Never trust a stranger

von KatieC
OneshotDrama, Angst / P16
Draco Malfoy Luna Lovegood
13.10.2018
13.10.2018
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Hallo ihr Lieben,
der 31. Oktober ist zwar noch ein wenig hin, aber hier kommt mein Beitrag zum Harry Potter Halloween Wichteln 2018, den ich gerne meinem Wichtelkind
 Miniformatlerin widmen möchte.
Ich hoffe, dass dir meine Umsetzung deines Wunsches gefällt. ^^
Nun wünsche ich aber euch allen und besonders dir, mein liebes Wichtelkind, viel Spaß beim Lesen! :-)
Wenn ihr mögt, dann lasst mir doch gerne ein kleines Review mit eurer Meinung da. ^^

Ganz liebe Grüße und euch ein fröhlich schauriges Halloween, wenn es dann so weit ist! :D
Katie


~*~*~*~



Mattes Tageslicht drang durch die bodentiefen Fenster in den Salon im ersten Stock, der wohl das Herzstück von Malfoy Manor bildete. Der ausladende Kronleuchter unter der hohen Decke spiegelte träge das Licht und warf es in tausenden kleinen Facetten auf die dunkel getäfelten Wände. Immer wenn sich eine dichte Wolke über den Himmel von Wiltshire schob, verloren sich die kleinen tanzenden Punkte, nur um im nächsten Augenblick wieder hervorzubrechen und spielerisch den Raum zu sprenkeln.
Für einen kurzen Moment stand Draco im Eingangsportal des Salons und beobachtete das Schauspiel, ohne es jedoch wirklich zu sehen. Kein einziger Laut drang durch das herrschaftliche Anwesen und selbst der weitläufige Garten vor den Fenstern war verstummt. Nicht einmal die Vögel in den Bäumen sangen ihr Lied. Es war nicht so, als dass Draco sich jemals viel aus den gefiederten Bewohnern rund um sein Zuhause gemacht hätte, doch seit der Dunkle Lord und seine Todesser das Anwesen der Malfoys für ihre regelmäßigen Zusammenkünfte auserkoren hatten, schien es ihm, als sei alles zwanglose Leben geflohen. Nicht einmal die majestätischen weißen Pfauen, die seine Mutter so sehr liebte, wagten sich noch zu ihren Spaziergängen über die akkurat geschnittenen Rasenflächen und Draco wurde das Gefühl nicht los, dass sich ein schwerer Mantel über sein Heim und sein Leben gesenkt hatte.

Geistesabwesend strich er sich mit dem Daumen über den linken Unterarm. Unter dem Stoff seines schwarzen Umhangs konnte er das Dunkle Mal spüren. Konnte fühlen, wie Schlange und Schädel unter seiner Haut pulsierten, doch selbst sie schienen im Augenblick zu ruhen. Wie ein wildes Tier, das in seiner Höhle schlief, nur um bei Anbruch der Nacht zur Jagd aufzubrechen und dem Ruf seines Herrn zu folgen. Dem Ruf des Dunklen Lords.
Als müsste er einen unangenehmen Gedanken verscheuchen, schüttelte Draco den Kopf und ließ von seinem Arm ab. Vorsichtig blickte er sich um, ließ seine Augen wachsam über den Flur hinter sich und die angrenzende Flügeltreppe schweifen, als sei er ein unerwünschter Eindringling in seinem eigenen Haus, doch er war nach wie vor alleine.
Nicht ganz allein, ermahnte er sich und rief sich in Erinnerung, weshalb er hergekommen war. Entschlossen straffte er die Schultern und durchquerte schließlich den Salon. Das Geräusch seiner Schritte wurde fast gänzlich vom dicken Teppich unter seinen Füßen geschluckt und erst als er die schmale steinerne Treppe in der hinteren Ecke des Raumes erreichte, begannen sie leise klappernd auf dem kargen Untergrund widerzuhallen. Am Fuße der Stufen verbarg sich ein riesiger Keller mit niedriger Gewölbedecke und so durchdringender Dunkelheit, dass es kaum möglich war, weiter als ein paar Meter zu sehen. Mit einem stummen Wink seines Zauberstabes entzündete Draco die Fackeln in ihren Wandhalterungen und sogleich sendeten die kleinen Flammen ihr flackerndes Licht über die Treppe und die steinernen Wände.
Auf der letzten Stufe hielt er kurz inne und fast schien es, als müsse er abwägen, ob es nicht doch besser war einfach wieder umzukehren. Was genau er sich von seinem Ausflug in den verzauberten Keller erhoffte, das wusste er selbst nicht so recht und doch hatten ihn seine Füße wie von selbst hier hinunter getragen. Nur knapp einen Meter von ihm entfernt ragte ein schmiedeeisernes Gitter aus dem Boden empor und trennte den Durchgang vom dahinterliegenden Raum. Und dort, an eine kalte Wand gelehnt auf dem Boden kauernd, saß sie. Das blonde Haar bildete einen fast schon gleißend hellen Kontrast zu den dunklen Mauern und war so lang, dass es über ihre Schultern bis hinab auf den Boden fiel. Sie trug immer noch die Schuluniform des Hauses Ravenclaw, wenngleich sich die bunt geringelten Kniestrümpfe unter ihrem Rock nicht gänzlich in das Bild einzufügen vermochten.
Als sie ihn bemerkte, blickte Luna auf und sah Draco mit ihren wässrig blassen Augen an. Wie immer wirkte es irgendwie entrückt und wenn er sich nicht völlig irrte, dann glaubte er sogar ein kleines Lächeln über ihre Mundwinkel huschen zu sehen.
Und Draco starrte einfach zurück, unfähig ein Wort zu sagen und ebenso unfähig, sich einfach wieder abzuwenden.

Langsam und ungelenk rappelte Luna sich auf, stützte sich dabei mit der zierlichen Hand am Gemäuer ab und klopfte sich den Staub aus den Rockfalten. Auch sie schien einen kurzen Augenblick zu zögern, doch dann schritt sie auf Draco zu, bis nur noch das schwarze Eisen sie voneinander trennte.
„Draco.“ Der träge trällernde Singsang ihrer Stimme hallte durch das Gewölbe und verlieh den Silben aus ihrem Mund einen beinahe ätherischen Klang. „Wieso bist du hergekommen?“, fragte sie, als sei es ihr Zuhause und als wäre sie es, die Draco zu einer Audienz einlud. Allein dieser Gedanke ließ ihn die Hände zu Fäusten ballen. Doch es war nicht nur die Wut über Lunas sanfte Stimme, die ihn aufbrachte, sondernd vielmehr die Tatsache, dass er auf ihre Frage keine Antwort wusste. Zumindest keine, die er jemals laut aussprechen würde.
Er selbst war es gewesen, der den Lockvogel zu ihrer Entführung gespielt hatte. Er selbst hatte sie im Hogwartsexpress in ihrem verwaisten Abteil aufgespürt, sie im Auge behalten
und sie schließlich in ein scheinbar belangloses Gespräch verwickelt, bis die Todesser Luna ergriffen und gegen ihren Willen mit sich genommen hatten. Draco war von Anfang an eingeweiht gewesen und anfangs hatte es ihn noch mit Stolz erfüllt, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten und dem mächtigsten Zauberer aller Zeiten zu dienen. Doch irgendetwas hatte sich verändert und Draco wusste selbst nicht einmal, was es war oder wann genau es begonnen hatte. Die anfängliche Euphorie und das belebende, geradezu elektrisierende Gefühl der Macht waren verebbt und hatten einer durchdringenden, zehrenden Kälte Platz gemacht. Mittlerweile hatte er nicht einmal mehr den Eindruck selbstbestimmt handeln zu können. Stattdessen fühlte Draco sich wie eine Schachfigur. Benutzt und hin und her geschoben, so wie man ihn gerade brauchte und wie er für andere vielleicht von Nutzen war. Er hasste dieses Gefühl aus tiefster Seele.

Sein durchdringendes Schweigen veranlasste Luna, den Kopf schief zu legen und ihn neugierig zu mustern. Zwei Tage hatte sie nun schon als Gefangene in diesem Keller zugebracht. Zwei Tage, die sie von nahezu völliger Dunkelheit umgeben gewesen war. Und trotzdem wirkte sie weder erschüttert, noch verzweifelt. Aber vielleicht täuschte dieser Eindruck auch.
Dracos Blick fiel auf einen kleinen orangefarbenen Kürbis, der an Lunas Ohrläppchen baumelte. Seit Halloween trug sie diese Ohrringe nun schon und immer wieder hatte er beobachtet, wie sie den kleinen Anhänger gedankenverloren zwischen den Fingerspitzen drehte, so wie auch er immer wieder über das Dunkle Mal unter seiner Haut strich. Ganz so als müssten sie sich beide immer wieder von neuem versichern, dass das, was sie an sich trugen immer noch da war.
Inzwischen war jedoch einer der Ohrringe verschwunden und verloren gegangen. Vielleicht im Hogwartsexpress, vielleicht auf dem Weg hierher. Draco wusste es nicht genau und er rümpfte die Nase, als ihm bewusst wurde, worüber er da gerade nachdachte. Mit eng zusammengezogenen Augenbrauen verschränkte er abwehrend die Arme vor der Brust und sah abschätzig auf Luna herab.
„Du hättest über Weihnachten in Hogwarts bleiben sollen. Es war dumm von dir nach Hause zu fahren.“ Seine Stimme schnitt kühl durch die Luft zwischen ihnen, doch in seinen eigenen Ohren klang es nur nach einem lahmen Versuch, die Aufmerksamkeit von sich fort zu lenken. Es erstaunte ihn fast schon selbst, dass es funktionierte und Luna ihn nun nachdenklich anschaute. Ihr Mundwinkel kräuselte sich ein wenig, als sie die Schultern anzog und den Blick schließlich auf die Spitzen ihrer Schuhe senkte. „Ich fahre über Weihnachten doch immer nach Hause. Hätte ich gewusst, was passieren würde…“ Ihre Stimme brach unmittelbar ab und gleichzeitig sah sie Draco bei ihren letzten Worten erneut direkt in die Augen. Noch immer wirkte ihr Antlitz nicht bestürzt oder aufgebracht, doch für den Bruchteil einer Sekunde glaubte Draco einen unausgesprochenen Vorwurf wie einen dunklen Schatten über ihre Augen huschen zu sehen. Als würde Luna ihn stumm anklagen, als wüsste sie, dass er einen wesentlichen Teil zu ihrer misslichen Lage beigetragen hatte.
Es waren keine gesprochenen Worte und trotzdem reagierte Draco auf die einzige Weise, die er kannte. „Hat deine Mutter dir etwa nie beigebracht, keinem Fremden zu vertrauen?“ Konfrontation und Angriff hatten noch immer funktioniert, um sich unliebsame Gefühle und Situationen vom Hals zu halten. Inzwischen war er ein regelrechter Meister darin, die Schwächen seiner Gegner auszumachen und sie gezielt gegen sie zu verwenden. Und mochten sie auch noch so klein erscheinen.
Irgendwo hatte er einmal gehört, dass sich Pandora Lovegood mit einem verunglückten Zauberspruch selbst in die Luft gesprengt hatte und auch wenn er keinerlei tiefere Sympathie für die jüngere Ravenclaw hegte, so konnte er dennoch den kurzen Anflug von Trauer in ihrem Blick erkennen, den seine Worte bei ihr auslösten. Er hatte sie verletzen wollen und es war ihm gelungen. Ein Gefühl von Befriedigung stellte sich daraufhin jedoch nicht ein und dieser Umstand schürte Dracos leise schwelenden Zorn nur noch mehr.

Eigentlich hatte er erwartet, dass sie aufbrausen würde. Dass Luna sich oder ihre Mutter verteidigen oder dass sie sogar ihm lautstark die Schuld zuschieben würde. Es wäre ihr gutes Recht und so reagierten schließlich die meisten Menschen, wenn man sie auf diese Art und Weise provozierte. Aber Luna hatte nicht umsonst seit jeher den Ruf anders zu sein und statt genau das zu tun, was er von ihr erwartete, schlug sie eine völlig andere Richtung ein und konzentrierte sich erneut auf seine Person.
„Aber du bist kein Fremder. Ich kenne dich, du bist…“
„Du weißt überhaupt nichts über mich“, fuhr ihr Draco plötzlich erbost aufbrausend über den Mund und war im nächsten Moment von sich selbst überrascht. Er geriet nicht aus der Fassung, er bewahrte stets Ruhe, so wie sein Vater es ihn gelehrt hatte. Er stand erhaben über den Dingen und blickte auf die Welt herab, als sei sie seiner nicht würdig. Binnen einer Sekunde hatte es Luna jedoch geschafft einen empfindlichen Nerv zu treffen. Einen winzig kleinen Punkt in seinem Inneren, tief verborgen und doch so verwundbar, dass es ihn nun unbeherrscht aus der Haut fahren ließ. Sein Herz pochte wild gegen seine Rippen und das Blut rauschte laut in seinen Ohren. Mit angehaltenem Atem lauschte er in die Stille hinein, ob er durch seinen Ausbruch nun vielleicht doch ungewollt jemanden aus seiner Familie aufgescheucht hatte, aber Malfoy Manor blieb weiterhin schweigsam und keine fremden Schritte kündigten sich im Salon über ihnen an.

Mit bebendem Brustkorb starrte Draco in Lunas blasses Gesicht und die weit aufgerissenen Augen, die ihm nun doch etwas aufgeschreckt entgegensahen. Es dauerte jedoch nur wenige Sekunden, bis ihre Miene wieder milder wurde und erneut dieser verklärte Ausdruck in ihre Augen trat. „Ich glaube nicht, dass du all das getan hast, weil du es selbst so wolltest. Keine Sorge, ich mache dir keinen Vorwurf.“
Zaghaft schob Luna ihre Hand durch das eiserne Gitter und legte die Fingerspitzen auf Dracos Arm. Sofort begann das Mal unter ihrer unschuldigen Berührung zu pochen und Draco riss seinen Arm zurück, als habe er sich an einem heißen Kessel verbrannt. Dieses dumme kleine Mädchen!
Am liebsten wollte er sie erneut anschreien, ihr direkt ins Gesicht brüllen, aber kein Ton entwand sich seiner Kehle. Nur ein kleiner Satz bohrte sich pulsierend durch seine Gedanken, bis er zu einem ausgewachsenen Dröhnen anschwoll.
Du hättest mir nicht trauen dürfen.
Immer wieder hallten diese Worte durch Dracos Kopf, als er ohne einen weiteren Laut auf dem Absatz kehrtmachte und geradezu in Richtung der Treppe davonstürmte. Er wurde diese Worte selbst dann noch nicht los, als er mit wehendem Umhang die steinernen Stufen zum Salon emporstieg und den Keller unter sich zurückließ. Wie frischer Teer klebten sie an seinen Sohlen und verfolgten ihn mit jedem weiteren Schritt ohne von ihm abzulassen. Sein Magen fühlte sich an, als würde er von einer kalten Faust fest umschlossen werden und jedes Mal wenn er Lunas Stimme in seinen Ohren hörte, schlossen sich die eisigen Finger noch fester um sein Innerstes. Er allein war für ihr Schicksal verantwortlich, nur seinetwegen war sie nun eine Gefangene des Dunklen Lords. Er war kein Held, sondern nur noch eine Schachfigur. Wie konnte sie ihm das alles vergeben und immer noch ihr Vertrauen in ihn setzen, wenn er sich inzwischen schon nicht einmal mehr selbst trauen konnte?
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