Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Die Darcys auf Pemberley Teil XXVII

von Bihi
Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Charles Bingley Elizabeth Bennet Fitzwilliam Darcy Jane Bennet OC (Own Character)
12.10.2018
30.11.2018
37
58.425
13
Alle Kapitel
51 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
30.11.2018 1.550
 
Dorothy hatte jetzt fast täglich eine Beratung mit ihrer Mutter. Sollte sie Sir Gwenoch akzeptieren, ablehnen oder noch weiter hinhalten?
Elizabeth bemühte sich, sie nicht zu beeinflussen. Das war gar nicht so einfach, weil ihr doch davor graute, die Tochter so weit ziehen zu lassen. Mit Jane war das etwas anderes gewesen. Sie blieb damals in London, wohin die Darcys in jedem Jahr fuhren – und vor allem kannte sie Edmund schon seit Jahren. Aber Ardmore lag in der entgegengesetzten Richtung fern ihrer üblichen Reiseziele – und Sir Gwenoch kannte sie erst seit ein paar Tagen. Das durfte aber kein Grund sein, Dorothys Lebensglück zu zerstören. Vielleicht fuhr Sir Gwenoch ja jedes Jahr nach London und die beiden könnten im September nach Pemberley kommen, zum Michaelis-Fest, und die Familie fuhr Ende Oktober zum Hallowe'en nach Ardmore. Das wären dann immerhin schon drei Treffen. Auf Weihnachten mochte sie nicht hoffen. Sie konnte doch nicht erwarten, dass der Laird in jedem Jahr die Jahreswende nicht auf seinen Ländereien verbrachte. Das gehörte sich doch nicht.
Dorothy war sich an einigen Tagen sehr sicher, einen Antrag anzunehmen, an anderen wäre sie für eine Terminverschiebung gewesen. Aber nie fasste sie eine Ablehnung ins Auge, auch wenn sie sie als Gedankenspiel immer wieder einmal erwähnte.
Gigi und Annie versuchten, Dorothy zu beraten, aber das war sehr schwierig.

*

Arthur wurde natürlich nicht befragt, bekam aber mit, was da ablief. Er ging schließlich zu seiner Elfen-Mama.
„Meinst Du, dass die Mädchen unsere geheime Lichtung auch kennen? Nicht die geheime Waldkammer, das glaube ich nicht, aber im Sommer passen sie immer sehr genau auf, dass nur wir Darcys in die Nähe der Waldlichtung kommen.“
„Sie kennen die Lichtung, nennen sie Elfenlichtung und nutzen sie für schwierige Fragen an das Schicksal, aber nur im Sommer. Unsere geheime Waldkammer kennen sie nicht.“
„Hm. Ich glaube, da muss ich jetzt helfen. Ich hoffe, die geheime Waldkammer ist mir nicht böse, aber ich muss Dorothy jetzt zum Nachdenken meinen Laubhaufen anbieten.“
Elizabeth war beeindruckt. Aus reiner Geschwisterliebe war er bereit, seine Decke zu verleihen!
„Gut, rede mal mit ihr. Ich denke, sie wird sich freuen.“
Arthur erwischte Dorothy wirklich ziemlich schnell alleine. Da hatte Elizabeth nachgeholfen, aber das war ja gleichgültig.
„Dorothy, ich will Dir ein ganz großes Geheimnis verraten. Aber das kann ich nur machen, wenn Du mir vorher Dein ganz großes Ehrenwort gibst, dass Du das nie-man-dem sagst oder singst oder zeigst oder malst oder aufschreibst!“
Diese Aufzählung machte sie stutzig. Das musste ein wirklich wichtiges Geheimnis sein. Bereitwillig versprach sie ihm, nur mit seiner Einwilligung etwas zu tun, das das Geheimnis verraten könnte – mit ganz großem Ehrenwort.
„Also, Dorothy. Du kennst ja unsere Elfenlichtung im Park. Im Sommer ist die wirklich gut für schwierige Fragen, ne? Aber man hat ja auch schwierige Fragen im Winter, und dann ist die Lichtung nicht gut.“
„Das habe ich leider auch schon gemerkt.“
„Ja, und darum hat mir der Weihnachtsmann vor ein paar Jahren einen geheimen Laubhaufen geschenkt, der so gut ist wie das Gras oder die Bank auf der geheimen Lichtung. Und jetzt hab ich das Gefühl, als ob Du ausprobieren musst, ob der Laubhaufen auch Dir hilft.“
Sie war gerührt von seiner Opferbereitschaft und nahm sein Angebot an. Zu ihrer Überraschung führte er sie in sein Schlafzimmer. Da sollte ein Laubhaufen sein? Er kniete sich vor sein Bett und zog die Lade mit der Decke hervor.
„Ich weiß ja nicht, wie Du das auf der Lichtung machst. Ich leg mich immer hin und warte auf eine Antwort. Dabei kann ich die Augen offenlassen oder schließen. Das funktioniert beides.“
Er verließ den Raum und schloss die Tür. Dorothy blieb vor der Decke stehen. Sollte sie sich wirklich auf so ein Kinderritual einlassen? Dann wirkten seine fast schon verschwörerische Stimme und sein Glaube an die Mystik dieser Decke. Also legte sie sich hin. Sobald sie sich ausstreckte, spürte sie: Das war keine normale Decke, sie bewirkte das gleiche Gefühl der Geborgenheit wie die Elfenlichtung. Sie lag ganz ruhig. Als sie sicher war, dass sie nun die Antwort auf ihre drängende Frage wusste, stand sie wieder auf, strich den Laubhaufen glatt und schob ihn wieder unter das Bett. Arthur wartete im Spielzimmer auf sie. Sie ging zu ihm und umarmte ihn. Da wusste er, dass die schwierige Entscheidung die richtige gewesen war. Er war zwar neugierig, aber Elfen-Mama war auch neugierig, vermutete er, und fragte niemals. Also fragte er auch nicht. Faun-Brüder waren fast so gut wie Elfen-Mamas.
Dorothy hatte an diesem durch das Opfer für sie so besonderen Ort endlich die Ruhe gefunden, sich über ihre Antwort klar zu werden, und brauchte von da an weder die Gespräche mit der Mutter noch die mit den Schwestern. Die nahmen dies zur Kenntnis, stellten aber keine Fragen.

*

Arthur ging bereits am nächsten Tag wieder zur Besprechung ins Musikzimmer.
„Mama, letztes Jahr habe ich das nicht gemacht. Ich kann mich jedenfalls nicht daran erinnern, aber ich finde, wir sollten der Waldkammer wieder die Chance geben, die Sonne durch das Fenster zu lassen, ohne entsetzt auf Staub scheinen zu müssen.“
„Ich danke für das Angebot. Wie wäre es, wenn wir das ausnahmsweise nächsten Freitag machen, wenn Du aus der Schule gekommen bist? Am Sonnabend ist doch Familientag und am Sonntag ist unser Familiendankessen.“
„Meinst Du, dass wir auch im Dunkeln für gute Ordnung sorgen können? Nicht, dass unsere geheime Waldkammer verärgert wird und nicht mehr funktioniert!“
„Ich werde, während Du in der Schule bist, Petroleumlampen dorthin schmuggeln.“
„Das wär doch eine gute Möglichkeit. Vielleicht ist Papa ja bereit, zu helfen? Soll ich ihn mal fragen?“
„Danke, das mache ich dann selber, wenn ich ihn um die Lampen bitte.“

Fitzwilliam sah ein, dass es in diesem Jahr nur so ging, wenn er nicht wieder auf den Elfenmittag am 21. verzichten wollte. Er half also bereitwillig beim Tragen und war erfreut, als er dafür sogar noch belohnt wurde. In der Elfenkammer konnte er doch nur Wünsche nennen, wenn die Elfe es ihm erlaubte. Sie erlaubte es auch an dem Tag nicht und erfüllte ungefragt seinen Wunsch. Sie kannte ihren Oberon doch!

*

Der Familientag war nur eingeschränkt: Jane fühlte sich nicht gut und Edmund blieb bei ihr. Um seinem Kobold mehr Ruhe zu verschaffen, fuhr Nanny Lydia mit den Kindern nach Pemberley.
Auf einen besorgten Blick Fitzwilliams hin raunte Nanny Lydia: „Keine Gefahr, denke ich. Jedenfalls fehlten bis zu unserer Abfahrt die Anzeichen. Sie soll nicht mehr Kutsche fahren und die Kinder sollen nicht erfahren, warum.“
Stimmt ja, der Termin war in ein bis zwei Wochen. Da sollte Jane wirklich nicht mehr so weit mit der Kutsche fahren.
Die Kinder machten sich keine weiteren Gedanken.
Silvia sagte: „Papa sagt, Mama hat Bauchweh und soll mit Kamillentee im Bett liegen. Also, ich glaube ja, sie soll lieber rumhüpfen und Schokolade trinken. Aber Papa mag meine guten Ideen ja nicht.“
„Ja“, pflichtete ihr Schosch bei, „und gaanz viel Karach machen hilft bestümmt auch!“

*

Jane machte keinen 'Karach'. Sie lag auch nicht mit Kamillentee im Bett. Sobald die Kutsche nicht mehr zu sehen war, kam sie in den Salon und hatte einen ruhigen, entspannenden Tag mit einem nun gar nicht mehr besorgten Edmund neben sich.
So sehr sie diese Zweisamkeit auch genossen, waren sie doch froh, als am Nachmittag die Kutsche wieder vorfuhr und Leben in die stillen Räume brachte.

*

Dann kam der bedeutsame Tag, der nun um ein Festessen am Abend erweitert worden war. Da es ein Sonntag war, kam natürlich Arthur. Sowohl Elizabeth als auch Fitzwilliam dachten daran, dass ein solches Sonntags'erwachen' nicht einmal anderthalb Jahre noch möglich wäre, und bedauerten, dass es so wenige Sonntage im Jahr gab. Um diesen Tag nicht zu melancholisch zu beginnen, sagten sie das aber nicht laut.
Zum Frühstück gab es die besonderen Brezeln, nach dem Frühstück gab es den besonderen Strauß für Elizabeth.

Nach dem Festessen gab es in Fitzwilliams Schlafgemach wie immer, na ja, fast immer, Champagner, einen wie immer auf die faulen Planeten schimpfenden Fitzwilliam, bis endlich die Tür leise knarrte und eine wie immer entzückende Elfe mit Bändern im Haar eintrat. Bevor es um das Ritual ging, erhielt sie noch ihr Geschenk: Schnüre mit dunkelblauen Glasperlen* und silbernen Kugeln. In ihrem jetzt überwiegend silbergrauen Haar waren die Perlen, die zu ihrem Saphir-Haarreif gehörten, nicht mehr so gut zu erkennen.

Für beide war die Haarfarbe des Partners absolut unwichtig. Das Wichtigste war über die Jahre unverändert geblieben: Die von Beginn an unermesslich große Liebe zueinander war weit davon entfernt, sich zu erschöpfen. Durch die Vertrautheit schien sie noch zuzunehmen, statt nachzulassen, wie sie nicht nur heute mit Dankbarkeit feststellten.
Es waren schöne siebenundzwanzig Jahre gewesen.



*Zur damaligen Zeit waren Glasperlen sehr schwierig herzustellen und daher teuer, wenn auch wohl nicht mehr so teuer wie zu der Zeit, als man den Indianern Manhattan für vier Beutel Perlen aus venezianischem Glas abkaufte. Den Indianern gefielen die Glasperlen so sehr, dass sie die Dummheit der Weißen verlachten, da Mahnhatten ihnen mit dem kargen Boden ziemlich nutzlos schien. Ein Beutel soll, je nach Farbzusammenstellung, nach Preisen der 1970er um die zwei Millionen Dollar wert gewesen sein, wobei Umrechnungen des Geldwertes über Jahrhunderte immer ein wenig schwierig sind. Die Information stammt aus der Indianeruniversität auf dem Gebiet der Navajos und wurde 1980 mündlich gegeben.
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast