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Die Darcys auf Pemberley Teil XXVII

von Bihi
Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Charles Bingley Elizabeth Bennet Fitzwilliam Darcy Jane Bennet OC (Own Character)
12.10.2018
30.11.2018
37
58.425
13
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08.11.2018 1.205
 
Fitzwilliam machte den Herren der Familie – Herren jeden Alters, natürlich – den Vorschlag, dass sie eine Bootsfahrt auf der Themse machen könnten, während er mit den Damen zum Kleiderkauf ging. Daniel nickte als erster. Ha, eine Bootsfahrt hatte er noch nie gemacht, das war doch bestimmt ganz toll!
„Aber Du musst auf Tom und Francis hören! Ich will nicht, dass Du ins Wasser fällst. In Kleidung kann man schlecht schwimmen!“
„Milord, ich darf nie ins Wasser fallen, weil ich auch ohne Kleidung nicht schwimmen kann!“, versicherte Daniel ernsthaft.
Die übrigen Herren schmunzelten und dann ging es auf zur Herrenpartie.

*

Die Damen gingen natürlich zu Markwood & Windham. Fitzwilliam hätte nie zugelassen, dass eine seiner Töchter in einer Robe vom Geheimtipp debütierte.
Gigi hatte nur eine Frage zur Farbe: „Paßt Blautopas zu meiner Augenfarbe? Sonst nehme ich vielleicht lieber ein abgestimmtes Blau?“
„Zu Deinen Augen passt sowohl Blautopas als auch Saphir.“
Tante Lydia kam also mit verschiedenen Roben in den beiden gewünschten Farbtönen. Ihr war bewusst, dass das Anprobieren doch die Hauptsache war und es Fitzwilliam nichts ausmachte, einer ausführlichen Anprobe zuzusehen. Also brachte sie erst einmal Roben, die zwar wunderschön, aber bestimmt nicht absolut perfekt waren. Dorothy strahlte, Annie bewunderte, und Gigi sah nur ungläubig in den Spiegel. Fitzwilliam behielt den Gedanken für sich, dass seine Gigi in allen Roben so bezaubernd aussah, dass er einerseits einen für sich schlimmen Hofball zu befürchten hatte und andererseits am liebsten alle Roben für sie gekauft hätte. Schließlich hatte Gigi ihre Wahl getroffen.
Tante Lydia sagte: „Das waren jetzt fast alle Roben in Blautopas. Eine hätte ich noch. Soll ich die auch noch zeigen?“
Dorothy sagte schnell: „Ja, bitte!“
Es hätte ja sein können, dass Gigi bescheiden ablehnte, nicht wahr? Das musste doch verhindert werden!
Als Gigi dann aus der Ankleide kam, waren sich alle einig: Dieses Kleid war einfach perfekt für Baronesse Georgiana. Elizabeth erkannte an der Miene ihrer Schwester, dass sie die Anprobe absichtlich so arrangiert hatte. Ob das jetzt die kleine Gigi ein wenig geduldiger machte beim Kleiderkauf? Sie war eitel genug, nicht irgendein Kleid zu wünschen, aber wenn es so ungefähr ihrem Geschmack entsprach, wie die meisten der vorherigen Roben, und vor allem die Farbe stimmte, war sie häufig schnell zufrieden. Darum war es so wichtig gewesen, sowohl die Modeberaterin Dorothy als auch die Bewunderin Annie mitzunehmen. Nach einem vorsichtigen Blick auf Fitzwilliam erkannte sie, dass er wohl einfach alle sechs Roben gekauft hätte, damit sie sich dann Zuhause in Ruhe entscheiden konnten, und das bestimmt nicht aus Ungeduld.
Jetzt musste nur der Saum noch geheftet werden. Dann wurde Miss Brown informiert, die kam, um das passende Darunter anzumessen. Gigi war es zufrieden, dass sie dieses Kleidungsstück bekam – ein Mieder nur für einen Ball!, ohne besondere Wünsche anzumelden. Die raunte dann Fitzwilliam der Miederschneiderin zu.
„Seid Ihr sicher?“
„Selbstverständlich!“

Nachdem die Debütantin ausgestattet war, suchten sich auch Elizabeth und Dorothy Roben aus. Um aber den Unterschied deutlich zu machen, gingen sie selber zu den Roben und wählten lediglich zwei. Dorothy entschied sich dann nach der Anprobe und Vorführung für eine. Elizabeth ließ an ihren beiden den Saum heften – ohne sie vorzuführen. Sie wusste ja, dass Fitzwilliam ihr auf jeden Fall beide kaufen würde, ob sie nur eine wählte oder nicht.
Annie blieb bei ihrem Vater und strahlte nur vor sich hin.
„Na, Annie, was erfreut Dich denn so?“
„Erstens kann ich so ganz dicht bei Dir sitzen, nur wir beide, und zweitens werde ich in zwei Jahren auch eine Robe für mein Hof-Debüt bekommen. Jedenfalls scheint Ostern meistens so spät zu liegen, dass ich nicht mit einem früheren Debüt bei Hofe rechnen mag. Das ist ja auch schwierig: Nach meinem sechzehnten Geburtstag und noch vor Schuljahresanfang!“
„Ich muss erst einmal dieses Debüt feiern, dann kann ich mich darum kümmern, wann in den nächsten beiden Jahren Ostern ist, und danach machen wir vorläufige Pläne. In Ordnung?“
„Das ist nicht nur in Ordnung, das ist perfekt! – Ich habe sogar schon eine wundervolle Idee für meinen Fächer – oh, wir brauchen noch einen Fächer für Gigi, türkis passt doch jetzt nicht!“
„Stimmt, türkis würde nicht passen, aber das war doch Fannys Fächer. Gigi hat einen rubinroten, und der wird wundervoll zum Schmuck passen.“
„Oh – das habe ich jetzt durcheinander gebracht. So ist sie wirklich perfekt ausgestattet.“
Fitzwilliam zahlte für vier Roben und machte sich mit seinen Damen auf den Weg zurück ins Stadthaus.

*

Dort galt sein erster besorgter Blick der Schale mit den Billetts und Visitenkarten. Nein, nur Visitenkarten, zum Glück! Wenn Walter jetzt schon ein Billett schickte, waren es doch sicher nicht erfreuliche Nachrichten. Die so wichtigen zwei Wochen waren nun vorüber, aber es wäre immer noch eine Sache von Leben und Tod. Nein, je mehr Tage Junior noch durchhielt, desto besser.
Zwei Stunden später kamen die anderen Herren zurück. Arthur berichtete, dass es so lange gedauert habe, weil sie an der Anlegestelle ankamen, als das Boot gerade abgelegt hatte, und sie also auf das nächste warten mussten.
Dann fiel Daniel ihm eifrig ins Wort: „Ja, und damit das Warten nicht so lange dauert, hat Tom uns alle zu einer Schokolade eingeladen. Er sagte, für ein Sorbet ist es noch zu kalt. Aber hinter einer Hecke sitzen, damit der Wind nicht so pustet, und dann eine heiße Schokolade trinken, war ganz ungeheuerlich gemütlich!“
„Ja, und nach der Bootsfahrt haben wir noch mit herabgelassenen Verdeck eine Fahrt durch den Hydepark gemacht. Erst wollte ich ja fragen, ob wir aussteigen könnten, um im Kensington Garden* zu flanieren, aber dann hatte ich gesehen, was da für ein Gedränge war, und fand die Idee doch nicht mehr so gut“, ergänzte dann wieder Arthur.
Er war schon mehrfach im Hydepark gewesen, aber immer mit den Eltern und einmal mit der Dowager Gloucester, nie nur mit den Geschwistern. Daher seine Begeisterung, die er offenbar mit Daniel teilte.

*

Es konnten also alle mit ihrem Sonnabend zufrieden sein. Fitzwilliams krönender Abschluss war die private Modenschau, die sein Elfchen ihm im Schlafgemach bereitete. Ja, diese beiden Roben waren hervorragend. Leider hatte sie noch nicht die passenden Mieder dazu bestellt, aber es war ja noch Zeit, drei Wochen waren es noch. Elizabeth war eben nicht nur liebende Gattin, sondern auch liebende Mutter, und hatte beschlossen, dass sie und Dorothy ihre Mieder erst in den nächsten Tagen bestellten. An diesem Tag war Gigi der Mittelpunkt.

*

Der krönende Abschluss für Gigi kam allerdings erst am Mittwoch darauf, als ihr Mieder geliefert wurde: cremefarbene Webspitze mit Baumwollsatin in Blautopas unterlegt.
Sie bestaunte das Wunderwerk und sagte ganz andächtig: „Mit einer solchen Bekleidung kann man sich doch nicht anders als hoheitlich bewegen. Das wird mir auf dem Debüt eine große Hilfe sein!“
Genau deshalb hatte Fitzwilliam die Idee gehabt. Er konnte auch nach all den Jahren noch nicht zweifelsfrei erkennen, ob und warum ein Ausbruch ihrer Fliegerqualitäten bevorstand. Und das wäre auf einem Debüt bei Hofe irgendwie nicht so angebracht, fand er. Er ging aber ganz richtig davon aus, dass Gigis Ausspruch nicht unbedingt seine Motivation widerspiegelte.



*Kensington Garden und Hydepark sind nur durch einen Wasserlauf, die Serpentine, getrennt. In ersterem durfte man nur zu Fuß gehen. Es gab da zu Jane Austens Zeiten oft so großes Gedränge, dass Fußgänger verletzt wurden, weshalb ich in meinen Geschichten den Hydepark bevorzuge.
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