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Die Darcys auf Pemberley Teil XXVII

von Bihi
Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Charles Bingley Elizabeth Bennet Fitzwilliam Darcy Jane Bennet OC (Own Character)
12.10.2018
30.11.2018
37
58.425
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16.10.2018 1.575
 
Da eine Vorfeier eine zu große Nähe zu dem 'Familiendankessen' ergeben hätte, wurde Gigis und Fannys Geburtstag einen Tag später gefeiert. Damit wurden nicht unbedingt neue Bräuche eingeführt. Schließlich war es in dieser Familie ja üblich, nur die Geburtstage von Kindern bis zur Schulentlassung zu feiern – und beide Mädchen würden im Februar ihre Abschlusszeugnisse erhalten. Und bei einer Feier von sechzehn war es eindeutig eine Ausnahme.

*

Fanny hatte eigentlich gehofft, dass ihre Eltern so frühzeitig nach London schreiben würden, dass die Antwort – doch sicherlich eine Zusage? bitte! – zu ihrem Geburtstag eingetroffen wäre. Aber sie war nicht vermessen worden, was ja der erste Schritt zu einer Anfrage gewesen wäre, und sie konnte nur mit Mühe ihre Enttäuschung verbergen. Reichte denn die Zeit nun noch bis zum Neujahrsball? Vergrößert wurde die Enttäuschung vor allem dadurch, dass sie nicht mehr in das Kleid vom Frühjahr passte. Die Stoffe, die sie in Lambton gesehen hatte, hielten einfach nicht dem Vergleich mit jenen unvergleichlichen Kleidern stand.
Es ging also am Sonnabend zum Frühstück nach Pemberley – und nun hatte auch Charleen einen Grund, etwas traurig zu sein. Sie hatte diese so ausgedehnten Frühstücke mit den herrlichen Leckerbissen immer sehr geliebt. Und in der Kutsche sprachen die Eltern davon, dass dies nun also das letzte Geburtstagsfrühstück war. Aber sie munterte doch auch schnell wieder auf. Sie hatte ihrer Mutter geholfen, Fanny abzulenken, damit sie nicht die große Schachtel bemerkte, die der Vater auf der Dienerbank verstaute. Sie hatte einen Verdacht, was in dieser Schachtel sein könnte, und freute sich schon auf das überraschte Gesicht ihrer großen Schwester, die noch am Abend zuvor getröstet werden musste, weil sie doch nicht das Traumkleid bekommen würde.
Dem fröhlichen Frühstück war allerdings nicht anzumerken, dass drei der jungen Damen einen Grund zur Traurigkeit hatten. So sah es jedenfalls Charleen. Gigi war nicht traurig. Für sie war der Wegfall der Geburtstage ein Zeichen, dass sie endlich auch erwachsen war.

*

Schließlich waren alle satt und gingen für die Geschenke in den Salon. Auf zwei nebeneinander stehenden Stühlen waren zwei der schönsten Roben der Welt drapiert. Eines rosé mit türkisfarbenen und das andere – im gleichen Schnitt –  blautopaz mit rubinroten Akzenten.
Fanny schlich sich zu ihrem Kleid, als ob sie befürchtete, dass es bei einer hastigen Bewegung verschwinden könnte. Sachte strich sie über den glänzenden Stoff, amerikanischen Baumwollsatin. So schön hatte sie den Stoff gar nicht in Erinnerung. Sie fragte sich nur ganz kurz, wie ihre Mutter denn dieses Wunder bewirkt hatte, aber wirklich nur ganz kurz. Die Freude nahm einen weitaus größeren Anteil ihrer Gedanken ein.
Gigi strahlte inzwischen ihr Kleid an, aus Seidensatin. Wie Rev. Malcolm vor nun elf Jahren entdeckt hatte, würde man den Unterschied nur durch einen Griff bemerken können, und die beiden jungen Damen hatten nicht das geringste Bedürfnis, das Kleid der Cousine einem Grifftest zu unterziehen. Sie waren einfach nur von der Schönheit ihrer Robe überwältigt. Beide drehten sich wie in Trance zu ihren Eltern um und flogen ihnen dann jubelnd an den Hals.
Nach dem ersten Jubel fragte Fitzwilliam: „Fanny, welchen Schmuck wirst Du denn tragen?“
„Ich habe die goldene Kette mit dem 'F' und ich habe Perlenohrringe.“
„Ja, und die silbernen Stecker sind ja hinter den Ohren, da sieht man nicht, dass es eine andere Farbe ist“, erklärte Charleen eifrig, „Das haben wir gestern schon probiert.“
„Tante Elizabeth hatte auch Perlohrringe – ob zum Debüt, weiß ich nicht, aber zur Hochzeit. Aber ich glaube, es ist für eine Dame vielleicht ein schöneres Gefühl, wenn die Rückseite der Ohren zur Vorderseite paßt?“ schmunzelte Fitzwilliam, und Elizabeth überreichte Fanny ein Kästchen mit goldenen Ohrsteckern mit Perlen.
Für die Malcolms war es sicher nicht gut, wenn die Mädchen bereits in diesem Alter offen Goldschmuck 'sammelten'. Schließlich wollte man doch keine Galane abschrecken. Die Perlen waren ein wenig kleiner als die, die Fanny bereits hatte. Die gleiche Ausgabe einmal in Silber und einmal in Gold wäre wohl nicht sehr sinnvoll gewesen.

*

Gigi hörte eine Kutsche in der Auffahrt und nahm ihr Kleid vorsichtig auf die Arme.
„Fanny, bring Dein Kleid lieber auch in Sicherheit. Ich weiß nicht, wie die aussehen, wenn unsere Quirle die erst einmal bewundert haben. Wir holen sie dann wieder, wenn die lieben Kleinen ihre Ruhezeit haben.“
Sie gingen mit aller Vorsicht, aber doch auch eilig, um den kleinen neugierigen Händchen zu entkommen, und Dorothy rief ihnen nach: „Bringt sie in meine Räume, da gehen die Kleinen bestimmt nicht hin!“
Kaum waren die Kleider in Sicherheit, hatten es Silvia, Tom und Schosch zum Eingang des Salons geschafft. Fanny und Gigi bekamen Fächer in türkis und in rubinrot. Beide strahlten. Silvia war sich ja erst nicht sicher, ob sie die Schachteln wirklich aus der Hand geben wollte.
Aber bei dem Anblick der Fächer sagte sie großzügig: „Die könnt Ihr ruhig haben. Mit sowas spiel ich nicht.“
Die so Beschenkten versicherten, dass man mit Fächern nur auf Bällen so richtig toll spielen konnte. Dann aber besannen sie sich auf ihre Gastgeberpflichten und führten die drei jüngsten Gäste ins Spielzimmer.

*

Eine halbe Stunde später kamen George, Susan und Agatha. Er hörte den Trubel im Spielzimmer und bemerkte, dass die beiden Geburtstagskinder nicht im Salon waren.
Er fragte lachend: „Hat jemand den beiden Damen schon verraten, dass sie sechzehn Jahre alt geworden sind? Agatha, komm, wir holen die beiden Damen mal her.“
Mit ihrer Mama hätte sie versucht, den weiten Weg zu laufen. Aber Papas waren doch dazu da, kleine Agathas zu tragen, nicht wahr? Sie stellte sich also vor ihn hin und hob die Ärmchen.
„Fanny, Gigi, wir wollen Euch gratulieren und Euch dazu überreden, für ein Geschenk in den Salon zu kommen.“
Dann setzte er Agatha ab und sagte: „Geh, gratuliere Fanny und Gigi!“
Agatha stiefelte tapsig auf Gigi zu, weil sie näher stand, umarmte sie etwa in Kniehöhe und zeigte dann auf Fanny. Gigi wusste natürlich, was das hieß: Sie drehte Agatha vorsichtig in die richtige Richtung, damit auch die nächste Geburtstagsumarmung stattfinden konnte. Dann gingen alle in den Salon, um erstens auch Susan zu begrüßen und zweitens zuzusehen, was die beiden wohl geschenkt bekommen hatten. Es waren Täschchen mit Perlenstickerei, weiße Perlen mit dem jeweiligen Monogramm in pastellgelb.

*

Schließlich kamen auch die Stanfolks. Sie schenkten den jungen Damen kleine Pomander, in die sie parfümierten Mull einlegen konnten – oder gezupfte Baumwolle, die es auch hin und wieder gab, und je zwei Fläschchen mit Flieder- und mit Rosenöl.
Peter sagte: „Also, wenn es hilft, Gatten zu finden, damit wir mehr Babys zum Kümmern haben, Arthur, finde ich die Geschenke ja ganz gut, aber sonst finde ich Geschenke, wie wir sie immer kriegen, viel interessanter. Wie ist 's, gehen wir wieder spielen, oder sind wir heute nur Herren?“
„Peter, nur Herren geht doch nicht, was sollen denn dann unsere kleinen Gäste von uns denken!“, erwiderte Arthur, nahm Agatha an die Hand und verschwand mit ihr Richtung Spielzimmer.
Peter folgte auf dem Fuße mit Tom. Schosch schloss sich Annie an. Die Zwillinge konnten zwar schon gut laufen, aber wenn Agatha Begleitung hatte, wollten sie sie auch haben.

*

In der Ruhezeit rief Elizabeth ihre Zofe, damit sie den jungen Damen in die Roben helfen konnte. Dann wirkten sie doch sicher viel besser als einfach nur auf ausgebreiteten Armen hereingetragen, nicht wahr? Fanny und Gigi waren begeistert.
Sie kamen gemeinsam wieder in den Salon. Sie strahlten um die Wette.
Susan schlug vor: „Mr. Stanfolk und Edmund sollten jetzt die Damen zum Tanz führen, damit wir sehen, ob die Roben auch dann einen perfekten Sitz haben.“
Jane ging schnell zum Piano und spielte ein paar Takte Musik. Ja, beide Kleider saßen perfekt, und Mary war froh, dass sie nicht Fannys Kleid doch schon etwas enger gemacht hatte.
Fitzwilliam saß da und starrte finster auf das Paar William und Gigi.
Edmund sah das und lachte: „Wenn Du bei Jane auch so finster ausgesehen hattest, bin ich noch nachträglich froh, dass ich das nicht bemerkt hatte!“
Fitzwilliam lächelte etwas gequält.
„Ich glaube, bei Dir hatte ich mich schon an den Gedanken gewöhnt, Du hast sie ja nicht bei ihrem Debüt aufgefordert.“
„Ich sag jetzt lieber nichts. Schließlich sind es ja nur noch lächerliche zwölf Jahre, bis mir diese aufreibende Nacht bevorsteht.“
George und Jane grinsten sich nur verschwörerisch an. Sie wussten, warum ihr Vater bei Edmund nicht so finster schaute: Er war froh, dass dieser half, Jane zu beschützen, war es doch nach dem Zwischenfall mit dem falschen Grafen gewesen.
Mr. Bennet überlegte nur, wie um alles in der Welt die Malcolms ihrer Tochter eine so schöne Robe für das Debüt schenken konnten, während er damals mit einem höheren Einkommen dies nicht für seine Töchter vermocht hatte. Da Mary gewiss nicht über ihre Verhältnisse lebte, blieb nur die beschämende Erkenntnis, dass er sich damals einfach keine Gedanken darüber gemacht hatte.

*

Am nächsten Tag wurde dann wieder Adventsschmuck gearbeitet. Sogar Tom und Schosch konnten mitmachen. Sie übernahmen die Aufgabe, die im letzten Jahr noch zu schwer gewesen war, mit Feuereifer: Sie malten die Sterne bunt an. Sie waren begeistert, dass sie sogar mit vielen Stiften malen durften. Bei der anschließenden Verteilung hatte Silvia eine ihrer guten Ideen.
Sie lief schnell in den Salon und fragte: „Opa, ich habe Sterne gemacht, die winken, und Sterne, die nicht winken. Darf ich die mitnehmen?“
Um sicherzugehen, dass sie es nicht wieder missverstand wie die Auskunft des Kuschelns, sagte Fitzwilliam: „Sicher, Du darfst einen aussuchen, der winkt, und einen, der nicht winkt.“
Sie rannte jubelnd in das Frühstückszimmer zurück.
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