Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Die Darcys auf Pemberley Teil XXVII

von Bihi
Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Charles Bingley Elizabeth Bennet Fitzwilliam Darcy Jane Bennet OC (Own Character)
12.10.2018
30.11.2018
37
58.425
13
Alle Kapitel
52 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
31.10.2018 1.718
 
Gigi 'überlebte' ihr letztes Examen mit Bravour. Sie war ungeheuer missmutig, dass sie in Mathematik gut und in Wissenschaft mit sehr gut abgeschnitten hatte. Das nützte ihr doch nicht im Geringsten, da sie nicht studieren konnte!
Allerdings musste sie lächeln, als Arthur ihr Zeugnis gewissenhaft studierte und dann sagte: „Eigentlich ja doof, dass die Deinen Namen draufgeschrieben haben. Sonst würde ich das dann nehmen, wenn meins nicht so gut ist, damit ich damit angeben kann!“
„Arthur, wie soll das gehen? Vom Namen mal abgesehen: Du wirst Fechten und Latein haben. Ich habe Musik, Malen und Französisch, von 'Damenhaftem Verhalten' einmal ganz abgesehen!“
„Hast Recht. Tja, dann muss ich eben doch alleine gut sein!“
Sein Zeugnis war aber auch nicht schlecht. Gut, er war immer noch nicht Bester in Rechnen, aber in Aufsatz hatte er gute Noten und in Lesen ebenfalls. Er war überzeugt, dass er in Gesang sogar sehr gut wäre, wenn das auch für Jungen angeboten würde. Schließlich konnte er seine Arie inzwischen fehlerfrei singen. Die war immer noch der Maßstab aller Dinge – jedenfalls für ihn.
(Als Miss Grant davon erfuhr, auch für sie: Ein Zehnjähriger, der eine Mozart-Arie fehlerfrei singen konnte? Wunderbar! Arthur hatte einmal tatsächlich die beste Rechenarbeit geschrieben und war singend zum Haus der Lehrerinnen marschiert, um das Gigi zu erzählen, die gerade vom Klavierunterricht kam. Miss Grant war begeistert, Mrs. White ebenfalls. Allerdings ließen sie Lady Darcy eine Nachricht zukommen, dass es vielleicht nicht so angebracht wäre, wenn er laut die Verführungsarie aus Don Giovanni singend über das Schulgelände liefe.)

*

Dann waren alle Schulnoten gleichgültig: Es wurde endlich wieder gepackt! Man fuhr so früh wie möglich los, also noch am Sonntag, um dann eine Woche bei Charles und Emma zu verbringen. Damit es für Mr. Bennet nicht zu einsam wurde, zog George mit seiner Familie nach Pemberley. Zum Glück funktionierte Agathas Langzeitgedächtnis noch nicht so gut, sodass sie die fehlenden kleinen Gäste nicht vermisste.
Als am nächsten Wochenende Jane mit ihrer Familie kam, beschlossen sie gemeinsam, die Besuche jedes Wochenende zu machen, damit Agatha sich in dem großen Haus nicht so verloren vorkam.
„Ehrlich, George, wie konntest Du das nur aushalten?“
„Wenn ich richtig gerechnet habe, war ich in Agathas Alter schon nicht mehr alleine. Du bist schließlich nur knapp sechzehn Monate jünger als ich. Und da Du bestimmt babymäßig viel Krach gemacht hattest, fühlte ich mich sicherlich nicht alleine!“

*

Emma war sehr erfreut, Besuch zu bekommen. Erstens schätzte sie die Familie Darcy und zweitens waren dann bereits drei Damen da, wenn die Damen der Umgebung zum Morgenbesuch kamen. Da ließ der Andrang aus Longbourn vielleicht nach.
Das tat er natürlich nicht. Jetzt gab es doch noch weitere adlige Damen, die man besuchen konnte.
Morgenbesuche waren zwar gut und schön und lockerten die Routine, aber Emma hatte immer das Gefühl, dass sie noch auf dem Prüfstand war.
Charles hatte nur gelacht: „Lass die doch prüfen, was sie wollen. Ich habe Dir bereits mein höchstes Gütesiegel verliehen. Die Ergebnisse dieser tratschenden Zunft interessieren mich nicht!“
Emma fühlte sich nicht richtig verstanden und versuchte nicht, es noch einmal zu erklären.

Es dauerte nicht lange, und im Salon waren nicht nur die Darcy Damen und Emma, sondern auch Mrs. und Miss Pierce nebst Schwestern und Mrs. und Miss Averton versammelt.
Die Unterhaltung zog sich ein wenig schleppend dahin, bis Mrs. Averton auf einmal sagte: „Lady Darcy, ich habe gelesen, dass man in London im Adel dem Morgenbesuch üblicherweise Kaffee oder Tee anbietet!“
Der anklagende Ton, der schnelle Blick auf Emma und der bedeutsamere Blick auf den leeren Tisch sagten alles.
„Das kommt vor, stimmt, kann aber nicht als üblich bezeichnet werden.“
„Das sagt Ihr sicher nur, um Eure Schwiegertochter zu schützen!“
Bevor jemand sie bremsen konnte, antwortete Gigi in vornehmem Ton: „Beste Mrs. Averton. Man hat Euch falsch informiert. Kaffee und Tee wird nur bei höherrangigen Damen oder bei sehr guten Freundinnen, die man schon jahrelang kennt, serviert. Erfrischungen nur in den üblichen Zeiten. Ich bin hocherfreut, dass Lady Emma die Regel so strikt anwendet. Ihr solltet Euch in den Büchern zur Etikette und nicht in den Klatschblättern informieren.“
Miss Averton sagte spitz: „Ja, aber Ihr seid doch auch hier.“
„Sicher, aber nicht als Morgenbesuch, sondern als Hausgäste. Das ist ein bedeutsamer Unterschied – in allen Gesellschaftskreisen. Wir hatten Kaffee und Tee beim gemütlichen Plausch beim zweiten Frühstück. So halten wir es in London, wo wir nach den Regeln des Adels leben, und so halten wir es auf Pemberley, wo wir nach den Regeln eines Gutsbetriebes leben. Und es ist doch sehr angenehm, dass es hier auf Gut Longbourn Heights ebenso gehalten wird.“
Miss Pierce und ihre Schwestern unterdrückten mühsam ein hämisches Grinsen. Seit der Hochzeit des jungen Gutsherrn hatte Miss Averton stets im Kreise ihrer Freundinnen betont, dass es ein Unglück wäre, dass diese Lady Emma ihr keine Chance gelassen hätte, denn sie selber könnte besser als alle anderen Damen der Umgebung eine angemessene Gutsherrin sein. Sie wüsste sich wenigstens zu benehmen. Und nun kam der Tadel von einer jüngeren Dame, die sich offenbar in den Regeln besser auskannte? Einfach köstlich! Sie freuten sich schon auf das nächste Zusammentreffen dieser Freundinnen, bei dem sie dann einen gezielten Dämpfer anbringen konnten. Oh, wie schön!!
Die Mütter hatten nicht den Wunsch, den Morgenbesuch weiter auszudehnen. Sie waren froh, dass der offenbar gerechtfertigte Tadel nicht von den lieben Nachbarinnen gehört worden war. Das hätte peinlich werden können. Nach einer knappen halben Stunde empfahlen sie sich. Allerdings setzten sie vor der Tür Mienen auf, als ob sie sehr beglückt über diesen Morgen waren, damit zufällig Vorbeifahrende so richtig neidisch werden konnten.
Emma sagte nur: „Jetzt weiß ich wenigstens, was sie immer erwartet haben. Sie saßen immer nur da und taten, als ob ich der hehren Gesellschaft nicht genüge, ohne dass ich mir vorstellen konnte, was denn ihre Ansprüche waren. Meine Mutter wird ganz undamenhaft lachen, wenn ich ihr das schreibe. Das macht sie immer als Zeichen, dass ihr eine Situation ausnehmend komisch vorkommt. Und ich bin jetzt froh, dass Charles darauf bestanden hat, dass ich hier bei Morgenbesuchen und gesellschaftlichen Anlässen Lady Emma bin. Die würden mich sonst sicher mit jeder Menge unnötiger Ratschläge eindecken wollen.“
Dorothy pflichtete ihr bei: „Diese Nebelkrähen wollen nur beweisen, dass sie die geeigneteren Töchter für die Position einer Gutsherrin haben. Dabei sind die Zeiten längst vorbei, in denen eine Gattin zu repräsentieren und funktionieren hatte – oder umgekehrt – und weiter nichts. Zum Glück zählt heute Liebe.“
„Übrigens Gigi, als Du so geredet hast, kam mir wieder die Szene im Hydepark in den Sinn, Du weißt schon, die mit der Möchte-gern-Dame.“
Gigi kicherte: „Ja, und es ist schade, dass Annie nicht hier ist. Die hätte sicher noch einen draufsetzen können. Nur gut, dass diese Damen nicht wissen, dass man spätestens nach einer halben Stunde eine Erfrischung anbieten sollte, sonst wären die bestimmt länger geblieben.“
Elizabeth sagte mit leichtem Tadel: „Dorothy, man tituliert Nachbarinnen nicht als Nebelkrähen.“
„Mama! Ich wäre nicht verwundert, wenn sie entsetzt das Weite suchten, sollten sie unseren Begrüßungsjubel hören. Da sie nicht fliegen können, würde es sicher lustig aussehen, wenn sie versuchen, Geschwindigkeit mit damenhaftem Gang zu kombinieren.“
Doch, ja, diese Vorstellung war ungeheuer amüsant.
Dann kamen einige andere Damen zu Besuch. Mit denen konnte man viel normaler plaudern. Das war nicht so sehr verwunderlich. Das waren keine Damen, die Lady Darcy noch als Lizzy kannten, sodass die merkwürdige Mischung aus plumper Vertraulichkeit und Respekt vor der Position, die diese Lizzy nun einnahm, fortfiel. Das waren die Großbäuerinnen aus Haggleston, die es sehr angenehm fanden, wie natürlich ihre Gesellschaft von Adligen akzeptiert wurde. Da Longbourn Heights an der Gemarkungsgrenze lag und Haggleston keinen Gutshof vorweisen konnte, ging man gerne zu Lady Emma, die eine wirklich reizende Gutsherrin war. Dieses Gefühl beruhte auf Gegenseitigkeit. Emma ging auch viel lieber zu diesen Großbäuerinnen auf Morgenbesuch.
Als leichter Regen einsetzte, wurden sie eingeladen, doch das Ende des Schauers im Haus abzuwarten. Die Zeit wurde mit Erfrischungen überbrückt, zu denen auch die Herren und Annie erschienen. Arthur war zum Gut Longbourn abgeholt worden, wo er mit William spielen konnte. Am Nachmittag setzte er sich mit zum Unterricht. Er hielt sich zurück, er hörte nur aufmerksam zu, wie der Unterricht war, wenn man nicht in die Schule ging. Er kam zu dem Ergebnis, dass es in der Schule viel schöner sei, aber das verriet er nicht, jedenfalls nicht William. Er wollte ihn nicht traurig machen, weil er keine tolle Schule in der Nähe hatte. In Kympton stellte der Lehrer genau so viele Fragen, aber man musste nicht ständig selber antworten, weil auch einmal andere Kinder etwas sagen wollten und sollten.

*

Die nächsten Tage waren die Besuche, selbst die von den Pierces und den Avertons, angenehmer. Es galt ja zu beweisen, dass man die dezenten Hinweise aufgenommen hatte.
An dieser Veränderung waren die Gatten nicht so ganz unbeteiligt. Als ihnen beim Abendessen eröffnet wurde, wie abscheulich es den Damen bei Gutsherrin Darcy ergangen war, antworteten beide Gatten, dass es doch nicht verwunderlich sei. In ihren Häusern wurde schließlich auch nicht jedem Besucher sofort eine Tasse vorgesetzt, nicht wahr? Lady Emma sei zwar eine Zugezogene, aber immerhin von Adel. Da sei es doch ganz natürlich, dass sie die neuen Nachbarinnen nicht wie höhergestellte Damen behandle, nicht wahr? Gut, in der Summe waren die Hinweise wohl doch nicht so sehr dezent.

*

Am Freitag fuhr Elizabeth mit ihren Töchtern sogar nach Meryton zu Tante Philips. Diese war doch inzwischen schon sehr hinfällig. Sie freute sich zwar über den Besuch, war aber nach knapp einer Viertelstunde so erschöpft, dass der Besuch es vorzog, wieder zu gehen. Auch Onkel Philips wirkte nicht viel belastbarer.
Beim Abschied in der Diele murmelte er leise: „Betet mit mir, dass ich meine Gattin nicht alleine zurücklassen muss. Sie hat doch sonst niemanden.“
In der Kutsche fragte Gigi: „Warum haben sie denn damals kein Kind adoptiert, als die Vorsehung ihnen den Wunsch nicht gewährte?“
„Ich weiß es nicht. Vor mir oder euren Tanten wurde das nicht diskutiert, weil wir doch selber noch Kinder waren.“

Am Sonntag ging es dann weiter nach London. Dadurch hatten Elizabeth und Dorothy noch fast zwei volle Tage zur Erholung, bevor es zum Hofball ging. Na ja, Erholung: Für den Montagabend waren bereits die Windhams, die Markwoods und die Gardiners eingeladen. Anne und George waren auf Rosings.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast