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Die Darcys auf Pemberley Teil XXVII

von Bihi
Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Charles Bingley Elizabeth Bennet Fitzwilliam Darcy Jane Bennet OC (Own Character)
12.10.2018
30.11.2018
37
58.425
13
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16.11.2018 1.623
 
Gigi bekam in den folgenden Tagen sehr viel Post. Die ihr unbekannten Herren wollten wissen, wann sie denn wieder London mit ihrer Schönheit beehren wolle, und für den Fall, dass sie sich auf einem Ball träfen, gleich um einen Tanz bitten. Fitzwilliam gab ihr die Briefe stets ungeöffnet. Sie bestand darauf, sie in seiner Anwesenheit zu öffnen, überflog sie kurz und übergab sie dann ihm zur Beantwortung.
Die Antworten waren meist sehr kurz. Fitzwilliam ließ schreiben, dass seiner Tochter ein Herr dieses Namens nie förmlich vorgestellt wurde und es sich für eine Dame ihrer Stellung nicht schicke, Korrespondenz mit unbekannten Herren zu führen. Auf die eigentlichen Fragen ging er nicht ein. Der Schreiber hatte 'auf Verdacht' ein Dutzend dieser Briefe gefertigt, die Fitzwilliam dann nur noch unterschrieb. Es wurden alle Vorlagen aufgebraucht.
Die Briefe aus Eton und aus Shrewsbury klangen anders. Francis beglückwünschte sie zu einem so fulminanten Debüt. Tom habe ihm davon und von der Berechtigung der schnellen Abreise berichtet. Henry James bedankte sich bei ihr für ihr unvergleichliches Strahlen. Ihm sei zwar klar, dass es nicht ihm gegolten hätte, so sehr er dies auch insgeheim bedauere, aber aufgrund dieses Lächelns hätte seine Frau Mutter am folgenden Tag einen Brief von der Countess of Mannly erhalten des Inhalts, dass die Komtesse nicht mehr an einer Verbindung mit Henry James interessiert sei.

… Es ist erstaunlich, dass meine Meinung überhaupt nicht gefragt war, weder vorher noch jetzt. Die beiden Damen befürchteten wohl – und das zu Recht, dass ich eine solche Verbindung ablehne, und halten es seit Deinem so bezaubernden Lächeln für absolute Gewissheit. …

Gigi antwortete unter anderem

… Ich werde später vielleicht einmal auch Dich so anlächeln. Das liegt aber nicht in meiner Planungsbefugnis. Da müssen wir abwarten, wie die Vorsehung über uns entscheidet. Ich habe jedenfalls seit jenem Ball in der Familie mehrfach gehört, dass ich so bisher nur meinen Vater oder den Bruder angelächelt hatte, der mir etwas Besonderes bedeutete. Erst Charles und später Francis. Ich hatte bis zu diesen Erzählungen nicht einmal bemerkt, dass ich das mache …

Nachdem der Brief auf dem Weg war, kamen Gigi Bedenken, ob sie nicht genau so abscheulich handelte wie jene Komtesse. Der eine Satz klang doch fast schon wie ein Heiratsversprechen, nein, schlimmer noch, wie ein Antrag! Hoffentlich las Henry James nicht Impertinenz heraus, die sie doch gar nicht hatte hineinlegen wollen.

Henry James las den bewussten Satz, empfand ihn tatsächlich als Heiratsversprechen – und absolut nicht impertinent. Er verwahrte den Brief mit besonders großer Sorgfalt. Sicher, der Herr machte den ersten Schritt, aber für Gigi war er immer zu jeder Ausnahme bereit. Seine größte Denkaufgabe war jetzt die Frage, ob sie ihn bei der Verlobung oder bei der Hochzeit so anlächeln würde – mit Glück ja zu beiden Gelegenheiten und später auch öfter noch einmal. Dann jedoch erkannte er, dass sie Recht hatte, wer wusste schon, wie die Vorsehung in den nächsten sechs Jahren oder so für sie plante. Auf alle Fälle sicherte er bereits Beweismittel, dass seine geliebte Gigi keine Goldgräberin war, wie es jene Marie-Claire offenbar war, obwohl dieser Ausdruck selten oder nie auf Adlige angewendet wurde. Allerdings hatte diese Dame doch sehr deutlich gemacht, dass es ihr um den Aufstieg – nur um diesen – ging. Von einer Notarstochter zur Komtesse erhoben war doch bereits ein großer Aufstieg. Warum gab sich ihre Familie nicht damit zufrieden?

Sein Mitschüler erzählte bald darauf lachend, dass seine Schwester diese Komtesse kannte, die noch einen Tag vor dem Debüt Mary Clara hieß und sich nur gegenüber den Gloucesters Marie-Claire nennen ließ, um mit einem vornehmen Namen Eindruck zu machen, jetzt aber diesen Namen offiziell verwendete.
„Wie ist sie denn sonst so?“
„Na ja, sie war mit meiner Schwester im Seminar, meine Schwester ist etwas mehr als ein Jahr älter als ich. Diese Komtesse las während der Stunden zum Benimm ihre Liebesromane. Sie erklärte, wer so adlig aufwuchs wie sie, hätte solchen Unterricht nicht nötig. Sie machte das Theater nur mit, weil ihr Vater sich so gerne volksnah geben wollte.“
„Baronesse Georgiana wuchs ebenfalls adlig auf. Dennoch setzte sie ihren Stolz darein, in damenhaftem Verhalten nur gute Noten zu bekommen.“
„Der Unterschied hat sich dann ja auch sehr eindrucksvoll gezeigt. Ich habe von der anderen Nachbarin meiner entzückenden Tänzerin gehört, was vor dem Tanz vorgefallen war. Degoûtant; sie wollte die Baronesse und ihre Freundin so verunsichern, dass ihnen das Debüt verleidet wurde. Aber die Baronesse soll mit damenhafter Gelassenheit den Angriff pariert haben. Kennst Du eigentlich meine erste Tänzerin?“
„Ich habe sie paarmal gesehen, auf Festen bei den Darcys, aber richtig kennen …? Sie gehört zu den Fitzwilliams in Kent.“

*

Walter und Alice sandten eine Taufeinladung für den 29. April. Natürlich war einzusehen, dass die Schulkinder nicht kommen konnten. Aber Daniel hatte sehr hoffnungsvoll gefragt, ob wenigstens einige der Kinder, die noch nicht zur Schule gingen, kommen würden. Edmund war unabkömmlich, aber George und seine Familie sagten zu. In dieser einen Woche würde der Verwalter sicherlich nicht Pemberley in den Ruin führen – was er ja auch nicht tun würde, ließe man ihm länger Zeit dazu. Zu Dorothys und Gigis Freude sollte die Familie im Darcyschen Stadthaus wohnen. Sie konnte das Souterrain bekommen, während die Mädchen in die Jungenzimmer ziehen wollten. Jane sagte sofort zu, in der Zwischenzeit nach Pemberley zu ziehen, um Opa Bennet Gesellschaft zu leisten. Edmund würde täglich den Weg nach Derby in Kauf nehmen, hatte er versprochen. Genaugenommen war der Vorschlag seine Idee gewesen.
Man machte sich also am 26. April auf den Weg. Man nahm zwei Sechserkutschen, um wirklich genügend Platz für die verschiedensten Konstellationen zu haben. Agatha war von den Möglichkeiten begeistert. Inzwischen hörte man sogar einen Unterschied, wenn sie ermahnt wurde, nicht so laut zu sein, und sie sich bemühte, dem Wunsch nachzukommen.
Nach der Taufe wirbelte sie vergnügt mit Daniel sowie mit Dorothy und Carlotta Garthbrook und Marc durch das Haus. Eigentlich wirbelten nur Daniel und Carlotta. Die anderen drei hielten so gut mit wie es die kurzen Beinchen zuließen.
Hin und wieder lief Daniel zu seinem kleinen Bruder und sagte: „Pass gut auf, damit Du nächstes Jahr auch so viel Spaß machen kannst.“
Leider konnte David aber von der Wiege aus nicht viel sehen, sodass nicht klar war, wie groß der Lerneffekt denn nun wirklich sein konnte.
Alice sagte dazu nur: „Walter, wenn unsere beiden Jungen im nächsten Jahr den Wirbel von sechs Kindern veranstalten können, brauchen wir ein größeres Haus!“
Fitzwilliam erwartete eigentlich, dass Walter sofort zustimmen würde, was er aber nicht tat. Dann erkannte Fitzwilliam aber, dass eine größere Wohnung vielleicht Alice unter ungewollten Druck setzen könnte, und verstand die Schweigsamkeit des liebenden Walter.
Am Tag nach der Taufe machten die Darcy Damen eine Tour de Force durch die Salons der Hoheiten bis auf Emily, die sie ja bei der Taufe gesehen hatten, und erklärten dazu, dass sie am Montag wieder abreisen würden, Gegenbesuche also nicht gemacht werden könnten.
Die Duchess of Gloucester erzählte, dass Komtesse Marie-Claire auf jedem Ball von Bedeutung anzutreffen sei, wo sie sich jedes Mal erfreut zeige, nicht auf Baronesse Georgiana zu treffen, fast so als ob die Gastgeber sich zwischen den beiden Damen entschieden hätten.
„Jede Goldgräberin verhält sich geschickter. Ich – und nicht nur ich – frage mich, welchen Rückschluss ich auf ihren Verstand ziehen darf oder muss.“ 'Und ich bin froh, das noch rechtzeitig erkannt zu haben.'

(Gleiches fragte sich auch der Earl of Mannly, der seiner Tochter bereits vor dem nächsten Ball beruhigend versichert hatte, dass Baronesse Georgiana wohl erst im nächsten Frühjahr wieder nach London kommen würde. Er hatte ursprünglich vorgehabt, durch Fürsprache des Dukes of Gloucester in dessen Arbeitsgruppe zu wechseln, weil es dort die meisten Hoheiten gab. Als er erfuhr, dass auch Lord Darcy in der Gruppe war, nahm er aber von diesem Plan ganz schnell wieder Abstand. Arbeitstreffen auf täglicher Basis wären ihm nach dem Osterball zu peinlich, auch wenn das nur die Zeit im Frühjahr betraf. Nur gut, dass er Seiner Königlichen Hoheit seinen Wunsch noch nicht offenbart hatte, denn ein Rückzieher wäre nicht ohne gravierenden Gesichtsverlust möglich gewesen. Dass der Duke vielleicht gar nicht geneigt gewesen wäre, dem Wunsch stattzugeben, fiel dem Earl nicht auf. Er war also nur im Vergleich zu Gattin und Tochter wesentlich vernünftiger.)

Am Montag fuhren die Nordischen wieder ab und waren dankbar, dass es wirklich eine Taufe zu feiern gegeben hatte. Elizabeth hatte Alice Andeutungen gemacht, dass es Kräutertees gebe, die eine vorübergehende oder dauerhafte Unfruchtbarkeit bewirken. Alice lehnte freundlich ab. Sie müsse eben ihr Schicksal tragen wie zahllose andere Damen auch. Fitzwilliam hatte unabhängig davon Walter ein anderes Mittel erklärt. Der meinte, als Dauerlösung wäre das gegen die Vorsehung. Aber für das nächste Jahr würde er das Mittel gerne anwenden, um seine Alice zu schonen. Grinsend schob er nach, dass er auch damit der Vorsehung ins Handwerk pfusche, aber Alice sei nun einmal nicht nur für ihn, sondern auch für die beiden Jungen äußerst wichtig. Fitzwilliam fragte sich, warum in einem Jahr die Mutter für die Jungen nicht mehr wichtig sei, aber er sagte nichts.

*

Nachdem der Taufbesuch wieder abgefahren war, überraschte Daniel Oma Gardiner mit der freudigen Ankündigung: „Und nächstes Weihnachten sind wir wieder bei Arthur und seinen Freunden, da ist einfach gemütlich viel los, das muss mein David doch auch lernen! Das berede ich noch mit Mama und Papa.“
Sie sah entsetzt auf ihren Sohn.
Der sagte beschwichtigend: „Bis dahin ist noch viel Zeit. Erst einmal wollen wir den Sommer genießen, Daniel. Ich freu mich doch so auf die Zeit mit Dir und David. Es reicht, wenn wir den Ort der Feier im Herbst besprechen.“
„Gut, wir besprechen also im Herbst und sagen dann 'bei Arthur', ne?“
Seine Eltern antworteten nicht darauf, was Daniel als Zustimmung auffasste und Mrs. Gardiner als Hoffnungsschimmer.
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