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Die Darcys auf Pemberley Teil XXVII

von Bihi
Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Charles Bingley Elizabeth Bennet Fitzwilliam Darcy Jane Bennet OC (Own Character)
12.10.2018
30.11.2018
37
58.425
13
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29.11.2018 1.522
 
Dorothy fuhr am Montag mit Fitzwilliam nach Derby zum Stoffkauf. Obwohl es nur um die Weißwäsche ging, wollte Fitzwilliam nicht ohne Dorothy fahren. Leinen für Tischtücher und Servietten hätten sie auch in Lambton bekommen, aber für die Bettwäsche war die Qualität in Derby besser. Sie durfte sich auch Wollstoffe aussuchen, um daraus einen wärmenden Quilt zu machen. Sie sah verschmitzt auf die Auswahl und wählte Rot. Für den Kontrast hatten sie blau und schwarz auf Pemberley. Nein, für das Muster, das sie im Kopf hatte, reichte es wohl nicht, also kaufte sie noch dazu. Außerdem brauchte sie rote und gelbe Wolle, um die Stücke zusammenzuhäkeln. Fitzwilliam bestärkte sie darin. Wenn es im Winter in Schottland wirklich so ungemütlich wurde, wobei Schnee ja nicht so schlimm war wie kalter Regen, brauchte sie etwas Wärmendes. Stoffe für die Kleidung sollten wohl besser noch warten, da bei schottischen Clans die Farben immer sehr wichtig waren. Die konnte man aber erst nach der Verlobung erfragen.
Dorothy befürchtete, dass Marineblau oder Schwarz die Hauptfarbe war. Nun, dann konnte sie immer noch fragen, ob es auch für die Alltagskleider so sein musste. Mit Glück konnte sie dann rot tragen, mit Pech blieb dann ihre Lieblingsfarbe nur noch für Morgenröcke und Nachtgewänder. Da wollte sie wenigstens eine wärmende Decke in rot haben. Es war auch nicht dringend notwendig, diese Decke nur für Schottland zu fertigen. Auch in vielen englischen Häusern konnte es erbärmlich kalt werden. Sie hatte sich dieses Muster zwar speziell für Schottland erdacht, aber wer fragte schon danach, wenn er eine wärmende Extradecke brauchte? Da sie nicht gewohnt war, in Clanfarben zu denken, bedachte sie nicht, dass die von ihr gewählten Farben vielleicht einem rivalisierenden Clan gehörten.

*

Am  Dienstag setzte sie sich eifrig an die Monogramme. Dann rechnete sie aus, wie lange sie wohl für ihre Ausstattung brauchen würde. Gut, wenn sie nicht vor dem Sommer heiratete, konnte sie sich jetzt erst einmal an den Quilt setzen, damit der für den ersten Winter im neuen Heim fertig wurde. Sie arbeitete fast unablässig daran. Elizabeth erließ ihr die Arbeit am Armenkorb. Dafür wurden die Tischtücher, Laken, Kopfkissen und Servietten zum Säumen an zwei Näherinnen in der Siedlung gegeben. Die Weißnäherin hätte das auch alleine leisten können, aber man musste den Verdienst ja einigermaßen gerecht verteilen.

*

An den Wochenenden saß Dorothy mit ihrer Häkelarbeit meistens an dem Fenster, das den besten Blick auf den Park gab. Sie war immer erleichtert, wenn der Faun auftauchte.

Arthur war es erst doch lästig gewesen, dass er nicht nur von zwei Knechten, sondern auch vom Heger mit zwei Helfern begleitet wurde. Fitzwilliam erklärte ihm, dass man vier Männer mit Gewehren brauchte, um nach allen Seiten sichern zu können, und einen, um weitere Hilfe zu holen. Ja, das war einzusehen. Die Knechte standen auch nur Wache oder schleppten die Bottiche. Beaufsichtigen und sammeln durfte er alleine.
Der Heger bat Arthur darum, eine Notfallübung einbauen zu dürfen. Einmischung war zwar doof, aber Notfallübungen waren bei den zaghaften Mädchen wohl ganz nützlich. Dann würden sie nicht wieder warten, bis es fast zu spät war, bevor sie auf die Bäume kletterten. Der Heger rief also – meistens, wenn die Bottiche sowieso leer waren – „Notfall!“, und dann mußten die Sammler so schnell wie möglich auf den am besten geeigneten Baum klettern. Den fand Arthur am schnellsten heraus. Die Mädchen merkten das bald und versuchten gar nicht erst, ihn zu übertrumpfen. Sie schnappten sich jeweils zu zweit einen Bottich und schleppten ihn dann dahin, wo Arthur ihn haben wollte. Gigi und Annie hätten die Auswahl auch gekonnt, aber sie ließen ihrem Arthur, der sich so freudig 'kümmerte', den Vortritt.
Arthur bedankte sich nach jeder Übung bei den Mädchen für die wichtige Hilfe, der Heger lobte alle Teilnehmer, dass sie immer besser wurden. Unter der Woche ging er zu den Eltern und besprach mit ihnen, wie sich die Pilzesammler schützen konnten. Für sie waren nicht nur die Wildschweine ein Problem. Auch ein Dachs oder Fuchs konnte aggressiv werden, wenn man seinem Bau zu nahe kam und dem Tier den Rückzug verlegte. Bisher war man einfach davon ausgegangen, dass alle wüssten, worauf zu achten war, aber das Erlebnis vom Vorjahr hatte gezeigt, dass man wohl lieber einmal zu viel als zu wenig erklären sollte. Nicht alle Sammler waren aber unbedarft, und von ihren Redewendungen nahm der Heger so viele wie möglich auf, um sicherzugehen, dass die übrigen verstanden, worum es ging.

*

So ging der Monat dahin. Arthur ärgerte sich, dass ihm kein Feieranlass einfallen wollte. Er war jedenfalls froh, dass es nicht wieder den Anlass des letzten Jahres gab. Ob er Mama noch einmal fragte, ob sie nicht doch mit der Vorsehung verhandeln wollte? Aber das war wahrscheinlich sinnlos, so wie Gigi das erklärt hatte. Na, wenigstens hatten sie ja ihr Familiendankessen im November. Er fragte bei einer Extra-Zeit besorgt, ob es das etwa auch nur einmalig gebe.
Fitzwilliam beruhigte ihn: „Das Familiendankessen ist einmalig, weil nur eine Familie das hat, nämlich wir Darcys, aber nicht, weil es nur einmal gefeiert wird. Das können wir jedes Jahr wieder feiern.“
„Das ist gut, das ist sogar sehr gut. Nun brauche ich nur noch eine Idee für Oktober. Aber ich glaube, ich habe einfach zu spät mit Nachdenken angefangen!“
Er klang verärgert über dieses Versäumnis.
„Tja, dann bleibt uns nichts anderes übrig, als einen feierlosen Oktober zu erleben“, schmunzelte Fitzwilliam.
Wenn er eine zündende Idee hätte, würde er seinem Faun gerne helfen. Aber ihm fiel auch nichts ein.
Arthur erwartete keine Hilfe. Er nahm es hin, dass er für seine Nachlässigkeit bestraft wurde. Wenn er ein guter Kümmerer sein wollte, musste er sich eben angewöhnen, sich rechtzeitig Gedanken zu machen.
Auf dem Weg ins Spielzimmer hatte er plötzlich eine tolle Idee. Er ging also erst einmal in die Bibliothek und bat nach einer halben Stunde um die Fortsetzung der Extra-Zeit. So eine Bitte war zwar eigentlich nicht zulässig, aber Fitzwilliam ahnte, dass es um eine weitere Feier gehen sollte, und machte aus reiner Neugier eine Ausnahme.
„Also, Papa, ich glaube, ich habe eine Idee, 'ne ziemlich gute sogar. Hoffentlich findest Du die auch gut. Mir fiel nämlich ein, dass Sir Gwenoch sagte, sie feiern Erntedank später, viel später als wir. Da habe ich nachgelesen, warum. Wir feiern als Dank für eine gute Ernte, aber die Kelten und Pikten haben gefeiert, damit die Ernte nicht verdirbt. Das ist doch auch wichtig. Was nützt eine gute Ernte, wenn sie wegen Mäusen, Ratten oder schlechtem Wetter oder so nicht bis zur nächsten Ernte hält? Das können wir doch auch machen, oder? Aber,“ fügte er schnell hinzu, bevor eine Ablehnung kam, „wir können natürlich auch feiern, dass am nächsten Tag ein Feiertag ist, so wie Heiligabend und Weihnachten. Im Lexikon steht nämlich, dass Hallowe'en die Kurzform ist für 'Abend vor Allerheiligen'. Also, ich finde ja, einen der beiden Gründe können wir ruhig nehmen, bis ich Onkel von einem Baby bin, das im Oktober Geburtstag hat, nicht wahr?“
„Die Idee klingt gut. Ich werde die mit Mama und George besprechen.“ 'Wieso ist Allerheiligen uns Protestanten immer noch wichtig?* Aber das wird Arthur wohl nicht nachgelesen haben. Darum werde ich mich selber einmal kümmern müssen.'
„Oh, Danke!“
Zwei Küsse auf den Knubbel – und fort waren Arthur und Faun.
Fitzwilliam fragte nicht nur Elizabeth und George, sondern auch Mr. Brennan, ob er besondere Rezepte für diesen besonderen Tag wisse. Die wurden aufgeschrieben und der Köchin gegeben. Er berichtete auch von den Runkelrübenlaternen, die die bösen Geister von der eingelagerten Ernte fernhalten sollten. Die Knechte fanden die Idee interessant und boten an, diese Laternen zu machen und vor den Ställen und Scheunen aufzustellen. Fitzwilliam ließ das nur zu, weil die Rüben anschließend auch noch verfüttert werden konnten – wie die Schnitzabfälle schon vorher.
„Und das schützt die Ernte?“, fragte Arthur zweifelnd.
„Nur, wenn die bösen Geister durch das Scheunentor kommen wollen. Wenn sie durch die Lüftungsklappen fliegen, geht es wahrscheinlich nicht“, schmunzelte George.
„Na, wenn die so dumm sind und die Lüftungsklappen nicht finden, ist es ja ihre Schuld“, meinte Arthur daraufhin achselzuckend.
Ob sie nun dumm waren oder nicht, war ihm ziemlich gleichgültig, solange die Ernte geschützt war. Hungern musste schlimm sein.
Er ging nun zu seinem Festessen im Oktober. Nur darauf war es ihm doch angekommen. Allerdings hatte er ein wenig Mitleid mit den alten Kelten, weil die Speisen damals nicht besonders gut geschmeckt hatten, irgendwie … nicht gut gewürzt.
Fitzwilliam orderte nach einem ersten Probieren, er bestand aber darauf, dass die Kinder auch alle ein paar Löffel probierten, Salz und Kräuter. Die Kräuter wurden in die Suppenterrine gerührt. So sehr authentisch wollte er auch nicht essen.
Elizabeth und Mr. Bennet schlossen sich freiwillig dem Experiment an. Beide erinnerten sich an die faden Mahlzeiten, die sie zeitweise zu sich nehmen mussten, und waren dankbar, dass sie nun im Zeitalter der bezahlbaren Gewürze lebten.



*Vermutlich wollte man in der dunklen Jahreszeit nicht alle aufmunternden Feiertage streichen und behielt Allerheiligen deshalb bei. In Deutschland wurde der 31. Oktober ein Feiertag und zusätzlich noch 'Buß- und Bettag' im Vorgriff auf Allerseelen. Schließlich musste man ja der Konkurrenz Paroli bieten können.
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