Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Die Darcys auf Pemberley Teil XXVII

von Bihi
Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Charles Bingley Elizabeth Bennet Fitzwilliam Darcy Jane Bennet OC (Own Character)
12.10.2018
30.11.2018
37
58.425
13
Alle Kapitel
51 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
11.11.2018 1.179
 
Der Montag wurde also zu einer schönen Geburtsfeier für Annie. Obwohl die Formulierung der Einladung richtig interpretiert worden war, hatte Isabella doch noch ein Geschenk gefertigt, eines von so hohem Wert, dass er sogar ihre Anwesenheit übertraf: Ein selbst verfasster Aufsatz über die einzige ihr bekannte Anne in Shakespeares Werken. In All is True, auch Henry VIII genannt, stellte Shakespeare sie als Königin Elizabeths Mutter sympathischer dar als es viele Historiker taten*. Isabella hatte die indirekten Charakterisierungen aus dem Text erschlossen und endete mit der rhetorischen Frage: Shakespeare hat Charaktere immer so lebenswahr dargestellt, wer dürfte es da wagen, ihm ausgerechnet in Anne einen Irrtum zu unterstellen?
Nicht nur Annie war gerührt. Alle außer Arthur, der den Arbeitsaufwand nicht abzuschätzen vermochte, waren beeindruckt von diesem Geschenk. Arthur freute sich aber für seine Schwester, weil sie Shakespeare so liebte wie er Mozart.

Isabella verriet nicht, dass sie gehofft hatte, ein Sonett über Anne zu finden, gleichgültig von welchem Dichter, aber in der Kürze der Zeit war ihr das nicht gelungen. Sie war sehr erfreut, dass dieses 'Ersatzgeschenk' so viel Anerkennung erfuhr. Ihre Eltern und James hatten bei der Suche nach einer Anne bei Shakespeare geholfen, aber der Aufsatz war ihre alleinige Idee und vor allem Arbeit.
George sinnierte: „Also, bei Annies Vorliebe für Shakespeare, die das Maß eines durchschnittlichen Engländers übertrifft, sollte ihr zukünftiger Gemahl nicht nur eine Bibliothek mit allen Shakespeare Texten haben, sondern selber den Autor lieben. Sonst könnte er Annies Seele nicht gerecht werden.“
Natürlich sagte er das erst, als die Geburtstagsgesellschaft wieder im Souterrain verschwunden war.
„Übrigens wird mein Bruder auch zum Hofball kommen. Er erklärte, er habe schließlich einen doppelten Grund: Er will an Gigi die Aufregung eines Debüts erproben, bevor es mit Annie ernst wird, und er will auf jeden Fall wieder dabei sein, wenn nun seine zweite Nichte ihr Hofball-Debüt hat. Seine Gemahlin lächelte ganz ungekünstelt dazu. Ich bin wirklich erfreut, dass ihr Sinneswandel von Dauer gewesen ist.“
Im Herrenzimmer sprach George dann einen Aspekt an, den weder Fitzwilliam noch seine Söhne bedacht hatten: Da der Anreisetag an den Schulen der Ostermontag war, müsste bei der geplanten knappen Terminierung eine Teilstrecke am Ostersonntag stattfinden, und ob dann der Service dem gewohnten Standard entspräche …
Fitzwilliam schrieb sofort einen Brief an seinen George, dass die Geschwister alle am Sonnabend kämen, und zwar nach Pemberley. Er möge bitte eine Nachricht nach Mansfield schicken und auch Lambton benachrichtigen. Um ihm genügend Zeit zur Reaktion zu geben, wurde der Brief per Kurier geschickt.

*

Francis fand diese Regelung nicht so schön, aber notwendig. Arthur und Annie hatten sich wahrscheinlich gar keine Gedanken gemacht. Die wurden dann einfach am nächsten Morgen beim Frühstück informiert.
Beide fanden es eben so wenig gut wie Francis, aber eine Reise, bei der man keine anständige Mittagsmahlzeit bekam und schief angesehen wurde, weil man nicht in der Kirche, sondern in einer Kutsche saß, war ja auch nicht gerade erstrebenswert.
Nach dem Frühstück kam eine Nachricht von Alice. Daniel sei nun der Meinung, dass David so ziemlich babyhaft aussehe, und er nun unbedingt Arthur und allen, die Interesse hatten, seinen tollen Bruder zeigen müsse.
Natürlich fuhr die gesamte Familie noch am Nachmittag hin, die Kinder aus Neugier und die Eltern, um darauf zu achten, dass die junge Mutter nicht überanstrengt wurde – und ebenfalls aus Neugier. Ja, David war ein wenig kurz, aber er atmete normal und konnte schon recht bestimmt seine Mahlzeiten fordern.
Daniel stürmte dann immer an die Wiege und ermahnte ihn sanft: „David, Du bist ein toller Bruder, und ich freu mich, dass Du da bist. Aber mäßige doch Deine Stimme!“
Diese Ermahnung hörte er häufig von seiner Oma Dutton. Offenbar mochte David seinem Bruder nicht nachgeben. Er schwieg jedenfalls immer erst, wenn Daniel den Raum verlassen hatte.
Alice erwähnte, dass sie die Taufe wohl Ende April oder Anfang Mai feiern werden. Fitzwilliam sicherte die Anwesenheit der Erwachsenen zu, also Dorothy, Gigi, Elizabeth und er selber, sofern nicht das dritte Wochenende im Mai gewählt wurde. Da gäbe es einen Geburtstag in Staffordshire zu feiern, den er ungern übergehen würde, da die Anzahl der altersmäßig passenden Gäste ohnehin viel zu schnell schwand. Alice versprach, das bei der Festsetzung des Termins zu berücksichtigen.

*

Am Freitag wurden die Schulkinder mit einem wohlbestückten Picknickkorb auf den Weg geschickt. Fitzwilliam war zu spät eingefallen, dass eine Reise am Karfreitag wohl auch nicht viel besser war als am Ostersonntag.
Als die Reisenden die Preise für eine Mittagsmahlzeit erfuhren, sagte Arthur erstaunt: „Das ist doch ein Preis wie für ein Hofball-Menü. Wird uns das etwa auch hier geboten? Großartig, dieser Gasthof ist auf alle Fälle weiterzuempfehlen.“
Das meinte er absolut nicht ironisch.
Der Wirt beeilte sich zu versichern: „Natürlich sind wir wegen unseres Service jederzeit zu empfehlen, aber es ist das übliche Menü. Der Aufpreis beruht darauf, dass heute Karfreitag ist. Selbstverständlich ist das Menü von gewohnter Qualität, auch wenn es am Karfreitag schwieriger ist, die Zutaten frisch zu bekommen.“
Annie las das Menü und murmelte: „Der Fisch ist frisch aus eigenem Teich – steht hier – und der Rest ist Trockengemüse, weil es das jetzt gar nicht frisch gibt!“
Francis befand daraufhin: „Wenn das so ist, ist es doch gut, dass wir von Gasthöfen unabhängig speisen können. Wir brauchen also nur auf den Pferdewechsel zu warten.“
Der vollzog sich dann mit einer ungewöhnlichen Geschwindigkeit, weil Francis den Pferdeknechten das Trinkgeld zusätzlich versprach, das er sonst dem Wirt gegeben hätte.
Man speiste auf der Weiterfahrt vorzüglich, allerdings keinen Fisch, sondern kalten Braten. Aber das störte keinen der drei Reisenden.

*

Am Sonnabend schickte Fitzwilliam Billetts an die Cavendishs und an Anne und George: Wo solle denn in diesem Jahr das Quieken stattfinden? Er sei zwar gerne bereit, sein Stadthaus zur Verfügung zu stellen, aber dann müsse noch geklärt werden, wie man Isabella einschließen könne, da sie ja noch nicht debütierte. Daraus ergab sich ein reger Billettwechsel.
Lady Cavendish antwortete umgehend, dass das Quieken doch in ihrem Haus stattfinden könne – mit allen Quiekerinnen, die sonst zu den Darcys kommen würden. Er gab also die Adresse der Fitzwilliams bekannt und informierte dann seine beiden jungen Damen, wo sie am Osterdienstag Quieken würden. Als Charles und Emma davon erfuhren, beschlossen sie spontan, erst am Mittwochvormittag abzufahren.
Gigi war begeistert, nun doch eine Quieker-Gruppe zu haben. Sie würde dann auf der Fahrt nach Pemberley anregen, dass sie die Quieker-Nacht mit Annie aus Rücksicht auf die Schule entweder am Freitag oder am Sonnabend nach der Ankunft stattfinden lassen könnte, mit der Unterstützung von Fanny und Charleen. Dann hätte sie sogar zwei so tolle Nächte.
Natürlich war Louisa nur zu gerne bereit, bei den Cavendishs zu quieken. Das brachte doch nur in der Menge Spaß, nicht wahr?


*Das könnte daran gelegen haben, dass Shakespeare zu Königin Elizabeths Zeit lebte und man seinen Souverän besser nicht verärgern sollte. Während einer Aufführung dieses Stückes – mal heißt es, es wäre die Premiere gewesen, mal heißt es, es wäre die zweite oder dritte Aufführung gewesen – brannte das Globe Theatre am 29. 6. 1613 ab. Damit war dies das letzte Theaterstück Shakespeares, das neu auf die Bühne kam.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast