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Die Darcys auf Pemberley Teil XXVII

von Bihi
Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Charles Bingley Elizabeth Bennet Fitzwilliam Darcy Jane Bennet OC (Own Character)
12.10.2018
30.11.2018
37
58.425
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18.10.2018 1.976
 
Endlich war der letzte Schultag des Jahres angebrochen, wie Arthur freudestrahlend feststellte. Er hoffte so sehr, dass nicht nur die Freunde aus dem Süden, sondern auch die Stanfolks schon heute kommen würden. Er brauchte doch seinen Peter zum Jubeln.

*

Fitzwilliam hatte die Jubelorgien des letzten Jahres zwar genossen, fuhr aber doch lieber nach Shrewsbury, um die Schuljungen abzuholen. Charles Bingley begleitete ihn. Sie nahmen nur eine Kutsche. Sie hatten vor, wieder in Stanfolk Place zu übernachten, und konnten sich dann am nächsten Tag auf die Stanfolk Kutsche mit verteilen. Das war schon mit William so ausgemacht worden.

George wollte sich diesen ersten Jubeltag nicht entgehen lassen, gut, die folgenden auch nicht, und kam nach dem zweiten Frühstück mit Susan und Agatha. Um die Mittagszeit herum kamen die Kutschen aus Derby. Jane und William wollten ihren kleinen Radaubrüdern so viel Kreischorgien wie möglich verschaffen. Außerdem war dies die letzte Gelegenheit für Joany und Silvia, ihr Versprechen einzuhalten, Gigi mit Gekreische zu begrüßen.

Noch bevor die Schulkinder aus Kympton kamen, traf die Karawane aus dem Süden ein. Das Fünfer-Empfangskomitee war zwar auf sich gestellt, konnte aber auch die Krähen entsetzt davonfliegen lassen. Silvia sah kritisch auf ihre Cousine und ihren Cousin.
Dann erklärte sie ihrer Mutter fest: „Mama, wir brauchen noch ein Kind für Joany und ein Kind für Charles, damit wir auch für Papa immer so schönen Krach machen können!“
Ihre Brüder hatten zwar nicht so richtig verstanden, worum es ging, aber die Worte 'schönen Krach' kannten sie und nickten eifrig. Jane lachte nur dazu. Sie wartete ab, ob William nun eine ähnliche Forderung zu hören bekam, aber der war ja immer da und konnte deshalb leider nie mit Kreischen begrüßt werden.
Clara fand an dem Krach ebenfalls Gefallen und behielt erst die Uhr und dann den Weg nach Kympton im Auge. Sie sorgte zum Entsetzen ihrer Mutter dafür, dass die Kinder sich rechtzeitig auf den Weg machten. Diesmal nahm George seine Agatha auf den Arm und ging hinter der begeisterten Meute her. Er wollte einen ungehinderten Rückzug haben, falls Agatha das nicht gefallen sollte. Nach kurzer Überlegung nahm Heathcoat seinen Marc auf und folgte.

*

Wie schon im Vorjahr ging es zur Remise. Dort bauten sich die Kinder erwartungsvoll im Halbkreis auf und warteten auf die Kutsche. Nein, sie warteten sogar, bis die Pferde im Gebäude waren. Gigi hatte bereits in Kympton angeregt, dass sie erst dort aussteigen sollten, damit die Pferde im gewohnt geschützten Raum waren, wenn das Kreischen begann. Sie hoffte jedenfalls, dass es wieder ein Kreischen geben würde. Sobald die Schulkinder aus der Remise traten, Fanny und Charleen waren auch dabei, holte Silvia tief Luft und gab damit sozusagen das Startzeichen.
Die Wirkung auf Agatha war beachtlich: Sie sprang ihrem Papa fast vom Arm, stapfte entschlossen zwischen Kitty und Clara, um sich in ihre Röcke zu krallen, schloss die Augen, sperrte ihren Mund auf – und brüllte mit, was Lungen und Stimmbänder hergaben. Wenn sie die Augen schloss, konnte sie noch nicht die Balance halten, mit offenen Augen konnte sie leider nicht so gut brüllen.
Marc zuckte mit keiner Wimper, aber er machte nicht auch mit. Er hörte und sah nur strahlend zu.
Arthur war begeistert. Er hatte ja schon immer gewusst, dass die reizende Agatha etwas Besonderes war, aber dass sie so klein schon so perfekt das Empfangskreischen hinbekam, überraschte ihn doch.
Im Salon verkündete er stolz: „Agatha kann so tolles Empfangskreischen, da fliegen die Krähen nicht einfach nur nach Schottland, die fliegen bis auf die Orkneys – oder gibt es weiter nördlich auch noch Inseln?“
Mr. Bennet lachte: „Mit drei Jahren oder so konntest Du schon so gut brüllen, dass Du von Stanfolk Place aus die Krähen von Pemberley über die Grenze jagen konntest. Ich möchte nur wissen, wann Du mit ihr trainiert hast.“
Arthur strahlte. Das war doch ein ganz großes Lob, nicht wahr? Jedenfalls empfand er es so.
Agathas Hals musste erst einmal mit warmer Milch mit Honig beruhigt werden.
Susan fragte vorwurfsvoll: „Hättet ihr sie nicht zu leiserem Jubel anhalten können?“
Während Arthur nur erstaunt fragte: „Wieso das denn?“, fragten Clara und Kitty: „Wie denn?“.
George sagte lachend: „Wenn Du das nächste Mal mitgehst und mir zeigst, wie ich das machen soll …“
Die Kleine hatte gerade ihre Milch ausgetrunken, als Arthur begeistert rief: „Mein Peter kommt!“
Bevor Susan ihre Kleine fassen konnte, war sie schon fast an der Tür. Nur gut, dass Stokes dort Wache stand und die eifrige Krachmacherin einfach hochhob. Sie tobte. Sie beruhigte sich erst, als er sie die Treppe hinunter trug. Ja, die Stufen waren eigentlich immer ein beängstigendes Hindernis. Sie strahlte Stokes für die Hilfe an.
Unten übergab er sie Susan mit der Entschuldigung: „Wir hätten sie sonst oben irgendwo anbinden müssen, damit sie der Meute nicht folgt.“
„Stimmt, woher sie nur diesen Dickkopf hat!“
„Madam, entschuldigt, das ist kein Dickkopf, das ist die geborene Jublerin!“
George ging grinsend zwei Schritte hinter Susan, nicht als Prinzgemahl, der er ja nicht war, sondern weil er gespannt war, wie sie die Lautstärke regulieren wollte – ohne die Jublerin ihm in die Arme zu drücken oder selber mit ihr ins Haus zu gehen.
Agatha ahnte, was gleich passieren würde, und wollte schon vorher von Mamas Arm. Sie ging wieder zu Clara und Kitty.
Dann stiegen die Stanfolks aus und blieben verwundert wie angewurzelt stehen. So viel Krach in einer so kleinen Person!
Peter sagte anschließend: „Mann, Arthur, haben wir ein Glück, dass wir eine so tolle Verstärkung bekommen haben!“
Auf dem Weg zurück ins Haus neckte George seine Susan leise: „Und – warum hast Du sie nicht leiser brüllen lassen?“
„Das ist wohl wie der Hungerschrei bei Säuglingen, da kann man ja auch nichts an der Lautstärke ändern!“, gab sie sich geschlagen.
Zurück im Salon stapfte Agatha zur Oma: „Ommo, Milli – mhm!“ Es wurde also noch einmal warme Milch mit Honig geordert.
Marc wollte nicht schon wieder übergangen werden und stellte sich neben Agatha auf.
„Ommo, Milli – mhm?“
Natürlich wurde ihm ebenfalls ein Becher gebracht, auch wenn er nicht heiser war. Aber er war doch auch im Empfangskomitee gewesen, nicht wahr? Heathcoat war die Bettelei peinlich, Eliza lachte nur.
Inzwischen fuhr die Dreierkutsche vor, damit Fanny und Charleen nach Hause gebracht werden konnten. Dort erzählten sie ihren Eltern strahlend, dass sie auch mit Jubel begrüßt worden waren.
Peter und Arthur hofften, dass die Schuljungen aus Shrewsbury und Rugby morgen kommen würden und die anderen Schuljungen aus dem Süden erst am Sonntag. Sie waren nicht sicher, wie viel Geschrei die reizende Agatha an einem Tag verkraften konnte. Da sie das durchaus zweimal am Tag schaffte, ging es den beiden Jungen wohl eher darum, dass sie ihr Vergnügen gestreckt haben wollten.

*

Bis zum nächsten Morgen hatte sich die kleine Kehle erholt. Sie konnte also bei dem Jubel wieder mitmachen. Die erwachsenen Herren, zu denen auch Francis und Harold zählten, waren ganz erstaunt, wie begeistert Agatha mitjubelte. Natürlich jubelte sie nicht wirklich, sie nutzte nur die Chance für ungehemmten Krach, wie den Herren klar war, aber sie stimmten Arthur zu, als er meinte, mit Agathas Hilfe würden die Krähen nicht nur über die Grenze fliehen, sondern noch ein Stück weiter, vielleicht bis zu den Orkneys. Er hatte inzwischen auf einer Karte mit Erstaunen gesehen, wie groß Schottland war, wenn man die Entfernungen richtig ausmaß, und war sich nicht mehr so sicher, ob es für die Orkneys reichte.
Natürlich waren die Malcolms gekommen, um ebenfalls beim Jubel zu helfen. Schließlich kam ja auch ihr Harold an.
Den Rest des Tages wurde normal laut gespielt, wie es Arthur einmal genannt hatte, also stimmbandschonend für seine kleinste Nichte. Sie schien die Brüllerei nicht zu vermissen, wenn es auch ein wenig lauter wurde, als sie die doofen Puppenhausregeln ihrer Cousine nicht einsehen wollte. Wozu sollten denn die armen Puppen ins Bett, wo es doch noch hell war? Warum aßen sie eine Etage über der Küche, statt gleich nebenan? Ihre Wutanfälle beruhten offensichtlich darauf, dass sie sich leider nicht verständlich machen konnte, jedenfalls nicht so, dass die anderen klein beigaben.

*

Am nächsten Tag kamen dann die Schuljungen aus dem Süden, denen sich in diesem Jahr Charles  und Emma angeschlossen hatten. Sie waren extra am Freitagmorgen nach London gefahren, um den Rest des Tages mit den Cavendishs zu verbringen.
Sie lachten über die eifrigen kleinen Brüller, die ihren Krach zum Jubel deklariert hatten. Ja, so ein Empfang brachte allen Spaß, den Brüllern wie den Zuhörern. Sie amüsierten sich auch über Marc, der den Lärm genoss, ohne dazu beizutragen.
Cousin George fragte seinen Namensvetter: „Ist es nicht beruhigend, dass das Kind des Sturmbrüllers lieber 'Stoam' ist als Zuhörer?“
„Unbedingt, noch schlimmer wäre es, wenn diese nachwachsende Generation gar nichts von Sturmgebrüll hielte!“, lachte der stolze Vater einer so fähigen Nachfolgerin.

*

Als die Kinder sich in das Spielzimmer verziehen wollten, hielt Edmund Joany zurück,
„Joany, willst Du nicht Milady von den herrlichen Blumen in Mamas Garten erzählen? Sie liebt schöne Blumen!“
Joany nickte, baute sich vor Elizabeth auf und erzählte ganz ausführlich: „Also, Mama, ne, die hat einen Garten, ne, und der ist ganz klein, und da ist kein Gras, nur kurze Bäume, wo Essen dran wächst (sie klatschte dabei begeistert in die Hände), und gelbe Blumen.“
Elizabeth kannte die Geschichte noch nicht, lieferte aber die richtigen Stichworte: „Das ist aber ungewöhnlich! Nur Beerensträucher und Blumen? Was sind das denn für Blumen?“
„Gelbe Rollen mit Röckchen dran!“
'Falsch gefragt!' „Und wie heißen die?“
„Die heißen 'Doof und Fies'. Der Name ist blöd, aber sie sind so schön! Ich will auch so schöne Blumen haben.“
„Na, da musst Du Papa fragen, ob er eurem Gärtner Bescheid sagt!“
„Ist gut, aber erst, wenn wir wieder Zuhause sind, hier ist der Gärtner ja nicht da!“
„Ja, das ist wohl besser so. Das sieht in eurem Garten bestimmt auch schön aus!“
Da Joany nun nichts weiter zu diesem Thema einfiel, ging sie schnell ins Spielzimmer, bevor man sie mit weiteren Fragen aufhielt. Schließlich war es bei all den Kindern doch viel lustiger, nicht wahr?
Die Erwachsenen warteten, bis Joany bestimmt nichts mehr hören konnte, bevor sie lachten. Rollen mit Röckchen, so so …! Und sie hießen 'Doof und Fies'. Es sah so aus, als ob Heathcoat mit dem Namen nichts verbinden konnte.
Daher sagte Mr. Bennet, nachdem er sich etwas beruhigt hatte: „Und ich gehe jede Wette ein, dass weder Mrs. Philips noch Mrs. Bennet erkannt hätten, dass von Daffodils die Rede war! Sie interessierten sich nicht für Namen, nur für die Schönheit der Blumen.“
Heathcoat sagte ehrlich: „Ich habe den Zusammenhang auch nicht gesehen. Ich kenne zwar die Namen der Blumen, jedenfalls die gängigen, aber ich hatte aus der kindlichen Version nicht den richtigen Rückschluss gezogen. Marc redet noch nicht genug, dass er mich trainieren könnte.“
Lydia sagte nachdenklich: „Jetzt, wo Ihr 's sagt, Vater: Mutter kannte Iris, Flieder, Lavendel und Rosen, der Rest waren Frühlingsblumen, Sommerblumen und Herbstblumen. Komisch, das ist mir bisher nie aufgefallen, wohl, weil auch Tante Philips nur diese Unterscheidung kennt.“
Fitzwilliam sah seinen Cousin an: „Und der Gärtner sollte sofort die Zwiebeln in den Gewächshäusern vorziehen, damit die Narzissen im kommenden Frühjahr vorerst in Kübeln auf der Terrasse blühen. Ich glaube nicht, dass Joany dafür Verständnis hat, wenn sie bis übernächstes Jahr warten muss.“
„An ein Gewächshaus habe ich gar nicht gedacht. Eine gute Idee. Das Personal ist so vernarrt in die Kinder, dass sie den Wunsch nicht einmal absonderlich finden werden, auch wenn wir die Gewächshäuser bisher nur für Gemüse verwendet haben.“

*

Elizabeth hatte eine wundervolle Idee für ein Weihnachtsgeschenk und fragte William jr. heimlich, was er davon hielte. Es traf sich gut, dass er einen Teil des Geschenks bereits hatte fertigen lassen und nur noch überlegen musste, wie er das seiner kleinen Dame als tolles Geschenk präsentieren konnte. Mit Elizabeths Idee zusammen brauchte er nichts mehr zu überlegen. Ein perfekteres Geschenk konnte es nicht geben.
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