gehasst, verstoßen, wiedergeboren

GeschichteAbenteuer, Drama / P18
Björn Lothbrok Floki Lagertha Lothbrok OC (Own Character) Rollo
14.10.2018
29.08.2019
8
9207
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Römisches Reich, etwa 800 n. Chr.

Es war eine kalte Frühlingsnacht, zu kalt, um sich irgendwo niederzulassen und einzuschlafen. Ich würde erfrieren. Deshalb irrte ich weiter durch die kleine Stadt, in die es mich verschlagen hatte.
Früher lebte ich in Trier, von dort musste ich allerdings fliehen. Nun bin ich hier. Ich bin allein und habe kein Zuhause. Deshalb laufe ich durch die Stadt auf der Suche nach einem Unterschlupf, einem Stall oder ähnlichem. Dort, wo es wärmer ist, als hier draußen.
Ich lief durch die Straßen und hin und wieder hörte ich ein paar betrunkene Soldaten singen, oder bessergesagt grölen. Sie feierten eine Reinigung der Stadt von einer Hexe, die heute Mittag auf dem Marktplatz bei lebendigem Leib verbrannt wurde. Ich höre ihre Schreie immernoch in meinem Kopf. Ich sehe ihr Gesicht, ihre Tränen, ihren Schmerz direkt vor mir. Ich hatte so etwas schon einmal gesehen und der Gedanke daran ließ mich wütend werden, deshalb konzentrierte ich mich wieder darauf, eine Gelegenheit zum schlafen zu finden. Ich ging weiter durch die Gassen und versteckte mich, sobald ich jemanden sah, der in meine Richtung kam.
Ich war scheu gegenüber Menschen geworden, seit ich geflohen war. Vorher war das nicht so. Ich war sogar sehr gesellig, genau wie meine Eltern. Bis vor etwa einem Monat, an dem sich alles änderte und seitdem ich auf mich allein gestellt war.
Ich zuckte zusammen, als ich hinter mir eine Vase zerbrechen hörte. Ich versteckte mich hinter einer Hausmauer und blinzelte um die Ecke. Dort war nichts. Es kam niemand. Ich dachte mir, es war vielleicht einfach nur eine streunende Katze, die sie umgeworfen hat.
Ich musste aber trotzdem nachsehen, den in diesem Moment bekam ich Angst. Ein Prediger hatte vor ein paar Tagen eine Rede auf dem Marktplatz gehalten. Er war davon überzeugt, dass die Nordmänner uns holen kommen. Männer, die zwei Meter groß waren und alle töten, die sich ihnen in den Weg stellen. Unbesiegbare Männer. Sie sollen als Strafe kommen, für all die Sünden, die wir begangen haben. Er bezeichnete sie als „das jüngste Gericht“. Natürlich glaubte ihm niemand, da die Stadt ja von Soldaten geschützt war. Von Soldaten die in diesem Moment betrunken nach Hause torkelten.
Ich lief vorsichtig in die Richtung, aus der das Geräusch kam und sah mich immer wieder um, dass ja kein Mensch mich bemerkte. Und dann sah ich sie, die zerbrochene Tonvase. Ich ging zu ihr und blieb direkt vor ihr stehen. Ich drehte mich im Kreis und versuchte, die Katze zu finden, die sie womöglich umgeworfen hatte, aber fand nichts. Es war keine Katze da. Plötzlich begann mein Herz schneller zu schlagen und ich bekam Angst.
Was, wenn die Nordmänner wirklich kamen, um uns zu holen und zu bestrafen?
Ich hatte Buße genug getan, um hingerichtet zu werden, das war klar. Aber deshalb war ich geflohen. Es wäre alles umsonst gewesen, wenn sie jetzt hier wären.
Ich vernahm Stimmen, besser gesagt ein Flüstern. Es wurde lauter und ich begann, Schritte zu hören. Schritte, die in meine Richtung kamen.
Blitzschnell rannte ich wieder zu der Hauswand, hinter der ich mich vorhin versteckt hatte. Ich versuchte etwas runter zu kommen und langsamer zu atmen, bevor ich es wagte, um die Ecke zu blinzeln.
Ich zitterte am ganzen Leib und mein Herz schlug mir bis zum Hals, was wenn mich jemand gesehen oder gehört hatte? Dann war alles vorbei. Das ganze Versteckspiel war umsonst gewesen.
Ich lehnte mich leicht vor und schob ganz langsam und vorsichtig meinen Kopf um die Ecke, um etwas zu sehen. Ich sah Schatten, die auf den Boden geworfen wurden. Sie liefen auf mich zu, aber ich konnte nicht weg, nicht bevor ich sah, wer da kam. Also zwang ich mich, noch in dieser unbequemen Position zu verweilen, bis die Menschen nah genug waren, um sie zu sehen.
Dann erschien bei einem der Schatten eine Axt in seiner Hand. Er trug sie, wie eine Waffe. Unsere Soldaten haben ihre Schwerter und Schilde. Ein Bauer würde in der Nacht vermutlich nicht aufstehen, um Holz hacken zu gehen. Ich versuchte, herauszufinden, wer das war. Ich kam nicht darauf.
Dann sah ich Sie.
Sie waren groß. Sie hatten lange Haare und lange Bärte. Alle hatten Fell als Kleidung an und sie waren voller Blut. Sie liefen langsam und vorsichtig, dass sie nicht bemerkt wurden. Ich hatte genug gesehen. Das mussten die Nordmänner sein, die uns allen prophezeit wurden. Sie waren hier um über uns zu richten. Ich wollte nicht sterben, noch nicht. Deshalb rannte ich. Ich rannte so schnell ich konnte, ohne mich umzusehen und zu wissen, ob mir jemand folgte. Ich musste die Menschen warnen, wollte aber nicht durch die Straßen schreien, zu große Angst hatte ich, dass mich diese Männer hörten und mich töteten.
Wenn sie mich bemerkt hatten und mir folgten, würden sie mich einholen. Ich war nur knappe 1,60 groß und konnte nicht gegen solche Riesen ankommen.
Ich rannte immer weiter in Richtung der Kirche.
Sie würden mich vermutlich auch töten, wenn ich dort hineingehe. Sie suchten sowieso schon nach mir. Aber es bestand die Möglichkeit, dass sie mich am Leben lassen, wenn ich ihnen helfe und sie warne. Es war meine einzige Chance, hier lebend raus zu kommen.
Ich rannte vermutlich eine halbe Stunde, bevor ich vor dem Tor der riesigen Kirche stand.
Ich hatte Angst, dort hinein zu gehen. Sie würden mich vermutlich ans Kreuz schlagen oder auch wie eine Hexe verbrennen.
Aber ich hoffte immer noch auf ihre Gnade. Dass sie mich am Leben lassen und mir dankbar sind, dass ich ihre Stadt gerettet habe.
Mein Herz schlug mir bis zum Hals, aber ich hatte keine andere Möglichkeit. Und so öffnete ich das Tor der Kirche und ging hinein.
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