt?“, fragte sie, mit einem Blick auf Greaseballs Arm. Christine presste die Lippen zusammen und schüttelte den Kopf: „Greaseball ist leicht cholerisch und hat die Wand geschlagen.“
     Gut, das war ein wenig geheuchelt, aber die Wahrheit konnte sie auch nicht sagen. Der Zweck heiligte die Mittel.
     „Dann hat er es verdient. Ach du meine Güte, dann muss ich ja noch mehr Kuchen machen.“ Nachdenklich sah sie in ihren Einkaufsbeutel und schüttelte danach den Kopf: „Das wird nicht genügen.“
     „Machen Sie sich doch nicht die Umstände, Frau Klein. Ich kann Ihnen die Zutaten ja auch besorgen!“
     „Du bist ein gutes Mädchen. Nun gut, ich muss los. Ich habe einen Eintopf zu kochen. Grüß deine Eltern von mir.“ Damit ging Frau Klein weiter ihren Weges, während Christine zu Electra und Greaseball sah, die nun zu ihr kamen.
     „Wir gehen dieses Wochenende Kuchen essen!“ Begeistert schlug sie die Hände ineinander und ging dann zur Haustür, während Greaseball und Electra ihr perplex hinterhersahen.
     Dann folgten sie aber Christine, die gerade die Tür aufschloss und dann eintrat.
     
     Das erste was Electra wahrnahm, als sie das kleine Haus betraten, war der Boden, auf den er rücklings fiel. Das nächste, was er dann spürte war eine, warme und nasse Zunge, die ihn ableckte.
     Wie von der Tarantel gestochen, versuchte er das große Tier auf seiner Brust, dass ich als deutscher Schäferhund herausstellte, von sich zu drücken. Die Betonung lag auf dem Wort „Versuchen“. Mit einem, nicht sehr männlichen, Aufschrei, versuchte er das vermeintliche Biest, von sich zu schieben: „Nehmt ihn weg! Igitt! Er leckt mich ab!“
     Während Greaseball schadenfroh grinste, schmunzelte Christine nur und kraulte dem Hund das Ohr: „Hi, Lucky!“
     Der Angesprochene blickte nun hechelnd von Electra auf, blieb aber noch immer begeistert auf der Brust der ehemaligen Lok stehen.
     Lucky sah zwischen Christine, Electra und Greaseball hin und her, begeistert, so viele neue Menschen zu sehen. Nun ja, nicht alle waren neu. Christine kannte der Schäferhund schon, aber Greaseball und Electra waren neu und die musste man schließlich erst einmal beschnuppern.
     So wandte er sich von Electra ab und beschnupperte Greaseball, der ihm seine Hand hinhielt, ehe er Männchen machte, sich an Greaseball abstützte und sich an der ehemaligen Diesellok aufstellte.
     Der Hund ging dem großen Diesel bis zum Hals und das war in der Tat eine beachtliche Größe, wenn man bedachte, dass Greaseball nicht zwingend klein war.
     Er streichelte dem Hund über den Kopf und schaute dann zu Electra: „Hast du etwa vor so einem kleinen Hündchen Angst?“
     „Halt deine Klappe, du Ölschlucker!“, knurrte Electra, stemmte sich hoch und wischte sich im Anschluss mit der Hand den Hundespeichel aus dem Gesicht.
     Lucky war in dieser Hinsicht kein wirklich guter Wachhund. Dafür war er zu naiv. Der würde einem Einbrecher noch das Pfötchen geben.
     Von dem Tumult angelockt, kam nun Daniela aus der Küche und schaute überrascht zu ihren drei Besuchern: „Was ist denn hier los?“
     „Lucky hat Electra begrüßt!“, erklärte Christine kurz und sah dann auf ihre Uhr: „So, ich muss jetzt auch los. Ich kann dich mit denen allein lassen?“
     Fragend sah sie ihre Mutter an, die nur abwinkte: „Ich komme mit den beiden zurecht. Geh arbeiten, Kind!“
     „Prima. Schöne Grüße von Frau Klein!“ Christine verschwand lächelnd so schnell wie sie gekommen war und schlug die Tür hinter sich zu, sodass Electra, Greaseball und Lucky mit Daniela in dem beengten Flur allein standen.
     Lucky, der noch immer voller Begeisterung von Greaseball gekrault wurde, schloss genüsslich die Augen, während Electra ihn mit Vorsicht beobachtete. Die E-Lok fing langsam an, allem hier zu misstrauen.
     „Na dann, ihr beiden. Habt ihr schon etwas gegessen?“, fragte Daniela nun und sah zwischen Greaseball und Electra hin und her, die schweigend den Kopf schüttelten.
     „Dachte ich mir. Dann kommt mal mit. Ich habe Hühnerfrikassee gemacht und wir haben auch noch nicht gegessen.“, erklärte Daniela lächelnd und verschwand wieder in der Küche.
     Electra folgte ihr und Greaseball bildete das Schlusslicht. Und hinter Greaseball dackelte Lucky treudoof dem Diesel hinterher, den Schwanz voller Begeisterung in die Höhe gestreckt.

     In der Küche angekommen, die man nur als traditionell beschreiben konnte, fiel der Blick der ehemaligen Lokomotiven auf den braunhaarigen Mann, der gerade den Tisch deckte.
     Sein Gesicht war von einem, ebenfalls schokoladenbraunem Vollbart umgeben, während seine großen braunen Augen dem Hundeblick von Lucky Konkurrenz machten.
     Er von kräftiger Natur, was darauf schließen ließ, dass er sich viel körperlich betätigte. Er trug ein dunkelblaues Hemd, das mit grünen Karos verziert war, seine dunkle Jeans hing lose von seinen Beinen.
     Als er Greaseball und Electra sah, lächelte er herzlich: „Ach, das sind also Greaseball und Electra. Meine Frau hat mir schon viel von Ihnen erzählt. Ich bin Andreas.“ Er reichte den beiden lächelnd die Hand, die die Loks zögerlich ergriffen.
     Wenn Christines Mutter von ihnen erzählt hatte, wusste er dann auch…? Die Frage schwebte stumm im Raum und der ältere Mann nickte erheitert: „Keine Sorge. Ich bin auch ganz schön faul!“
     Er zwinkerte den beiden perplexen Loks zu und holte das Besteck aus dem Besteckkasten, ehe er den Tisch weiterdeckte.
     Gerade noch konnte Electra ausweichen, als Daniela sich mit einem großen Topf an ihm vorbeischob, den sie auf den Tisch stellte.
     Im Anschluss stellte sie eine Schüssel Reis dazu, ehe sie sich mit Andreas an den Tisch setzte. Dann sah sie Greaseball und Electra an, die immer noch verdattert im Raum standen: „Setzt euch doch.“
     Zuerst sahen sich die Lokomotiven an, dann setzten sie sich und betrachteten das Frikassee nachdenklich, während sich jeder etwas auf den Teller machte.
     
     Das Essen an sich verlief eigentlich recht schweigend, wenn man denn den armen Lucky außer Acht ließ, der die ganze Zeit winselnd neben Greaseball saß und ihn mit großen, dunklen Augen traurig ansah; nur um eine kleine Kostprobe bettelnd.
     Eine Zeit lang konnte Greaseball den Hund sehr gut ignorieren, beachtete ihn aber schließlich, als besagter Hund sich plötzlich auf seine Beine stemmte und ihn nun traurig ins Gesicht schaute.
     Greaseball musste zugeben, dass es ihm sehr schwer fiel, dem zu widerstehen. Er mochte Hunde einfach, sie hatten etwas Vertrautes. Außerdem waren es die idealen Haustiere.
     „Lucky! Runter vom Tisch!“, warnte Daniela den Rüden nun, der sich daraufhin beleidigt in eine Ecke verzog und sich dort hinlegte.
     Andreas schmunzelte: „Er mag Sie, Greaseball. Haben Sie Hunde?“
     Greaseball sah den älteren Mann eine Weile an, ehe er langsam nickte, dann aber schnell den Kopf schüttelte: „Wir hatten einmal einen Hund, als ich noch kleiner war.“
     „Du meinst, du wurdest von ihnen aufgezogen.“ Es war ja klar, dass Electra das ausnutzen musste. Greaseball blickte ihn böse an, ehe er zum Gegenangriff übergehen wollte. Dann wurde er jedoch von Daniela unterbrochen: „Also wirklich! Müsst Ihr euch immer streiten? Ich und Andreas streiten uns ja auch hin und wieder, das ist normal in einer Beziehung. Aber nicht in diesem Ausmaß.“
     Schweigen trat ein und die beiden ehemaligen Lokomotiven schauten mit großen Augen zu der Mutter.
Peinliche Stille ergriff die Gruppe.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast