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Die Darcys auf Pemberley Teil XXVII

von Bihi
Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Charles Bingley Elizabeth Bennet Fitzwilliam Darcy Jane Bennet OC (Own Character)
12.10.2018
30.11.2018
37
58.425
13
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Dieses Kapitel
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20.11.2018 1.806
 
Noch bevor Silvias Geburtstag oder der Hochzeitstag gefeiert werden konnte, erhielt Edmund einen Brief von seinem Amtskollegen in Leicester. Er sei gerade zufällig in der Gegend und bitte um eine Unterredung.
Edmund lud ihn zum Abendessen ein, außerdem Mr. Davidson, und informierte Jane per Billett von der Einladung.
Richter Wilcox war nicht überrascht, Mr. Davidson anzutreffen. Er ging davon aus, dass das ein Deckname war, aber die Ansprache war dadurch sehr viel freundlicher.

*

Im Herrenzimmer konnte Wilcox dann sein Anliegen vorbringen: „Herr Kollege, ich wollte zwei Dinge von Euch erbitten. Das Erste ist, dass ich gerne Näheres über den Gutsherrn Fitzwilliam in Leicestershire erfahren möchte. Ich habe mich dezent in seinem Dorf umgehört und stehe nun erst recht zu meiner Entscheidung im Januar. Ich bin jetzt nur noch erstaunt, warum der Gutsherr nicht mit einer Scheidungsklage geantwortet hat, möchte ihn aber nicht unnötig aufregen. Das Zweite ist, dass ich gerne erfahren wollte, wie ich den Ermittler kontaktieren kann, der so gute Arbeit geleistet hat. Mr. Davidson, ich bin mir sicher, dass Ihr hier genügend Aufträge zu bewältigen habt, auch ohne Leicestershire auch noch mit zu bedienen. Aber wenn Ihr Eurer Zentrale einen Hinweis geben könntet, dass ich an einer Zweigstelle interessiert bin?“
„Schreibt Euer Anliegen an No. 1, Scotland Yard, London, Euer Ehren. Wir sind vor kurzem umgezogen. Wenn Ihr genauer beschreibt, wofür Ihr die Ermittler einsetzen wollt, kann man Euch diese Leute handverlesen schicken. Nach einer Bestandsaufnahme wird Euch vielleicht auch nur jemand geschickt, der Eure eigenen Leute anlernt.“
Edmund hatte es da schon ein wenig schwerer.
„Mein Bruder erlitt kurz vor der Hochzeit einen Unfall, der ihm die Fallsucht einbrachte. Seine Braut hielt trotzdem zu ihm, notgedrungen, weil sie unbedingt den sozialen Aufstieg wollte und ich nicht für ihre Pläne zur Verfügung stehen wollte. Sie hatte wahrscheinlich vor, mich zu heiraten und mich dann dahingehend zu manipulieren, dass ich meinen Bruder enterben lasse.
Statt ihn seit ihrer Hochzeit so zu behandeln, dass er das Erbe antreten kann und sie Countess wird, gelang es ihr immer wieder, ihn so zu echauffieren, dass er Anfälle erlitt. Als sie dann den Bogen überspannte, wurde ihr der Witwensitz auf dem Gut eingerichtet. Nach allem, was ich erfahren habe, haben seitdem die Anfälle nachgelassen. Eine Scheidung oder gar eine Annullierung würde den Kindern gesellschaftlich schaden und den Kontakt zur Familie Caldwell erschweren.“
Er stand auf und holte aus einem abgeschlossenen Fach des Schreibtisches zwei Dokumente und ein Heftchen: Die Verfügungen betreffend der Vormundschaft über die Kinder und der Briefe und die Auflistung der Verfehlungen Fannys, meist gefolgt von dem Eintrag 'Grand Mal … Stunden später', seltener wurde auch ein Petit Mal erwähnt. Jedenfalls war für den Richter der zeitliche Zusammenhang deutlich.
„Habt Ihr Euch schon überlegt, dieses Heft den Universitäten zur Verfügung zu stellen? Die Ärzte wären sicherlich froh, solche Unterlagen zu erhalten.“
„Nein, daran habe ich noch nicht gedacht. Ich werde meinen Bruder dazu fragen und dann die Auflistung ohne Namen abschreiben.“
„Hier steht einmal, dass es keinen Grand Mal oder auch Petit Mal gegeben habe, weil Arthur so gut reagiert hatte?“
„Arthur war damals sieben Jahre alt, hatte eine Unverschämtheit Mrs. Fitzwilliams mit ehrlichem Erstaunen kommentiert und sich anschließend zerknirscht entschuldigt, weil er nicht rechtzeitig erkannt habe, dass die Dame nur einen guten Scherz gemacht habe“, grinste Edmund.
Richter Wilcox konnte sich die Situation lebhaft vorstellen. Schließlich hatte er Mrs. Fitzwilliam kennengelernt und fand es erfrischend, dass ein Siebenjähriger ihr Paroli geboten hatte.
„Gut, meine Anliegen wurden nun zu meiner großen Zufriedenheit geregelt. Ich werde notfalls auf Euch zu kommen, wenn ich die eine oder andere Notiz aus diesem Heft benötige.“ 'Dieses Mal reichten mir ja noch die Notizen des Mr. Davidson. Was wohl Mrs. Fitzwilliam sich dabei gedacht hatte, den Gärtner verklagen zu wollen, weil er ihren Blick durch die Pforte mit einem Busch behinderte? Sie scheint nicht viel Verstand zu haben.'
Man begab sich also wieder in den Salon.

*

Zwei Tage später tobte wieder das Leben durch den Stammsitz. Silvia hatte Geburtstag und sie nutzte ihr Recht, der Bestimmer zu sein, gründlichst aus. Dieses Jahr war die Gruppe um eine Person erweitert: Alma durfte mit Erlaubnis des Vaters alleine kommen. In den Jahren zuvor hatte ihre Mutter zur Bedingung gemacht, dass sie selber auch mitführe. Aber das mochte Alma Schwager und Schwägerin nicht antun.
Francis meinte anerkennend, dass Silvia ein Naturtalent sein müsse, da er sie ja nicht hatte anlernen können. Nun ja, das lag vielleicht in der Familie. Wenn man Silvia beobachtete, wäre ein Bremser sowieso angebrachter als ein Anleiter, wie auch bei Agatha.
„Warte nur ab, wie toll sie ihre Geschwister alle anlernen wird, Jane. Wir wären ohne George vielleicht doch nicht auf die herrliche Idee gekommen, Sturmgebrüll zu machen. Wir hätten immer nur Ali Baba gespielt, mit Krach für vierzig, auch wenn wir nur fünfzehn oder so waren. Es gibt immer Sturm, aber nicht jeden Tag Ali Baba.“
Hier fiel Fitzwilliam ein: „Aber doch nur, weil Ali Baba mit nur sechs Kindern nun wirklich nicht geht.“
Die Countess sagte: „Also, ich weiß nicht recht. Zu meiner Zeit wurden die Kinder dazu erzogen, gesittet im Park zu flanieren.“
„Das stimmt, Milady, so wurde ich auch erzogen. Aber könnt Ihr mir erklären, wie Arthur die Kinder vor Wildschweinen schützen kann, wenn er sie gesittet auf einen Baum bittet und sie sittsam sitzen und nicht wagen, den Mund zu öffnen? Ach nein, auf den Baum zu klettern ist ja kein Flanieren. Was also hätte er machen können? Die Wildschweine höflichst bitten, dass sie gesittet in einem anderen Teil des Parks durchs Unterholz flanieren mögen?“
„Ihr habt Recht, Milord, an diese Situation habe ich nicht gedacht, und wer seine Stimme nie geübt hat, wird sich wohl in so einer Gefahr nicht darauf verlassen können; hysterisch kreischen bis zur Heiserkeit: ja, unbedingt; überlegt schreien: eher nein.“
„Übrigens“, schaltete sich jetzt der Earl ein, „habe ich mir überlegt, dass die Jagd tunlichst gleich Anfang September stattfinden sollte. Schließlich wollen wir doch auch die Erntehelfer schützen, nicht wahr?“
„Ich schlage den 5. September vor, dann haben wir eine ganze Woche Zeit, und die Biester haben keine Zeit, sich nach drei Tagen Beschuss neu zu formieren. Ich werde das auch Seiner Durchlaucht schreiben. William, ich gehe davon aus, dass Du auch kommst?“
William nickte, konnte aber nicht antworten, weil der Earl schneller reagierte.
„Guter Zeitplan. Ich habe übrigens Gloucester einladen wollen, aber der hat dankend abgelehnt.“
„Er hat eine Jagd gepachtet und wird wohl dort jagen gehen.“ 'Das hoffe ich jedenfalls für Charles und Emma.'
Jetzt sagte William: „Ich komme gern. Welches Kaliber brauche ich denn? Auf Schrot für die Vogeljagd werden die lieben Tierchen wohl nicht reagieren, es sei denn, sie sterben danach vor Lachen. Ich habe von meinem Vater einige Gewehre geerbt. Wenn kein passendes dabei ist, werde ich mir das noch kaufen.“
„Welches Kaliber für Wildschweine? Keine Ahnung, ich nehme immer alles, was zur Verfügung steht und kein Schrot ist. Also wie zur Hirschjagd, falls Dir das was sagt. Meine Gewehre habe ich so von meinem Vater übernommen, der damit Hirsche, Rehe und Wildschweine erlegte, oder nachbauen lassen. Bring also Dein Gewehr mit, oder besser mehrere. Wir nehmen immer einige Knechte mit, die für uns laden, damit wir in Gefahr keinen Zeitverlust haben oder die Tiere uns mit abgeschossenen Läufen erwischen.“

*

Am 10. August überraschten sich Jane und Edmund gegenseitig: Jane lieh sich das festliche Geschirr und orderte ein Festmahl – nur für die Familie und die Schwiegereltern. Eigentlich hätte sie gerne auch ohne diese gefeiert, aber das konnte man nun mal nicht machen, sagen 'Ich brauche das Festgeschirr, aber ohne Euch.'
Edmund dagegen hatte seiner Jane einen goldenen Haarreif mit Jadesteinen erstanden. Einige der silbernen gefielen ihm noch besser, aber die Brosche war doch auf einem goldenen Unterbau, also musste es ein goldener Haarreif sein.
Ja, sie etablierten ihre Tradition erst zum sechsten Hochzeitstag, aber sie hofften, dass noch so viele weitere kommen würden, dass man mit Fug und Recht von einer Tradition sprechen könnte.

*

Am 19. August traf man sich auf Pemberley, um Francis' Geburtstag zu feiern. Wie schon im letzten Jahr tauchte er immer wieder einmal im Spielzimmer auf, so als ob nur seine Anwesenheit die Lizenz zum Toben war. In Wirklichkeit genoss er den Anblick der tobenden Meute genau so sehr wie sein Vater und sein Onkel.

*

Am 20. August fuhr wieder eine Karawane, eine recht kleine, von Pemberley nach York, um Annas zweiten Geburtstag zu feiern. Mr. Bennet zog für die wenigen Tage nach Lambton.
Sarah war überglücklich, Tobi amüsiert, die Großeltern Crenshaw ein wenig pikiert, weil Anna inzwischen auch das Trubeln gelernt hatte – und wie! Penny war immer wieder gerne zu Besuch bei ihrem Bruder, weil es bei ihm viel mehr Spaß machte als Zuhause. Sicher, sie trubelte nun schon lange nicht mehr, aber sie fühlte sich dort immer ein wenig an Pemberley erinnert.
Anna war begeistert, dass jetzt auch noch Agatha und Arthur mittrubelten. Dass Mama das nicht so gut konnte, hatte sie inzwischen festgestellt, Papa und Oma konnten es noch weniger. Da war Mama doch noch ein wenig besser, aber nicht mit Agatha zu vergleichen. Wäre ihr Wortschatz schon größer gewesen, hätte man dem Geburtstagskind erklären können, dass ihre Mama einmal eine sehr große Trublerin war, die sogar den Begriff selber erfunden hatte.

Nach anderthalb Tagen Gewusel ging es wieder zurück nach Pemberley. Es wurde ja Zeit, dass Francis sich auf die Schule vorbereitete. Er freute sich schon darauf, da er endlich wusste, wie sich seine Zukunft gestalten würde, und er wollte in diesem letzten halben Jahr so viel wie möglich lernen, was ihm im Beruf nützen konnte.

Er hatte gleich zu Anfang der Ferien von seinem Vater zwei Briefe bekommen, einen aus Manchester und einen aus York. Beide Angebote waren verlockend. In Yorkshire ging es hauptsächlich um Brückenbau für die neue Erfindung Eisenbahn, aber in Manchester ging es um die Streckenplanung und den Brückenbau und zusätzlich um die Verbesserung der Maschinen und Waggons. Er hatte sich mit Gigi besprochen. Die hatte zwei Tage lang überlegt, weil es doch um die Zukunft ihres geliebten Francis ging. Schließlich kam sie zu einem Ergebnis.
„Francis, ich glaube, ich wählte lieber Manchester, sollte ich einmal so ein herrliches Angebot bekommen. Das klingt, als ob die Aufgaben vielfältiger sind. Wenn Dir ein Feld nicht zusagt, kannst Du innerhalb der Firma auf ein anderes ausweichen. Oder aber, Du fragst, ob Du erst zu Fronleichnam anfangen und vorher jeweils zwei oder drei Wochen in den beiden Fabriken arbeiten kannst, damit Du weißt, welche Arbeit Du besser leistest. Wenn das nicht geht, nimmst Du eben Manchester.“
Fitzwilliam war von diesem Vorschlag überzeugt und schrieb entsprechende Briefe in Francis' Namen. Die Bitte mit der Einstellung erst zu Fronleichnam unterließ er. Das war sowieso der Einstellungstermin. Die Antworten lagen noch nicht vor, würden aber so schnell wie möglich weitergeleitet.
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