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Die Darcys auf Pemberley Teil XXVII

von Bihi
Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Charles Bingley Elizabeth Bennet Fitzwilliam Darcy Jane Bennet OC (Own Character)
12.10.2018
30.11.2018
37
58.425
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23.11.2018 1.360
 
Die Jagdgesellschaften trafen sich am Montag relativ zeitig zum zweiten Frühstück, bevor sie nach kurzer Lagebesprechung zur Jagd gingen. Trotz der sehr ergiebigen Jagd im Vorjahr gab es auch in diesem Jahr wieder eine überreiche 'Ernte'. Die gab es hauptsächlich auf der Nordseite. Das war nur auf den ersten Blick unverständlich. Im Norden von Pemberley war das Gelände teilweise recht urwüchsig. Im flacheren Gelände – rein relativ gesehen – war die Nahrungssuche erheblich einfacher. Die Rotten rückten also nach, sobald ein Revier unterbesiedelt schien, Standortbindung hin oder her. Die Southeys waren sich schnell einig, dass sie wohl vorerst die Strecke nach Dovedale nur noch in Begleitung von Jägern machen sollten. Der Earl of Derby beschloss, seinen Heger darauf anzusetzen, mit einem Suchtrupp die Umgebung des Stammsitzes zu kontrollieren. Nicht auszudenken, wenn die Enkel in Gefahr gerieten – und die anderen Bewohner sollten natürlich auch gesund bleiben.
William war beim ersten Zusammentreffen froh, dass er erst einmal in der zweiten Reihe bleiben sollte. So aus der Nähe waren die Tiere wirklich furchterregend. Und das hatte Arthur bereits zweimal mit kühlem Kopf und ohne Waffe überstanden? In seinem Alter?
Beim abschließenden Festessen fragte er Arthur danach, auch wenn er den Verdacht hatte, dass diese Frage nur schwer oder gar nicht zu beantworten war.
Arthur überlegte: „Hm, an das erste Mal kann ich mich nicht so gut erinnern. Ich hab wohl einfach nur gedacht, dass ich Hilfe brauch, und dann das gemacht, was mir sinnvoll schien. Beim zweiten Mal hatte ich Angst. Nicht um mich, weil ich wusste, dass ich gut im Klettern bin. Ich hatte Angst, dass ich Schuld krieg, wenn den Mädchen was passiert. Und dann waren die so sehr langsam, dass ich wütend wurde. Als sie endlich auf dem Baum waren, hatte ich doch ein wenig Angst, weil ich ihnen den besten Kletterbaum gelassen hatte. Aber ich hatte ja die Steighilfen, die ich nur schnell unter den zweitbesten Baum bringen musste.“
Gigi und Annie bemerkten mit Erleichterung, dass er die Panik inzwischen vergessen hatte, die so deutlich in seiner Stimme mitgeschwungen hatte.
Die Jäger bemerkten, dass er immer noch ziemlich unbedarft an das Problem heranging, aber keiner versuchte, ihn aufzuklären. Sollte jemals wieder eine solche Situation entstehen, durfte er nicht von Ängsten gelähmt werden.
Arthur zog aus den Erinnerungen einen ganz anderen Rückschluss: „Also, letztes Jahr war ja eigentlich ein Riesenglück für mich. Wenn die Rotte nicht gekommen wäre, hätte Papa doch bestimmt nicht gemerkt, wie viele wir haben, und hätte Euch nicht zur Jagd gebeten. Nun sind die Wildschweine so gut bejagt worden, dass ich dieses Jahr ganz unbesorgt wieder Tierfutter im Wald sammeln kann. Aber es wäre dann vielleicht doch besser, wenn nicht nur zwei Knechte mitkommen und die auch Gewehre bekommen dürfen.“
„Ich werde den Heger mit zwei Hilfshegern mitschicken“, versprach Fitzwilliam umgehend.
William bedachte, dass er nun auch immer älter und unbeweglicher wurde – noch nicht viel, aber für ihn ärgerlicherweise bereits spürbar – und deshalb wohl im nächsten Jahr Willi auch mitkommen sollte.
„In Anbetracht dessen, dass wir dann schon zwei sind, auch wenn ich dann immer noch Hilfe brauchen werde, fände ich es gut, wenn Willi im nächsten Jahr seine Lehrstunde bekäme.“
Der Earl of Derby schaltete sich ein: „Ich werde in der nächsten Woche wahrscheinlich den Earl of Stafford sehen. Da werde ich ihm vorschlagen, dass er Euch und Euren Sohn an der diesjährigen Jagd teilnehmen lässt. Er veranstaltet sie immer in der zweiten Hälfte September, soweit ich weiß. Ihr seid nun initiiert und dem jungen Herrn kann es nicht schaden, wenn er seine Lehrstunde außerhalb eines Notfalls bekommt.“
William dankte erleichtert. In der Nähe von Julias Gutshof waren unerklärliche Ernteschäden aufgetreten, wie der Schwager berichtete. Der Wildfraß war zwar beträchtlich, aber fast die gesamte Ernte von zwei Feldern war unbrauchbar geworden. Das sah schon fast nach Vandalismus aus. Welche Tiere es auch immer gewesen waren, da tat schnelles Handeln not, meinte der fassungslose Besitzer. Davon war William überzeugt, da er davon ausging, dass es Wildschweine waren.

*

Als er wieder nach Stanfolk Place kam, lagen Einladungen vom Earl of Stafford vor. Es ging um einen Jagdausflug, an dem sich die Herren Stanfolk beteiligen dürften, sofern sie sich anstellig verhalten könnten. In dem Falle hätten sie sich am 12. September am Stammsitz einzufinden. William und Willi brachten also die Gewehre in Ordnung, vergrößerten den Munitionsvorrat und sprachen dabei über die Woche auf Pemberley. So war Willi wenigstens in der Theorie bereits vorbereitet. Er war gespannt, aber nicht nervös, noch nicht. Er hatte ja auch noch kein gefährliches Tier aus der Nähe gesehen. Hasen und Wildvögel zählten ja nicht so richtig, und anderes war nicht jagdbar.
Als William das hörte, sah er seinen Sohn schief an: „Sag das nirgendwo sonst laut. Hasen sind Niederwild.“
„Ich weiß, hab ich ja auch noch nicht geschossen. Ich war nur dabei, als Opa sein Kontingent schießen durfte. Frag doch mal nach, ob das Kontingent nun auf Dich übergehen kann.“
„Gute Idee. Daran habe ich noch gar nicht gedacht. Ich werde fragen, wenn diese Jagd vorbei ist. Wenn ich mich nicht gar zu unbeholfen anstelle, wird das ein weiterer Pluspunkt für mich sein.“

*

William brauchte weder so lange zu warten, noch zu fragen. Er schlug gleich am Anfang vor, dass sein Sohn und er die Rückendeckung geben wollten, damit sie erst einmal sehen konnten, wie diese Gruppe arbeitete. Zwei andere Neulinge zogen höhnisch die Oberlippe hoch.
Der Earl jedoch sagte: „Gute Idee, die meisten Tiere in diesen Wäldern schleichen sich zwar nicht an die Beute an, jedenfalls nicht an Menschen, aber ein lautes Rasen ist ja nicht weniger gefährlich. Und gerade die wehrhaftesten Tiere sind hier sehr schnell. Woher habt Ihr die Idee?“
„Ich durfte letzte Woche bei der Jagd auf Wildschweine in der Umgebung von Pemberley teilnehmen. Also, wenn auf den Feldern bei meinem Schwager die Vandalen gehaust haben, gehe ich davon aus, dass dort auch Wildschweine waren.“
Der Earl lächelte grimmig: „Genau! Und die werden wir hoffentlich nicht nur sehen, sondern auch treffen und dezimieren. Aber erst einmal müssen wir ihnen Rückzugsräume verschaffen. Ich will sie lediglich dezimieren. Schließlich will ich auch im nächsten Jahr noch jagen. Denkt alle daran, mehr als einen Schuss hat man selten. Trefft also gleich beim ersten Mal gut, aber schont die Leitbache!“

*

Man traf nicht nur auf zwei, drei Hirsche und vier Rehe, sondern auch auf eine Rotte. Die beiden anderen Neulinge schossen hektisch daneben und ließen ihre abgeschossenen Gewehre entsetzt fallen. Willi traute sich auch keinen sicheren Schuss zu und sicherte lieber im Rücken. Aber William mochte nicht nur zusehen. Er schoss auf ein Tier, das ihm auf der Flucht gerade vor Kimme und Korn lief. Er war stolz, dass es auf der Stelle zusammenbrach und sich niemand für den Gnadenstoß in Gefahr bringen musste.

*

Am Ende des ersten Tages schrieb der Earl eine Anweisung: Mr. Stanfolk von Stanfolk Place habe die Erlaubnis, bis zu zehn Hasen je Saison zu schießen und bei akuter Gefahr eine Jagdgesellschaft gegen Wildschweine zusammenzustellen. Eine Liste mit vertrauenswürdigen Jagdgenossen würde er am Ende der Woche erhalten.
Die anderen beiden Neulinge standen nicht auf der Liste. Das hatten sie ihrem Verhalten am ersten Tag zu verdanken. Wer angesichts gefährlicher Tiere sein abgeschossenes Gewehr fallen lasse, statt erneut zu laden, sei nicht vertrauenswürdig. Sie murrten zwar, dass sie sich wenigstens nicht so unsportlich verhalten hätten, auf ein fliehendes Tier zu schießen*, aber der Earl ging darauf gar nicht erst ein.

*

Am Wochenende saßen die beiden Williams erschöpft, aber glücklich, bei Georgiana und erzählten von der aufregenden Woche. Sie war froh, dass auch ihrem Gatten zehn Hasen zugestanden wurden. Mit der eigentlichen Ernte hatte er ja wenig bis nichts zu tun. Da gab ihm die Jagd wenigstens eine Beschäftigung, die auch noch der ganzen Familie diente, indem auf dem Speiseplan nicht nur Wildvögel, sondern auch hin und wieder Hasen standen – selbst geschossene, keine gekauften.



*Jane Austen schrieb einmal von ihren Brüdern, die nach einer erfolglosen Jagd am nächsten Tag wieder losgingen, dass sie doch hoffentlich dieses Mal nicht wieder so sportlich wären, die Jagdbeute den Nachbarn zu überlassen. Charles Musgrove bezeichnete in 'Überredung' die Jagd als Sport, selbst als es darum ging, Ratten in einer Scheune zu töten.
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