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Die Darcys auf Pemberley Teil XXVII

von Bihi
Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Charles Bingley Elizabeth Bennet Fitzwilliam Darcy Jane Bennet OC (Own Character)
12.10.2018
30.11.2018
37
58.425
13
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18.11.2018 1.540
 
Auch William fiel auf, dass die Geburtstagsgäste leider, wie seine Kinder ja auch, immer älter wurden. Nur konnte er noch nicht auf Ersatztrubel hoffen.
Plötzlich strahlte er seinen Schwager an: „Wir müssen Jane klar machen, dass sie auch für den Mai noch ein Kind braucht – oder auch George, je nachdem, wer schneller bereit ist, mir den Wunsch zu erfüllen. Und dann besuchen wir eben nicht mehr die Neffen und Nichten, sondern die Großneffen und ~nichten zum Geburtstag.“
„Gut, aber ich bin nicht bereit, meine Kinder unter Druck zu setzen. Das musst Du schon machen!“
„Wieso denn? Du hast doch auch einen Vorteil davon.“
„Ich mag mich nicht mit fremden Federn schmücken, und es ist nun einmal Deine Idee!“
Georgiana fiel lachend ein: „Warum muss es denn eigentlich noch ein Kind sein, und dann auch noch im Mai? Wir müssen nur in Zukunft daran denken, na ja, wohl nur noch im nächsten Jahr, Jane und Susan zu unserer Feier einzuladen.“
„Wieso denn nur noch im nächsten Jahr? Peter ist doch erst zehn geworden. Deine Idee ist aber ansonsten gut.“
„Du hast wohl vergessen, dass wir nachgegeben und Peter ein Jahr früher eingeschult haben?“
„Es ist doch aber unfair, dass so ein kurzer Moment der Weichherzigkeit so hart bestraft wird!“
Ähnliches dachte wohl auch Peter, der seinem geliebten Cousin vorschlug: „Ich finde, wir brauchen wieder mehr kleine Kinder, die wir auch zu meinem Geburtstag einladen können. So richtig feiern tun doch nur noch wir beide, das muss geändert werden!“
„Klar, und wenn Du daran gedacht hättest, all die Kleinen einzuladen, wären sie sicher auch gekommen, mit ihren Mamas bestimmt und mit den Papas vielleicht!“
„Das hättest Du mir schon vorher sagen müssen!“
„Du kannst doch aber auch selber dran denken. Ich kann Dir doch nicht Deinen Geburtstag vorschreiben.“
Sie wechselten dann das Thema. Das klang verdächtig nach einem aufkommenden Streit, und das war undenkbar: Die kostbare Zeit durfte nicht mit Streit verschwendet werden. Nur gut, dass sie keine Erinnerung an den weltbesten Feierer an Geburtstagen hatten, der bestimmt für seine geliebten Schützlinge notfalls die Einladungen geschrieben hätte. Dann wäre die Diskussion vielleicht doch noch weiter gegangen.

*

Elizabeth sagte zu dem gesamten Problem gar nichts. Der alte Mr. Stanfolk war sehr hinfällig geworden. Sie fragte, warum es so plötzlich gekommen sei.
„Ist es nicht, nicht wirklich. Er hatte eine schwere Erkältung im Februar, Ende März dann eine Lungenentzündung, und von der hat er sich noch nicht erholt. Unser Doktor kann nicht einmal sagen, ob er sich überhaupt wieder erholen wird. Wir machen ihm das Leben so erträglich wie möglich und warten ab. Mehr können wir leider nicht tun.“
William mochte seine Verwandten nicht mit seinen Sorgen belästigen, aber es machte ihm Mühe, so gleichmütig darüber zu reden.
Was geschah im Ernstfall? Blieb seine Mutter dann im Großen Haus in der Schwiegermutter-Suite? Zog sie in das Haus, das er mit seiner Familie bis 1816 bewohnt hatte? Wählte sie ein anderes Haus? Die erste Möglichkeit war die schlechteste, weil die Kinder zwar älter und ruhiger wurden, aber die innere Distanz sich nicht so leicht wieder abbauen ließ.
Ganz davon abgesehen hing er an seinem Vater.
Elizabeth und Fitzwilliam spürten die unterschwelligen Spannungen und wechselten das Thema.

*

Auf der Rückfahrt konnten sie auch nicht darüber sprechen, weil ja die Kinder bei ihnen mitfuhren und vorerst von dem drohenden Konflikt in der Familie Stanfolk nicht berührt werden sollten.
Aber am Abend ergab sich dann die Gelegenheit. Nur hatten sie da bereits beide einen so großen inneren Abstand gewonnen, dass die Diskussion nur oberflächlich geschah. Sie bemerkten nur beide, dass sie Glück gehabt hatten, sich solche Gedanken nicht mit Mr. Bennet machen zu müssen. Aber er war ja auch als Gast gekommen, den sie zum Bleiben überreden konnten, und nicht aus seinen angestammten Räumen in die Schwiegermutter-Suite 'abgeschoben' worden.

*

Am Montag nach Pfingsten kam ein Brief aus Stanfolk Place: Mr. Stanfolk sen. war in den Abendstunden des bedeutsamen kirchlichen Festes friedlich eingeschlafen. In Wirklichkeit war er an einem ausgedehnten Hustenanfall erstickt, aber so etwas schrieb man schließlich nicht in einer Traueranzeige. Die Beerdigung war für den Mittwoch angesetzt worden.

Arthur und Annie blieben auf Pemberley. Offiziell sollten sie keinen Tag Schule verpassen. Inoffiziell war doch Peter bestimmt untröstlich. Arthur kümmerte sich zwar gerne, aber in diesem Fall wäre er sicher überfordert. Das war doch eine der Gelegenheiten, weswegen er es sich noch einmal überlegen wollte, ob Pfarrer wirklich ein guter Beruf für ihn war.
Peter war verhältnismäßig guter Dinge.
Vorsichtig befragt erklärte er treuherzig: „Der Husten wurde doch immer schlimmer. Jetzt hat er die Quälerei nicht mehr. Jedenfalls hat der Pfarrer mir versprochen, dass es im Himmel keine Erkältungen gibt. Eigentlich peinlich, dass ich so was Dummes gefragt habe. Im Himmel ist doch alles perfekt! Und dazu gehören bestimmt keine Krankheiten.“

*

Georgiana hatte bereits eine Besprechung mit ihrer Schwiegermutter gehabt. Nein, eher umgekehrt. Die Witwe 'fragte an', ob sie nicht im Großen Haus wie bisher leben könnte. Die Gutsherrenfamilie könne sich dann die Räumlichkeiten aussuchen, die ihr gefielen. Diese Regelung behagte Georgiana nicht, aber sie wusste nicht, wie sie darauf antworten sollte. Wenn ihr William starb, wollte sie auch nicht gleich am nächsten Tag hören, dass sie nun ihre Räume freigeben müsse.
Die Schwiegermutter bemerkte das Zögern und wartete ohne jedes Zugeständnis ab. Dann kam William dazu, der gerade die Traueranzeigen alle unterschrieben und auf den Weg gebracht hatte. Ihm trug sie diese Bitte, oder vielmehr den bestimmten Vorschlag, vor.
Er sagte ohne jede Überlegung mit Freundlichkeit, aber auch mit Unnachgiebigkeit: „Frau Mutter, das ist keine bedenkenswerte Regelung. Eine Gutsfamilie gehört nicht in die Gästezimmer des eigenen Hauses. Ihr könnt hier die Schwiegermutter-Suite beziehen oder unser erstes Haus. Das war immerhin groß genug für eine große Familie, sollte also auch für Euch großzügig genug sein. Ihr könnt auch jedes andere Haus wünschen, aber nicht die Gemächer der Gutsherrin hier in diesem Haus. Ihr wart doch dabei, als der Herr Vater noch am Vormittag seines letzten Tages sagte, dass er unser erstes Haus für die bessere Möglichkeit hielte.“
„Nein, er sagte, dass es besser wäre als die Schwiegermutter-Suite, worin ich mit ihm übereinstimme. Nun gut. Ich habe den Vorschlag gemacht, und Ihr könnt ihn Euch ja noch bis nach der Testamentseröffnung überlegen.“
William lag so gar nichts daran, den Vorschlag zu überlegen, ihm lag noch weniger daran, in dieser schwierigen Situation seine Mutter aufzuregen.
Also gab er nach und sagte: „Gut, lassen wir diese Angelegenheit erst einmal ruhen. Gleich nach der Beerdigung ist die Testamentseröffnung, Am Morgen danach werden wir uns sprechen.“
Mrs. Stanfolk sen. ging, unzufrieden, dass sie ihren Wunsch nicht durch Überrumpelung durchgesetzt hatte. Vor einer Tasse Tee sitzend überlegte sie sich dann, dass sie es damals auch nicht gut gefunden hätte, wenn Ihre Schwiegermutter ihren Platz nicht hätte räumen mögen. Ja, vielleicht überwand sie ihren Schmerz des Verlustes besser, wenn sie in neuen Räumen war? Dann käme aber die Schwiegermutter-Suite auch nicht in Frage. Das wären zwar andere Räume, aber dasselbe Gebäude. Nein, das Haus, das sie ihrem Sohn zur Hochzeit geschenkt hatten, war eindeutig die beste Lösung unter diesen Umständen.

*

Nach der Beerdigung war dann die Testamentseröffnung. Mr. Stanfolk bat darin, seiner Witwe das erste Landhaus der jungen Familie zu überlassen, mit allen Möbeln, die sie mitnehmen wollte.
Georgiana war erleichtert und bot noch in Anwesenheit des Notars an: „Ihr könnt auch gerne Euer Geschirr mitnehmen, wenn Ihr das gerne so möchtet. Das hat Euer Gatte sicherlich nur vergessen zu erwähnen.“
Die alte Dame war mit ihrem harten Los ausgesöhnt. Sie bekam ein großzügiges Witwengeld von sechshundert Pfund und ein Haus, das in keiner Weise erst einmal verbessert werden musste. Genaugenommen wollte sie nur die Tapeten in ihren Schlafräumen geändert haben. Und die Wände im Salon sollten wohl auch neu tapeziert werden, damit die feinen Löcher darin sie nicht immer wieder an den Streit um den Weihnachtsschmuck erinnerten, auch wenn sie aus der Zeit vor dem Streit stammten.

*

Am nächsten Tag bat sie um die Möbel aus ihren Privaträumen und neue Tapeten an den Wänden ihrer Schlafräume und des Salons. Ach ja, sie hätte auch gerne die Vitrine aus dem Frühstückszimmer, um dort ihr Geschirr einzustellen.
Georgiana und William waren erleichtert und boten die Schwiegermutter-Suite als vorübergehende Unterkunft an, während die gewünschten Änderungen im neuen Haus ausgeführt wurden. Sie bemerkten, dass die Mutter, wohl in ihrer Trauer, nicht bedacht hatte, auch Möbel für den Salon zu benötigen, und sahen dafür stillschweigend die des kleinen Salons vor.
Nach vierzig Tagen wurde die Totenmesse gelesen und Mrs. Stanfolk sen. war bereit, überzusiedeln. Sie war sehr erfreut, wie nett die Kinder das Haus hergerichtet hatten. Die Tapeten hatte sie zwar ausgesucht, aber die Möbel waren einfach perfekt angeordnet und sie hatte sogar ihre geliebten Möbel im Salon, dessen Möblierung sie vollkommen vergessen hatte. Ja, hier konnte sie leben, ohne sich abgeschoben zu fühlen. Natürlich kamen ihre lieben Nachbarinnen auch hierher zum Morgenbesuch, häufig sogar, bevor sie im Großen Haus gewesen waren. Wenn nicht die Trauer um ihren Gatten gewesen wäre, hätte sie dieses Leben wirklich genießen können. Die Aufgaben der Gutsherrin hatte doch sowieso schon seit Jahren die Schwiegertochter unmerklich übernommen, jedenfalls alle außerhalb des Empfangs der Morgenbesuche. Doch, ja, auf diese Schwiegertochter konnte sie stolz sein.
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