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Die Darcys auf Pemberley Teil XXVII

von Bihi
Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Charles Bingley Elizabeth Bennet Fitzwilliam Darcy Jane Bennet OC (Own Character)
12.10.2018
30.11.2018
37
58.425
13
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04.11.2018 1.884
 
Daniel war begeistert, als er nicht nur in einem richtigen Bett mit Dach und Vorhang geschlafen hatte – ohne herauszufallen!, sondern auch noch zum Frühstück eingeladen wurde. Nicht ein 'Frühstück ist fertig!', sondern ein 'Möchtest Du jetzt mit uns frühstücken?', wie bei einem richtigen Gast. Er war also kein kleines Kind mehr!
Er musste natürlich auch Porridge essen, darauf bestand Milady, aber sie gab ihm nur wenig.
„Wenn Du das aufgegessen hast und dann noch mehr möchtest, kannst Du auch noch mehr bekommen. Du darfst dann aber auch von den anderen Sachen hier essen.“
Also aß er erst einmal den Porridge, und dann durfte er Rührei, gebackene Bohnen auf einer halben Scheibe Röstbrot und zum Abschluss Honig auf einer halben Scheibe Röstbrot essen. Dann war er leider schon satt, obwohl da noch so viel auf dem Tisch war, das er auch gerne gegessen hätte. Er ächzte ordentlich, als er aufstand und mit Arthur und Annie ins Spielzimmer ging. Sein Bauch war ungeheuer schwer geworden.
Fitzwilliam wollte sich gerade auf den Weg ins Parlament machen, als ein Billett von Walter kam.

Liebe Elizabeth, lieber Darcy,
Ich werde heute erst ins Kontor gehen können, wenn ich eine Nurse für Alice eingestellt habe. Wenn Daniel Heimweh hat, werde ich ihn sofort abholen, noch bevor ich das mit der Nurse geregelt habe. Ansonsten wäre es wohl für Alice und für Daniel besser, wenn er noch bei Euch bleiben dürfte. Sie sorgt sich dann nicht um ihn, und er bekommt nichts von den Sorgen hier mit. Diese Entscheidung liegt jetzt bei Euch.
Walter Gardiner


Fitzwilliam überflog den Text, gab Elizabeth das Billett und ging ins Arbeitszimmer. Dort schrieb er die Antwort:

Lieber Walter, liebe Alice,
macht Euch keine Sorgen um Daniel. Der ist hier sehr vergnügt. Er durfte in einem großen Bett schlafen und ein reichhaltiges Frühstück aussuchen. Das scheint für ihn die Vorstellung von Glück zu sein.
Es ist unabdingbar, dass jetzt gut für Alice gesorgt wird. Daniel kann hier bleiben, solange Ihr es für notwendig haltet. Das haben wir doch gestern Abend bereits zugesichert.
Sagt aber bitte Euren Eltern Bescheid, damit wir keinen Ärger bekommen.
Wir beten für einen guten Ausgang,
Fitzwilliam Darcy und Elizabeth


Elizabeth rief die beiden Großen in den Salon.
„Alice geht es nicht gut. Sie muss das Bett hüten, und eine Nurse ist da, um für sie zu sorgen. Daniel wird hierbleiben, bis seine Eltern ihn abholen oder bis er Heimweh bekommt. Habt Ihr Vorschläge?“
Dorothy sagte prompt: „Wir lassen ihn erst einmal im Spielzimmer, bis es entweder ihm oder Arthur zu langweilig wird. Dann können wir ihn auf einen Spaziergang in den Hydepark mitnehmen, oder auch zum Entenfüttern im St. James' Park. Vielleicht gibt es ja auch etwas, das er gerne machen oder sehen möchte.“
Gigi hatte noch einen anderen Gedanken.
„Wir haben doch wieder Einladungen für das Kaffeekränzchen übermorgen bekommen. Da müssen wir anfragen, ob wir ihn mitbringen dürfen. Dorothy und ich haben ja auch eine Einladung bekommen, aber ich finde, wir können Arthur und Annie nicht einfach zu Hause lassen. Das haben wir ja noch nie gemacht.“
„Ja, und selbst, wenn wir ihn für die Zeit zu den Gardiners bringen: Sie werden ihn wohl nicht gerne wieder hergeben, dabei ist es bei uns für ihn doch viel schöner, weil er Arthur und Annie zum Spielen hat“, ergänzte jetzt Dorothy.

Walter und Edward hatten gute Vorarbeit geleistet. Die Gardiners kamen zwar zu Besuch mit Kleidung für die folgenden Tage – sogar seinem Sonntagsanzug, aber sie störten Daniel nicht im Spiel. Er kam ganz willig zur Begrüßung und zur Verabschiedung, verschwand dann aber blitzschnell, um sofort weiterzuspielen. Das war weder seinen Großeltern noch Tante Harriet wirklich recht, aber sie sagten nichts. Sie waren froh, dass er offenbar noch kein Heimweh hatte.
Als er wieder verschwunden war, sagte Mr. Gardiner: „Falls er Heimweh bekommen sollte, informiert erst uns. Wir werden dann mit Walter besprechen, ob der Kleine vorerst zu uns kommt oder gleich nach Hause gehen soll.“
Elizabeth sagte zu. Was blieb ihr auch anderes übrig? Mrs. Gardiner hatte sich zwar all die Wochen stundenweise um ihren Enkel gekümmert, aber so richtig in Gesellschaft spielen konnte er doch nur hier. Andererseits war bei Heimweh eine Rückkehr zur Mama wichtig, nicht zu den Großeltern. Das hatte man ja an George damals gesehen.
Als sie wieder unter sich waren, meinte Gigi vorsichtig: „Glauben sie wirklich, dass es einem kleinen Kind mit Heimweh hilft, wenn es nicht nach Hause darf, sondern woanders hingehen soll?“
„Ich weiß es nicht. Sie lieben eben ihren Enkel und wollen auch helfen. Ich hoffe, dass er wieder nach Hause darf, bevor er Heimweh bekommt. Andererseits hilft es ihm vielleicht wirklich, vorerst bei den Großeltern zu bleiben.“
„Mama! Dann hätte Walter ihn doch gleich zu seinen Eltern gebracht, nicht wahr?“
Annie kam ganz schnell aus dem Spielzimmer: „Mama, mir ist gerade etwas eingefallen: Wenn Daniel wirklich Heimweh bekommen sollte, bevor Alice wieder gesund ist, können wir vielleicht Emily bitten, wieder nach London zu kommen? Ich weiß zwar nicht, was Onkel und Tante Gardiner oder auch Harriet davon halten, aber die können doch gar nicht so richtig gut mit ihm spielen. Emily hat doch zwei oder drei Kinder, die im Alter so ungefähr passen. Das wäre sicherlich lustiger für Daniel. Wenn wir ihn nach Hampton Court bringen, ist er bestimmt noch trauriger, weil er dann noch weiter weg von seiner Mama ist.“
„Annie, Du hast Recht, wenn wir wissen, wie wir das den Großeltern klar machen können, wäre das bestimmt eine gute Lösung.“

*

Vorerst fühlte sich der kleine Gast wohl. Er war auch sehr zufrieden, dass er noch mehrfach so toll frühstücken konnte. Es klappte nie, alles zu probieren, weil er immer wieder mit Rührei anfing, und dann einfach nicht mehr genug Hunger übrig war, wie er es nannte, um viele andere Dinge zu probieren. Aber nach Porridge und Rührei variierte er doch.
Er war sehr erstaunt, als er am Freitag wirklich mit den anderen zu den adligen Freundinnen seiner Tante gehen durfte, und sehr besorgt, dass seine Eltern das bitte nicht erfuhren, weil er nicht sicher war, ob sie das erlaubten.
„Wir haben ihnen das geschrieben, und sie sind einverstanden. Darum haben sie doch extra Deine Sonntagskleidung geschickt.“
„Ja – aber ich kann doch gar nicht mit Damen plaudern!“, war der entsetzte Einwand, der den wahren Grund für seine Abwehr zeigte.
„Das brauchst Du auch nicht. Am Anfang kommst Du mit in den Salon, um die Damen mit einer tiefen Verbeugung zu begrüßen, dann gehst Du in ein extra eingerichtetes Spielzimmer, und zum Schluss kommst Du noch einmal in den Salon, um Dich mit einer tiefen Verbeugung zu verabschieden.“
„Ach so! Ja, das geht. Das kann ich so machen. Aber mir wäre es lieb, wenn Arthur die Verbeugung zuerst macht, damit ich sehe, wie tief ich sie machen soll. Und die haben da ein extra eingerichtetes Spielzimmer für uns Kinder? Kommen noch andere, vielleicht welche, die ich kenne?“
„Ich vermute, es sind einige Kinder da, die Du von den Weihnachtsfesten kennst.“

*

Die Begrüßung lief gut, und Daniel war entzückt, Bekannte im Spielzimmer anzutreffen. Leider waren seine Cousins und Cousinen verreist, aber das ließ sich nicht ändern.
Prinzessin Mary fiel etwas auf: „Sag mal, Arthur, wieso bist Du nicht in der Schule?“
„Papa muss doch immer im Frühjahr im Parlament arbeiten. Damit wir alle ihn begleiten können, machen wir zwei Wochen früher Ferien und dafür im Sommer zwei Wochen länger Schule. Im Frühjahr finde ich es gut, im Sommer nicht wirklich, aber das lässt sich nicht ändern. Wenn ich später auf die Secondary School gehe, geht das nicht mehr. Aber diese Schule hat Papa gemacht, und dann darf er auch die Ferien bestimmen. In der Secondary School muss ich entweder abgeholt werden oder ganz alleine nach London fahren. Francis ist schon groß. Der fährt alleine, aber er sagt, alleine ist das langweilig.“
Daniel fragte jetzt interessiert nach: „Geh ich nächstes Jahr auf Deine Schule?“
„Das glaube ich nicht. Die ist doch in Derbyshire, in der Nähe von Pemberley. Da hast Du einen so weiten Schulweg wie zur Taufe oder wie einmal zu Weihnachten.“
„Och nee, dann lieber andere Ferien!“

*

Zurück im Stadthaus verschwand Daniel wie selbstverständlich wieder im Spielzimmer.
Fitzwilliam nutzte die Gelegenheit, um zu erklären: „Canterville hat seine Familie alleine nach Hampton Court geschickt. Er reist erst morgen früh nach, weil er noch für eine wichtige Besprechung im Parlament benötigt wurde. Ich habe ihm erklärt, wie es Alice geht. Ich fand, das war ich ihm oder Emily oder beiden einfach schuldig. Er war inzwischen bei Walter im Kontor und hat ihm das Versprechen abgenommen, sofort Bescheid zu sagen, wenn Daniel nicht mehr bei uns bleiben kann oder will. Dann kommt Familie Canterville nach London zurück und nimmt den Jungen zu sich. Die Cousins und Cousinen kennen sich ja gut, da dürfte das Heimweh noch einmal für ein paar Tage ausgetrickst werden. Wir hoffen natürlich alle, dass es Alice bald wieder besser geht, aber wir müssen uns ja auch auf die ungünstigen Situationen einrichten.“
„Wie lange müssen wir denn noch hoffen?“
„Das hat Canterville auch gefragt. Wenn es nach Plan geht, bis Anfang April, aber Mrs Williamson sagte, sie wäre schon froh, wenn Junior noch zwei Wochen durchhielte, mindestens zwei. Jeder Tag zusätzlich ist natürlich ein Geschenk des Himmels. Momentan würde es die Situation von Darcy oder den kleinen Gloucesters geben, vielleicht noch schlimmer. Es wäre also nur mit viel Glück machbar, darum ist es schon besser, wenn Junior noch ein wenig durchhält. Auf Glücksfälle kann man sich so schlecht verlassen. Die Sorgen, die Mary und ihr Gatte und die die Gloucesters hatten, wünsche ich jedenfalls niemandem.“

Beim Nachtgruß fragte Daniel besorgt: „Und was macht ihr, wenn ich nun auch krank werde? Mama ist so krank, dass Papa ihr gesagt hat, er will eine Nurse holen, ob sie das gut findet oder nicht. Ich glaube, ich bleib lieber hier, bis Mama wieder gesund ist. Das darf ich doch, nicht wahr? Ich will nicht auch krank werden.“
„Falls Du wirklich auch krank werden solltest, bleibst Du hier und wir lassen auch eine Nurse kommen, damit Mama eine für sich hat und Du eine für Dich, versprochen. Aber Du wirkst nicht so, als ob Du krank wirst. Woher weißt Du von der Nurse?“
„Mama hat jammernd auf dem Sofa gelegen. So jammer ich auch immer, wenn es mir nicht gut geht, aber nur bei Bauchschmerzen, glaube ich. Dann kam eine Kräuterfrau. Da habe ich nicht gelauscht. War Frauensache, nicht wahr? Als Papa kam, hat er mich ins Spielzimmer geschickt, aber ich habe gelauscht, war ja Familiensache, nicht wahr? Da hat er gesagt: 'Wenn das morgen nicht besser ist, hole ich eine Nurse.' Dann kam er zu mir und sagte, dass ich für eine Nacht oder so zu Euch gehen darf. Nun sind das schon so viele Nächte und Papa hat mich noch nicht abgeholt, also ist Mama immer noch krank, nicht wahr? Kann ich hierbleiben, bis Mama gesund ist?“
„Natürlich kannst Du das!“
Als Daniel beruhigt ins Bett gegangen war, sagte Fitzwilliam: „Das hilft nun mal nichts, wenn es hart auf hart kommt, werden wir eben unseren Aufenthalt hier um ein paar Tage verlängern. Wir können ihn in seiner Verunsicherung nicht einfach hin und her reichen. Und immerhin würde eine Verlängerung ja bedeuten, dass Junior die volle Zeit abgewartet hat.“
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