Herzchenaugen

von Silvana
OneshotAllgemein / P12 Slash
Esteban Ocon Lance Stroll
14.10.2018
14.10.2018
1
2268
9
Alle Kapitel
6 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
 
Disclaimer: Keine der erwähnten Personen gehört mir. Alles ist frei erfunden, es soll mit der Geschichte keinem geschadet werden und ich verdiene auch kein Geld damit.

Pairing: Esteban Ocon / Lance Stroll
Warnung: Slash

Anmerkung: Im Verlauf des OS wird ein Fahrer namens Sean Gelael erwähnt. Für alle, die ihn nicht kennen sei kurz gesagt, er fährt aktuell in der Formel 2, ist eher unterdurchschnittlich talentiert, hat aber eine reiche Familie.

An der Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei allen bedanken, die die beiden Vorgänger „Mit allen Mitteln“ und „Oconisiert“ gelesen, favorisiert, empfohlen oder mir ein Review dazu geschrieben haben. Ich habe mich wirklich sehr gefreut! :)

Dieser OS greift nun die Szene aus „Oconisiert“ auf, aber aus der Sicht von Lance und Esteban. ;)


~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~


Samstagabend, 20.10.2018

„Warum kaufst du dir eigentlich beim Bäcker ein trockenes Brötchen, anstatt in einem der vielen Restaurants mit mir essen zu gehen?“, fragte Lance Stroll seinen Freund Esteban nachdem dieser seinen Einkauf erledigt hatte und die beiden auf dem Rückweg zu ihrem Hotel waren.

„Weil ich den texanischen Fraß leid bin! Egal wo man hingeht, überall Burger, Hotdogs, Burritos oder Riesensteaks. Selbst die Salate triefen vor Fett, kein Wunder, dass jeder Mensch hier gefühlt ne‘ Tonne wiegt!“, echauffierte sich der Franzose. Eigentlich wollte er nicht ausfallend werden, aber der Tag war hart gewesen und die Worte kamen einfach.

Lance blickte ihn verdutzt an. „Bist du schlecht gelaunt?“

„Nein, bloß etwas erschöpft...“, sagte Esteban und setzte ein liebliches Lächeln auf, dabei war er extrem schlecht gelaunt. Das Qualifying war nicht so gelaufen wie er das wollte, ein Reporter hatte ihn mit dümmlich penetranten Fragen zu seiner Zukunft in der Formel 1 fast zur Weißglut gebracht und am Donnerstag hatte er einen bescheuerten Promotermin mit Pérez gehabt, wo die beiden Cowboys spielen sollten. Er hasste Texas, die Gegend, die aufdringlichen Menschen, Rodeo, Cowboys, die Tex-Mex-Küche, alles an diesem Staat! Und er hatte ums Verrecken keine Lust, jetzt mit Lance darüber zu reden. „Ich will auf meine Figur achten und das Essen hier macht es mir nicht leicht.“

„Deine Figur ist perfekt, Süßer und ein bisschen texanisches Essen schadet dir nicht. Oder hast du in der Bäckerauslage die Vanilledonuts gesehen? Die sind übelst lecker, ich glaube, davon muss ich mir bald mal wieder einen gönnen.“

Esteban schaffte es gerade noch, seine Gesichtszüge nicht komplett entgleisen zu lassen. Vanilledonuts? Ernsthaft? Hallo Ernährungsplan! „Ja, das sind sie wahrscheinlich, aber ich lass trotzdem lieber die Finger davon“, antwortete er diplomatisch.

Der 19-Jährige nickte. „Ist dir übrigens aufgefallen, dass vor der Bar gegenüber vom Bäcker Pérez und Hülkenberg saßen?“

„Nein.“ Und es interessierte ihn auch nicht sonderlich, eher war er froh, dass er sie nicht bemerkt hatte.

„Sie saßen da und haben Cocktails getrunken. Und ich könnte schwören, dass Hülkenberg dich die ganze Zeit angestarrt hat.“

„Wirklich?“

„Wenn ich’s dir sage! Mit den Augen ausgezogen hat er dich, zumindest sah das so aus“, meinte Lance verärgert und war kurz versucht, nach Estebans Hand zu greifen, doch im letzten Moment fiel ihm ein, dass sie in der Öffentlichkeit waren und er das besser bleiben ließ.

„Jetzt red‘ dir nichts ein! Es kann ein Dutzend Gründe geben, warum er zu mir geguckt hat, das muss nicht gleich was bedeuten, vielleicht haben sie nur über mich gelästert?!“, beruhigte ihn Esteban, aber insgeheim fand er die Information sehr interessant und nahm sich vor, das demnächst mal zu beobachten.

„Na die haben’s grad‘ nötig!“, ätzte der Jüngere. Für gewöhnlich redete er nicht abfällig über andere Fahrer, aber Pérez konnte er nicht leiden und die durchaus im Rahmen des Möglichen liegende Annahme, dass Hülkenberg was von seinem Freund wollte, machte Lance zusätzlich wütend.

„Du weißt ja, wie das läuft, wenn manche Leute nicht akzeptieren können, dass ihre beste Zeit um ist“, entgegnete Esteban vieldeutig bevor die beiden ihren Weg fortsetzten. Keine zehn Minuten später hatten sie Estebans Hotelzimmer erreicht und während der Franzose einige Sachen zusammenpackte, schmiss Lance sich aufs Bett und checkte via Smartphone seine Social-Media-Accounts.

„Sag mal, wieso liked Gelael deine ganzen Urlaubsfotos und kommentiert sie mit Sprüchen wie „Tolle Abs“ oder mit Herzchenaugen-Smileys?“, wollte er plötzlich wissen.

Was zum...? Esteban hielt inne und schaute entnervt zur Zimmerdecke. Anstatt ihn bei Instagram zu stalken, sollte Lance lieber mal seine eigene Tasche packen, bevor er morgen wieder alles auf den letzten Drücker machen musste. „Keine Ahnung, vielleicht wünscht er sich, er hätte solche Bauchmuskeln wie ich?“

„Oder der steht auf dich. Hier schon wieder. Herzchenaugen!“

Esteban rieb sich die Stirn. Gut, dass er mit dem Rücken zum Bett saß und Lance seine Mimik nicht sehen konnte. Der Junge trieb ihn irgendwann in den Wahnsinn mit seiner Eifersucht. Obwohl die Theorie stimmte, denn Sean Gelael stand tatsächlich seit Jahren auf ihn, was nicht auf Gegenseitigkeit beruhte. Ein paarmal hatte er versucht bei Esteban zu landen, doch der ließ ihn abblitzen, denn es brachte ihm nichts mit Sean auszugehen. Er war weder besonders gutaussehend, noch einflussreich und sein schwerreicher Vater förderte bereits Antonio Giovinazzi. Die Abfuhren hielten Sean allerdings nicht davon ab, weiterhin mit Esteban zu flirten und darauf zu hoffen, dass er ihm irgendwann eine Chance gab. „Er hat ne‘ Freundin“, log der 22-Jährige. „Außerdem kann er mir so viele Herzchen schicken wie er will, ich interessiere ich mich nicht für andere Jungs“, fügte er an, um die Diskussion zu beenden und wie beabsichtigt brachte er Lance mit diesem Satz zum Strahlen.

Neugierig scrollte der Kanadier weiter durch die Posts seines Liebsten, bis er bei dem Eintrag hängen blieb, der ihn jedes Mal glücklich machte, wenn er ihn las. Vor Sotschi hatte Esteban in seiner Insta-Story einen Aufruf gestartet und die Fans dazu aufgefordert, den Shitstorm gegen Lance einzustellen. Sie machten ihn dafür verantwortlich, dass Esteban 2019 nicht bei Racing Point fahren durfte und hatten ihn mit Hasskommentaren regelrecht überschüttet, bis der Franzose sich für ihn einsetzte und seine Fans bat, respektvoll zu bleiben. Lance liebte ihn dafür nur umso mehr. Ihm tat es ja selber leid, dass Esteban bisher kein neues Cockpit finden konnte und er gab alles dafür, dass sein Vater Pérez rausschmiss, aber der stellte sich trotz sämtlicher Warnungen stur. „Ich denke darüber nach“, hatte er seinem Sohn versprochen, aber nichts war seitdem passiert und es schien, als wollte er Pérez letztendlich doch behalten. Wie konnte man so dumm sein? Na ja, auf seiner nächsten Kreditkartenabrechnung würde er schon sehen, dass Lance ihm böse war.

Egal wie er es drehte und wendete, er konnte die Starrköpfigkeit seines Vaters nicht verstehen und das Argument, Lance ließe sich zu sehr durch seine Freundschaft zu Esteban ablenken, ergab für den 19-Jährigen absolut keinen Sinn. Er sah das auch vollkommen anders, denn war es nicht viel produktiver, mit jemandem zusammen zu arbeiten, mit dem man sich verstand? Mit jemandem, der einen nicht belog, einem Daten verheimlichte oder einen ständig von der Strecke drängte? Pérez spielte falsch und unfair, daran gab es keinen Zweifel nach allen Geschehnissen in der Vergangenheit. Esteban dagegen war fair, ehrlich, hilfsbereit, einfühlsam, perfekt als Teamkollege und als Mensch. Einem spontanen Impuls folgend sprang Lance vom Bett auf, kniete sich neben ihn, schlang die Arme um ihn und drückte ihn für einen Moment fest an sich. „Du bist der tollste Freund auf der Welt, weißt du das?“

„Womit habe ich denn das jetzt verdient?“, fragte der Ältere leicht irritiert von dem Überfall.

„Einfach so, weil’s so ist! Und ich habe eben noch mal deinen Aufruf gelesen.“

Ach ja, seine Message an die Fans. Esteban grinste in sich hinein. In Wahrheit fand er es großartig, wie seine Anhänger für ihn kämpften, wie sie ihn in höchsten Tönen lobten und wie sie jeden zum Sündenbock machten, der die Karriere ihres Idols zu behindern drohte. Natürlich konnte er das nicht offen zugeben, also bedankte er sich artig für die Unterstützung, sprang aber zugleich für seinen offiziell besten Kumpel in die Bresche und nahm ihn gegen Anfeindungen in Schutz. Lance reagierte darauf wie erhofft und den in dem Post gut versteckten kleinen Seitenhieb gegen ihn merkte er gar nicht. Die ganze Aktion hatte außerdem einen weiteren angenehmen Nebeneffekt und zwar den, dass er Gaslys Aussagen, Esteban würde seinen Freunden keinen Erfolg gönnen, einmal mehr zum Teufel schicken konnte und öffentlich fein raus war.

Ab und zu musste man eben etwas für sein Image tun und nach dem besagten Instagram-Post feierten die Medien Esteban für seine sportliche Größe und seine vorbildliche Einstellung. Besser konnte das gar nicht laufen. Und um der Eigenwerbung die Krone aufzusetzen, hatte er später in Interviews noch einmal Toto Wolff etwas Honig ums Maul geschmiert und seine tiefe Loyalität zu Mercedes bekundet. Er musste lachen als er hörte, dass Helmut Marko gesagt hatte, er würde Esteban für Toro Rosso fahren lassen, wenn er sämtliche Verträge und Vereinbarungen mit Mercedes kündigte. So blöd müsste er mal werden! Selbst wenn ihm ein Jahr Auszeit drohte, 2020 winkte ihm Bottas‘ Cockpit und das sollte er aufgeben, um für die verrufene Red Bull Truppe an den Start zu gehen? Jeder junge Fahrer, der was auf sich hielt und andere Angebote hatte, hielt sich von diesem Sauhaufen fern. Deren Politik hatte sich herumgesprochen und entsprechend ausgedünnt war ihr Nachwuchsprogramm inzwischen auch. Red Bull war zur Notlösung verkommen, nicht mehr und nicht weniger, dort versammelte sich der Abschaum, den die Traditionsteams nicht wollten. Leute wie Gasly. Der passte dort hin. Gute Fahrer kamen zu Mercedes oder Ferrari.

„Ich hoffe, die Leute hören bald auf, dich wegen mir zu beschimpfen“, sagte Esteban und ließ sich betont ausgelaugt in die Arme des Williams-Piloten fallen.

„Du hast dich für mich eingesetzt, das ist das Wichtigste und dafür bin ich dir sehr dankbar, also mach dir bloß keine Vorwürfe! Mann, ich wünschte, mein Dad wäre nicht dermaßen verbohrt, denn dann gäbe es diese ganzen Probleme gar nicht. Ich habe mich so darauf gefreut, mit dir in einem Team zu sein. Stell dir vor, wie konstruktiv wir beide zusammen arbeiten könnten!“

„Du hast recht, aber unser Weg ist ja noch nicht zu Ende, vielleicht fahren wir irgendwann im gleichen Topteam“, orakelte Esteban scheinheilig in der sicheren Gewissheit, dass Lance den Sprung in ein Topteam niemals schaffen würde. Der 19-Jährige antwortete ihm nicht, stattdessen küsste er zärtlich den Hals seines Freundes und verlor sich verliebt im süßen Geruch seiner Haut. Gott, Lance war verrückt nach Estebans Bodylotion. Frosted Berries. Die roch so unbeschreiblich gut an ihm! Langsam ließ er seine Hände unter das Shirt des Älteren gleiten und zuckte erschrocken zusammen, als dessen Smartphone plötzlich losging. Wer auch immer ausgerechnet jetzt anrief, der junge Kanadier verfluchte ihn.

Unwillig kramte Esteban das Handy aus der Tasche und schaute aufs Display. „Ach, das darf nicht wahr sein, meine Ex wieder!“, stöhnte er verdrossen.

„Die, mit der du per SMS Schluss gemacht hast? Danielle?“

„Ja genau die.“ Wobei sie nicht die Einzige in seinem Leben war, mit der er per SMS Schluss gemacht hatte. Als Rennfahrer hatte man einen prall gefüllten Terminkalender, da blieb keine Zeit für große Beziehungsdramen und lange Herzschmerz-Diskussionen. Er dachte, Danielle käme mittlerweile klar, aber offensichtlich... „Ich muss wohl bald meine Nummer wechseln.“ Kurzerhand drückte er den Anruf weg.

„Aber nicht in der kommenden Woche, da haben wir was Besseres zu tun“, erinnerte Lance ihn vorfreudig daran, dass sie morgen Abend gemeinsam nach Kanada flogen. „Wir machen uns drei richtig schöne Tage zu Hause und ich muss dir unbedingt ein geniales neues Restaurant zeigen! Wenn du dort die Nudeln mit Weißweinsoße und Trüffeln probiert hast, wirst du nie mehr was anderes essen wollen“, schwärmte er. Er hatte nicht schlecht gestaunt, als er im Sommer zum ersten Mal dieses Gericht bestellt hatte und der Kellner ihm hinterher eine Rechnung über 500 Dollar präsentierte. Lance wusste nicht, dass ein paar Gramm Trüffel dermaßen teuer sein konnten, aber was sollte es? Das Zeug schmeckte fantastisch und er freute sich darauf, Esteban damit zu verwöhnen. „Das wird super!“

„Hm...“ Der 22-Jährige gestand sich ein, dass ihm die kleine Auszeit und ein wenig Luxus gut tun würden und ein paar Tage mit Lance in Kanada waren allemal angenehmer, als direkt weiter nach Mexiko zu reisen. Unter keinen Umständen verbrachte er mehr Zeit in dem Land als unbedingt nötig.

„Und, ist deine Laune jetzt besser?“

Esteban blickte erstaunt über seine Schulter. „Was?“

Lance schmunzelte. „Du brauchst nicht zu leugnen, dass du vorhin mies drauf warst, ich kenn dich mein halbes Leben und weiß wie du tickst, Süßer. Du findest Texas scheiße und hast auch keinen Bock auf Mexiko. Das versteh ich doch.“

Überschätz dich nicht, Junge! „Ich wollte kein Drama machen und den Abend nicht mit meiner Stimmung runterziehen“, redete sich Esteban heraus.

„Okay, aber du musst dich vor mir nicht verstellen, ich bin ja kein Journalist“, ermahnte Lance ihn mit einem Zwinkern.

Manchmal überraschte es den Franzosen, wie aufmerksam Lance ihm gegenüber war und wie gut er ihn inzwischen kannte, aber das blieb wohl nicht aus nach einer fast zehnjährigen engen Freundschaft.

Völlig durchschauen würde er ihn trotzdem nie oder bestenfalls, wenn es zu spät für ihn war.


~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~


*Ende*