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Die Darcys auf Pemberley Teil XXVII

von Bihi
Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Charles Bingley Elizabeth Bennet Fitzwilliam Darcy Jane Bennet OC (Own Character)
12.10.2018
30.11.2018
37
58.425
13
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21.11.2018 1.257
 
Am Tag nach seiner Rückkehr aus Shrewsbury bekam Fitzwilliam einen Brief, der ihn doch sehr verwunderte. Er besprach ihn erst einmal mit Elizabeth. Diese schlug vor, doch Dorothy zu befragen. Also sollte sie ins Arbeitszimmer kommen, wo ihr zu ihrem Erstaunen ein Brief vorgelegt wurde, der nicht an sie adressiert war.

Lord Darcy,
Seit dem Osterball geht mir Eure wundervolle Tochter nicht mehr aus dem Kopf. Ich habe es ernsthaft versucht, da ich es für unverantwortlich halte, ohne gründliche Überlegung einer jungen Dame zuzumuten, ihre Familie und ihr gesamtes Umfeld zu verlassen, um einem völlig wildfremden Herrn in ein Land mit anderen Bräuchen zu folgen.
Wie auch immer, es ist mir nicht gelungen, Baronesse Dorothy zu vergessen oder durch eine andere Dame zu ersetzen. Wenn man bedenkt, wie wunderbar diese Baronesse ist, verwundert mein Scheitern nicht, jedenfalls mich nicht.
Daher folgt nun für mich der nächste Schritt: Ich erbitte Vorschläge, wie ich mich der wundervollen Dame vorstellen kann, ohne sie zu irritieren. Ich hoffe, auf dem Ball habe ich sie wenigstens nicht negativ beeindruckt. Sie gewährte mir zwei Tänze, aber ich kenne ihre Gepflogenheiten nicht, sodass ich daraus nichts abzulesen vermag.
Wer ich bin? Ich bin der Laird von Ardmore – seit nicht ganz zwei Jahren. Das Schloss habe ich gleich vor dem ersten Winter vertäfeln lassen, um die Wärme besser halten zu können, nun ja, zumindest die hauptsächlichen Wohnräume. Auch habe ich mich von den Torffeuerkaminen verabschiedet und Kohleöfen einbauen lassen. Im Salon wird der Kamin zusätzlich befeuert, wegen der einmaligen Stimmung. Einige alte Familien beschuldigen mich wegen der Öfen, die schottischen Traditionen zu missachten. Ja, das tue ich, aber nur in einem eng gesteckten Rahmen: Wenn es der Gesundheit förderlich ist, akzeptiere ich auch Ideen von südlich der Grenze. Ansonsten achte ich alle Bräuche, auch das Erntedankfest zum 31. Oktober und Geschenke zum Tag des Heiligen Nikolaus. Wenn ich in England bin, gehe ich zu den Gottesdiensten der Hochkirche, weil die Liturgie der mir gewohnten noch am meisten ähnelt. Ich werde auch weiterhin an den Highland Games teilnehmen, solange es meine Kräfte zulassen. Ich bin noch nicht alt und gebrechlich, aber 'Tossing the Caber' ist eben nichts mehr für Leute über, sagen wir einmal, dreißig. Als Laird habe ich viele Aufgaben, die in England auch Gutsherren haben. Ich hoffe, Baronesse Dorothy ist bereit, sich solche Kenntnisse anzueignen, sollte ich das große Glück haben, dass sie mich erhört.
Aber ich eile nun mit meinen Wünschen schon weit voraus. Erst einmal muss ich darauf hoffen, dass Baronesse Dorothy bereit ist, mich kennenzulernen. Dann erst kann ich um sie werben und hoffen, dass sie mich erhört.
Ich hoffe sehr, dass Ihr mir Hinweise geben könnt, wie ich ein Kennenlernen bewerkstelligen kann, ohne diese wundervolle Dame zu bedrängen.
etc. etc.
Sir Gwenoch Ardmore


Dorothy hatte den Brief sorgfältig gelesen.
„Also, ich gehe davon aus, dass er der zweite Herr war, der mich zweimal aufforderte. Er war sehr freundlich, amüsant und in gewisser Weise neugierig, aber so, dass ich es eben amüsant finden konnte. Er meinte, mit meinen blauen Augen und schwarzen Haaren könne er nicht genau einordnen, ob ich von knapp südlich der schottischen Grenze oder irgendwo nördlich davon komme. Als ich sagte, aus Derbyshire, stutzte er kurz und sagte dann: 'Aber natürlich, wie dumm von mir, Kelten gab es doch ursprünglich in ganz England, in Wales, in Cornwall und, neben den Pikten, in Schottland.' Ich hatte eigentlich gehofft, dass er mich auch zum Boulanger auffordern würde. Das tat er leider nicht. Wie ich aus diesem Brief jetzt schließen muss, wohl aus Takt. Also, ich hätte nichts dagegen, ihn näher kennenzulernen.“
„Weil er reich ist?“, fragte Elizabeth.
„Hat er denn gesagt, dass er reich ist? Er hat gesagt, wie er sein Schloss anheimelnder gemacht hat. Wie nun, wenn sein ganzer Wohlstand dafür aufgebraucht wurde? Irgendein Einkommen wird er wohl haben, denn er wirkte nicht halbverhungert auf mich. Aber ich will vorerst nicht auswandern, ich will ihn nur unverbindlich besehen dürfen, wenn es geht.“
„Ich könnte ihm einen Hinweis geben, dass wir unser Erntedank immer zu Michaelis feiern. Allerdings sollte er dann im Gasthof in Lambton absteigen, damit wir sicher sind, dass er keine unlauteren Absichten hat.“
„Papa! Dann hätte er nicht so lange gebraucht, bis er Dir geschrieben hat, nicht wahr? Aber Du kennst Dich mit Herren besser aus als ich. Wie wirst Du ihn hier vorstellen?“
„Als jemanden, den wir in London kennengelernt haben und der auf der Fahrt nach Schottland hier kurz Station macht.“
„Das müsste gehen. Wie ist es, hast Du schon geantwortet? Sonst würde ich gerne ein paar Zeilen schreiben – über Deinem Brief. Dann liest Du sie zwar, aber er weiß nicht, was ich von Deiner Antwort kenne.“

Sir Gwenoch Ardmore,
Mein Vater hat mich informiert, dass Ihr ihm geschrieben habt.
Falls Ihr wirklich ein weiteres Zusammentreffen bewerkstelligen wollt, solltet Ihr Euch vielleicht einen mir einsichtigen Grund überlegen, warum Ihr mich nicht zum Boulanger aufgefordert hattet.
etc. etc.
Baronesse Dorothy


„Braucht Ihr mich noch?“
„Nein, Du kannst gerne gehen, wenn Du willst.“
Nachdem sie gegangen war, schrieb Fitzwilliam kopfschüttelnd in geschäftsmäßigerem Ton darunter, dass der Herr am Michaelis-Fest teilnehmen könne und wie die Einladung erklärt werden würde. Es fiel ihm gar nicht ein, Dorothys Zeilen zu unterschlagen. Wenn der Herr sich daran stieß, war er eben nicht geeignet für seinen Kobold.

*

Der Herr stieß sich nicht daran. Er war erfreut, dass diese Baronesse es schaffte, den leichten Plauderton vom Ball auf ein Blatt Papier zu bannen. Er mochte gar nicht daran denken, wie er sich fühlen würde, wenn sie sich dennoch von ihm zurückziehen wollte. Aber das Risiko musste er einfach eingehen, wenn er sie gewinnen wollte. Er hatte das Gefühl, dass sie ihn mehr verachten würde, wenn er sich nicht traute, das Risiko auf sich zu nehmen – in aller Schicklichkeit, natürlich.
Als Entgegenkommen für diese nette Familie – die Erklärung musste doch plausibel sein, und er kannte das Getratsche aus den schottischen Dörfern – wollte er über Cheshire nach Lambton fahren. Damit war für die Nachbarschaft hoffentlich belegt, dass er auf der Rückreise war und nicht gerade von dort kam. Ja, diese Baronesse war diese Extraausgabe allemal wert. Das Einzige, was ihm Unbehagen bereitete, waren die vielen Berichte, die er noch in London eingeholt hatte, über die große Liebe in der Familie. Würde er ihr den Gegenwert bieten können? Er hoffte es so sehr. Nein, er hoffte nicht nur, er ging eilig in die Kirche, um eine Kerze zu entzünden.

*

Dorothy dagegen hoffte sehr, dass Sir Gwenoch von ihren Zeilen nicht abgestoßen wurde. Das hätte ihr gerade noch gefehlt: Der Einzige, außer Edward und Fitzwilliam, mit dem es sich lohnte, zweimal zu tanzen – und sie stieß ihn ab! Der andere Herr, mit dem sie zweimal getanzt hatte, zählte ihrer Meinung nach nicht – nicht so richtig, jedenfalls. Er wollte beide Male Gigi auffordern, kam zu spät und sie stand eben in der Nähe. Sir Gwenoch dagegen war beim zweiten Mal so auf sie zugekommen, dass klar war: Er wollte mit ihr tanzen. Ob so etwas schon bei früheren Bällen vorgekommen war, entzog sich ihrer Kenntnis, da sie immer so umschwärmt war, dass es wirklich schwer war, den Überblick zu behalten. Auf dem letzten Hofball war sie natürlich auch umschwärmt, so war das nicht, aber diesen Sir Gwenoch hatte sie trotzdem gesehen – ohne zu wissen, wer und was er war. Um ihre wirren Gedanken zu ordnen, ging sie eilig in die Kirche, um eine Kerze zu entzünden. Sie wäre lieber auf die Elfenlichtung gegangen, aber die wirkte nur mit Morgentau so richtig gut.
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