Viele Wege führen nach... Berlin?

OneshotRomanze / P12
13.10.2018
06.12.2018
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„Was sagt eigentlich Dr. Lindner dazu?“, wollte Julia unauffällig wissen, während sie sich das Shirt über den Kopf zog.
„Wozu?“, runzelte Theresa neben ihr die Stirn und warf ihren Kasack in den Wäschekorb.
„Hallo?“, entgegnete die Blondine ungläubig, vorbei war es mit der Beiläufigkeit. „Zu Berlin natürlich!“
„Pff, woher soll ich das wissen?“, zuckte die junge Russin mit der Schulter und wollte dabei wegwerfend klingend, konnte eine Spur Verlegenheit aber nicht verbergen.
„Was, du hast es ihm nicht gesagt?!“ Ihre Freundin sah sie entgeistert an. „Spinnst du?“
„Hey!“, empörte sich Theresa scharf. „Außerdem warum sollte ich? Das interessiert ihn sicher eh nicht, außerdem geht ihn das überhaupt nichts an was ich mache.“, versuchte sie stirnrunzelnd sich zu rechtfertigen und wusste doch, dass es ein kläglicher Versuch war, sich von ihren eigenen Worten zu überzeugen.
„Wer’s glaubt wird selig.“, rollte Julia sarkastisch die Augen. „Hast du mal darauf geachtet, wie er dich ansieht? Mag ja sein, dass du immer noch behaupten willst, dass das zwischen euch nur Sex war, aber das nehm‘ ich dir nicht ab. Dir nicht, und ihm schon gleich gar nicht.“
„Pff.“, murmelte Theresa nur abwehrend und versuchte, Julias Blick auszuweichen, in der Hoffnung, sie würde es darauf beruhen lassen.
„Jetzt mal ehrlich, du bist so stur! Du machst doch alles nur noch schlimmer.“, seufzte Julia. „Was meinst du denn, wie er reagiert, wenn er es erfährt? Und zwar nicht von dir? Du solltest es ihm wirklich sagen. Ich dachte, du willst, dass das mit euch irgendwann mal was wird… Und wag es bloß nicht, jetzt nein zu sagen!“ Sie deutete drohend mit dem Zeigefinger auf die Freundin. „Wie soll das denn klappen, wenn du ihm sowas nicht sagst?“
„Ach man, Julia.“, stöhnte die junge Anästhesistin halb genervt, halb verzweifelt und ließ sich auf die Couch neben dem Spint sinken. „Ich weiß einfach nicht, wie ich es ihm sagen soll, okay?“, gestand sie dann. „Ich bin nicht gut in sowas.“
Mitfühlend setzte sich Julia neben sie und drückte ihre Hand. „Aber davon, dass du es gar nicht machst, wird es auch nicht besser, im Gegenteil. Sag’s ihm einfach, direkt raus, dann hast du’s hinter dir.“
„Wie ein Pflaster?“, sah Theresa sie skeptisch an.
„Genau, wie ein Pflaster. Was soll schon passieren?“, zuckte sie mit der Schulter bei dem Versuch, ihr Mut zu machen.
Theresa hob kritisch die Augenbrauen. „Warst du nicht diejenige, die gerade noch gesagt hat ich mache alles noch schlimmer? Betonung auf noch?“
„Ach man, schalt doch einmal dein Hirn aus und mach einfach, Theresa!“, rollte ihr Gegenüber mit den Augen. „Vom Warten wird es auch nicht einfacher. Außerdem kennst du doch Dr. Lindner, der hat für so gut wie alles Verständnis, und wir reden hier vom ZAC, der wird schon wissen, was für eine riesen Chance das ist. Aber er wird es von dir hören wollen. Also hör auf, dir selbst im Weg zu stehen, und rede mit ihm.“ Julia sah sie eindringlich an bevor sie anzüglich grinste: „Und wer weiß, vielleicht kommt er dich ja mal besuchen?“
„Oooh!“, stöhnte die Brünette leicht gereizt auf. „Ja, ist ja gut, ich rede mit ihm, du hast ja Recht.“, gab sie dann einen Moment später besänftigend klein bei, bevor sie wieder auf ihre Kollegin zeigte: „Aber erspar mir dieses Grinsen!“
Die bemühte sich amüsiert ihr Grinsen herunterzuschlucken und stand schnell auf, damit Theresa statt ihres kläglichen Versuchs nur ihren Rücken sehen konnte. „Ich hab nichts gemacht.“, hob sie dabei abwehrend die Hände.
Seufzend stand Theresa schließlich auf, nahm ihre Handtasche und ging in Richtung Tür.
„Und Theresa?“ Als sie Julias Stimme nochmal vernahm sah sie sich über die Schulter zu ihr um. „Viel Erfolg.“, wünschte die Blondine mit einem milden Lächeln, worauf sie mit einem leichten, dankbaren Kopfnicken antwortete. Die viel schwierigere Aufgabe stand ihr jetzt bevor.

Schlussendlich fand sie den Onkologen im Ärztezimmer über ein paar Akten gebeugt. Allein. Zum Glück. Sie atmete tief durch um sich selbst Mut zu machen bevor sie das Zimmer betrat.
„Marc?“, ergriff sie zögerlich das Wort während sie die Tür hinter sich zu zog. Als Antwort sah er nur fragend zu ihr auf. „Hast du einen Moment?“
Er nickte und legte seinen Stift weg als Zeichen, dass seine Aufmerksamkeit ihr gehörte. „Was kann ich für dich tun?“
„Ich… wollte mit dir reden, aber ich weiß nicht recht wie. Also…“
Einen Moment sah er sie mit gehobenen Augenbrauen abwartend an, doch sie schien die richtigen Worte nicht finden zu können, also erbarmte er sich. „Geht es um Berlin?“, fragte er gelassen.
Sie sah ihn überrascht, aber auch etwas ertappt an. „Du weißt davon?“
„Natürlich.“
„Natürlich…“, wiederholte sie mit gesenktem Kopf leise und beschämt. Verdammt! Hatte Julia nicht gesagt er würde es sicher von ihr hören wollen? „Marc, ich…“, sah sie auf als sie zu einer Erklärung ansetzen wollte und machte dabei einen Schritt auf ihn zu.
„Schon okay. Ich hatte mich schon gefragt, wann du damit zu mir kommen würdest. Oder viel mehr ob du damit zu mir kommen würdest.“, gab er etwas enttäuscht zu.

Ein leises Seufzen entwich ihrer Kehle. „Ich wusste nicht, wie ich es dir sagen sollte und…“, suchte sie noch immer mit entschuldigendem Ton nach den richtigen Worten.
„Da dachtest du, du überlässt es lieber dem Flurfunk?“, fragte er ruhig, aber mit gehobenen Brauen.
„Nein.“, zog sie das Wort lang, dann seufzte sie erneut. „Ach man, ich weiß doch auch nicht, was ich dachte.“ Mit leichter Verzweiflung hob sie kurz die Hände, nur um sie dann wieder gegen die Oberschenkel sinken zu lassen, eine Geste der Ratlosigkeit. „Warum musst du auch nur so verdammt gut darin sein, mich immer wieder um den Verstand zu bringen? Ich bin doch sonst auch nicht auf den Mund gefallen, aber wenn es um dich geht…“, ihre Stimmlage schwang um von aufgebracht-verzweifelt in Richtung verlegen, kleinlaut, „… weiß ich einfach nie, was ich sagen soll.“
„Wir verstehen uns eben oft ohne Worte. Aber manche Dinge kann man halt nicht ohne Worte sagen.“
Sie nickte nur und merkte dann, dass das genau so eine Situation war. Sie hätte auch sagen können ‚Das stimmt wohl.‘ – aber das brauchte sie gar nicht. Stattdessen legte sie die Hand in seine, die er ihr jetzt versöhnlich entgegenstreckte, und trat auf seinen leichten Zug daran näher zu ihm, den Blick noch immer beschämt und etwas grüblerisch auf ihre Hände gerichtet.
„Miteinander reden müssen wir wohl beide noch lernen… Ich schätze, das liegt daran, dass wir es nicht gewohnt sind, über unsere Gefühle zu sprechen. Oder überhaupt welche zu haben.“, schmunzelte er, dann wurde er nachdenklich. „Aber seit ich dich kenne ist alles anders… Ich weiß doch auch oft genug nicht, was ich sagen soll. Natürlich hätte es mich gefreut, wenn du es mir selbst gesagt hättest und vielleicht bin ich auch ein bisschen enttäuscht, aber ich kann dich auch irgendwie verstehen. Ich wusste doch damals auch nicht, wie ich dir von Spanien erzählen sollte, auch wenn das vielleicht nicht ganz zu vergleichen ist. Mach dir keinen Kopf, okay? Solange du mich nicht vergisst und dich ab und zu mal meldest bin ich zufrieden.“ Während seiner letzten beiden Sätze hatte er sanft mit dem Daumen über ihren Handrücken gestreichelt und drückte nun abschließend aufmunternd ihre Hand.
„Auf keinen Fall!“, empörte sie sich. Für einen Moment rutschte ihm das Herz in die Hose, doch bei ihren nächsten Worten entspannte er sich wieder sichtlich. „Das könnte ich überhaupt nicht. Dich vergessen… pff. Was meinst du denn, warum das mit uns schon seit Ewigkeiten immer auf und ab geht? Sicher nicht, weil ich dich so einfach vergessen kann.“ Ihr Blick war dezent anklagend.
Er schmunzelte. Da war wohl was dran. „Dann ist ja alles in Ordnung.“ Sie nickte leicht und er setzte flüsternd hinzu: „Ich werde dich trotzdem vermissen.“
„Ich dich auch.“, gestand sie leise.

Er sah sich prüfend um und wieder einmal wusste sie genau, was er vorhatte, daher neigte sie sich ihm bereits mit einem entzückten, kleinen Lächeln entgegen. Wie erwartet legte der Oberarzt kurz darauf seine Lippen zärtlich auf ihre und zog sie, die freie Hand nun auf ihrer Hüfte, zu einem sanften Kuss enger an sich heran. Als sie ihre Lippen wieder voneinander lösten sahen sie sich tief in die Augen und während Marc ihr behutsam über die Wange strich flüsterte Theresa hoffnungsvoll: „Vielleicht kommst du mich ja mal besuchen in Berlin?“ Zur Antwort lächelte ihr Gegenüber und drückte ihr sanft noch einen Kuss auf und sie wusste, dass das ein ‚ja‘ war. Auch ohne Worte.
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