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Die Darcys auf Pemberley Teil XXVII

von Bihi
Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Charles Bingley Elizabeth Bennet Fitzwilliam Darcy Jane Bennet OC (Own Character)
12.10.2018
30.11.2018
37
58.425
13
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08.11.2018 1.624
 
Daniel war jetzt wie ein weiteres Kind der Familie integriert. Er wurde nicht mehr daraufhin beobachtet, ob er vielleicht Heimweh entwickeln könnte. Er schien sogar von Tag zu Tag vergnügter zu werden. Er erklärte eines Tages auch, warum: Hier hatte er 'schön viele Gastgeschwister, auch wenn ihm Arthur am liebsten war, weil er mit ihm am besten spielen konnte. Aber auch die anderen Geschwister waren toll, weil sie sich so gut um ihn kümmerten, ihm vorlasen oder mit ihm spazieren gingen. Das machte Mama auch, aber von Geschwistern war das irgendwie anders.
Elizabeth dachte bei sich, dass er 'schön viele Geschwister' wohl nie haben würde, aber es war schon viel gewonnen, wenn er wenigstens eines hätte, möglichst ein gesundes.
Francis fragte seinen Vater einmal im Herrenzimmer. Der bestätigte den Verdacht.
„Dies ist nicht der erste Versuch, Daniel ein Geschwisterchen zu geben. Aber es ist der vielversprechendste bisher. Alle anderen waren viel früher abgebrochen worden, so früh, dass das Baby keine Lebenschance hatte.“
„So gering, wie der Altersunterschied zwischen uns Geschwistern ist, hatten wir wohl nie dieses Pech?“
„Nein, dieses Pech hatten wir nie. Einmal hatten wir eine Situation wie sie jetzt Walter und Alice haben. Aber Charles hatte sich dann dazu durchgerungen, doch bis zum akzeptablen Termin zu warten, so, wie es Junior Gardiner hoffentlich auch macht.“

*

Am Sonnabend vor der Karwoche ging es dann zur versprochenen Ausfahrt mit Restaurantbesuch. Fitzwilliam überlegte besorgt, ob Daniel nun traurig würde, weil seine Mama nicht eingeladen wurde.
Aber er strahlte nur: „Und ich bin nicht einmal eingeladen. Ich gehör ganz normal dazu!“
Es wurde ein sehr fröhlicher Tag. Elizabeth fragte sich, wie fröhlich wohl Daniel bliebe, wenn Arthur zur Schule fahren musste. Aber mit der Situation mussten sie dann eben fertig werden. Da es doch sowieso schon fast der normale Termin war, konnte es sich doch nur um wenige Tage handeln, die Daniel entweder alleine im Stadthaus oder bei Emilys Familie verbringen müsste.

*

Sie waren gerade wieder eine halbe Stunde im Haus, als Walter kam. Er war fürchterlich in Eile, sah aber sehr glücklich aus. Daniel lief aus dem Spielzimmer herbei.
„Oh, Papa, rate mal, was wir heute alles gemacht haben!“
Ohne auf das Raten zu warten, stürzte er sich in seinen Bericht. Walter hörte sich den Bericht geduldig an, fragte sogar interessiert nach.
Dann schloss Daniel mit: „Nur schade, dass wir euch nicht einladen konnten!“
„Daniel, diese Einladung hätten wir ausschlagen müssen. Mama ist zwar wieder gesund, aber sie musste Zuhause bleiben, weil ein Brüderchen für Dich geliefert wurde. David Walter Gardiner.“
Daniel stand einige Sekunden wie vom Donner gerührt, dann brach es aus ihm heraus: „Ein Bruder, ein richtiger Bruder, einer nur für mich alleine?“
Bevor eine Antwort gegeben werden konnte, flitzte er los. Er kam aber schnell zurück mit seinem Nachtgewand, in das er sein Spielzeug gewickelt hatte.
„Arthur, das verstehst Du doch, ne? Ich muss jetzt ganz schnell meinen Bruder sehen. Er muss doch wissen, dass ich ihm zeigen werde, wie man toll spielt!“
„Klar versteh ich das. Aber ich finde, Du solltest Deine Sachen ordentlich packen. Ich hole Dir Deinen Korb.“
Natürlich konnte Arthur es verstehen, aber er war auch ein wenig traurig, dass er jetzt wieder der Kleinste war und somit mehr oder weniger alleine spielen musste. Deshalb war er ganz froh, nun einen Grund zu haben, den Salon schnell zu verlassen. Daniel freute sich doch so sehr, da durfte er nicht traurig sein. Das gehörte sich nicht für einen guten Gastgeber.
Walter gab inzwischen die notwendigen Informationen: Alice und David waren gesund, wenn auch ein wenig erschöpft, David ziemlich kurz, aber mit einigermaßen kräftiger Lunge. So sehr laut schrie er nicht, aber das übte er ja auch noch. Mrs. Williamson war jedenfalls zufrieden und meinte, solange er schrie, statt zu quäken, sei doch alles gut. Dann stand Daniel mit gepacktem Korb vor Elizabeth und Fitzwilliam.
„Es war hier wirklich sehr schön, aber jetzt will ich wieder zu meiner gesunden Mama!“
Vor Arthur stellte er den Korb ab, um ihn einmal so richtig fest zu umarmen.
Dorothy, Gigi und Annie legten etwas in seinen Korb.
„Wenn Du Deinen Bruder mit einem Geschenk begrüßt, freut er sich bestimmt – und Deine Mama auch!“
Es waren Wickeltuch, Jäckchen und Höschen aus gelbem Stoff mit grünen Pünktchen.
Daniel sagte: „Vielen Dank! Mama freut sich bestimmt, aber David hätte sicher lieber Spielzeug!“
Walter lachte: „Selbst dafür ist er noch zu klein. Aber er wird in den nächsten Wochen bestimmt wachsen.“
Daniel wollte nun wirklich schnell gehen, aber Fitzwilliam hielt ihn noch einmal auf.
„Daniel, ich kann verstehen, dass Du schnell Deinen Bruder sehen willst. Aber möchtest Du noch für einen Toast bleiben, dass jetzt alle gesund sind?“
Ja, so viel Zeit konnte er noch erübrigen. Ein Toast, dass Mama wieder gesund war und nun doch hoffentlich auch gesund blieb, war sehr wichtig. Er preschte sogar vor, kaum dass jeder sein Glas in der Hand hatte.
„Wir machen einen Toast darauf, dass Mama gesund ist und gesund bleibt und David und Papa auch, und ich auch!“
Fitzwilliam erwiderte ernsthaft: „Auf die Gesundheit der Familie Gardiner!“
Nachdem Daniel das Glas geleert hatte, zog er glücklich mit seinem Vater ab.

*

Als er seinen Bruder endlich begutachten durfte, meinte Daniel kritisch: „Hättet ihr die Lieferung nicht weniger anstrengend machen können? Der sieht doch immer noch angestrengt aus. Na, bei so einem kleinen Kopf hat er vielleicht noch nicht so viel Verstand und merkt darum gar nicht, dass die Anstrengung vorbei ist.“
„Du hast Recht, Daniel, das dauert bei Babys. Aber morgen früh ist dann alles vergessen.“
„Und Du bist wirklich wieder ganz gesund, Mama?“
„Na ja, ein wenig muss ich mich noch schonen, weil ich so lange gelegen habe. Wenn man sie nicht benutzt, werden die Beine schwach. (Daniel sah entsetzt auf seine eigenen Beine.) Keine Angst, Du benutzt Deine Beine den ganzen Tag so gut, dass sie von hier stehen und Baby bewundern nicht schwach werden“, lächelte Alice.
Am nächsten Tag machte sie mit Mrs. Williamson aus, dass sie sich täglich zwei Stunden auf das Sofa setzen durfte, um den großen Bruder nicht noch mehr zu verunsichern.
Diese erlaubten zwei Stunden verteilte sie so geschickt über den Tag, dass Daniel seinem Vater am Abend glücklich berichten konnte: „Mama geht es wieder gut, die ist schon ganz lange aufgestanden!“

*

Beim Sonntagsfrühstück fragte Arthur nachdenklich: „Sag mal, Mama, kannst Du nicht noch ein Baby bestellen, damit wieder mehr bei uns los ist?“
Fitzwilliam verschluckte sich am Tee, und Elizabeth gab sich große Mühe, ernsthaft zu antworten: „Tut mir leid, Arthur, das wird nicht gehen. Das geht nach dem Silberjubiläum nicht mehr.“
„Mama, Papa! Dann hättet ihr die Feier doch verschieben müssen!“
Gigi gluckste: „Das geht nicht. Wenn die fünfundzwanzig Jahre um sind, ist das Silberjubiläum. Da kann man nichts machen. Natürlich kann man auf die Feier verzichten. Aber die Vorsehung weiß, dass man das Jubiläum hatte, und darauf kommt es an.“
„Und wenn ich Pfarrer werde, lerne ich, die Vorsehung auszutricksen?“
Jetzt schaltete sich Francis aus 'leidvoller Erfahrung' ein: „Nein, Arthur, dann lernst Du, nicht zu jammern, wenn die Vorsehung nicht so will, wie Du es gerne hättest!“
Arthur legte sich erst einmal eingelegte und gebratene Tomaten auf sein Brot, bevor er weitersprach: „Ich glaube, dann ist das doch nicht der richtige Beruf für mich. Ich glaube, ich will was tun, so richtig kümmern, nicht Leuten sagen, dass man nichts machen kann, wenn die Vorsehung nicht will!“
„Die Vorsehung zu akzeptieren ist aber die Pflicht eines jeden Christen – und der Pfarrer kann den Leuten dabei helfen, wenn es ihnen schwerfällt.“, erklärte jetzt Fitzwilliam.
Aber er hatte das Gefühl, als ob sein Argument nicht akzeptabel war, jedenfalls nicht seinem jüngsten Sohn. Er konnte es ihm nicht einmal verdenken, hatte er doch selber einige Momente im Leben gehabt, als ihm derartig rebellische Gedanken kamen – und kein Vikar oder Pfarrer oder Bischof hätte die ihm ausreden können. In diesem besonderen Fall war er aber froh, dass die Vorsehung das Sagen hatte, und er diese Frage deshalb nicht mit seinem Jüngsten ausfechten musste. Noch ein Kind kam nun wirklich nicht mehr in Frage. Es war ab einem bestimmten Alter doch eine ganz andere Sache, ob man für eine begrenzte Zeit die Enkel hatte oder ein eigenes Kleinkind, jedenfalls, wenn man die Verantwortung nicht der Nanny zuschieben wollte. Wenn man auf den Kindertrubel auch noch lange nicht verzichten mochte.
Bis zum Ende des Frühstücks hatte Arthur diese Phase aber wieder überwunden. Er war eben ein Faun, der das Leben, wann immer es ging, von der fröhlichen Seite nahm.

*

Am Nachmittag kam ein Billett von Anne und George: Sie wollten Annie am nächsten Tag beim Geburtstag feiern helfen, da ja wohl die meisten der früheren Gäste bereits debütiert hatten. Lewis würde sehr gerne mithelfen, Louisa ebenfalls, obwohl sie debütiert hatte. Der kleine Gardiner hatte bestimmt nicht vor, seine Mama so schnell wieder zu verlassen, und die Cantervilles waren nicht in London. Das würde ohne die beiden jüngsten Fitzwilliams dann doch eine sehr intime Geburtstagsfeier sein, nicht wahr?
Annie freute sich, dass die Verwandten so gut mitdachten. Es hätte ja nicht einmal genützt, wenn ihre Feier verlegt worden wäre. Schließlich waren auf Pemberley ja ebenso wenige Kinder zum Feiern da – eher noch weniger. Dann bat sie Elizabeth, ob sie nicht auch noch Isabella einladen dürfe. Das sei doch jetzt auch eine Verwandte, nicht wahr? Natürlich wurde es ihr erlaubt.
Niemand las ihr Billett, sodass niemand außer Isabella und ihre Eltern erfuhren, dass die Annahme der Einladung ein großes Geschenk sei, wie sie es für einen Geburtstag nicht größer wünschen könne, da sie sonst nur eine kleine Feier hätte. Sie ging ganz richtig davon aus, dass der Tag als Geburtstagsfeier erkannt würde, und wollte verhindern, dass Isabella ablehnte, weil sie kein Geschenk hatte.
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