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Die Darcys auf Pemberley Teil XXVII

von Bihi
Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Charles Bingley Elizabeth Bennet Fitzwilliam Darcy Jane Bennet OC (Own Character)
12.10.2018
30.11.2018
37
58.425
13
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05.11.2018 1.180
 
Daniel war ganz erstaunt, dass Fitzwilliam am Donnerstag nicht ins Parlament ging und stattdessen gegen Mittag ausritt. Das war schon erstaunlich genug. Aber er ging tatsächlich, ohne jemanden mitzunehmen, und nicht einmal Arthur protestierte.
Arthur schien aber unruhig zu sein, er ging immer wieder ans Fenster. Daniel überlegte, dass sein Freund sich schon so lange immer lieb um ihn gekümmert hatte, nun brauchte er wohl eine Pause, so wie Mama das viel öfter brauchte. Er bat also die Mädchen, ihm etwas vorzulesen. Weil immer wieder einmal Morgenbesuch kam, gingen Gigi und Annie mit ihm ins Souterrain. Das war toll, da durfte er junge Damen besuchen und bekam dazu noch vorgelesen! Die beiden Mädchen wechselten sich ab, die jeweils andere nähte für den Armenkorb. Da würden die Sachen nur landen, falls etwas mit der Babylieferung schief ging. Aber das brauchten die Jungen nicht zu wissen. Nach einer Weile kam Arthur dazu. Er setzte sich auf die Fensterbank und sah von dort hinaus. Da konnte er besser die Kutschen erkennen. Nach einer Weile ließ Gigi Schokolade und Kekse für alle kommen. Einfach so! Daniel war begeistert – und Arthur beeilte sich, sich dazuzusetzen, damit Stokes merkte, dass vier Tassen benötigt wurden.
Elizabeth hatte befunden, dass Gigi sich um Gäste zu kümmern hatte, auch wenn sie klein waren, nein, gerade, wenn sie klein waren, darum brauchte sie nicht bei den Morgenbesuchen in den Salon zu gehen. Viele waren es sowieso nicht, weil nur die bürgerlichen Freundinnen kamen, deren Freundschaft die vielen Jahre im Hochadel überdauert hatten.

*

Francis wäre ja am liebsten in zwei überlangen Strecken bereits am vorherigen Abend in London angekommen. Aber er hatte vergessen, das in einem Brief anzukündigen, und er wollte sich nicht um das Vergnügen bringen, den Vater für sich alleine zu haben.
Auf der Fahrt wurde natürlich erst einmal erzählt, dass sie einen kleinen Hausgast hatten. Francis wunderte sich nicht, dass seine Eltern einfach so eingesprungen waren. Er war auch damit einverstanden, dass sie vielleicht ein paar Tage länger bleiben mussten. Nun ja, für ihn war es ja auch ziemlich gleichgültig, da er nach Shrewsbury fuhr. Er versprach, es Arthur richtig zu erklären, wenn der Fall eintreffen sollte.
„Ich bin mir nicht sicher, ob es nicht besser wäre, ihm das einfach zu verschweigen. Wir kommen doch wegen des Hofballes sowieso später nach. Da dürften zwei oder drei Tage nicht auffallen.“
„Stimmt auch wieder, bei dieser verschmusten Klette kann man nie wissen. … Papa, ich habe in Wissenschaft, und zwar im Ingenieurskurs, die beste Note bekommen, das einzige 'Hervorragend' in meinem Jahrgang.“
„Ich bin ja so stolz auf Dich – und Gigi wird es auch sein. Ich werde, sobald wir wieder auf Pemberley sind, an zwei Bekannte schreiben, einen in Yorkshire und einen in Manchester. Beide sind in der Modernisierung des Transportwesen tätig. Vielleicht brauchst Du kein Studium, sondern kannst in einer dieser beiden Firmen anfangen.“
„Oh, Papa, wenn das möglich ist!! Ich würde natürlich auch studieren, wenn das eine Bedingung ist, aber gleich so richtig anzufangen, finde ich viel schöner. Nach all der Lernerei etwas Effektives machen. Ich weiß, dass ich auch da eine Ausbildung machen muss, aber doch eine praktische. Toll!“
Er freute sich nicht so überschwänglich wie damals Charles über das Gut, aber er war ja auch um einige Jahre älter. Fitzwilliam spürte aber, dass die Freude ebenso groß war.
„Ich weiß aber nicht, ob es eine gute Idee ist, das Gigi gleich heute zu erzählen. Sie war reichlich muffig, weil sie mit ihrem guten Zeugnis nicht Ingenieurswesen studieren darf.“
„Hatte sie denn wirklich gedacht, dass Traditionen sich so schnell verändern lassen? Wo doch Herren die Entscheidungen treffen?“
„So, wie sie gemurrt hatte, war das wohl ihre heimliche Erwartung gewesen.“

*

Dann kamen sie im Stadthaus an, und Daniel war begeistert, dass es einen Schuljungen zu begrüßen gab. Man hatte vergessen, ihn darauf hinzuweisen, dass in London dezenter gejubelt wurde. Aber da nur zwei Jubler da waren, fiel das nicht so auf. Etwas war hier anders, und das fiel ihm auf und gefiel außerordentlich: Francis umarmte alle. Erst die Mama, das gehörte sich ja auch so, und dann der Größe nach. Er war, weil er der Kleinste war, natürlich als Letzter dran. Aber er war davon überzeugt, dass er besonders lange umarmt wurde, obwohl er doch gar kein Bruder war. Francis war genau so lieb wie Arthur, befand er daraufhin. Genaugenommen war er genau so lieb wie George, der ja auch immer die kleinen Brüder seiner Schulfreunde besonders herzlich umarmt hatte, wenn sie keine Brüder zum Begrüßen hatten.
Danach ging es natürlich ins Frühstückszimmer für den Toast zum Willkommen.
„Macht ihr das immer so?“
„Das machen wir immer so, wenn die Schuljungen aus dem Internat kommen, ja.“
„Es ist zwar ganz doof, dass Mama so lange krank ist, aber ich freu mich, dass ich auch Francis begrüßen darf.“
Die anderen waren ein wenig erstaunt, aber fuhr fort, ohne auf ihre Gesichter zu achten: „Wir waren im Sutteng und die Damen haben Geschichten vorgelesen und mich mit Schokolade bewirtet – und Arthur hat fast die ganze Zeit für uns am Fenster aufgepasst, wann die Kutsche kommt. Dann hat er gerufen 'Sie sind da!' und hat mich an die Hand genommen, damit ich auch schnell genug mitkommen kann. Einfach richtig toll.“
Keinem Darcy wäre es jemals eingefallen, ein Kind alleine zurückzulassen, aber sie sagten nichts. Es hatte verdächtig so geklungen, als ob Daniel doch anfing, Heimweh zu entwickeln. Nur nicht dran rühren!

Nach dem Abendessen sagte Francis dann noch was ganz Tolles: „Ich bleibe noch eine Weile munter und unterhalte mich mit Mama und Papa. Wenn ich dann ins Bett gehe, will ich aber nicht alleine schlafen. Ich schlage vor, dass ich das Bett mit Arthur teile. Dann sind wir alle zusammen. So gehört sich das doch für einen großen Bruder, nicht wahr?“
Die beiden jüngeren Jungen nickten nur begeistert.
Im Bett fragte Daniel: „Sind große Brüder immer und immer so nett und schlafen mit den kleinen Brüdern?“
„Bei uns ja. Mit den Schwestern zu schlafen, wäre es ja nicht schicklich, aber Jungen zusammen geht. Darum war ich sehr froh, dass Du uns besuchst, weil ich doch sonst bis heute alleine geschlafen hätte.“
„Also, wenn Mama wieder gesund ist, sag ich ihr, dass ich gerne ein Brüderchen hätte. Ein großer Bruder geht natürlich auch, kein Problem, aber nicht so groß, dass er schon ins Internat geht. Ich will am Tag auch jemanden zum Spielen haben.“
„Wenn das mit dem Bruder klappt, wird es ein so kleiner sein, dass er zuerst nur so rumliegt, weil er nicht spielen kann, so wie Agatha und Anna als Du zu Weihnachten bei uns warst. Jetzt ist Agatha nur ein Jahr älter und man konnte schon toll mit ihr trubeln.“
„Anna konnte das nicht?“
„Das weiß ich nicht. Sie konnte nicht kommen, weil bei ihr Zuhause zu viel Schnee lag. Da kam der Schlitten nicht durch.“
Sie unterhielten sich noch ein wenig, aber als Francis eine Stunde später kam, schliefen beide tief und fest. Das war Francis gleichgültig. Er hatte wieder einen kleinen Bruder zum Im-Arm-Halten. Das war alles, was zählte.
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