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Die Darcys auf Pemberley Teil XXVII

von Bihi
Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Charles Bingley Elizabeth Bennet Fitzwilliam Darcy Jane Bennet OC (Own Character)
12.10.2018
30.11.2018
37
58.425
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29.10.2018 2.095
 
Mama hatte ihm beim Frühstück erklärt, dass Weihnachten selber nur Heiligabend und der Tag der Bescherung war, aber die Zeit durchaus auch bis zum 6. Januar gelten könne. Arthur befand aber, dass das doch ziemlich doof sei, an Weihnachten zur Schule zu gehen, und lehnte für sich diese Rechnung ab. Auf alle Fälle war er nun gewappnet und wusste, was er schreiben konnte und was nicht. Vorsichtshalber hatte er noch einmal 'Neffe', 'Cousin' und 'Cousine' nachgeschlagen. Mrs. White hatte zwar nur die Wörter korrigiert, sie nicht als Fehler gewertet, aber er ärgerte sich, wenn er etwas falsch schreiben musste, weil er es richtig nicht wusste.

Der Aufsatz hieß nun allerdings 'Mein schönstes Erlebnis in den Ferien'. Er starrte unzufrieden auf sein Blatt. So ein Mist! Wie sollte er denn bei all den schönen Erlebnissen das schönste herausfinden? Nach einer Weile hatte er wenigstens vier Erlebnisse als die schönsten erkannt. Die anderen fingen nun an zu schreiben, und er war immer noch unentschlossen. Dann hatte er eine gute Idee und er schrieb ebenfalls eifrig:

Mein schönstes Erlebnis in den Ferien

Das schönste Erlebnis ist schwer zu erkennen. Es gab so viele davon.
Es war schön, als wir hörten, wie toll meine reizende Nichte Agatha schon bei der Begrüßung mitmachen konnte. Das war für sie schwer, aber schön. Sie ist doch erst im September ein Jahr alt geworden. Aber Lärm machte sie wie ein Schulkind. Richtig Klasse. Wir haben uns alle gefreut. Danach war sie heiser und musste heiße Milch mit Honig trinken, aber das fand sie toll.
Es war auch sehr schön, dass die Ferien dieses Weihnachten so gut anfingen, dass wir Kinder noch vor Weihnachten viel zusammen spielen konnten. Wir sind nämlich zu Weihnachten immer toll viele Kinder und wir haben viel Spaß, besonders, wenn es genug geschneit hat zum Rodeln.
Wir haben zwei Rodelhügel, einen für jeden Tag und einen steilen für besonders großen Spaß. Da haben wir sogar ein Zelt mit heißen Getränken zum zwischendurch aufwärmen.
Noch schöner war, dass ich auf dem steilen Rodelhügel ganz alleine oder mit kleineren Kindern fahren durfte, weil ich schon zehn Jahre alt bin. Ich bin mal mit meinem Cousin Peter gefahren und mal mit meiner Nichte Silvia. Das war unbeschreiblich toll.
Ich glaube aber, am schönsten war die Bescherung. Erst habe ich den kleinen Kindern zugesehen, wie sie sich über ihre Geschenke gefreut haben, Joany hat sich erst nicht so richtig über ihre Schürze gefreut, aber dann hat sie gesehen, dass da Narzissen drauf sind, und dann hat sie geleuchtet gestrahlt vor Freude. Ich glaube, das sind ihre Lieblingsblumen. Dann habe ich mich mit meinem Cousin Peter über unsere Geschenke gefreut. Wir bekamen erwachsene Etuis aus Leder für unsere Stifte und ein Buch über die Jagd auf einem Manor. Eigentlich ist es ja nicht gut, wenn man auf seinem Manor nur Vögel jagen darf. Ich meine, was macht man, wenn eine Rotte Wildschweine kommt? Das habe ich schon zweimal erlebt, und da hilft nur noch Schießen. Aber das kann ich noch nicht. Bei mir hilft nur Hilfe holen, und zwar fix. Und wenn man erwachsen ist und eigentlich schon schießen kann, darf man das nur, wenn man Adliger ist und auf seinem Grund und Boden. Aber ich bin doch der fünfte Sohn, da werde ich bestimmt nie adlig. Peter hat dann gefragt, wie sie das auf ihrem Gut machen, weil sie auch nicht adlig sind. Dann hat sein Vater erklärt, dass man im Notfall selber schießen darf. Und ich weiß, wenn eine Rotte kommt, ist das ein Notfall, und was für einer. Ich glaube, das ist sogar einer, wenn nur ein Wildschwein kommt. Ach so, habe ich ganz vergessen: Auf meinem Etui ist ein Wildschwein reingeritzt, wohl weil ich schon zweimal mit ihnen zu tun hatte. Was Peter auf seinem Etui hat, weiß ich nicht. Ich hab vergessen, ihn zu fragen.
Darum ist das wohl das schönste Erlebnis der Ferien. Die Kleinen sahen so reizend aus in ihrer Freude, ich habe tolle Geschenke bekommen und mir wurde eine schwere Sorge genommen.
Eigentlich gab es noch viel mehr schöne Erlebnisse, aber ich habe die vier schönsten ausgesucht. Nur eines ging nicht, weil mir die Entscheidung zwischen denen so schwer fiel.


Der letzte Satz stimmte nicht so ganz, aber er empfand ihn als nur ein wenig geschwindelt, weil er doch so gerne auch von Agatha und dem Rodeln erzählen wollte. Da konnte er doch wirklich nichts dafür, wenn Mrs. White die unpassende Aufgabe stellte, nicht wahr?

*

Zu seinem Entsetzen fiel der Wochenend-Besuch aus Derby aus. Nach einem Blick auf den Kalender erkannte er aber, dass sie am ersten Sonnabend ja noch da gewesen waren und der Januar sogar wieder einen Sonnabend mehr hatte.

*

Mrs. White las Arthurs Aufsatz vor.
Ein Junge meldete sich.
„Mrs. White, darf Arthur erzählen, wie das mit den Wildschweinen war? Der hat so ein Glück, meine Eltern würden mir das nie erlauben!“
Wenn jetzt nicht nur die Eltern, sondern auch die Lehrerin erklärte, dass das bestimmt kein tolles Abenteuer wäre, würden die Kinder das wohl nicht ohne weiteres glauben. Erwachsene galten ja bei so etwas schnell als Spielverderber. Also ließ sie Arthur erzählen, um zu verdeutlichen, dass es nicht unbedingt ein Glück war, solchen Tieren zu begegnen. Sie fand es besser, wenn er erzählte und die Jungen Nachfragen stellten, als wenn die Jungen von vornherein fragten. Er war sehr methodisch im Erzählen, fast so wie seine Schwester Gigi.
Nein, so ein Abenteuer war doch nicht lustig. Es kamen nur ganz wenige Nachfragen. Eine Frage betraf die Länge der Zähne.
„Also, ganz ehrlich, wenn man sich fix in Sicherheit bringen muss, bleibt man nicht mit einem Yardstick stehen, um die Zähne auszumessen. Aber ich kann mal im Lexikon nachsehen. Vielleicht steht es da drin.“
Annie meldete sich. Sie war ja beim letzten Mal dabei gewesen.
„Die Hauer, also die Stoßzähne, sind ungefähr so lang. (Sie zeigte die Länge, die sie zu erinnern meinte.) Das ist der Teil, der aus dem Maul ragt. Wie lang die Zähne insgesamt sind, weiß ich auch nicht. Jedenfalls mochte ich die Biester nicht auffordern, mal das Maul zu öffnen, damit ich die Zähne bewundern kann.“
Die Schüler waren von der Länge, die ja nicht einmal die ganze Länge war, schwer beeindruckt. Nein, sie waren ihren Eltern jetzt nicht mehr böse, dass sie solche Abenteuer nicht erlaubten. Am meisten imponierte ihnen allerdings, dass auch die damenhaften Gigi und Annie auf einen Baum kletterten, weil die Gefahr so groß war.  
„Warum seid ihr nicht einfach ins Unterholz gekrochen, wie Arthur beim ersten Mal?“
„Arthur hat uns keine Wahl gelassen, wir mussten auf den Baum. Und er hat so gedrängelt, dass wir keine Zeit für Fragen hatten.“
„Ich hatte damals einfach ganz viel Glück. Ich war so dumm, ins Unterholz zu kriechen, weil mir niemand gesagt hatte, dass die Rotten einfach so durch Unterholz brechen. Im Oktober hörte ich den Heger das rufen und hoffte dann, dass es gute Kletterbäume an der Lichtung gab. Schweine können nicht klettern.“
Die Zuhörer, gleich welcher Klassenstufe, nahmen sich vor, im Sommer das Schnell-auf-Bäume-Klettern zu trainieren – nur so zur Sicherheit. Einen Bottich konnte man ja nicht immer mitschleppen, falls er gebraucht würde, aber auch ohne Hilfe auf die Bäume zu kommen war eine gute Idee.

Fitzwilliam kam am nächsten Tag in den Unterricht mit einem präparierten Keilerkopf, einem einzelnen Hauer und einem Yardstick. Er meinte, das würde die Gefahr noch eindrücklicher machen. Er brauchte den Yardstick, um den Kopf in der ungefähr richtigen Höhe zu halten.
Die kleineren Schüler wichen ängstlich zurück, nein, anfassen wollten sie den Hauer nicht. Fitzwilliam redete ihnen nicht gut zu. Je mehr Respekt sie vor den Hauern hatten, desto besser.
Das war zwar kein Englischunterricht, sondern eher Wissenschaft, aber es ging hier um Überleben und nicht um feine Unterschiede der Schulfächer. Mr. Brennan und Mr. Cook hatten ihn mit seinem Gepäck kommen gesehen und unabhängig voneinander die gleiche Idee: Sie beschäftigten die Schüler mit Aufgaben in Geographie und Latein und fingen Lord Darcy auf dem Flur ab, um ihn zu bitten, anschließend auch in ihren Unterricht zu kommen. Sie hatten auch Arthurs Aufsatz gelesen und gingen davon aus, dass wohl noch kein anderer Schüler so ein Tier aus der Nähe gesehen hatte.
Allen Zuhörern wurde eingeschärft, dass sie bei einem solchen Vorfall in Windeseile auf einen Baum klettern mussten – hoch genug, dass die Schweine sie nicht erreichten – und dann um Hilfe brüllen sollten, mit der Anzahl der Wildschweine, sobald sie Retter kommen hörten. Diese Lektion hätte eigentlich schon längst in Wissenschaft erfolgen müssen, da fast jedes Kind im Herbst im Wald Pilze, Kräuter, Eckern und Eicheln sammelte. Es war immer übersehen worden. Nun, wo klar war, dass es Rotten auch in der Umgebung gab und nicht nur auf Pemberley, war sie wichtiger denn je.

Fitzwilliam fragte Mrs. White anschließend, warum sie Arthur diese Sonderstellung gewährt hatte.
„Milord, ich bin mir sicher, wenn ich ihn nicht hätte erzählen lassen, hätten sie ihn in der Pause befragt. Dann hätte es aber sein können, dass sie die Gefahr immer noch verkannten. So konnte ich notfalls eingreifen. Aber Arthur hat seine Abenteuer gut erzählt. Keiner fand sie nachahmenswert. Gigis und Annies Unterstützung machte ebenso Eindruck.“

*

Mitte des Monats kam ein Brief aus York – datiert vom 23. Dezember. Sarah kündigte darin an, dass es wegen der Schneehöhe nicht zu verantworten sei, nach Pemberley zu kommen. Mit Glück – mit sehr viel Glück – würden sie zu Weihnachten zu den Schwiegereltern fahren können, ansonsten eben ein gemütliches Familienweihnachten feiern. Anna könne zwar noch nicht trubeln, aber das sei nun einmal so. George hatte ja anfangs bestimmt auch noch nicht trubeln können, da konnte sie von ihrer Tochter ja keine Wunder erwarten.
Fitzwilliam dachte nur schmunzelnd an seine Enkelin Agatha. Ja, die war ein echter Frühstarter, so früh hatte keines seiner Kinder – oder anderen Enkel – getrubelt.

Am Tag darauf kam ein Brief mit der Beschreibung der doch sehr besinnlichen Weihnachten, die deshalb so sehr zum Genießen waren, weil ihnen dadurch die steifen Yorker Bräuche erspart wurden. Das sei übrigens Tobis Ausdruck gewesen, den sie nur für den Brief 'geliehen' hätte.
Dieses Mal musste Elizabeth schmunzeln, als sie sich das entsetzte Gesicht ihrer Schwester ausmalte, wenn sie diesen Brief las, falls sie den gleichen Text bekam.
Jane war aber nur ganz kurz entsetzt. Dann überwog ihre Erleichterung, dass sie sich von Charles hatte überreden lassen, nicht nach York zu fahren. Wenn die Briefzustellung so lange dauerte, mochte sie nicht daran denken, wie ihre Jungen wohl in die Schule gekommen wären. Das hätte sicher James' Chancen auf ein gutes Diplom gemindert.

*

Fitzwilliam hatte dem Duke of Gloucester geschrieben, aus welchem Grund er seiner Tochter den Osterball gönnte. Dieser schrieb erleichtert zurück: Henry James hatte erklärt, dass er auf Glanz verzichten wollte, wenn seine Gigi auch keinen Glanz auf ihrem Debüt hätte. Er akzeptierte auch nicht den Einwand, dass es nicht um Glanz oder nicht ginge, sondern nur um eine Feinabstufung. Wenn seine Gigi nicht den vollen Glanz erhielt, wollte er ihn auch nicht. Die Duchess brauchte ihr Riechsalz, was aber ihren Sohn nicht rührte. Mit dieser Wendung sei allen geholfen. Die Karten waren bereits beigefügt. Die hatte er besorgt, um seinem dickköpfigen Erstgeborenen zu zeigen, dass alles seine Ordnung habe.

*

Gigi war entsetzt, dass sie erst so spät zu ihrem Debüt bei Hofe kommen sollte. Sie wusste, dass ein Hof-Debüt überhaupt schon eine große Ehre war – aber erst nach den Ferien?? Wer würde dann mit ihr quieken? Annie war doch dann wieder in der Schule!
Sie sagte nichts, aber ihr Papa konnte sich denken, welcher Aufruhr hinter den unwilligen Stirnfalten tobte.
„Gigi, ich kann selbstverständlich auch Karten für den Hofball am Fetten Dienstag bekommen. Kein Problem. Aber das Debüt wirst Du nur einmal haben können. Prinz Henry James hat sehr darum gekämpft, das Debüt mit Dir gemeinsam haben zu dürfen. Du kannst ihm selbstverständlich schreiben, dass Dir egal sei, ob ihr das gemeinsame Erlebnis habt, solange Du nur ganz schnell Dein Debüt bei Hofe hast. Aber ich warne Dich: Ich werde ausnahmsweise Deine Korrespondenz kontrollieren. Sobald es so formuliert ist, dass er versucht sein könnte, wieder Krach mit seinen Eltern zu riskieren, wirst Du Dein Debüt erst mit Annie zusammen haben.“
Gigi sah ihren Vater verwundert an.
„Henry James hatte mit seinen Eltern meinetwegen Krach? Oha. Annie, so leid es mir tut, aber dann werden wir unser Quieken wohl wirklich vertagen müssen!“
Annie nickte ernsthaft: „Und wenn Du jetzt anders entschieden hättest, hätte ich nie wieder mit Dir gequiekt – nicht einmal zu meinem Hof-Debüt!“
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