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Die Darcys auf Pemberley Teil XXVII

von Bihi
Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Charles Bingley Elizabeth Bennet Fitzwilliam Darcy Jane Bennet OC (Own Character)
12.10.2018
30.11.2018
37
58.425
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25.10.2018 2.322
 
Die Erwachsenen waren übereingekommen, den Hügel mit dem Zelt erst anzusteuern, wenn Tobi und Sarah angekommen waren. Es war ja nicht abzusehen, wie gut sich Arthur und Peter auf diesem tollen Hügel noch an Verbote halten konnten, selbst wenn man ihnen strikte Anweisungen gab, was ging und – weit wichtiger – was nicht. Man sollte sie ja nicht unnötig oft zum Regelbruch verführen, nicht wahr? Wenn man auf die Yorker wartete, lief man zwar Gefahr, dass dann der Schnee nicht mehr gut genug war, aber das war dann eben die Vorsehung, die sich zu Ungunsten der Jüngsten eingeschaltet hatte.

*

Solange man das Thema nicht ansprach, gab es ja auch eine gute Chance, dass die Kinder mit dem Haushügel zufrieden waren. – Und das waren sie wirklich. Bei der letzten Abfahrt des Tages war Marc dann auch so weit, dass er vor Vergnügen nicht nur strahlte, sondern auch quiekte.
Eliza sagte nur: „Ein Glück! Ich dachte schon, er kann nicht quieken!“
Als die Rodler in trockener Kleidung wieder im Salon auftauchten, ging Marc an den Tabletts mit Schokolade vorbei und bat wieder hoffnungsvoll: „Ommo, Milli – mhm?“
Elizabeth sagte: „Kannst Du haben, aber möchtest Du nicht lieber Schokolade haben?“
Und sie ließ ihn an einem Becher schnuppern.
Er atmete ganz tief ein, schnaufte fast ebenso tief in den Becher, sah dann ganz verzückt aus und erklärte: „Milli nee.“
Als er dann auf Mamas Schoß saß und vergnügt seine Schokolade schlürfte, sagte Fitzwilliam: „Das hätte mich jetzt auch gewundert, wenn bei den vielen Kindern, die wir bisher hier zu Besuch hatten, er der Erste wäre, der lieber heiße Milch mit Honig trinkt, wenn ihm Schokolade angeboten wird.“

*

Die Malcolms kamen wie üblich am 26. zum Essen. Sie brachten eine Zeitung mit, die noch am Weihnachtstag nachmittags geliefert worden war.
„Sieht nicht so aus, als ob Tobi und Sarah hier den Ball erleben können. Yorkshire versinkt im Schnee.“
Fitzwilliam sah enttäuscht aus. Arthur ebenfalls, weil er doch nun die reizende Anna nicht sehen würde.
Bevor die beiden etwas sagen konnten, sagte Jane Bingley: „Ein Glück, dass wir doch nicht nach York fahren wollten. Ich habe nichts dagegen, mit meiner Tochter und meinem Enkelchen eingeschneit zu sein, gar nicht, aber mir graut schon allein bei der Vorstellung, wie unsere Jungen zur Schule gelangen könnten – oder eben nicht!“
„Ihr wart eingeladen, in York zu feiern, und habt abgelehnt?“, fragte Fitzwilliam erstaunt nach. Er hatte ja nicht einmal die Einladung abgelehnt, die seinen Hochzeitstag störte, und sie wollten nicht mit ihrer Tochter Weihnachten feiern? Er mochte es kaum glauben.
Jane druckste ein wenig und Charles ließ sie ein wenig drucksen, bevor er sagte: „Na, ganz so war es nicht. Jane hatte die Idee, zur Abwechslung doch auch mit Sarah und ihrer Familie zu feiern. Wir haben das zwei oder drei Tage überlegt und dann wegen der Jungen und wegen des unsicheren Wetters doch nicht um eine Einladung gebeten.“
Fitzwilliam, Susan und Mr. Bennet dachten an Mr. Crenshaw und dass bei ihm so eine fröhliche Feier wohl nicht möglich wäre. Susan sagte schließlich: „Mama, hattest Du auch bedacht, dass Sarah und Tobi nicht alleine feiern, sondern bei seinen Eltern?“
John schaltete sich ein: „Susan, wenn unsere Eltern drei Tage nachdachten, waren sie sicher auch auf diesen Gedanken gekommen. Wenn ich daran denke, wie die drei Herren hier einmal aufgetaucht waren. Na ja, Timmy war kein Herr, der war nur ein verschrecktes, halb erfrorenes Kind, wie ich es wohl auch gewesen wäre. Also, wenn ich daran denke, bin ich sehr froh, dass wir hier feiern und nicht in York.“
Alle nickten ernst bei der Erinnerung an jenen Winter. Und fast alle wunderten sich, dass Charles seine Jane so lange hatte herumdrucksen lassen. Da mussten ihn dies drei Tage sehr gewurmt haben.
Dann wurde es Silvia zu dumm: „So, alle mal freuen, wir sind so schön viele!“
Ja, Fröhlichkeit passte auch viel besser zu Weihnachten, nicht wahr?
Im Herrenzimmer verkündete Fitzwilliam dann: „Wenn die Zeitung Recht behält, wird der Schneesturm wahrscheinlich am 29. hier sein. Das wäre höchst bedauerlich für den Ball, aber leider nicht zu ändern. So kurzfristig kann kaum eine Terminverschiebung stattfinden. Es besteht ja noch Hoffnung, dass die Zeitung sich irrt. Aber wir sollten morgen unbedingt zu unserem Hügel mit dem Zelt fahren. Dann haben wir uns wenigstens diesen Spaß einmal gegönnt, bevor es zu spät ist. Für die Höllenfahrt reicht es dieses Jahr wohl nicht, weil George die gute Idee gehabt hat, den größeren Kindern das Rodeln in der Mittagszeit zu erlauben. … Du brauchst nicht so verlegen zu gucken, George. Das hast Du von klein auf so gehalten, dass den Kindern jeder Spaß ermöglicht werden sollte.“
Die Herren schmunzelten und George wurde noch verlegener.
Rev. Malcolm fragte: „Wie schnell kann für Musik gesorgt werden?“
„Die kommt aus Derby, das müsste also ziemlich schnell gehen, sofern sie am gewünschten Abend frei sind. Warum?“
„Ich weiß, wer in Lambton zum Ball kommen will. Ich bin davon überzeugt, dass sie sich schnell absprechen, dass die Abende für den 28. und den 30. vertauscht werden. Die Abendveranstaltungen sind sehr überschaubar. Ich gehe davon aus, dass es in Kympton auch möglich sein wird“
„Das wäre eine Möglichkeit. Jeder nehme ein Blatt Papier, ich diktiere:

Da laut Zeitungsbericht der Schnee droht, wieder einen Ball auf Pemberley zu verhindern, habe ich mich zu der Maßnahme entschlossen, den Ball um zwei Tage vorzuverlegen. Ich hoffe sehr, Euch und Eure Familie trotzdem hier begrüßen zu können, nachdem Ihr die Abendtermine für den 28. mit dem 30. vertauscht habt.
In der Erwartung, Euch begrüßen zu dürfen"


Die Herren reichten ihre Blätter für die Unterschrift an den Hausherrn weiter. Der unterschrieb während die Herren Umschläge falteten. Dann überreichte er die Anzahl für Lambton seinem Schwager, damit er sie nach der Messe oder morgen vor der Messe austeilen könnte. Er zählte durch, er zählte noch einmal.
„So, und den letzten Brief schreibe ich selber. Einer fehlt noch.“
Malcolm sah lächelnd auf seine Umschläge: „Nein, das reicht aus. Ich verzichte freiwillig auf die schriftliche Benachrichtigung!“
Damit gab er einen zurück.
Fitzwilliam ließ den Heger kommen: „Traut Ihr Euch zu, zu dritt jetzt noch nach Kympton zu gehen? Ich hätte Briefe zu besorgen, die aber notfalls bis morgen warten müssten.“
„Wenn wir dazu drei Petroleumlampen bekommen, die leuchten heller, machen wir das noch heute Abend!“
„Die sollt Ihr bekommen. Die Sondervergütung gibt es erst anschließend. Ich möchte nicht, dass ausgerechnet derjenige mit dem freien Schussfeld unsicher zielt.“
Dann war es auch schon wieder Zeit, zu den Damen zurückzukehren. Im Salon musste die bedeutsame Ansage aber noch warten: „Stokes, ich bitte Mr. John Bingley, Miss Fitzwilliam, Miss Georgiana und Miss Malcolm in den Salon. … So, diese Ankündigung betrifft auch euch, deshalb solltet ihr in den Salon kommen. Ihr habt beim Abendessen ja gehört, dass wir wahrscheinlich wieder vor einem Schneesturm stehen. Da es dieses Mal mit Ankündigung ist, sozusagen, können wir besser reagieren als das letzte Mal. Wir verlegen den Ball auf übermorgen vor. Damit habe ich Eure Debüts gerettet. Louisa, ich weiß nicht, ob Du debütiert hast. Wenn nicht, wird das übermorgen auch Deines sein – und ich hoffe doch sehr, dass Deine Eltern das beim Truhe Packen bedacht haben!“
Louisa wirbelte mit großen Augen herum und starrte ihren Vater an.
„Louisa, Schätzchen, natürlich haben wir daran gedacht. Mama zeigt Dir nachher sicherlich die Robe, die sie und Eliza für Dich ausgesucht haben. Du wirst den Familienschmuck tragen. Es ist der Schmuck Deiner Großmutter, den Deine Mutter und Eliza zu ihrer Hochzeit getragen haben, Eliza vorher natürlich auch noch zum Debüt.“
Mit feuchten Augen stürzte sie sich erst in die Arme ihres Vaters, dann in die ihrer Mutter.
Bevor die Malcolms wieder nach Lambton fuhren, zog Elizabeth Fanny in ihren kleinen Salon. „Fanny, ich weiß, dass Du noch nicht viel Schmuck hast. Ich zeige Dir jetzt einmal, welchen goldenen Haarschmuck ich habe. Wenn Dir davon etwas gefällt, leihe ich Dir das für den Abend.“
Fanny sah mit leuchtenden Augen von den Kämmen zum Haarreif und zu dem Netz für einen Chignon. Ein Netz aus Goldfäden! Sie sagte zögerlich: „Mama und Papa erwarten sicherlich von mir, dass ich bescheiden den Haarreif wähle. Aber ich finde die beiden Kämme und das Netz so sehr elegant – wenn es nicht zu elegant ist …“
„Dann solltest Du Netz und Kämme wählen. Auf einem Debüt kann man nie zu elegant sein. Komm, ich packe es Dir ein, damit Du zuhause üben kannst, schöne Frisuren zu machen.“

*

Am nächsten Tag traf man sich zu einem Nuncheon und anschließendem Ausflug zum besonderen Hügel. Marc und Agatha schliefen auf dem Weg dorthin fast ein, aber als sie die Rodel dort warten sahen, waren sie auf einmal wieder hellwach. Auch das Zelt wurde inspiziert und Marc war begeistert, als er Schokolade erschnupperte. Aber Mama ging zu einem Rodel, da musste er schnell hin, bevor sie den Spaß alleine hatte. Damit es schneller ging, weil er sich zwar hektisch bewegte aber nur langsam vorankam, trug sein Vater ihn – nein, nicht zur Mama, sogar den Hügel hoch. Als er oben stand und dann auf seinen Winzling von Sohn sah, wurde er zwar etwas bedenklich, aber er vertraute Elizas Rodelkünsten und noch mehr ihrer Mutterliebe.
Eliza grinste ihren Cousin an: „So, jetzt aber ohne volles Tempo. Heute bremse ich freiwillig!“
George lachte zurück: „Geht mir genau so. Ich werde bestimmt schneller fahren als es Susan lieb ist, aber genau so bestimmt langsamer als ich normalerweise fahre.“
Arthur und Peter wollten die ersten beiden Touren zum Kennenlernen der Piste gemeinsam rodeln, anschließend mal gemeinsam und mal mit Silvia und Joany.
Edmund hatte aber gewarnt, dass sie sich auf gar keinen Fall von dem reizenden Duo dazu beschwatzen lassen sollten, zu rasen.
Elizabeth hatte einen draufgesetzt: „Wenn ihr euch nicht an die Regel haltet, dürft ihr bis zu eurem Debüt nicht mehr auf diesem Hügel rodeln!“
Die beiden Jungen hatten sie so entsetzt angesehen, dass sie ihr schon fast wieder leidtaten, aber um des reizenden Duos willen durfte sie jetzt nicht nachgeben. Die beiden Jungen hielten sich an die Regel.
Wenn die Mädchen forderten, nun doch auch einmal richtig schnell zu fahren, die anderen könnten das doch auch, sagte Arthur: „Wir sind einfach nicht schwer genug, schneller geht es darum nicht.“
Peter fand das eine hervorragende Idee. Es war ja nur zur Hälfte geschwindelt, dann war das doch erlaubt, oder? Auf alle Fälle glaubten die Mädchen ihren tollen Piloten.
Marc sorgte dafür, dass sein Papa ordentlich Bewegung erhielt. Kaum unten angekommen ging er zu ihm hin, hob seine Ärmchen und zeigte dann zum Hügel. Eliza hatte angeboten, ihn zu tragen, aber das ging nicht. Papa war zum Tragen da, Mama zum Rodeln und zwei Rodel ziehen. Das funktionierte auch nur, weil Eliza immer so sehr lange brauchte, eine gute Startposition zu finden. Inzwischen fuhr Heathcoat, so vorsichtig es ging, zu Tal. Bis sie dann endlich unten ankamen, hatte ihr Gatte Zeit gehabt, ein paar Schluck Tee zu trinken.
Die sechs jüngsten Rodler hatten einen eindeutigen Vorteil vor der vorigen Generation: Es gab so viele erwachsene Rodler, die gerne schnell fuhren, dass keiner sich zurückgesetzt fühlen musste.

Eine Besonderheit hatte sich Edmund für seinen Bruder ausgedacht: Er raunte ihm zu, dass sie mit dem Frachtschlitten zum Haus zurückfahren würden. William war zwar erstaunt, willigte aber ein.
Als die Kinder ihn nicht mehr sehen konnten – selbst wenn sie auf die Idee gekommen wären, sich nach ihm umzusehen, sagte Edmund: „So, und nun rodeln wir. Erstens hoffe ich, dass das Dämmerlicht weniger schädlich ist, zweitens kannst Du, wenn Du meinst, das Licht ist nicht gut, die Augen schließen, weil ich auf alle Fälle der Pilot sein werde. Wir fahren aufrecht sitzend, weil das etwas bremst. Einverstanden?“
William kämpfte mit sich. Dann stand er auf und sagte: „Wir sollten aber bald den Hügel hoch, bevor es wirklich zu dunkel ist.“
Sie rodelten aufrecht sitzend. Die erste Strecke hielt William die Augen offen, als es aber schneller wurde, schloss er lieber die Augen. Er war absolut begeistert, der Fahrtwind war seiner Meinung nach mit einem Galopp vergleichbar. Kein Wunder, dass die Mädchen im letzten Jahr meinten, sie wären schnell als ein Pferd gewesen. Die Brüder kamen überein, dass sie erst einmal abwarten sollten, wie diese Fahrt verkraftet wurde, bevor sie sich an weitere Touren wagten. Immerhin hatte Edmund ja auch Erwachsenenrodel geordert und der Stammsitz bot ebenfalls gute Pisten.

*

Am nächsten Tag gingen die Kinder wieder auf den Haushügel. Die Kleineren jubelten und genossen den Tag, bei den älteren schlich sich ein leises Unbehagen ein, wenn sie die Wolken beobachteten. Bitte, lass es erst so gegen drei Uhr nachts schneien, bitte, bitte!
Diese verzweifelten Gebete bewirkten zumindest, dass bis zur Ankunft der Ballgäste kein weiterer Schnee fiel.
Da Agatha vielleicht Theater gemacht hätte, wenn sie alleine hätte schlafen sollen, weil Silvia und Joany so überhaupt keinen Grund sahen, ihre Lautstärke zu drosseln, wurde ausgemacht, dass sie bis zum Ende des Balles im Mädchenschlafraum bleiben dürfte. Allerdings warnte Susan vor, dass so gegen zehn Uhr eine frische Windel notwendig werden würde. Marc bräuchte zur etwa der gleichen Zeit meist eine frische Polsterhose. Da die Jungen zwischen Arthur und Debütalter nicht so unbedingt dafür waren, auf die kleinen Kerle aufzupassen, fand der Trubel dann doch nicht in den Schlafräumen statt, sondern im Spielzimmer. Arthur hätte ja am liebsten abstimmen lassen, aber dann fiel ihm noch rechtzeitig ein, dass nicht nur Marc, sondern auch die anderen drei kleinen Jungen bei einer Abstimmung sicher keine Hilfe waren.

*

William jr. war wirklich aufgeräumtester Stimmung. Er hatte die Rodelpartie ohne Nachwirkungen absolviert. Vielleicht konnte er irgendwann auch mit seinen Kindern rodeln. Das war momentan ein erstrebenswertes Ziel. Nun wollte er noch sehen, wie er einen Ballabend – wenn auch ohne Tanz – gleich nach so einem aufregenden Tag überstehen konnte. Er musste selber schmunzeln, dass er die Rodelpartie als aufregendes Ereignis einstufte, aber er musste sich eben an Aufregungen erst langsam wieder gewöhnen. Positive Aufregungen wie das, was er hier erlebte, nicht die negativen Aufregungen, die ihm seine Gattin immer bereitet hatte.
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