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Die Darcys auf Pemberley Teil XXVII

von Bihi
Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Charles Bingley Elizabeth Bennet Fitzwilliam Darcy Jane Bennet OC (Own Character)
12.10.2018
30.11.2018
37
58.425
13
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18.10.2018 1.399
 
Fanny hatte Mitte November angekündigt, sich eine richterliche Verfügung zu besorgen, damit sie die Kinder zu Weihnachten in ihrer Cottage beherbergen konnte. William schrieb an seinen Bruder, was da zu machen wäre.

*

Mr. Davidson erklärte sich bereit, Anfang Dezember dorthin zu fahren und die Lage zu sondieren, falls er keinen Fall zu bearbeiten hatte, sodass er sich drei Tage Zeit nehmen konnte. Dies war der erste Tag, und er brauchte nur zwei Tage. Richter Wilcox von Leicester hatte bereits erfahren, dass Richter Fitzwilliam von Derby ein Verwandter war, und ihm ein Ersuchen geschickt, etwas zum Hintergrund zu sagen. Edmund legte diesen Hintergrund schriftlich nieder und gab seinem Freund den Bericht mit. Der Amtskollege las den Bericht mit gerunzelter Stirn.
„Ist den beteiligten Personen Eure Identität bekannt?“
„Nein, nicht dass ich wüsste.“
„Darf ich Euch bitten, die Parteien unauffällig zu befragen? Dieser Brief zeigt mir zwar auf, wie ein verantwortungsvoller Richter entscheiden müsste, aber ich möchte nicht, dass es nachher heißt, Mrs. Fitzwilliam hätte gegen die Beziehungen ihres Gatten einfach keine Chance gehabt. Ich brauche ein möglichst objektives Bild.“
„Euer Ehren, ich bin Mitglied des Kentish Circle. Wenn Ihr mir freie Hand lasst, werde ich Euch spätestens morgen Abend weitere Hilfen geben können.“
„Gut, so gebe ich Euch freie Hand. Eine bessere Empfehlung kann ich mir nicht denken.“

*

Mr. Davidson fuhr also zu dem Gut und ging nicht zuerst ins Gutshaus, sondern zuerst zu Fanny. Die war erfreut, als sie erfuhr, dass er für das Gericht Erkundigungen einziehen solle und erst einmal mit ihr reden wolle. Das war doch ein gutes Zeichen, nicht wahr?
Er fragte, wie groß die Kinder seien. Sie zeigte die Größen an, und er war der Meinung, dass das ein wenig klein für Kinder von viereinhalb und fast drei Jahren war. Wurden sie schlecht ernährt oder wegen mangelnder Fürsorge zu häufig krank? Er schrieb sich das auf und fragte nach der Häufigkeit der Besuche. Das war eine gemeine Frage.
Um sich nicht ihre Chancen zu verderben, sagte sie: „Das kann schwanken, aber ich denke, so ungefähr alle zwei Wochen kommt hin.“
„Hier oder im Gutshaus?“
„Natürlich im Gutshaus. Da sind die Räumlichkeiten zwei lebhaften Kindern angemessener. Wisst Ihr, die Kinder dürfen viel zu frei toben. Die Nanny ist einfach unfähig, aber auf mich hört man ja nicht.“
„Gut, dann gehe ich jetzt ins Gutshaus und sehe mir Räumlichkeiten, Kinder und deren Verhalten einmal an.“
Nachdem er fort war, überlegte sich Fanny, ob sie nicht noch hätte sagen sollen, dass der Vater an der Fallsucht leide und daher ungeeignet sei, für seine Kinder verantwortlich zu sein. Aber nun war es zu spät. Falls der nette Herr anschließend noch einmal zurückkäme, würde sie es aber unauffällig einflechten. Bis dahin konnte sie sich vielleicht auch eine plausible Erklärung zurechtlegen, warum sie bei der Besuchszahl gelogen hatte. Nein, seine Krankheit hatte nichts mit Weihnachten zu tun. Wenn sie mit diesem Antrag erfolgreich war, würde sie Anfang nächsten Jahres das Sorgerecht auf Dauer beantragen, für den Fall war dann das Argument zutreffend. Ihr Gatte sollte sich ja nicht einbilden, dass er gegen sie gewinnen könnte.

*

Mr. Davidson befragte unterdessen unauffällig die Kinder, die ihn sehr an Silvia und Tom erinnerten, aufgeweckte, durchaus nicht unterernährte Kinder, die größer waren als ihre Mutter es angegeben hatte. Ja, sie wußten, wo Mamas Haus war. Nein, sie gingen nie rein, immer nur bis an den Gartenzaun. Mama wollte nicht, dass sie den Garten kaputt machten oder die Räume schmutzig. Dabei machten sie den großen Garten doch auch nicht kaputt, wie Joany empört vermerkte. Mr. Davidson notierte, dass sie den Schmutz im Haus ehrlicherweise nicht abstritt.
„Wie hatte der Garten ausgesehen, als ihr das letzte Mal mit Mama gesprochen habt?“
„Da waren viele Blumen, ganz gelb, die sahen aus wie gelbe Rollen mit Röckchen an.“
„Weißt Du auch, wie die heißen?“
Hier lachte Charles laut auf: „Aber, Sir, die Blumen kann ich doch nicht fragen!“
Joany zog ihr Näschen kraus.
„Ich glaub, das waren 'Doof und Fies' [Daffodils = Narzissen].“
„Kommt Mama oft hierher?“
„Mama? Nee, nie!“
Dann wollte er mit der Nanny sprechen. Besonders die Besuche musste er abklären. Sie bestätigte, dass die Kinder einmal im Frühjahr am Gartenzaun gestanden hätten, um die Narzissen zu bewundern. Seitdem war der von der anderen Seite aus mit einem Sack verhängt, um die Kinder nicht dazu zu verführen, ohne Erlaubnis in den Garten zu kommen. Das letzte Mal, dass die Mutter nach den Kindern gefragt hatte? Schwer zu sagen, es war irgendwann im Januar, also zwischen Mitte und Ende Januar 1823, aber den genauen Termin konnte sie nicht mehr sagen. Das letzte Mal, dass sie hier im Gutshaus mit den Kindern gesprochen hatte? Das musste im Dezember davor gewesen sein, kurz vor Weihnachten. Und warum nicht zu Weihnachten?
„Da war sie bei Nacht und Nebel nach London gefahren, um das Leben zu genießen.“
Jedenfalls war ihm nun klar, warum diese Mutter nicht die Größe ihrer Kinder wusste.
Danach befragte Mr. Davidson noch die Haushälterin und die ehemalige Zofe. Beide meinten, sich zu erinnern, dass die Gutsherrin am Tag vor Lichtmess im Gutshaus erschienen war, Lichtmess 1823, wohlgemerkt. Sie hatte dabei die Kinder mit einem Blick gestreift, aber nicht mit ihnen gesprochen; das hatte das Personal ihr sehr verübelt.
Mr. Fitzwilliam wollte er nicht befragen, weil davon auszugehen war, dass sich sein Bericht mit dem des Bruders decken würde.
„Ich möchte Euch nicht die bestimmt aufwühlenden Erinnerungen zumuten, hätte aber gern den Brief, den Mrs. Fitzwilliam geschrieben hatte, bevor sie nach London fuhr, falls Ihr den noch habt.“
Auf dem Weg zur Kutsche raunte der Butler ihm zu: „Sir, es ist vielleicht auch noch wichtig, dass Mr. Fitzwilliam mit seiner Gattin im Haus etwa einmal im Monat einen Anfall hatte, und seit sie in der Cottage wohnt, nur noch zwei – in immerhin fast zwei Jahren.“ (Allerdings wusste er nichts vom Petit Mal Weihnachten 1823, der aber auch Fannys Schuld war.)
Mr. Davidson fuhr zurück nach Leicester, nahm sich dort ein Zimmer und brachte seine Notizen in leserliche Form. Am nächsten Morgen ging er zum Gericht. Dort legte er Richter Wilcox seinen Bericht vor und ergänzte ihn noch um Antworten auf die Fragen, die der Richter zusätzlich hatte. Er habe absichtlich nur mit Personen gesprochen, die wohl noch am ehesten für Mrs. Fitzwilliam sprechen würden, damit sie nicht behaupten könne, ihr Gatte hätte sich die Aussagen gekauft. Die Aussage des Butlers würde hier wohl keine große Rolle spielen, sollte aber vielleicht zu Protokoll genommen werden, um in einer eventuell einmal stattfindenden Scheidungsverhandlung genutzt zu werden. Gesundheitsgefährdung sei zwar kein Scheidungsgrund, aber vielleicht wäre ja irgendwann eine Ausnahme möglich.  
Der Richter nickte nur dazu, las, was Joany zu den Blumen gesagt hatte, und lachte laut auf: „Von solchen Blumen habe ich noch nie gehört!“
„Euer Ehren, die Auflösung steht auf dem Blatt mit den Aussagen der Nanny“, schmunzelte Davidson.
Mr. Davidson fuhr nach Derby zurück.
Der Richter war zwar beeindruckt von den Details, die als Ausdruck sorgfältiger Ermittlungen für Mrs. Fitzwilliam zu sprechen schienen, aber so geringfügig in der Waagschale waren, dass er noch am gleichen Tag an Mrs. Fitzwilliam schrieb:

Mrs. Fitzwilliam,
nach sorgfältiger Prüfung der Ergebnisse meines Ermittlers kann ich Eurem Ersuchen um eine richterliche Verfügung nicht stattgeben, da Eure Gründe sich als haltlos erwiesen haben.
etc. etc.
Richter am Kreisgericht von Leicester
Dem Gutsherrn Fitzwilliam geht eine Kopie dieses Schreibens zu.


William las den kurzen Bescheid und schrieb erleichtert eine Antwort nach Pemberley. Er hätte ja liebend gerne die Einladung früher angenommen, musste aber erst noch einige häusliche Dinge abklären. Dann schrieb er an seinen Bruder und dankte für die Hilfe.
In Derby war man ebenso erleichtert wie William, dass alles gut ausgegangen war. Den Kindern sollten doch ausgelassene Feiertage gegönnt werden. Und zu zweit in der Cottage wäre das wohl aus mangelnder Kinderzahl, mangelndem Platz und vor allem mangelnder Mutterliebe nicht möglich. Bei einem Adventstee gab Mr. Davidson den Tipp, Joany nach den gelben Blumen in Mamas Garten zu fragen. Er wurde dann so lange gebeten, es doch zu verraten, dass er das schließlich auch tat. Man lachte lang und herzlich.

*

Mrs. William Fitzwilliam war gekränkt, weil sie geglaubt hatte, dass sie auf diese Weise zu einem kostenlosen Festessen kommen könnte. Denn sicherlich hätte ihr Gatte für das Weihnachtsessen gesorgt, damit seine Kinder es gut hatten, nicht wahr?

*

Auf Pemberley machte man sich nur Gedanken, wie es wohl um Williams Gesundheitszustand bestellt sei.
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