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Die Darcys auf Pemberley Teil XXVII

von Bihi
Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Charles Bingley Elizabeth Bennet Fitzwilliam Darcy Jane Bennet OC (Own Character)
12.10.2018
30.11.2018
37
58.425
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21.10.2018 1.739
 
Gleich am ersten Abend erklärte Fitzwilliam in der Herrenrunde, wie er wegen Gigi und Henry James den Aufenthalt in London regeln werde.
Cousin George fragte: „Korrespondieren die beiden eigentlich?“
„Ja, schon seit Jahren. Früher war eine Kontrolle nicht notwendig, nun wird sie von der Schule geleistet. In Eton liest der Hausvater grundsätzlich mit. Der würde die Eltern informieren, wenn er etwas zu beanstanden hätte, zumindest die des Jungen. Aber da scheint bisher kein Anlass gegeben zu sein.“
William grinste: „Nicht nur in Eton. Das war für Willi anfangs gar nicht leicht zu akzeptieren, dass ich seine Briefe nicht kontrollierte, der Hausvater es aber tat.“
Willi war es peinlich. Aber so waren Väter wohl: die Privatsphäre bei Briefen achten, aber dann peinliche Anekdoten erzählen. Ihm fiel gar nicht auf, dass sein Vater diese Anekdote nicht als peinlichen Zwischenfall einstufte.
George sagte nun: „Papa, ich werde dieses Frühjahr nicht nach London fahren. Das kann ich erst wieder tun, wenn Agatha gelernt hat, dass man auch leise reden kann – selbst wenn man ausgeruht und munter ist. Da kann ich doch nach Coventry fahren und die Kinder abholen. Ganz bestimmt sollen die beiden nicht alleine fahren, nicht einmal mit einem Diener auf der Dienerbank, finde ich. Sicher, Arthur hat sich im Oktober hervorragend bewährt, aber ich weiß nicht, ob er mit einem ganzen Tag Verantwortung nicht überfordert ist – oder ob Annie sich das gefallen lässt, wenn er den ganzen Tag die Aufsicht hat, sozusagen. Ich kann in der Kutsche mitfahren, das ist dann für beide entspannender.“
„Ich würde Dein Angebot gerne annehmen. Aber hast Du dabei auch bedacht, dass Du damit freiwillig für zwei Tage auf Deine Familie verzichtest?“
„Das habe ich, aber das muss ich dann aushalten. Da gibt es verschiedene Möglichkeiten, denke ich mal, aber die will ich wirklich lieber erst einmal mit Susan besprechen, bevor ich sie von einer Herrenrunde diskutieren lasse.“
Francis sagte fast schon träumerisch: „Du hast recht, erst einmal sollten wir diese Ferien genießen, bevor wir das Ende der nächsten planen.
Themenwechsel: Wer wettet mit mir, dass Arthur und Peter sich größte Mühe geben werden, Agatha den Rodelhügel hinauf zu helfen, wenn es dieses Jahr schneit? Ich rede natürlich nur von unserem Haushügel. Auf dem mit dem Zelt müssen wir dann nicht nur Agatha, sondern auch Arthur fest im Blick behalten. Schließlich ist er jetzt zehn Jahre alt und darf sich Co-Piloten auf den Rodel holen!“
„Mit dem Rodelberg hier am Haus hast Du Recht. Da wette ich auch nicht mit Dir, denn Du wettest doch sicher nicht dagegen, nicht wahr? Aber das mit dem Hügel mit dem Zelt dürfte kein Problem sein, weil wir da einfach nur an seine Verantwortung appellieren müssen“, erklärte Fitzwilliam.
„Der Pfiffikus übernimmt bereits Verantwortung?“, fragte William jr. erstaunt.
Da erzählten Fitzwilliam und George gemeinsam, eher sich gegenseitig ins Wort fallend, von jenem Tag im Oktober, an dem Arthur trotz eigener Panik noch Verantwortung zeigen konnte. Diejenigen, die davon noch nicht gehört hatten, waren sehr beeindruckt. Sie waren sich nicht sicher, ob ihre eigenen Söhne so handeln könnten, auch nicht, ob sie selber es gekonnt hätten. Ja, im Herrenzimmer bei einem Glas Wein einen Ausweg zu sehen war nicht schwer, aber in der Stresssituation das Richtige zu tun war doch ungleich schwieriger.
James dachte daran, dass er es nicht gekonnt hatte, obwohl er damals schon fünfzehn war. Er hatte nicht nur Panik gefühlt, sondern auch panisch reagiert. Er war froh, dass dies bei Arthur nicht der Fall gewesen war. Plötzlich musste er grinsen.
„Falls Arthur mal für irgendetwas geadelt wird, sollte er in sein Wappen unbedingt ein Wildschwein mit aufnehmen. Jetzt hat er ihnen schon zweimal ein Schnippchen geschlagen und ist noch nicht einmal in der Secondary School.“
Tom fiel nun etwas anderes auf, aber er nahm sich vor, das erst einmal mit Arthur zu besprechen.

*

Die Kinder freuten sich, so früh angekommen zu sein, dass sie viele Tage Zeit zum Spielen hatten. Die letzten Jahre war es ja immer etwas knapp gewesen. Da waren sie schon froh gewesen, überhaupt pünktlich für den Weihnachtsmann angekommen zu sein. Agatha lernte in der Zeit, dass man beim Essen auch schöne Möbel und Platz brauchte: Sie war einverstanden, die Puppen im Speiseraum essen zu lassen, weil die Möbel einfach nicht in den von ihr vorgesehenen Kellerraum passten. Das mit dem Schlafen regelten dann die verständigeren Mädchen für sie: Die Puppen gingen eben nicht mehr ins Bett, weil es Abend war, sondern weil Ruhezeit war. Das war akzeptabel. Sie musste ja auch tagsüber ins Bett, selbst wenn das Spiel gerade so schön war. Oft schlief sie aber freiwillig, weil der Vormittag so anstrengend gewesen war. Für so kleine Kinder war Spielen auch schwere Arbeit.

*

Tom hatte eine Privatunterhaltung mit Arthur.
„Ich will Dich nicht lange aufhalten, weil ich weiß, dass Du Dich gern um Deine Gäste kümmerst. Mir ist nur aufgefallen, dass Du die Gabel so komisch hältst. Was ist mit Deiner Hand? Ist das noch von der Baumkletterei im Oktober?“
„Ich glaub schon. Man sieht eigentlich gar nichts mehr, guck! Also, ich seh es, weil ich weiß, wo es war. Aber das ist fast, als ob die Haut zu kurz nachgewachsen ist. Irgendwie zu stramm.“
„Das hast Du doch hoffentlich Papa oder dem Doktor erzählt?“
„Nee, ich bin doch kein zimperliches Mädchen!“
„Wie kommst Du denn darauf?“
„Das sagen die anderen Jungen immer zu mir, wenn ich vergesse, dass man sich als Junge nicht kümmern soll.“
„Na, das ist jetzt eine andere Sache, nicht wahr? Ich zeige Dir jetzt einmal Übungen, mit denen Du der Haut klar machen kannst, dass sie sich besser dehnen soll. Die machst Du jeden Tag morgens und abends, und wenn das in einem Monat immer noch nicht besser sein sollte, was ich aber nicht glaube, sagst Du Papa, dass der Doktor sich das noch einmal ansehen muss, versprochen?“
„Hm. Woher kennst Du Dich so gut aus?“
„Mit dieser Hand hier hatte ich ähnliche Probleme, und ich zeige Dir nun, was mir sehr half, weil mir eine Heilerin gute Tipps gegeben hat.“

*

Zur Freude der Kinder und zur Erleichterung der Eltern fing es am 23. Dezember an zu schneien, nicht heftig, aber stetig. Die Freude der Kinder braucht nicht erläutert zu werden. Die Erleichterung der Eltern beruhte darauf, dass dieser Tag in den letzten Jahren der Anreisetag gewesen war, oder zumindest ein Reisetag. Man konnte im beheizten Pemberley Salon den Schnee viel entspannter betrachten als aus einer engen Kutsche mit einem Kohlebecken.
Jane wurde auf einmal blass: „Edmund, wie viele Rodel haben wir am Stammsitz?“
„Wir hatten mal zumindest einen, weil ich ja gerodelt war. Aber ich weiß weder, ob es den noch gibt, noch, in welchem Zustand der ist. Du hast Recht. Das war nachlässig von mir. Ich werde so schnell wie möglich unserem Schreiner den Auftrag geben, fünf Kinderrodel und zwei oder drei für Erwachsene zu fertigen.“
„Ihr hattet sogar zwei Kinderrodel, allerdings weiß ich absolut nicht, in welchem Zustand sie heute sein könnten. Die waren für mich und Schwester Caroline gefertigt worden. Weder Dein Vater noch Dein älterer Bruder durften rodeln, weil sie ja die Erstgeborenen waren.“
In Anbetracht dessen, dass dieser George bereits über fünfzig war und der Rodel seit vielen Jahren nicht mehr gewartet wurde, war Jane froh, als Edmund sofort eine Nachricht an den Schreiner schrieb. Der Brief sollte auf der nächsten Einkaufsfahrt nach Lambton aufgegeben werden. Es eilte ja nicht.
Das war also schnell und einfach geregelt. Schwieriger wurde es da schon mit Agatha. Sowohl Arthur als auch Peter sahen ein, dass man die Kleine nicht mit zum Rodeln nehmen konnte. Aber Silvia und Joany durften natürlich mittun. Tom, Schosch und Charles machten das, was die Schwestern wollten. Die waren ja auch schon zweieinhalb und fast drei.
Wie aber wollte man das einjährige Energiebündel Agatha im Hause halten, wenn fünf nicht wesentlich größere Zwerge ihr zujubelten: „Wir dürfen in den Schnee!“?
Und wie den Winzling von Verehrer, Marc, der alles wollte, was Agatha hatte oder durfte?
George beschloss, seine Tochter zu begleiten, allerdings ohne die Wirkung auf Marc zu bedenken.
Gigi und Francis meinten zwar, die Aufsicht könnten sie doch auch übernehmen, aber ihr großer Bruder bestimmte: „Wenn Madam Temperamentsbolzen etwa zustößt, ist es schon besser, wenn ich der Verantwortliche bin.“
Die Empörung ließ nicht lange auf sich warten: Marc hatte überhaupt kein Verständnis dafür, dass Agatha etwas durfte und er nicht. Wie schon bei der Milch mit Honig bestand er auf Gleichbehandlung und heulte seinen Mantel und seine Stiefelchen an. Eliza lachte vergnügt „Marc, lass Dir Mantel und Stiefel anziehen und Deine Tränen trocknen. Ich komme gleich!“ und lief schnell auf ihr Zimmer. Sie ging stillschweigend davon aus, dass ihr Marc mit ihr mehr Vergnügen hätte als mit seinem vorsichtigen Vater. Sobald die Stiefelchen an Marcs Füße gezogen wurden, versiegten die Tränen, und er konnte nun strahlen wie ein Kronleuchter.
Noch bevor die muntere Truppe das Haus verlassen konnte, kamen die Malcolm Kinder. Darcy wollte eigentlich nur fragen, ob und wann wieder gerodelt wurde, aber Fanny bestand darauf, dass alle mitkommen müssten, falls das Rodeln bereits anfangen sollte. Sie bezog wieder ihren üblichen Posten am Fenster. Nach der zweiten oder dritten Abfahrt fiel ihr etwas auf.
„Wieso dürfen denn Agatha und Marc schon mitmachen?“
Jane schmunzelte: „Eliza und George sind alte Rodelkumpel. Das ist für die Kinder etwas ganz anderes als wenn Mama oder Papa mit uns zu diesem Hügel gegangen wären.“
Nach fünf Abfahrten raunte George seinen Geschwistern zu: „Fünfmal sind für Agatha und Marc genug. Sonst frieren die zu sehr. Wir gehen jetzt alle, weil wir sonst die Zwerge nicht ins Haus bringen, und ihr geht dann noch einmal in der Ruhezeit. In Ordnung?“

*

Die Kinder, die offenbar die größte Begeisterung empfunden hatten, wohl auch deswegen, weil sie mit den anderen mithalten durften, waren ausgerechnet die, die sich noch nicht ausdrücken konnten.
Agatha tapste auf ihre Mama zu, zeigte zur Tür und sagte: „Papa da!“
Marc sah sie erstaunt an. So ein Unsinn, Papa war doch gar nicht draußen gewesen! Das war doch Mama gewesen! Er stiefelte also auf seinen Papa zu, zeigte zur Tür und sagte unter heftigem Kopfschütteln: „Papa!“
Dann strahlte er und sagte, mit dem gleichen ausgestreckten Arm: „Mama!“
Heathcoat freute sich, wie die Gesellschaft Gleichaltriger seinen Sohn dazu brachte, nicht nur zu denken, sondern seine Gedanken auch zu kommunizieren – irgendwie. Ja, es war durchaus von Vorteil, wenn man entweder viele Kinder hatte oder zumindest die Möglichkeit, die eigenen Kinder mit vielen anderen spielen zu lassen.
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