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Die Darcys auf Pemberley Teil XXVII

von Bihi
Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Charles Bingley Elizabeth Bennet Fitzwilliam Darcy Jane Bennet OC (Own Character)
12.10.2018
30.11.2018
37
58.425
13
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13.11.2018 1.186
 
In der Kutsche der Gloucesters hieß es: „Henry James, Ihr hattet frühzeitig zu erkennen gegeben, dass Ihr auf Gigi zugingt. Jedenfalls war es mir ersichtlich. Wieso hat sie Euch dann mit dem überaus reizenden Lachen noch auffordern müssen?“
„Frau Mutter, die Frage hatte ich auch gestellt, aber anders formuliert. Ich fragte, warum sie so lächelte, als ob sie befürchtete, ich wolle sonst nicht mit ihr tanzen. Allerdings fragte ich erst beim Boulanger, um sie nicht zu verunsichern. Sie antwortete, dass sie sich sicher gewesen sei, dass ich bestimmt einen der Tänze mit ihr tanzen wollte. Sie habe aus purer Vorfreude auf diesen Ball gelächelt. Das glaube ich ihr bedingungslos. Sie hatte noch nie nötig, mich zu belügen.“
„Das ist ihr in der Tat ohne Einschränkungen zu glauben, weil sie einen schwachen Abglanz dieses Lächelns bereits beim Defilee zeigte. Seine Majestät waren beeindruckt, vom ersten und vom zweiten Lächeln“, erklärte der Duke of Gloucester.

*

In der Kutsche der Mannlys hieß es: „Wir müssen morgen früh unbedingt den Qui Vive kaufen, Marie-Claire, bevor er vergriffen ist. Die schreiben immer sehr ausführlich, wer auf dem Ball war. Wir müssen nach weiteren Kandidaten Ausschau halten. Ich bin mir nicht sicher, ob es sinnvoll ist zu warten, bis Henry James heiratsfähig ist. Die Konkurrenz könnte heranwachsen.“
„Ich schlage ein anderes Vorgehen vor. Ihr kauft nicht dieses Klatschblatt, sondern einen Adelskalender und ein Buch für Etikette, falls Mary nicht doch noch einfällt, wohin sie das Buch aus ihrer Seminarzeit gelegt hat, damit Ihr nicht wieder so überaus wünschenswerte Verbindungen wie die Gloucesters mit Beleidigungen verprellt. Wenn Ihr erkundet habt, welche Euch genehme Familien heiratsfähige Söhne haben – die Darcys könnt Ihr wohl von der Wunschliste streichen, versucht Ihr herauszufinden, wie die Herren oder ihre Väter aussehen. Zu diesem Vorgehen rate ich Euch, seit ich so unverhofft den Titel übernehmen konnte. Es tröstet mich nicht, dass das Schicksal mir heute Recht gegeben hat“, fuhr der Earl dazwischen.
Er war nicht minder ehrgeizig als seine Gemahlin, und es ärgerte ihn maßlos, dass sie den so wichtigen ersten Versuch ihrer Tochter um die Gunst gesellschaftlich hochwertiger Herren so verpatzt hatte. Eine Baronesse als Flittchen zu bezeichnen – an einem so öffentlichen Ort – galt nicht unbedingt als gelungener Einstand, noch schlimmer war jedoch die Beleidigung der ins Auge gefassten Schwiegereltern ihrer Tochter, die doch bis zu jener Bemerkung einer Verbindung der beiden Häuser nicht abgeneigt waren, jedenfalls die Duchess.
„Außerdem muss die Konkurrenz nicht erst heranwachsen. Sie ist schon da, eine sehr formidable Konkurrenz, wie ich anerkennen muss. Worüber habt Ihr Euch denn kurz vor dem Ball unterhalten, Mary?“
„Milord, meine Frau Mutter und ich haben doch klar und deutlich gesagt, dass ich mit der Vorstellung bei Hofe nicht mehr Mary Clara, sondern Marie-Claire genannt werde. Ich habe übrigens nur das übliche höfliche Geplauder gemacht, um diese kleine Gans einzulullen.“
„Nun, das schien Euch nicht zu gelingen. Ihr habt anschließend sehr unzufrieden ausgesehen, obwohl doch Baronesse Georgiana sogar freundlich lächelnd geantwortet hat. Außerdem blieb sie sehr munter, wie sie bereits kurz darauf bewies. Falls ich Euch nun unrecht tue, möchte ich die Baronesse nicht an einem Abend erleben, an dem sie nicht von Euch eingelullt wird. Und Marie-Claire nenne ich Euch erst, wenn Ihr Euch so vornehm verhalten könnt wie Ihr klingen wollt. Ich habe übrigens von Eurer anderen Nachbarin erfahren, was Ihr gesagt habt. Unsägliches Verhalten, von Euch und von meiner kleinen Informantin. Miss Fitzwilliam sagte nur sittsam, dass ich doch bitte Euch befragen möge, da sie das Tratschen nicht gewohnt sei und es sich nicht angewöhnen wolle. Das nenne ich exemplarisches Verhalten von den beiden Cousinen. Wir werden die Auswirkung Eures Verhaltens auf den Bällen bis Mai beobachten. Sollte diese Gesellschaft sich als nachtragend erweisen, werden wir notfalls ab der nächsten Saison dann nach Paris oder Wien reisen.“
„Milord! Ihr überseht, dass unsere Tochter für andere Herren durchaus eine wünschenswerte Tanzpartnerin war. Sie hat immerhin keinen einzigen Tanz ausgesetzt“, wies ihn seine Gemahlin empört zurecht. „Und die Darcys sind lediglich Barone, also nicht wünschenswert, zumal der Erstgeborene bereits verheiratet sein soll.“

*

Nach dem Ball fuhren die Fitzwilliams und die Darcys zu den Cavendishs, wo sie zu einem kurzen Bericht bei einem Glas Wein eingeladen wurden. Die Mädchen verschwanden sofort zu Isabella, die sie schon aufgeregt erwartete.
Fitzwilliam sagte kurz vor deren Verschwinden: „Dorothy, Gigi, wir werden gegen elf Uhr London verlassen!“
Sie nahmen es fröhlich nickend und winkend zur Kenntnis.
Charles und Emma hörten äußerst amüsiert Georges Bericht zu. So konnte nur jemand berichten, dessen eigene Tochter nicht so sehr im Brennpunkt gestanden hatte.
Anne ergänzte lächelnd: „Wir hatten großes Glück, oder vielmehr Louisa, weil sie unter den vorzüglichsten Herren des Abends wählen konnte, ohne so unter Beobachtung zu stehen wie Gigi.“

Nach dem Bericht meinte Lord Cavendish 'ernsthaft': „Nun verstehe ich auch Eure Eile, Milord. Wenn Ihr zögert, werdet Ihr London gar nicht verlassen können, weil die jungen Herren die Straßen säumen, um die Kutsche aufzuhalten!“
George bot mit gleicher gespielter Ernsthaftigkeit an: „Ich werde unsere Mädchen abholen, Dorothy und Gigi in die Parallelstraße fahren und durch die Gärten huschen lassen!“
Fitzwilliam hätte lügen müssen, hätte er nun gesagt, dass ihn diese Aussichten beruhigten. Er schwieg also mit einem leicht gequälten Lächeln.
Nachdem die Darcys abgefahren waren, sagte Emma: „Charles, Liebling, ich möchte heute bei den Mädchen schlafen. Ich will auch quieken! Außerdem will ich diese Geschichte aus der Warte der Debütantinnen hören.“

Kurz vor der eigenen Haustür meinte Tom nachdenklich: „Papa, eigentlich haben wir doch Glück, dass uns das nicht schon mit Jane oder Dorothy so ergangen war. Ich finde, Dein Einfall, sie erst zu Ostern debütieren zu lassen, war geradezu genial. Wir hätten sonst die letzten sechs Wochen im Belagerungszustand gelebt. Ich bin jedenfalls überzeugt, dass die ersten Herren morgen noch vor der Mittagssuppe auftauchen werden.“
„Warum will ich wohl bereits gegen elf Uhr losfahren? Die Kutsche wird in der Remise beladen und je nach Umständen steigen wir auch dort ein oder lassen sie doch, wie es sich gehört, vor das Haus fahren. Du hast übrigens Recht, wir haben Glück, dass wir noch keine Übung mit solcher Abreise haben. Die hatte ich bei Jane und auch bei Dorothy befürchtet. Nun hat es uns erst bei Gigi erwischt, und ich gehe davon aus, dass Annie uns auch noch Überraschungen bereiten wird.“
Beim letzten Satz fiel ihm wieder ein, dass sie schon etwas für ihren Fächer plante, der in zwei Jahren zum Einsatz kommen sollte. Himmel hilf!
Beim Abendtrunk waren sich aber die stolzen Eltern und der nicht minder stolze Bruder einig, dass dieses Debüt zwar ungewöhnlich, aber der Fliegerin und Ingenieurin ungemein angemessen gewesen war. Im Grunde war es doch sehr gut verlaufen, für sie und für Henry James. Nein, bei Licht betrachtet, war es für Henry James sogar hervorragend gelaufen, weil er sich sicher nicht so früh binden wollte, jedenfalls nicht an Marie-Claire, und Gigis Strahlen ihm Schützenhilfe gegeben hatte. Schließlich hatte Henry James ja darauf bestanden, mit Gigi zu debütieren, und bestimmt nicht aus Gehässigkeit. Und wenn von der anderen Familie etwas geplant war – wer strebte schon eine Verlobungszeit von sechs bis acht Jahren an?
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