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Die Darcys auf Pemberley Teil XXVII

von Bihi
Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Charles Bingley Elizabeth Bennet Fitzwilliam Darcy Jane Bennet OC (Own Character)
12.10.2018
30.11.2018
37
58.425
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01.11.2018 1.415
 
Am Montag kam Lady Cavendish zu Besuch. Sie erklärte, dass dies kein Morgenbesuch sei, sondern ein Besuch unter Verwandten, um zu erfahren, wie es auf Gut Longbourn Heights stehe. Sie hatte sich zwar sehr über Emmas Brief amüsiert, war aber besorgt, ob ihre behütete Tochter gut mit der Situation umgehen konnte.
„Milady, seid unbesorgt, Emma ist ihrer Rolle voll und ganz gewachsen. Sie wusste, dass die Damen irgendetwas von ihr erwarteten, ohne eine Andeutung zu haben, was. Da das nun geklärt ist, wird sie die Situation sicherlich im Griff haben“, beruhigte Elizabeth. „Ich gebe zu, dass mich das Verhalten der lieben Besucherinnen auch verwundert hatte. Sie waren mir gegenüber nicht immer zurückhaltend, aber doch respektvoll. Man darf aber nicht vergessen, dass der Neid mir gegenüber, weil ich den reichen Herrn ergattert hatte, bereits abgestumpft war, als ich schließlich Lady Darcy wurde. Bei Emma kam einfach beides zusammen.“
„Ihr habt Mr. Darcy ergattert?“ 'Das kann ich mir nicht vorstellen.'
„So sahen es damals die Mütter und viele der heiratsfähigen Töchter in Longbourn und Umgebung. Tatsächlich habe ich ein Jahr lang meine und auch seine Gefühle geprüft, um sicher zu sein, dass die Entscheidung, die ja schließlich ein Leben lang gilt, die richtige ist. Bei einem 'Ergattern' hätte ich sicher nicht so lange gewartet.“
„Ich danke für diese Anekdote. Jetzt kann ich die Damen, mit denen Emma zu tun hat, besser einschätzen. Ein Jahr der Werbung als Ergattern zu sehen – obwohl doch viele andere Rivalinnen sich sicherlich eifrig bemühten – ist schon eine Geistesleistung.“
Dorothy und Gigi hatten erstaunt zugehört. So lange hatte Mama geprüft? Da hatten sie aber alle Glück gehabt, dass Papa so viel Geduld gehabt hatte, nicht wahr? Dorothy nahm sich vor, Mama zu fragen, ob immer ein Jahr notwendig ist, wenn sie erst einmal den Herrn kennengelernt hatte, von dem sie einen Antrag erhoffte. Gigi hatte diese Überlegungen für sich persönlich nicht. Erst einmal musste sie ja noch ein paar Jahre warten, weil sie nun wirklich zu jung für eine Ehe war. Wenn es dann immer noch Henry James war – und momentan konnte sie sich keinen anderen Herrn vorstellen – fiel die lange Prüfung schon deswegen fort, weil sie sich doch schon immer kannten.

*

Der Abend war wie gewohnt fröhlich und ungezwungen.

Da sowohl Elizabeth als auch Dorothy sich eine Robe für den ersten Hofball mitgebracht hatten, konnten sie auch den Dienstagvormittag in Ruhe genießen. Nun, nicht so ganz in Ruhe, sie machten sich auf den Weg, Emily zu besuchen. Schließlich würde sie ja nach dem Ball wieder nach Hampton Court fahren. Da es ein Antrittsbesuch war, fuhr auch Gigi als debütierte Dame mit, Annie und Arthur sollten mit Fitzwilliam in einer halben Stunde nachkommen, um den Besuch bei einer Verwandten nicht zu verpassen.
Arthur war zwar erfreut, auch im Stadtpalais ein kleines Mädchen zum Kümmern zu haben, war aber der Meinung, dass es mit Agatha ein kleines bisschen mehr Spaß machte. Die kleine Dorothy trubelte noch nicht so richtig. Emily hatte natürlich brieflich von Agathas Trubel erfahren, und erklärte vergnügt, dass sie froh sei, nicht auch einen solchen Frühstarter zu haben.
Gegen drei Uhr waren sie wieder im Stadthaus. Fitzwilliam wollte, dass sein Elfchen sich wirklich genug ausruhen konnte, bevor der erste lange Abend bevorstand. Er war ganz froh, diesen langen Abend mit Gelassenheit erleben zu können. Sicher, er musste ein Auge auf Dorothy haben, aber an die Situation war er inzwischen gewöhnt. Er brauchte sich aber nicht zusätzlich um die Tänzer zu sorgen, die es wagten, seine bezaubernde Gigi aufzufordern.
Auch Arthur war froh, dass Gigi noch nicht mitgehen konnte. Nur mit Annie wäre es doch ein wenig langweilig, nicht wahr? Dann jedoch traf ein wundervolles Billett ein: Isabella Cavendish kündigte an, dass sie sich gerne mit den lieben Verwandten ihrer Schwester unterhalten würde, und ob sie vielleicht zum Tee kommen dürfe? Ihre Mutter hatte befunden, eine solche Selbst-Einladung sei unter Verwandten ausnahmsweise akzeptabel.
Fitzwilliam schrieb sofort zurück, dass es ihm lieber sei, wenn die junge Dame nicht nur zum Tee kommen, sondern auch zum Abendessen bleiben würde. Eine Übernachtungsmöglichkeit sei gegeben.
Die Antwort kam mündlich: Isabella erschien so schnell, dass sie sicherlich nur Zeit zum Lesen und Nachtgewand Einpacken gehabt hatte. Alle Kinder, natürlich mit Arthur, verzogen sich fröhlich schwatzend ins Souterrain. Als sie zum Tee auftauchten, informierten sie die Eltern, dass Isabella mit Annie in einem Bett schlafen würde. Es wäre ja nicht schön, wenn sie, die seit Emmas Hochzeit immer alleine schlafen musste, jetzt nicht die Chance bekäme, auch im Bett noch zu reden.
Arthur sah das ein. Er bedauerte nur, dass er keinen Jungen kannte, der nicht in die Schule ging. Dadurch konnte er niemanden einladen. Ganz schön blöd, wenn man zu klein war, um bei dem Spaß der Großen mitzumachen, und dann wiederum zu groß, um Vorteile zu haben.
Aber auch für ihn gab es eine tolle Lösung: Walter Gardiner kam, um zu fragen, ob Daniel zur Gesellschaft kommen dürfe. Alice ginge es wieder nicht gut. Nein, nicht wegen des Essens am Abend zuvor. Das habe sie sehr genossen. Aber seit einer halben Stunde liege sie im Bett und warte auf Mrs. Williamson, die hoffentlich nicht ihres Amtes walten müsse, sondern Junior noch ein wenig aufhalten könne. Nun ja, Arthur fand die Lösung toll, die Erwachsenen waren sofort in Sorge.
Fitzwilliam bot an: „Daniel kann natürlich kommen. Er soll sein Nachtgewand einpacken und vielleicht etwas von seinem Lieblingsspielzeug. Dann kann er morgen abgeholt werden, oder übermorgen oder so, wann auch immer sich die Situation entspannt hat. Um Deiner Gattin willen bitte nicht früher.“
Erleichtert fuhr Walter wieder ab und kam mit Sohn und Gepäck fast so schnell zurück wie schon vorher Isabella.
Fitzwilliam hatte inzwischen Order gegeben, das kleinere Bett, in dem Arthur seit langem nicht mehr schlief, wieder aufzubauen. Es hatte zwar immer noch den Himmel mit Kamelen und Weide, aber es waren – auf Arthurs Wunsch – schon lange zwei Stangen angebracht worden, sodass es ein richtiger Baldachin war, mit angeschrägten Vorhängen, damit er den Ausgang immer fand.
Da sich ja nun nicht nur Arthur, sondern vor allem Gigi, Annie und Isabella um den kleinen Gast kümmerten, konnten die Erwachsenen ruhig zum Hofball gehen.

*

Der Hofball war glanzvoll. Aber es gab nur zwei Debütantinnen. Die anderen jungen Leute wollten bis zum Osterball warten. Fitzwilliam hatte bisher den Fetten Dienstag ja auch nur gewählt, weil es anders nicht ging. Er hätte allen seinen Kindern den glanzvollen Osterball für das Debüt gegönnt. Geklappt hatte es nie.
Die Damen erklärten in diesem Jahr, dass das Zusammentreffen auf dem Hofball überhaupt nichts mit den Antrittsbesuchen zu tun habe. Das Kaffeekränzchen würde also wie üblich am Freitag erfolgen, das Abendessen dann doch am Donnerstag darauf, nicht wahr? Elizabeth war im Prinzip einverstanden. Sie bat aber darum, das Abendessen am Freitag geben zu können, da ihr erst jetzt auffiel, dass der Donnerstag doch der war, an dem Francis aus der Schule kam. Die betreffenden Damen befragten schnell ihre Gatten, ob der Freitag noch frei sei, da es einen wichtigen Grund gebe, das Essen um einen Tag zu verschieben.
Fitzwilliam raunte unterdessen amüsiert: „Ich hätte nie gedacht, dass meiner Regaldame so etwas passieren kann!“
Elizabeth war verärgert über sich. Da tröstete auch seine Bemerkung nicht sonderlich. Die Damen kamen schnell zurück mit dem Bescheid, dass eine Verlegung selbstverständlich möglich sei.

*

Wieder im Haus ging es natürlich erst einmal für den Abendtrunk in den Salon, und dann verschwand Dorothy zu den Mädchen ins Souterrain. Auch Arthur und Daniel waren noch da. Sie wollten den ersten Bericht Dorothys hören, bevor sie dann in das Jungenschlafzimmer gingen.
Daniel freute sich, dass er nicht alleine in einem Zimmer schlafen musste. Es gab zwar zwei Zimmer mit Betten, aber Arthur hatte ihm das andere Bett in seinem Zimmer angeboten. Es war zwar ein wenig kleiner als die anderen, aber es war kein Babybett, also nur mit einem Gitter, damit die Matratze nicht rausrutscht, und hatte so richtig Himmel und Vorhang wie die anderen Betten auch. War das toll!
Gigi amüsierte sich über das Gitter für die Matratze. Auf die Idee war sie damals nicht gekommen. Sie hatte wohl angenommen, das Gitter sei da, weil Annie noch so klein gewesen war. Natürlich konnte sie sich nicht mehr daran erinnern, aber sie ging davon aus, dass die Familie das immer wieder erzählt hätte, wäre sie auf die gleiche Idee wie Daniel gekommen.
Schließlich wurde ja auch immer wieder erzählt, welches Theater die beiden kleinen Damen gemacht hatten, weil sie ebenfalls in einem kuscheligen Höhlenbett schlafen wollten.
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