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Die Darcys auf Pemberley Teil XXVII

von Bihi
Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Charles Bingley Elizabeth Bennet Fitzwilliam Darcy Jane Bennet OC (Own Character)
12.10.2018
30.11.2018
37
58.425
13
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23.10.2018 2.017
 
Joany wurde auf einmal sehr still, als sie 'und ab heute ist Weihnachten' hörte. Das war bei ihr sehr auffällig, weil sie sonst immer mit Silvia um die Wette schwatzte. Als Nanny Wicker hereinschaute, verzog sie sich in die hinterste Ecke. Dort blieb sie auch, trotz der Versuche der größeren Kinder und der Erwachsenen, sie wieder hervorzulocken.
Erst Eliza konnte sie wieder hervorlocken. Eliza war gut, die hat ja auch gemacht, dass Marc nicht mehr weinte, nicht wahr?
Diese wundervolle Eliza ging mit ihr in einen hübschen Salon und bat um Schokolade.
„So, Joany, nun spielen wir Damenbesuch.“
Konnte es eine bessere Dame geben?
„Miss Fitzwilliam, ich bin sehr erfreut, dass wir uns endlich einmal wiedersehen.“
„Ja, ich auch, aber ich kann doch nicht 'Marcs Mama' sagen, nicht wahr? Nicht bei Damenbesuch.“
„Ich heiße Mrs. Heathcoat. Sagt mal, ich habe gehört, Ihr mögt das Wort 'Weihnachten' nicht. Das ist interessant. Viele Kinder mögen das Wort gerne.“
„Wirklich? Das ist aber komisch!“
„Warum mögt Ihr denn das Wort nicht?“
„Na, wegen Mamas Haus doch.“
„Könnt Ihr das mir erklären?“
„Aalso, ich hab 'ne Mama, die wohnt in 'nem kleinen Haus mit 'm Garten voll schöner Blumen. Das hab ich Milady erzählt und Ihr habt es gehört, nicht wahr? Also, das Haus ist nicht so groß wie Papas Haus, aber es ist größer als die Puppenhäuser im Spielzimmer, also nicht so richtig klein, nur klein. Und Charles und ich dürfen nicht da hin, weil wir den Garten kaputt machen und das Haus schmutzig machen, sagt Mama. Dabei stimmt das gar nicht.“
Ihr Gesichtsausdruck schwankte zwischen Empörung und Bekümmerung.
„Das ist allerdings merkwürdig. Aber was hat das mit Weihnachten zu tun?“
„Na, Mama will doch, dass wir Weihnachten bei ihr sind! Ich will aber nicht die ganze Zeit am Zaun stehen und mich ärgern, dass ich nicht mal durch den Vorhang sehen kann. Und wenn es dunkel ist, will ich nicht draußen stehen, dass das Haus nicht schmutzig wird. Im Dunkeln draußen ist doof.“
„Welchen Vorhang denn?“
„Den am Zaun, damit wir die Blumen nicht mehr sehen können.“
„Aha. Und wer hat gesagt, dass Ihr zu Weihnachten zu Mama gehen werdet?“
„Da war 'n Mann, also 'n Herr, der hat mit Charles und mir unterhalten und dann mit Nanny Wicker. Und bei Nanny Wicker habe ich heimlich zugehört, aber nur am Anfang, dann wollte Charles mit mir spielen, und da hab ich 's gehört. – Aber bitte nicht petzen!“
„Keine Sorge, ich petze nicht. Also, wegen Weihnachten kann ich Euch beruhigen, Miss Fitzwilliam. Heute fängt Weihnachten an und dauert drei Tage. Aber Ihr, Euer Papa und Euer Bruder bleiben noch länger hier. Darum könnt Ihr gar nicht in das kleine Haus gehen. Wenn Ihr in das große Haus zurückkehrt, ist Weihnachten schon vorbei.“
„Bestimmt?“
„Ganz bestimmt! Das ist hier immer so. Erst treffen sich viele Kinder zum Begrüßungstrubel und zum Spielen, dann ist drei Tage Weihnachten, da bekommen die Kinder noch mehr Spielzeug, und dann spielen sie noch eine Woche und dann fahren sie wieder nach Hause.“
Joany überlegte: Keine Mama, aber viele Kinder zum Spielen und sogar noch mehr Spielzeug! Dann war Weihnachten vielleicht doch nicht schlecht?
„Wer schenkt das Spielzeug?“
Das war wichtig, weil sie nicht gesehen hatte, ob Papa welches extra eingepackt hatte.
„Der Weihnachtsmann. Milord sagt immer dem Weihnachtsmann Bescheid, wie viele artige Kinder hier sind, und dann bringt der Weihnachtsmann heute Nacht für jedes artige Kind Spielzeug.“
„Hm, wie artig?“
„So artig es geht! Warum?“
„In der Kutsche trete ich Charles, nicht immer, aber doch.“
„Und Charles?“
„Der tritt erst oder dann, verschieden.“
„Das ist eigentlich nicht so nett. Mal sehen, vielleicht macht der Weihnachtsmann eine Ausnahme.“
„Sonst teil ich mit Arthur oder Peter!“
„Warum mit den beiden?“
„Charles kriegt dann ja auch nichts, weil er auch tritt. Und der teilt nicht gut. Silvia teilt schon mit Tom und Schosch, aber Arthur und Peter sind immer lieb, die teilen bestimmt!“
„Na, da wollen wir erst einmal hoffen, dass der Weihnachtsmann ausnahmsweise das Treten nicht zählt, nicht wahr? Dann darfst Du heute aber nicht mehr treten, heute Nacht kommt der Weihnachtsmann und morgen nach dem Frühstück bekommt ihr dann die Geschenke, wenn ihr artig seid.“ Das Gespräch war nun leider beendet. Na, die Schokolade war ja auch ausgetrunken. Da konnte sie ja wieder zum Spielen gehen, nicht wahr?
„Mrs. … Mrs. Madam, ich danke für den Damenbesuch, aber nun will ich wieder spielen gehen.“
„Das ist in Ordnung. Ich habe jetzt leider auch wichtige Schreibarbeiten zu erledigen.“
Miss Fitzwilliam ging also ins Spielzimmer und Mrs. Heathcoat schrieb in ihrem Gästezimmer ein Protokoll, das sie anschließend sorgfältig versiegelte. Noch vor der Abfahrt würde sie es Cousin Edmund geben, damit er es für einen vielleicht kommenden Sorgerechtsstreit verwahrte. Cousin William mochte sie nicht damit belasten.
Im Salon deutete sie ihren Eltern mit einem leisen Kopfschütteln an, dass sie nicht über die letzte halbe Stunde sprechen wollte. Diese lenkten dann auch geschickt Fragen bereits im Ansatz auf unverfängliches Gebiet.

*

In der Ruhezeit berichtete Eliza ihren Cousins, warum Joany so traurig gewesen war. Sie ließ wegen ihres Versprechens nicht zu petzen den Bericht über die Tritte und das Lauschen aus. Erst hatte sie gar nichts sagen wollen, aber dann war sie der Meinung, dass sie gerade um Joanys Willen das Gespräch suchen musste, damit sie nicht von ihrem besorgten Vater oder der sicherlich ebenso besorgten Miss Wicker befragt wurde. Es war der Kleinen zu gönnen, dass sie jetzt so beruhigt war. Sie hoffte, dass William das in dieser kleinen Gruppe ertragen konnte, auf alle Fälle war die Ungewissheit bestimmt schlimmer.
„Ich habe übrigens absichtlich nichts von der Rute für die bösen Kinder erzählt. Ich war froh, als sie endlich keine Angst mehr vor Weihnachten hatte, da wollte ich nicht mit einer neuen Angst meinen schönen Erfolg zunichtemachen.“
„In Ordnung, die Rute führen wir dann erst im nächsten Jahr ein“, entschied William.

*

Gegen Ende der Ruhezeit kam wieder der Vikar.
Jane sagte Silvia warnend: „Nein, bei Pfarrern wird nicht gekreischt.“
Also blieb es friedlich still zur Weihnacht.

Joany wollte ja erst nicht so früh ins Bett, aber Eliza sagte: „Ich hoffe, das erfährt der Weihnachtsmann nicht!“
Sofort war die Kleine lammfromm. Es war doch schon schlimm genug, dass er die Tritte übersehen musste, wenn dann jetzt auch 'noch nicht schlafen' dazukam, wurde er vielleicht böse.
Als sie dann in ihrem Festtagskleidchen in die Kirche gehen durfte, war sie erleichtert. Wenn sogar der liebe Gott sie dorthin ließ, war der Weihnachtsmann doch auch nicht so streng, nicht wahr?

*

Am nächsten Morgen war sie so begeistert, einen Teller wie die Großen zu bekommen, dass sie nicht einmal monierte, dass es kein Spielzeug gab. Dabei hatte die nette Mrs. Madam das doch versprochen. Gigi warnte vor, nicht zu viel jetzt schon vom Teller zu naschen. Bei Bauchschmerzen musste man nämlich mit Kamillentee ins Bett, während die anderen fröhlich spielten. Diese Warnung half auch bei Silvia.
Das Frühstück war gewohnt fröhlich. Dann ging es zur Bescherung. Joany nahm begeistert ihre Puppe in Empfang. Das zweite Geschenk begutachtete sie erst einmal bei Silvia. Sie hatte den Verdacht, dass das kein Spielzeug sei. Tatsächlich: eine Schürze. Das war ja nun wirklich doof, nicht wahr? Andererseits mochte sie den Weihnachtsmann nicht verärgern. Vielleicht holte er sonst die schöne Puppe wieder ab. Sie gab also Nanny Wicker die Puppe zum Halten und entfaltete ihre Schürze. Nun strahlte sie aber, und wie! Es war nicht einfach nur eine blöde Schürze, nein es war eine Schürze mit Blumen, mit Narzissen, um genau zu sein. Auf der Vorderseite waren auf dem Teil unter dem Schürzenband einige Narzissen zu sehen. Die waren wohl in einen Eimer gepflanzt oder so. Der Rand war noch zu erkennen. Ein ganzer Strauß Narzissen!
Als William jr. das Aufleuchten im Gesicht seiner Tochter sah, suchte er Elizabeths Blick und nickte ihr dankbar fast genau so strahlend zu. Wie schön, dass sie einen Stoffrest mit ausgerechnet Narzissen gehabt hatte, gerade genug für diese Applikation! Und am Montag würde er an den Gärtner schreiben, wegen der Narzissen im Gewächshaus.
Silvia sah nachdenklich auf die Schürze. Ihre hatte kein Bild, aber Narzissen interessierten sie auch nicht so richtig.
Sie wandte sich schließlich an ihre Mama: „Und nächstes Weihnachten bringt mir der Weihnachtsmann eine Schürze mit einem Bild von einem Pferd. Das war wohl zu schwer.“
Jane hoffte, dass sie entweder einen Stoff mit Pferden fand oder ihr Kobold die Idee wieder vergessen hatte – bevor das nächste Weihnachten kam.
Agatha schwenkte begeistert ihre Puppe und wedelte dazu synchron mit dem Bilderbuch in der anderen Hand.
Die kleinen Cousins freuten sich über mehr Tiere für ihre Bauernhöfe. Sie hatten jetzt sogar Schweine. Marc umklammerte einen Stoffhund.
Arthur und Peter saßen nebeneinander auf einem Zweiersofa und lasen in ihren neuen Büchern über die Jagd auf einem Manor.
Peter sah nach einer Weile auf und fragte: „Papa, und was machen wir, wenn auf unserem Gebiet auf einmal Wildschweine auftauchen, wir sind doch nicht adlig, nicht wahr? Dann dürfen wir doch nicht jagen, jedenfalls nicht die Wildschweine. Und vom Fasanenschießen werden die sicher nicht abhauen.“
„Wenn Menschen in Gefahr sind, darf ich auch Wildschweine schießen. Ich muss dann dem Earl of Stafford Bescheid geben und ihm das erlegte Wild liefern. Wenn die Tiere nur gesichtet werden, ohne dass jemand in Gefahr gerät, muss ich ihm Bescheid sagen, damit er mit seiner Jagdgesellschaft kommt.“
Als die Jungen wieder in ihre Bücher vertieft waren, murmelte William: „Das habe ich mit dem Earl so ausgemacht gleich nachdem Arthur das erste Wildschweinerlebnis hatte. Wenn die Situation da ist, kann man nicht erst lange um Erlaubnis bitten. Wenn in der Umgebung Wildschweine auftauchen, will er mich mit auf die Jagd nehmen, damit ich unter Anleitung bin, wenn ich das erste Mal den Tieren so nahe komme. Nach Arthurs diesjährigem Erlebnis halte ich das für wichtiger denn je.“
„Wenn es noch keine bei euch in der Umgebung gibt, kannst Du auch gerne nächstes Jahr kommen, wenn wir im September eine große Jagd hier haben, auf allen umliegenden Gebieten, um dafür zu sorgen, dass die Biester nicht überhandnehmen. Bei denen kann man gar nicht genug Vorübung haben. Ich weiß noch nicht, wie die Termine liegen werden, weil ich mich an Earl of Derby und Fürst Southey orientieren muss, aber ich kann Bescheid geben, sobald die Termine feststehen“, bot Fitzwilliam sofort an. „Die diesjährige Jagd hat dafür gesorgt, dass wir wieder überreichlich Fleisch für Festessen haben. Die fand statt, nachdem wir festgestellt hatten, dass die Rotte, die Arthur dieses Mal zu Höchstleistungen veranlasste, von außerhalb zugewandert war. Da hätte es wohl nicht viel gebracht, wenn ich nur auf Pemberley gejagt hätte.“
„Dein Angebot ist ja fast wie ein Weihnachtsgeschenk für mich. Ich nehme natürlich gerne an.“
Charles Bingley fühlte sich nicht übergangen. Er hatte noch von der einzigen Jagd, an der er unversehens teilgenommen hatte, genug. Mr. Carter war für die Jagden in und um Mansfield zuständig. Er war zwar kein Adliger, aber er hatte die Stellung des Hegers, damit er jederzeit ohne große Anfrage nach Nottingham oder gar London eingreifen konnte.

*

Beim Weihnachtsessen wurde das Thema noch einmal aufgegriffen, weil es auffiel, dass sogar die Jüngsten eifrig auf dem Wildfleisch kauten. Allerdings bekamen sie Fleisch, dass für sie extra zart mariniert und geklopft war – und hauchdünn geschnitten.
„Wieso gibt es auf einmal so viele Wildschweine? Man könnte doch meinen, wenn es immer mehr Farmland gibt, haben die Wildtiere keine Lebensgrundlage mehr.“
„Wenn die Tiere sich an den Ackerfrüchten gütlich tun können, leben sie sogar viel besser als im Wald. Die mühselige Futtersuche entfällt. Es können also mehr Jungtiere überleben, weil sie besser ernährt und geschützt werden, und mehr Alttiere, weil sie länger bei Kräften bleiben. Der Wald ist dann nur noch der sichere Rückzugsort für die Nacht. Das gilt auch für Rehe und Hirsche. Für unsere Gegend hier stimmt das allerdings nur bedingt, weil wir noch nicht so viele Ackerflächen im Verhältnis zum Wald haben. Für uns gilt eher, dass die Anrainer sich nicht rechtzeitig um die Jagd gekümmert haben. Ich kann natürlich nur auf eigenem Grund und Boden jagen.“
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