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Die Darcys auf Pemberley Teil XXVII

von Bihi
Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Charles Bingley Elizabeth Bennet Fitzwilliam Darcy Jane Bennet OC (Own Character)
12.10.2018
30.11.2018
37
58.425
13
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14.11.2018 1.179
 
Am nächsten Morgen warf George erst einmal einen vorsichtigen Blick in die Straße. Nein, keine Jünglinge oder junge Herren, die schmachtend vor der Haustür lauerten. Er konnte Dorothy und Gigi unbesorgt direkt vor das Haus fahren lassen. Sie bedankten sich lachend und liefen schnell hinein.

*

Eine halbe Stunde später kamen sie in Reisekleidung wieder heraus, natürlich auch die Eltern. Sie huschten schnell zu der bereitstehenden Kutsche und fuhren unverzüglich ab.
Kurz darauf kamen die ersten jungen Herren, die einen Blick auf Baronesse Georgiana und ein paar Worte von ihr erhofften, vielleicht sogar einen schüchternen Hinweis auf den nächsten Ball. Alle Debütantinnen waren doch schüchtern, nicht wahr? Dass diese Baronesse am Abend zuvor nicht so gewirkt hatte – bei ihrem ersten Auftritt bei Hofe!, schien keine große Rolle zu spielen.
Wie auch immer, sie trafen nur ihren Bruder Thomas an, der ohne jede Schüchternheit verkündete, dass die Familie abgereist sei. Nach einer ermüdenden Wiederholung dieser Auskunft in den nächsten drei Stunden hatte er alle informiert oder die Nachricht hatte sich herumgesprochen. Jedenfalls wollte dann niemand mehr wissen, auf welchem Ball man diese so bezaubernde Baronesse wieder antreffen könnte.
Tom setzte sich nun in das Arbeitszimmer und schrieb einen vergnügten ausführlichen Brief an Francis. Fitzwilliam hatte ihm mehrere vorbereitete Briefe hingelegt. Dadurch konnte Tom ohne Rücksicht auf das Porto berichten. Den Brief schrieb er dann noch dreimal ab: Jane, George und Opa Bennet sollten ja auch aus der Warte des amüsierten Bruders erfahren, wie bravourös sich die Baronesse geschlagen hatte – ohne Veranlassung zu haben, einen Entschuldigungsbrief an alle Damen Englands zu schreiben, oder in diesem Falle, an alle Herren Englands. Er konnte außerdem berichten, dass zwar alle Herren von Gigi begeistert gewesen waren – aber niemand es ihr übel genommen hatte, den Boulanger mit einem Herrn getanzt zu haben, der bereits einmal das Vergnügen ihrer Hand gehabt hatte. Er wusste auch zu berichten, dass Komtesse Marie-Claire keinen Tanz auszusetzen brauchte und keinen einzigen Tanz mit einem Herrn zweimal getanzt hatte. Er ahnte auch warum: Er hatte zweimal notgedrungen mit ihr in einer Gruppe getanzt, und beide Male hatte sie sich über Prinz Henry James beschwert, der nicht mit ihr tanzte, obwohl ihre und seine Mutter ihm das so ans Herz gelegt und ihr so gut wie fest versprochen hatten. Er ging davon aus, dass die anderen Herren dies ebenfalls nicht für angemessenes Ballgeplauder hielten. Er war stolz auf alle seine Schwestern. Von Jane bis Gigi hatten sich offensichtlich alle immer angemessen verhalten. Annie wäre in zwei Jahren dran, aber er hegte keinen Zweifel, dass sie das Hof-Debüt in exemplarischer Haltung absolvieren würde – bei den Vorbildern.


Gigi und Dorothy kicherten die erste halbe Stunde nur vergnügt vor sich hin.
Fitzwilliam fragte schließlich ungeduldig: „Könnt ihr mal verraten, was so witzig ist?“
„Aber sicher! Wir haben gestern Abend noch überlegt, ob diese ach so hingerissenen Herren nach einer Nacht, selbst wenn sie kurz war, ihre Neugier auf Gigi oder ihre leeren Mägen für wichtiger hielten“, erklärte Dorothy. „Isabella meinte, Gigi müsste durch ein Spalier von Verehrern zum Haus gehen. Gigi erwiderte, dass junge Herren immer so viel äßen, dass ihnen ein ausgiebiges Frühstück sicher wichtiger wäre. Zum Glück lag Gigi richtig. Wir hätten zwar durch den Garten ins Haus kommen können, aber nicht mit der Kutsche so hinaus.“
Dorothy überdachte diese Information noch einmal und fügte hinzu: „Unsere Gigi war ein großer Erfolg, nicht wahr? Papa, da warst Du doch bestimmt mächtig stolz auf sie!“
„Ja, schon, aber ich war auch ein wenig in Sorge, ob die jungen Herren sich auch wie Herren zu benehmen wussten.“
„Aber warum nur? Du und Tom wart da zum Aufpassen, der Earl of Derby hat bestimmt auch aufgepasst, Henry James sicherlich auch, von den Dukes of Canterville und Gloucester einmal ganz abgesehen. Einer von Euch hätte doch notfalls schnell zur Majestät laufen können, um die ungebührlichen Herren zu verpetzen!“
Fitzwilliam lachte auf: „Ja, wenn man das so sieht, hast Du vollkommen Recht. Prinz Henry, ihr Pate, hat sicherlich auch über sie gewacht. Ich habe mich unnötig gesorgt!“
Er beobachtete den Rest des Tages seine Gigi genau. Nein, sie war nicht kokett, sie hatte den Aufruhr unbeabsichtigt erzeugt. Nun, da sie alle auf dem sicheren Heimweg waren, konnte er sogar fast entspannt darüber nachdenken, ob Tom sich sehr mit den Verehrern abplagen musste. Wenn er schlau war, ließ er sich verleugnen und die Herren von der Hauswartin abwimmeln.

Nach dem Mittagessen sagte Gigi: „Weißt Du, Mama, als die arro Gans behauptete, ich hätte den Familienschmuck an mich gerissen, damit ich glänzen kann und Du jetzt schmucklos gehen musst, da hätte ich sie am liebsten angebrüllt. Aber dann sah ich Dich da mit Deinem Saphir Schmuck stehen, hoffte, dass ich Dir wenigstens ein wenig ähnlich in Schönheit bin, dachte daran, dass ich euch Eltern nicht bloßstellen darf, und wies sie einfach nur auf Deinen und Annes Haarschmuck hin. Ich war mir sicher, dass sie mich gemeint hatte, aber Louisa war doch ebenso betroffen. Das hatte mich so beruhigt, dass ich sie sogar anlächeln konnte. Sie war ganz und gar nicht beruhigt. Weil aber sie das Thema aufgebracht hatte, war ich nicht sonderlich besorgt. Und dann fing auch schon das Debüt so richtig an, sodass ich für solche Nebensächlichkeiten sowieso keine Zeit mehr hatte.“
Dorothy fragte gespielt nachdenklich: „Weiß einer von euch, ob Marie-Claire eine Verwandte der Eva ist?“
Da mussten alle so lachen, dass sich wirklich keine Bedenken mehr halten konnten. Sogar Fitzwilliam musste schmunzeln. Gigi hatte sich also in einem Bruchteil einer Sekunde für damenhaftes Verhalten entschieden. Sie hatte ihre beiden glanzvollen Debüts wahrlich verdient.
Der Rest der Heimfahrt verlief in fröhlicher Atmosphäre.

*

Sie kamen kurz nach Schulschluss auf Pemberley an. Zum ersten Mal in seinem Leben war Fitzwilliam der Anlass des jubelnden Empfangs.
Arthur und Annie riefen nur begeistert: „Sie kommen!“ und für Silvia, Tom, Schosch und Agatha war das eindeutig das Signal zur Kreischorgie.
Jane war an dem Vormittag gekommen, weil sie unbedingt so schnell wie möglich alles über Gigis Debüt hören wollte. Sie, Nanny Lydia und George trugen die Zwerge die Freitreppe hinunter, denen es noch nicht alleine zuzutrauen war.
Bruder und Schwester waren sich einig, dass der Vater endlich einmal einen großen Empfang verdient hatte, und wiesen die Kleinen an: „Begrüßt Opa und auch Oma!“
So machten es die kleinen Jubler auch: Erst stapften sie zu Opa, dann zur Oma, dann erst zu Dorothy und Gigi – jedes mal mit neuem Jubel. Sie mussten den Anlass ja zur Gänze ausnutzen, nicht wahr?

*

Bevor es nach dem Willkommenstrunk ans große Erzählen ging, fragte Gigi: „Papa, es ist doch jetzt eigentlich unfair, dass Annie nicht quieken konnte. Darf ich für morgen Abend Fanny und Charleen einladen, damit wir die Quiekerei nachholen können?“
Fitzwilliam gönnte es seinem kleinen Puck, der ihn so bittend ansah, und erlaubte es. Gigi lief jubelnd, eine Einladung an Fanny und Charleen zu schreiben. In der Tür wandte sie sich noch einmal um.
„Dann erzählt jetzt besser ohne mich, damit es mir bis morgen Abend nicht langweilige Gewohnheit geworden ist.“
Mr. Bennet schmunzelte nur: „Wie zweifach debütiert wirkte sie eben aber nicht!“
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